Was bisher Geschah
| Doc und Marty entwickeln sich zu Gegenspielern. | Die Geschichte beginnt etwa ein Jahr nach den Ereignissen im dritten Teil. Marty sorgt sich um Doc Brown, der seit geraumer Zeit sein Anwesen nicht mehr besucht hat. Als plötzlich der DeLorean ohne Fahrer, dafür aber mit einer Nachricht von Doc, vor Martys Nase auftaucht, vermutet dieser den Doc in Schwierigkeiten. Er reist zurück ins Jahr 1931, wo Doc Brown im Gefängnis festsitzt. Nach einem erfolgreichen Ausbruch ist für Marty allerdings noch längst nicht Feierabend. Unter anderem muss er sich mit einem an sich selbst zweifelnden jungen Doc, einer zweiten Version seiner selbst und der boshaften Edna Strickland herumschlagen. Unglücklicherweise hat der Doc sich nämlich in die Dame verliebt und ihre verbohrten Ansichten sind für Docs zartes, kreatives Gemüt überhaupt nicht förderlich. Marty kehrt zunächst in ein alternatives 1986 zurück, das stark an Orwells berühmte Vision eines totalitären Überwachungsstaates erinnert und in dem ein manipulierter Doc die Einwohner Hill Valleys im Namen der Wissenschaft zu braven, aber gefühlslosen Untertanen gemacht hat. Natürlich steckt in Wirklichkeit Edna Strickland dahinter. Marty gelingt es, den Doc aus ihren Klauen zu befreien und kehrt ins Jahr 1931 zurück. Der junge Doc darf nicht mit Edna anbändeln und muss sich auf seine Liebe zur Wissenschaft besinnen. Es deutet alles auf einen Showdown während der Hill Valley Science Expo hin...
Doc und Marty
| Marty ist ein schlechter Beifahrer. | Eigentlich kennt man Doc Brown und Marty McFly als ein unzertrennliches Team. Aber seit dem vierten Kapitel scheint die Freundschaft zu bröckeln. Doc missfallen Martys harsche Versuche den jungen Emmet und Edna auseinander zu bringen. Obwohl er am eigenen Leib das katastrophale Ergebnis ihrer Beziehung erlebt hat, empfindet er immer noch Sympathie für Edna. Und schlimmer: Doc vermutet, Marty sei nicht um Docs Wohlergehen besorgt, sondern handle aus selbstsüchtigen Motiven. Das vierte Kapitel endet mit einem wütenden Doc Brown der anscheinend zu gemeinsamer Sache mit Edna Strickland bereit ist. Der Fokus liegt daher im letzten Teil auf der Beziehung zwischen den beiden alten Freunden. Können sich Doc und Marty wieder zusammenraufen, oder treibt Edna Strickland endgültig einen Keil zwischen die Beiden?
Rätsel als Mittel zum Zweck
| Wer verbirgt sich wohl hinter diesem gar wunderlichen Helm? | Die Kritik an zu simplen Rätseln, an schlichtem Design der Aufgaben und äußerst spartanischem Einsatz der Gegenstände, die man nicht miteinander kombinieren und nur in geringer Anzahl finden kann, ist für diejenigen, die schon einen der Tests zu den anderen vier Kapiteln gelesen haben nichts neues. Das Spiel krankt daran und schafft es auch im letzten Teil nicht etwas an diesem großen Manko zu ändern. Vielmehr setzt 'Back to the Future' die Rätsel als Mittel zum Zweck ein, die Story voran zu treiben. Das ist für ein Adventure-Spiel natürlich traurig und zuweilen tödlich und zwar genau dann, wenn die Story auch niemanden mehr interessiert.
Gott sei Dank haben sich die Schreiber das beste für den Schluss aufgehoben. Das vierte und fünfte Kapitel sind unterhaltsam und daher in der Lage den Spieler für die paar Stunden bei Laune zu halten. Der letzte Teil schafft dies durch die interessante Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren. Um sie herum verstrickt sich die Story in ein relativ verworrenes Gerüst aus alternativen und parallelen Zeitstrahlen, das zu wenig im Kontext mit den vorigen Episoden steht. Das dritte Kapitel im alternativen 1986 beispielsweise erweist sich als komplett obsolet und steht nach Beendigung der ersten Staffel als Tiefpunkt fest. Aber auch andere Elemente wie Nemesis Biff Tannen, können nicht überzeugend in der Katharsis verarbeitet werden und bleiben Stückwerk in einem nur teilweise überzeugenden Computerspiel.
Michael J. Fox macht alles wieder gut – Umgang mit dem schweren Erbe
| Er ist es tatsächlich: der echte Marty McFly! | Christopher Lloyd hat Doc Brown zu einem Kultcharakter gemacht. Seine ausladenden Gesten und seine „präzisen“ One-Liner definieren den verrücktesten, cleversten und liebenswertesten Wissenschaftler der 80er Jahre. Aber 'Back to the Future' wäre nicht die Kultinstanz die es heute ist ohne Michael J. Fox’ Interpretation des ewig coolen Losers Marty McFly. So war es ein wenig schade, dass Fox für das Spiel nicht für die Synchronisation seiner Figur zur Verfügung stand, obwohl seine Vertretung ihm wirklich zum Verwechseln ähnlich klingt. Umso ergreifender ist deswegen sein Auftritt im letzten Teil der ersten Staffel. Zu viel sollte über seinen Gastauftritt nicht verraten werden, aber er hinterlässt auf jeden Fall Eindruck.
Fox’ Mitwirken im letzten Teil (übrigens der Grund, warum Folge 5 so lange auf sich warten ließ) ist aber nicht der einzige Punkt, der Telltale bei der Umsetzung der berühmten Vorlage wichtig war. Dem Team lag viel daran, das sogenannte „Look & Feel“ der Filme auf die Spiele zu übertragen. Das ist aber nur bedingt gelungen. Das Auftauchen aus dem Film bekannter Figuren, die Musik, die dem berühmten Soundtrack sehr ähnelt und an vielen Stellen einige Cues vom Original ausleiht und die großen, eindrucksvollen Kameraschwenks samt oft genutztem V-Setup (zwei Kameras bei einer Dialogszene, jeweils hinter der Schulter der beiden „Schauspieler“), das alles sind kleine Verbeugungen vor der beliebten Filmtrilogie. Aber da wo ein Film unterhält weil die Geschichte, die Charaktere und die Handlung spannend und interessant sind, muss ein Spiel der Spieler abholen und mit in das Geschehen einbeziehen, sonst wird das Spiel schnell langweilig. Bei einem Shooter wären es abwechslungsreiche Gegner, wechselnde Szenerie und Adrenalin fördernde Action, die den Spieler bei Laune halten. In einem Adventure sind es Rätsel und die Möglichkeit, eine fremde Umgebung zu erkunden. Beides kommt in 'Back to the Future' viel zu kurz.
Die Rätsel sind über weite Strecken zu einfach und selten clever in die Story eingebaut. Die Welt ist zu steril und winzig. Zwischen verschiedenen Orten hin und her reisen kann man fast nie. Meistens ergibt sich daher die Situation: du bist jetzt hier, löse dieses Rätsel, dann geht es weiter. Das ist dann lediglich Abarbeiten einer Aufgabenliste und macht wenig Freude. Schade, denn die bissigen, teils wirklich witzigen Dialoge sind von einer viel besseren Qualität als das Gameplay drum herum und hätten in einem besseren Spiel wesentlich mehr Wirkung gezeigt.
| Ein als Action-Sequenz getarntes Mini-Game. | Um das schnelle Tempo der Filme ins Spiel zu übersetzen, wurden in mehreren Situationen die Rätsel in eine Actionszene verpackt. Im letzten Teil muss Marty zum Beispiel die Energie des Fluxkompensators von einer Zeitmaschine in einer andere umleiten. Da die Zeitmaschine ein Delorean ist, muss er das während einer wilden Fahrt machen und hängt, ganz wie im Film, auf dem Hoverboard am Wagen. Diese Action-Sequenzen in ein Adventure-Spiel einzubauen ist eine nette Idee, aber wenn die Rätsel dumm sind, hilft es auch nicht viel. Überraschenderweise passt das darauf folgende Minigame in Form eines Geschicklichkeitstests wesentlich besser zur Actionszene. Da fragt man sich, ob Telltale lieber mehr davon hätte einbauen sollen, obwohl solche Minispiele in Adventures ja meistens von den Spielern verflucht werden.
So fällt es einem manchmal schwer die positiven Aspekte des Spiels in vollem Umfang zu genießen. Da wo die Story in den ersten drei Teilen noch zu schwammig ist und auch aufgrund der Kürze der einzelnen Episoden nie wirklich abhebt, da passt sie in den letzten beiden Episoden wirklich gut, auch wenn das Ende ein wenig zu verworren wirkt. Die Story der ersten Staffel vermittelt Werte und wartet mit einem tiefgehenden, ernsten Konflikt zwischen den beiden Protagonisten auf, der im dritten Teil der Filmtrilogie nur äußerst oberflächlich angefasst wird. Die Cut-Scenes im Spiel sind überwiegend spannend und unterhaltsam. Nur manchmal sind sie ein bißchen zu lang. Dann merkt man, dass die Macher sich nicht immer im Klaren darüber waren, ob sie ein Adventure-Spiel oder eine Computer animierte Serie machen wollen.
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