Reviews: Treasure Island:

Treasure Island


Piratengeschichten gehören ganz offensichtlich zu den Lieblingen des Adventure-Genres. Kein Wunder, gilt doch Robert L. Stevensons Roman 'Die Schatzinsel' als Urvater der Piratengeschichten und ist einer der wichtigsten klassischen Abenteuerromane. Da ist es fast ein Wunder, dass es so lange gedauert hat, bis sich mit Radon Labs ein Entwicklerteam an den Stoff gewagt hat. Zwar gab es bereits Spiele, die sich mit dem Stoff befassten, zuletzt das Kheops-Adventure 'Neue Abenteuer auf der Schatzinsel', doch noch nie zuvor durfte der Held Jim Hawkins selbst durch die ursprüngliche Geschichte gesteuert werden. Wie es sich auf einem Piratenschiff lebt können wir zwar nicht sagen. Im Test verraten wir aber immerhin, wie gut das Spiel geworden ist.


Bristol, im Jahre 1769

Der Weisenjunge Jim Hawkins hält sich mit dem Wirtshaus seiner verstorbenen Eltern mehr schlecht als recht über Wasser. Da zieht eines Tages der alte Seemann Bill Bones ein. Bill´s gesamte Besitztümer scheinen sich allesamt in einer großen Kiste zu befinden, die er wie seinen Augapfel hütet. Doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse. Noch bevor Jim sich eine der vielen Geschichten aus Bills Seefahrerleben anhören kann, erhält dieser einen schwarzen Fleck, ein unter Piraten gefürchtetes Zeichen. Bedeutet es doch, dass sich die gesamte Mannschaft gegen den Empfänger verschworen hat und dieser im schlimmsten Fall mit seinem baldigen Ableben zu rechnen hat. Bill nimmt sich dieses Zeichen so sehr zu Herzen, dass er stirbt, noch bevor ihn die Piraten antreffen. Natürlich ist auch Jim gespannt, worauf es denn die Piraten abgesehen haben und findet im Nachlass eine Schatzkarte. Mit seinen Freunden Dr. Livesey, dem Friedensrichter Trelawney und seiner hübschen Tochter Antoinette begibt sich Jim nach Bristol, wo ein Schiff nebst Mannschaft gefunden werden muss. Schnell steht fest, dass aus der ursprünglich geplanten Geheimhaltung nichts geworden ist. Die ganze Stadt weiß von der Schatzkarte, die den Weg zum sagenhaften Schatz des Piratenkapitäns „Captain Flint“ zeigt. So ist es kein Wunder, dass sich jede Menge zwielichtiger Gesellen der Schatzsuche anschließen. Die wollen freilich erst gefunden und überredet werden, was Jims Aufgabe ist – und somit die des Spielers. Warum auch nicht, im Urvater der Piratenadventures 'Monkey Island' hat das schließlich auch geklappt.


Inseln in 3D

Die Zeit, die seither vergangen ist, hat natürlich jede Menge technische Neuerungen gebracht, beispielsweise die 3D Grafik. 'Treasure Island' zeigt hier eindrucksvoll, dass auch Point & Click Adventures den Schritt problemlos wagen können. Verantwortlich für die Darstellung einer wirklich lebendig wirkenden Welt ist die hauseigene Nebula-Engine, die auch schon im DSA-Rollenspiel 'Drakensang' zum Einsatz kam. Um der dreidimensionalen und sehr detaillierten Welt Leben einzuhauchen, lässt Radon Labs Einwohner durch Bristol torkeln, Lagerarbeiter Schiffe beladen, Möwen durch die Luft fliegen und Katzen durch die Straßen schleichen. Wirklich überall und immer ist etwas los. Dank Motion Capturing sehen sogar die Bewegungen der Einwohner realistisch aus. Natürlich sind mit der Engine auch Echtzeitbeleuchtung und Schatteneffekte möglich, die auch oft gezeigt werden. Einen grafischen Overkill im Positiven Sinne erzeugt 'Treasure Island' beispielsweise, wenn über das Schiff ein Sturm hereinbricht und Jim sich auf Deck zu Antoinette durchkämpfen muss. Die Kamera schwankt mit dem Schiff, Blitze zucken über den Himmel und immer wieder schlagen Wellen über das Deck. Noch nie gab es in einem Adventure eine realistischere Gischt, nie fühlte man sich nur bedingt durch die Grafik zu mehr Hektik getrieben als an dieser Stelle.

Leider wird der hervorragende Eindruck der Grafik etwas geschwächt, wenn die Protagonisten den Mund aufmachen. Denn Lippensynchron sind die Dialoge leider nicht. Dafür stimmt aber die Qualität der Sprachausgabe. Obwohl bewusst auf bekannte Stimmen verzichtet wurde, passen alle Sprecher hervorragend zu ihren Charakteren und hinterlassen einen frischen und unverbrauchten Eindruck beim Spieler. Auch die Geräuschkulisse kann sich hören lassen. Ob die Musik in der Kneipengasse, Wellenrauschen und Möwenkrächzen am Hafen oder Sturmböen mit Gewitter auf hoher See – alle Geräusche können überzeugen und schaffen eine dichte Atmosphäre. Der stimmungsvolle aber unaufdringliche Soundtrack trägt sein Übriges dazu bei.

Die Point & Click-Steuerung funktioniert auch in der dreidimensionalen Welt sehr gut, nur selten hat man mit Problemen bei der Wegfindung zu kämpfen. Ansonsten findet sich auch in der Bedienung von 'Treasure Island' alles, was ein modernes Adventure braucht. Angefangen von dem schnellen Bildwechsel per Doppelklick und der Möglichkeit, den Helden rennen zu lassen ist bis zur optionalen Hotspothilfe alles an Board. Interaktionen mit Personen und Gegenständen werden Standesgemäß mit den beiden Maustasten durchgeführt. Fährt man mit dem Mauszeiger über Hotspots, werden die möglichen Aktionen neben dem Cursor angezeigt.


Vom Roman zum Rätsel

Bei Romanvorlagen ist es natürlich immer schwer, gescheite Rätsel in die Geschichte einzubinden, da vielen Spielern die Geschichte bekannt ist. Radon Labs ist das in 'Treasure Island' dennoch recht gut gelungen. Zwar finden sich unter den Rätseln keine Kopfnüsse, die Lösungen liegen entweder auf der Hand oder sind mit wenigen Überlegungen schnell gefunden. Trotzdem sind die Aufgaben abwechslungsreich und reichen von Dialog- über Kombinationsrätsel bis hin zu Irrgärten im Dschungel. Allerdings hätte 'Treasure Island' noch einige solch guter Rätsel mehr vertragen können, speziell in den letzten Kapiteln lässt die Rätseldichte doch arg zu wünschen übrig. So verkommt das Spiel am Ende eher zu einem interaktiven Hörspiel, bei dem der Spieler fast nur noch die richtigen Sätze auswählen muss. Schade, denn gerade auf der Insel hätte noch einiges an Rätseln eingebaut werden können. Ein fortgeschrittener Spieler wird daher nicht viel länger als fünf Stunden benötigen, bis der Abspann über den Monitor läuft, Anfänger dürften etwas länger benötigen. Damit trotz der geringen Rätseldichte nie die Übersicht verloren geht, führt Jim ein ausführliches Tagebuch, in dem der Fortschritt der Geschichte sowie wichtige Zeichnungen vermerkt werden.


Galerien

Fazit:

Wertung: 80%

'Treasure Island' hätte ein Meilenstein werden können. Die Geschichte überzeugt und die Umsetzung des Romans in ein Adventure ist Radon Labs gut gelungen. Die bekannte Romanvorlage wurde etwas abgeändert und mit Antoinette eine neue Figur eingeführt, auch das Ende wurde den veränderten Gegebenheiten angepasst. Kenner werden die Geschichte dennoch wieder erkennen und keinen wichtigen Teil vermissen. Die Grafik gehört zum Besten, was dreidimensionale Adventures bisher auf Monitore zauberten, der Sound überzeugt. Das einzige Manko von 'Treasure Island' ist die Spielzeit. Für einen Preis von rund 40 Euro sind fünf Stunden Spielzeit einfach zu wenig.

geschrieben am 28.05.08, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
Mindestens:
P4 2 Ghz
512 MB RAM
ATI 9600 oder vergleichbare
3,5 GB Festplattenspeicher
Windows XP SP2

Empfohlen:
P4 3GHz
2 GB RAM
GForce 6800 oder höher
3,5 GB Festplattenspeicher
Windwos XP SP2 oder Windows Vista
Offizielle Webseite
Trailer im Adventure Corner Videoplayer


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Dieses Review gehört zu  Treasure Island.




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