Previews: eXperience112:

eXperience 112


Wenn die französischen Entwickler Lexis Numérique ein Adventure basteln, erwartet uns immer etwas ganz Besonderes. Schon mit 'In Memoriam' gelang es, ein Spiel zu präsentieren, dass zwar ein Adventure war, aber irgendwie auch ganz anders als alles bisher da gewesene. Seinerzeit bestand die Aufgabe darin, einen Serienmörder aufzuspüren. Das ging jedoch nicht in klassischer Point & Click Manier vor sich. Vielmehr war schon die CD, auf der das Adventure ins Haus kam, Bestandteil des Spiels. Die CD war der Polizei von dem Serienmörder zugespielt worden und enthielt jede Menge Rätsel und Minispiele, die zum Teil nur mithilfe einzelner spezieller Internetseiten gelöst werden konnten. Doch selbst, wenn man das Spiel gerade einmal nicht spielte, ließ es nicht nach. Der Serienmörder schickte Mails auf ein zuvor angegebenes reales E-Mail Konto. Jetzt macht sich Lexis Numérique, zusammen mit Daedalic auf, das Genre wieder einmal neu zu erfinden. Wir konnten schon einen ersten Blick auf das außergewöhnliche Projekt werfen und berichten davon in unserem Preview.


Das Spiel startet noch recht gewöhnlich, in einem Intro folgen wir einem Vogel, der an einer Steilküste entlang fliegt. Schon bald kommt ein großer Tanker in Sicht. Doch das dieser Tanker auf den Strand aufgelaufen ist, ist nicht das einzig merkwürdige an dem Schiff. Vielmehr verwundert, dass überall Bäume und Sträucher wachsen. Direkt auf den stahlplatten des Schiffes findet sich eine Vegetation, wie man sie eher in einem unberührten Wald vermutet. Noch bevor wir uns richtig an den Anblick gewöhnt haben, landen wir auch schon in der Kommandozentrale, von der wir ab sofort nur noch den Monitor sehen. Sofort erkennt man, dass auch 'eXperience112' kein herkömmliches Adventure ist, denn wir steuern keinen Charakter im Herkömmlichen Sinn. Wie schon in 'In Memoriam' sind wir selbst der Hauptcharakter des Spiels und unser PC übernimmt die Aufgabe der Kommandozentrale eines gigantischen Überwachungssystems. So sehen wir Lea Nichols, der wir in dem Spiel zur Hand gehen sollen, auch nicht in einer gewohnten Adventuresicht, sondern durch eine Überwachungskamera.


Ist jemand da draußen?

Lea liegt auf dem Bett, angeschlossen an einen Tropf. Als sie erwacht, liest sie in einem Brief, dass sie überlebt hat. Was und warum bleibt vorerst im Dunklen. Als nächstes entdeckt sie, dass die Überwachungskamera läuft. Misstrauisch versucht sie, das Schiff auf eigene Faust zu erkunden. Dabei stellt sie schnell fest, dass irgendwie alles verändert ist, überall sind Pflanzen und generell sieht alles ziemlich verwüstet aus. Lea versucht nun, mit der Person hinter der Kamera Kontakt aufzunehmen, also mit uns. Dafür muss zuerst einmal das Intranetsystem des Tankers gestartet werden, was nach Eingabe eines Passworts auch schnell geschafft ist. Da wir nicht mit Lea sprechen können, bleiben nur die Kameras um unsere Antworten zu übermitteln. Ob wir ein Mitglied der Crew sind, möchte sie wissen. Wir bewegen die Maus hin und her und schütteln so die Kamera: Nein. Lea ist erstaunt, denn eigentlich sollte doch niemand sonst von dem Projekt gewusst haben? Alternativ hätten wir mit der Kamera auch eine Nickbewegung ausführen können, dann hätte sich Lea allerdings bald gewundert, dass wir das System nicht bedienen können. Egal, wie man sich am Anfang entscheidet, als nächstes steht eine Einweisung in die Bedienung des Systems an. Lea erklärt uns, wie wir die Bereichskarte benutzen, wie einzelne Kameras umgeschaltet werden und verabredet eine einfache, aber wirkungsvolle Steuerungsmöglichkeit: Wir entscheiden, was Lea untersuchen soll und schalten Ihr dort das Licht ein. Lea hingegen erzählt uns, was sie wo findet und hält über verschiedene Computerterminals eine ToDo-Liste für uns auf dem Laufenden.


Ferngesteuert

Durch diese indirekte Steuerung haben wir zum Teil gewisse Vorteile, so ist es uns beispielsweise möglich, hinter verschlossene Türen zu sehen. Gleichzeitig bringt das den Nachteil, dass wir jede Umgebung per Kamera aufs Genaueste untersuchen müssen und Lea unseren Willen aufzwängen müssen. Anfangs geht das auch noch recht einfach: Licht an und Lea läuft los. Sind zu viele Lichter in ihrem Sichtfeld eingeschaltet, passiert hingegen nichts und Lea bleibt stehen. Dann hilft nur, alle Lichter ab- und nur das Licht im Zielgebiet einzuschalten. Problematischer wird die Steuerung dann, wenn Anstelle von Lea beispielsweise ein Roboter gesteuert werden muss. Das Spiel schaltet dann auf eine direkte Steuerung um, in unserer Leitzentrale wird ein zusätzliches Steuerungsfeld eingeblendet. Das Problem: Wenn die Kamera auf den Roboter montiert wurde, sieht man nur einen kleinen Bereich vor dem Roboter. Den restlichen Weg muss man mithilfe der Überwachungskameras finden. Da immer nur drei Kameras gleichzeitig angezeigt werden können, endet das Vorhaben schnell an einer Mauer oder in einer wilden Klickorgie, in der man sich die richtigen Kameras zurechtsuchen muss.


Password: Hydroxid-Oxydrin


Robotereinsätze werden beispielsweise dann erforderlich, wenn ein Raum eine zu hohe Hydroxid-Oxydrin Konzentration aufweist. H-O ist der Stoff, an dem auf dem besagten Tanker geforscht wurde. Das Problem: Nur in kleinen Dosierungen scheint der Stoff für Menschen ungefährlich zu sein, ja sogar positive Wirkungen sollen beobachtet worden sein. Ist die Dosierung hingegen zu stark, droht der Tod. Natürlich ist die Armee daran interessiert, den Stoff für ihre Zwecke zu nutzen. Aus diesem Grund sind alle Forschungsergebnisse streng geheim und auch viele Räume sind durch Codes gesichert. Einige Codes kennt Lea schon selbst, Andere hingegen müssen erst auf Code-Karten oder in persönlichen Dateien des Intranets gefunden werden. Diese Dateien sind natürlich auch wieder mit Benutzernamen und Kennwort gesichert.


Adventure oder Simulation?

'eXperience112' könnte auch glatt als Simulation durchgehen, solch einen realistischen Eindruck macht das Überwachungssystem in Kombination mit dem Intranet und den verschiedenen Zugriffsrechten. Das Problem dabei: Die Rätsel beschränken sich meist darauf, das richtige Passwort herauszufinden oder den richtigen Weg für Lea zu finden. Vor Allem Letzteres kann schon recht nerven. Beispiel gefällig? Lea steht in einem Raum, in dem die Beleuchtung defekt ist. Zum Glück stehen überall Terminals herum, die einen kleinen Bereich erhellen können. Also klickt man sich auf der Übersichtskarte von Terminal zu Terminal, während man per Kamera mit Nachtsichtfunktion Lea dabei beobachtet, wie sie sich vorantastet. Das Problem: Obwohl das nächste Terminal in Laufrichtung eingeschaltet wird, bleibt Lea stehen. Per Kamera wissen wir auch, dass Lea das Terminal sehen kann. Dennoch möchte sie erst in eine andere Richtung gehen, um dann das schon vorher geplante und jetzt erneut eingeschaltete Terminal endlich zu erblicken und ihren Weg so fort zu setzen, wie wir es geplant haben. Dabei soll die Übersichtskarte eigentlich helfen. Wenn aber zu viele Objekte darauf angezeigt werden, wird’s schnell unübersichtlich. Glücklicherweise hat das auch der Entwickler erkannt und eine Möglichkeit eingebaut, mit der man die angezeigten Objekte auswählen kann.


Überwachungstechnik

Lexis Numérique setzt bei 'eXperience112' voll auf 3D Grafik. Davon sieht man bis zu drei Ansichten gleichzeitig, je nach gewählter Kamera ist das Bild auch einmal unscharf oder es kommt zu Bildstörungen. Die sind natürlich nicht real oder Fehler im Spiel, sondern gewollt. So schafft es Lexis Numérique auch, eine glaubhafte Atmosphäre zu erzeugen. Die Spielgrafik macht auch keinen schlechten Eindruck, auch wenn sie etwas Pixelig daherkommt. Die Zwischensequenzen, in denen man etwas über die Geschichte von Lea erfährt, sind nett gut gestaltet, laufen aber nicht in der Spielgrafik ab. Stattdessen wird ein vorgerendertes Video eingespielt. Die Vertonung durch die Synchronsprecher macht einen guten Eindruck, speziell im Zusammenhang mit der Steuerung, denn Lea reagiert auf die Aktionen des Spielers. Wartet man zu lange, fragt sie beispielsweise, was passiert ist oder beginnt an sich selbst zu zweifeln. Reagiert man schnell und verfolgt sie immer rechtzeitig mit der Kamera, bekommt man ein Lob. Leider ist Lea ansonsten recht unselbstständig, was sich nicht in Problemen mit der Steuerung niederschlägt. Jeder Raum muss mit den zur Verfügung stehenden Kameras untersucht werden. Es helfen zwar Zoom- oder Nachtsichtfunktion, einige Objekte lassen sich aber trotz dieser Hilfsmittel nur schwerlich finden. Da Lea diese Objekte nur dann findet, wenn sie direkt davor steht, bedeutet das einige Klickarbeit.


Galerien

Fazit:

Wertung: Gut

Die Spiele von Lexis Numérique sind immer etwas schwer einzuschätzen. Zwar war 'In Memoriam' etwas völlig Neues und konnte viele Spieler überzeugen, die sonst nicht unbedingt zu Adventures greifen würden. Einige gestandene Adventurespieler hingegen lehnten das Spielprinzip ab. Mit 'eXperience112' könnte es ähnlich werden. Sicherlich ist es irgendwie ein Adventure. Die völlig ungewohnte indirekte Steuerung macht das Spiel stellenweise aber unnötig kompliziert. Wenn dann einmal direkt gesteuert werden darf, wird das Spiel leider auch nicht einfacher zu Bedienen. Dennoch bleibt auch viel Positives, denn ein solches Spiel gab es noch nie. Es kann auch mal interessant sein, gar nichts zu unternehmen und Lea zu beobachten, wie sie einem Nervenzusammenbruch immer näher kommt. Irgendwann möchte man ihr dann aber doch wieder helfen und spürt förmlich die Erleichterung. Auch die Geschichte verspricht einiges an Spannung. Ob diese Faktoren aber auch für ein komplettes Spiel ausreichen, konnten wir Anhand unserer Testversion noch nicht feststellen. Aus diesem Grund ist auch eine Einschätzung des Spiels noch sehr schwer. Falls Lexis Numérique die direkte Steuerung noch etwas verbessert und vielleicht einen Kantenglätter einbaut, wäre zumindest von der technischen Seite nichts mehr gegen einen Kauf einzuwenden. Das völlig neue Spielsystem wird aber sicher auch so seine Anhänger finden. Wir warten jedenfalls gespannt auf ein weiteres ungewöhnliches Spiel von Lexis Numérique.

geschrieben am 18.10.07, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
Windows Vista / XP
Pentium IV mit 2GHz oder höher
GeForce 6 mit 128 MB oder höher
DirectX 9 kompatible Soundkarte
DVD-Laufwerk
DirectX 9
1,5 GB freier Festplattenspeicher
Offizielle Homepage


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Dieses Preview gehört zu  eXperience112.




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