Previews: Shardlight:

Shardlight - Vorschau


Bis März 2016 soll 'Shardlight' fertig sein. Das postapokalyptische Point&Click-Adventure ist die eine Wadjet Eye Games-Eigenproduktion, die allerdings nicht von Dave Gilbert stammt, sondern von Francisco Gonzalez ('A Golden Wake'). 20 Jahre nach einem Krieg, liegt die Welt immer noch in Trümmern. Nur wenige Glückliche dürfen einen Hauch von Luxus erleben. Allerdings geht die Angst vor einer Krankheit um, die unbehandelt zum Tode führt. Das beschäftigt auch Amy Wellard, die Protagonistin dieses Spiels. Wie zufrieden wir mit den ersten Stunden der Preview-Fassung von 'Shardlight' waren, verrät unsere Vorschau.

 

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Im Würgegriff der Aristokratie

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Amy ist gezwungen, Aufträge für die Regierung zu übernehmen

Es ist schwer zu sagen, wie viele Jahre seit dem Fall der Bomben vergangen sind, der die Welt so drastisch verändert hat. Die Ressourcen sind knapp und die heruntergekommene Umgebung erinnert nur mehr entfernt an das, was einmal war. Die Gesellschaft besteht aus einer kleinen Oberschicht, den Aristokraten, und einer breiten Unterschicht. Dazwischen ist nichts und die sozialen Spannungen liegen auf der Hand. Die abgehobene Aristokratie wirkt ihrerseits wie eine Hommage an das 17./18. Jahrhundert in Europa. Medizinische Versorgung und sonstiger Luxus stellt für sie kein Problem dar, für den Rest hingegen schon. Fatal ist diese Situation deshalb, weil eine schwer Krankheit die Bevölkerung heimgesucht hat, die bereits zahllose Menschen auf dem Gewissen hat...

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Die Kluft zwischen Arm und Reich ist offensichtlich

Amy Wellard kennt kaum ein anderes Leben. Der Krieg liegt gerade einmal 20 Jahre zurück. Seit dem Tod ihres Vaters, ist sie auf sich alleine gestellt und die tödliche Krankheit macht auch vor ihr nicht Halt. Sie hat die Hoffnung auf eine Rettung noch nicht aufgegeben und erfüllt spezielle Aufträge für die Regierung, um Tickets für die Lotterie zu bekommen. Wer gewinnt, bekommt das rar gewordene Gegenmittel zur Verfügung gestellt. Die Zeit drängt allerdings, denn die Symptome werden immer offensichtlicher. Mit ihrem aktuellen Job gerät jedoch etwas ins großes Rollen. Die junge Frau rutscht geradewegs in einen Machtkampf zwischen Aristokratie und einer revolutionären Widerstandsbewegung hinein...


Greifbare Charaktere, schöne narrative Umsetzung

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Amy lernt man im Spielverlauf immer besser kennen

Vom Start weg wird deutlich, wie sehr Francisco Gonzalez diesmal darum bemüht ist, greifbare Charaktere zu erschaffen. Bei ' A Golden Wake', seinem letzten Projekt, war das noch einer der großen Schwachpunkte. 'Shardlight' bietet genug Gelegenheit, um die Protagonistin kennenzulernen und sich auf das ernste Nachkriegsszenario einzulassen. Sei es nun in diversen Gesprächen mit jenen Personen, mit denen sie eine Vorgeschichte verbindet, oder zum Beispiel durch Fotos in der Garage ihres Vaters, in der sie immer noch lebt. Ähnliches kann man über die Welt um sie herum sagen. Je gründlicher man sie erkundet, desto klarer wird Vorgeschichte. Die narrative Ebene stimmt uns bislang jedenfalls sehr zuversichtlich und macht Lust auf mehr.

Kaum Grund zu Meckern gibt auch die Visualisierung. 'Shardlight' ist zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich Ben Chandlers beste Pixel-Arbeit. Hübsch sind desweiteren die Portraits. Viel mehr kann man aus der angestaubten AGS-Engine nicht herausholen, obgleich die Statik mancher Hintergrund-Teile (z.B. Rauchwolken) ab und zu etwas schade ist und eine höhere Auflösung nicht geschadet hätte. Trotz niedriger Grafik-Auflösung mangelt es keineswegs an vielen netten Details und das postapokalyptische Flair kommt überzeugend herüber. Bemerkenswert sind auch die vielen unterschiedlichen Personen, die am Marktplatz herumspazieren und die für eine authentische Stimmung sorgen. Abgerundet wird das Geschehen durch die glaubwürdige Sprachausgabe und die meisten Rollen sind passend besetzt.

Die Preview-Fassung war allerdings noch nicht frei von Bugs. Beispielsweise kam es nach dem Zeichnen eines Codes neben einer Tür vor, dass im Inventar keine Gegenstände mehr benutzbar sind, oder die korrekte Lösung hier nicht gleich akzeptiert wurde. Nichts davon hat uns jedoch vor ein gravierendes Problem gestellt.


Spielerisch solide Kost

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In spielerischer Hinsicht ist 'Shardlight' sehr klassisch geraten

In spielerischer Hinsicht bietet 'Shardlight' kaum Überraschungen. Wenigstens nicht in den ersten drei Stunden der Preview-Fassung, die lediglich einen Teil des fertigen Adventures umfasst. Moralische Entscheidungen gibt es zum Beispiel nur in Ausnahmefällen und im Gegensatz zu anderen Spielen von Wadjet Eye Games konzentriert Francisco Gonzalez sich vorwiegend auf klassische Point&Click-Rätsel. Wir kombinieren dies und jenes, folgen schriftlichen Anweisungen, befragen Personen oder suchen die Umgebung ab (Pixel-Hunting-Momente gibt es so weit aber keine). Ungewöhnlicher Natur ist höchstens das Zeichnen eines Codes. Bislang funktioniert diese Mischung zufriedenstellend, ohne das Rad neuzuerfinden.

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Hier kann es in der Preview-Fassung vorkommen, dass die korrekte Lösung nicht sofort akzeptiert wird

Über weite Strecken bewegt sich der Schwierigkeitsgrad im mittleren Bereich, hält die Hirnzellen also in Bewegung. Allerdings ist nicht jedes Rätsel restlos gelungen und mit den starken narrativen Elementen kann dieser Aspekt bislang noch nicht mithalten. So muss man – die folgen Zeilen, nehmen einen Teil des Rätsels vorweg - einmal heimlich zwei Frauen belauschen. Um das zu erreichen, müssen wir einem Mann in der Nähe beim Füttern von Krähen helfen und dann im nächsten Schritt dafür sorgen, dass dieser einen Teil der Tiernahrung in Richtung eines Eimers wirft. Die Motivation hier zu helfen, ist mehr als dünn gesät, denn die Konsequenz dieser Aktion ist zu Beginn kaum antizipierbar. Dem Mann hilft man eher aus Sympathie, nicht etwa weil es für das aktuelle Ziel von Nutzen scheint...

Noch sind Macken dieser Art verschmerzbar, denn bis zum Release dauert es noch ein paar Wochen. Es bleibt jedoch abzuwarten, was das komplette Adventure noch zu bieten hat. In Summe überwiegt dank der spannenden Geschichte der sehr gute Eindruck.


Galerien

Fazit:

Wertung: Sehr gut

Wer das postapokalyptische Szenerio von 'Fallout 4' recht interessant findet, aber dem spielerischen Konzept wenig abgewinnen kann, ist bei 'Shardlight' eventuell an der richtigen Adresse. Die Chancen stehen jedenfalls gut, dass es sich zu den Hits von Wadjet Eye Games hinzugesellt. Sowohl die Story, als auch die Charaktere haben mich schnell gepackt und ich freue mich darauf, bald zu erfahren, wie es nach dem Ende der Preview-Fassung mit Amy Wellard weitergeht. Das allein sagt mehr als genug über die Qualität dieses Point&Click-Dramas aus. Wenn es zu diesem Zeitpunkt etwas zu kritisieren gibt, dann wohl am ehesten, dass die Rätsel-Kost wenig Risiko eingeht. Gelegenheit zum Knobeln und Nachdenken gibt es aber oft genug. Vielversprechend.

geschrieben am 17.01.16, Matthias Glanznig

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