Reviews: The Abbey:

The Abbey


Der Kirchenthriller 'The Abbey' von Alcachofa Soft und Crimson Cow ist zwar schon einige Wochen im Handel, hatte aber Anfangs mit massiven Fehlern zu kämpfen, die das Spielen erschwerten und in einigen Fällen unmöglich machten. Crimson Cow stoppte daraufhin die Auslieferung und bot neben einem Patch auch allen Käufern einen kostenfreien Umtausch auf eine fehlerfreie Version an. Auch uns hat man erst eine Version zukommen lassen, als die Fehler behoben waren. Diese Version haben wir dafür umso genauer unter die Lupe genommen. Ob wirklich alle Fehler behoben wurden – und viel wichtiger – wie das Spiel geworden ist, erfahrt Ihr in unserem Test.


Am Anfang war der Fels…

Leonardo de Toledo und Bruno treffen bei der Abtei ein

… und zwar ein ganz Gewaltiger! Leonardo de Toledo, seines Zeichens Mönch und sein jugendlicher Novize Bruno sind auf dem Weg in die entlegene spanische Abtei Nuestra Senora de Vuelta, wo Bruno in den Orden aufgenommen werden soll. Auf dem steilen und engen Bergpass hinauf zur Abtei löst sich plötzlich der eben schon angesprochene Felsbrocken. Nur knapp können sich Leonardo und Bruno vor dem herabstürzenden Gestein retten. Doch war da nicht ein Schatten? Richtig vermutet: Jemand hat etwas gegen den Besuch der Beiden und hat der Schwerkraft nachgeholfen. Noch schlimmer: Als Täter kommt nur einer der Mönche der Abtei in Frage. Doch das ist nicht das einzige Problem. Kaum angekommen wird Leonardo de Toledo darüber informiert, dass vor kurzem ein Mönch der Abtei ums Leben gekommen ist – unter gar merkwürdigen Umständen. Leonardo, dem der Ruf seiner detektivischen Spürnase vorauseilt, wird mit der Aufklärung des Unfalls betraut. Fortan widmet er sich der Befragung der anderen Mönche, die an eine Tat des Leibhaftigen selbst glauben und erkundet das Innere der Abtei. Doch die Zeit läuft und es geschehen weitere ungeklärte Todesfälle.

Mönch Umberto

Wenn man über die Geschichte von 'The Abbey' redet, wird auch meist im selben Atemzug 'Der Name der Rose', ein Roman von Umberto Eco, erwähnt. Sicher, 'The Abbey' hat eine große Ähnlichkeit zu dem Roman. Es aber als Versoftung desselben abzutun, wird dem Spiel nicht gerecht, dafür gehen die Änderungen zu weit. Dennoch werden Kenner des Romans die eine oder andere Parallele im Spiel von Emilio de Paz finden. Die Verneigung vor dem Werk des italienischen Schriftstellers geht dann sogar so weit, dass der Übersetzer der Abtei ebenfalls den Namen Umberto trägt und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem echten Umbero Eco aufweist.


Licht und Schatten

Kamerafahrten, Zooms und Schnitte sorgen für Kinofeeling

'The Abbey' ist zu großen Teilen ein wahrer Augenschmaus. Kinoreif sollte das Spiel werden. Das hatte uns zumindest Emilio de Paz auf der Games Convention im letzten Jahr versprochen. Erreichen wollte er es durch Kamerafahrten, Schnitte, Zooms und Nahaufnahmen. Eine Spielszene oder ein Raum wird also nicht nur aus einer statischen Perspektive gezeigt. Während sich Bruno und Leonardo durch einen Szene bewegen, zoomt das Spiel an die Location heran, ohne dabei unscharf oder Pixelig zu werden. Geht der Spieler zurück, fährt auch die Kamera wieder in die Totale zurück. So wird auch geschickt kaschiert, dass die Hintergründe nicht ganz so detailliert vorliegen, wie es in anderen Comic-Adventures der Fall ist. Auch in den vielen Gesprächen wurde versucht, Kinoatmosphäre einzufangen. Wie man es von der großen Leinwand kennt, wechselt auch hier die Kamera stetig den Blickwinkel, zeigt mal alle beteiligten in der Totalen, mal nur einzelne Köpfe der Redner oder Reaktionen der Zuhörer. Durch diese vielen Schnitte, die man eigentlich nur aus Dreidimensionalen Spielen kennt, war es notwendig rund 1000 Hintergründe für die ca. 40 Räume anzufertigen. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Natürlich weckt das gezeigte auch Begehrlichkeiten. So hätten die Kamerafahrten und Zooms auch gern öfter eingesetzt werden können. Ein paar weitere Animationen hätten den Hintergründen ebenfalls nicht geschadet.

Immer im rechten Licht: Leonardo und Bruno

Die Figuren sind dreidimensional und werden in Echtzeit animiert, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht so aussehen. Dank überzeugendem Cellshading passen sie sich hervorragend in die Hintergründe ein. Dass die Figuren wirklich dreidimensional sind, erkennt man am Besten, wenn sie von einer Lichtquelle angeleuchtet werden. Dann nämlich gibt es Licht und Schattenwurf auf den Mönchskutten. Natürlich wurden die Figuren auch für Nahaufnahmen detailliert genug modelliert, so dass sie auch bei Gesprächen überzeugen können.

Übrigens bietet 'The Abbey' eine Unterstützung für fast jede Auflösung, auch Besitzer von Widescreen-Monitoren wurden nicht vergessen.


Himmlischer Soundtrack

Leonardo findet immer die passenden Worte

Es hat sich gelohnt, für die Einspielung des von Emilio de Paz selbst komponierten Soundtracks das City of Prague Philharmonic Orchestra zu engagieren, denn nichts anderes als ein großes Orchester hätte diesen Soundtrack einspielen können. Multitalent Emilio hat für jede Stimmung, für jeden Ort und für jede Zwischensequenz in 'The Abbey' eigene Lieder geschrieben, deren Klänge wirklich immer Hundertprozentig passen. Ob Kirchenmusik mit Männerchören oder sanfte Musik – überall erwartet uns ein Klangerlebnis, das die Stimmung des Spiels hervorragend ergänzt.
Die Sprachausgabe lässt ebenso keine Wünsche übrig. Alle Sprecher machen ihre Sache sehr gut. Besonders hervorzuheben wäre allenfalls der Sprecher von Hauptcharakter Leonardo, dem es gelingt, zwischen erzieherischen, ernsteren Töne sowie vor Sarkasmus strotzenden Kommentaren problemlos zu wechseln und dabei immer absolut überzeugend zu bleiben. Leider stimmt das gesprochene Wort einige Male nicht mit dem angezeigten Untertitel überein, die Sprachausgabe macht aber immer mehr Sinn.


Das geht nicht

Die Töpfchenproblematik

Solch eine Sorgfalt wie bei der Akustik und Grafik hätte man sich von Alcachofa Soft auch bei den Rätseln gewünscht. Zwar bietet 'The Abbey' solide Adventurekost, dennoch erscheinen einige Rätsel als zu konstruiert. Leonardo muss beispielsweise einen mit Wachs versiegelten Topf öffnen. Die naheliegenste Aktion, nämlich das Wachs einfach an einer Flamme zu schmelzen, wird vom Spiel zurückgewiesen. Auf die Idee, das Wachs mit Wasserdampf zu lösen kommt mancher Spieler freilich erst nach einigem mit Frust verbundenen Ausprobieren. Überhaupt hört man in solchen Fällen von Leonardo sehr oft dieselbe Standartaussage „Das geht nicht“. Selbst, wenn man des Rätsels Lösung schon sehr nah ist, gibt es keine Hinweise darauf. Leider lässt das Spiel den Spieler aber auch sonst manchmal im Unklaren darüber, wie es denn weitergehen könnte. Woher soll man auch ahnen, dass ein Schmied einen Kompass haben möchte, um uns einen Gefallen zu tun? Leonardo erwähnt immerhin die „fehlende Orientierung“ in einem Nebensatz.
Überhaupt können sich Spurensucher, die vielleicht sogar ein Fable für 'CSI' oder vergleichbare Ermittlungsmethoden hegen, ihr mühsam angesammeltes Wissen gleich am Eingang der Abtei abgeben. Einen Tatort untersuchen? Warum denn? Gut, das Tatwerkzeug, eine Schaufel nehmen wir mit. Aber nur, um sie später ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen, wenn es ein Loch zu Buddeln gibt. Fingerabdrücke? Spuren sichern? Ach wo, alles Zeitverschwendung, schließlich wartet ein ewig hungriger Mönch auf seine Suppe. Dennoch machen die Rätsel Spaß, auch wenn hier ein Großteil möglicher Krimirätsel einfach fehlt. Mit Ausnahme eines Schieberätsels bietet 'The Abbey' die schon erwähnte, übliche Rätselkost, die in diesem Fall überwiegend aus Inventarrätseln besteht. Das Inventar zu füllen ist nicht so leicht, wie bei anderen aktuellen Spielen, denn eine Funktion zum Anzeigen von Hotspots fehlt gänzlich. Die Rätseldichte nimmt zur Mitte des Spieles zu, um dann in der letzten Stunde fast gänzlich aufgegeben zu werden. Hier gilt es eher, Dialoge zu führen und Leonardo in Zwischensequenzen bei der Auflösung des Falls zuzusehen.

Dank der Karte werden Laufwege gespart

Die Steuerung von 'The Abbey' greift wie auch die Rätsel auf bekannte Adventurestandards zurück. Per Linksklick geht Leonardo durch die Abtei und schaut sich Gegenstände an, ein Rechtsklick startet eine Aktion. Welche das ist, ist von vornherein festgelegt. Zwar weigert sich Leonardo, zu rennen. Da aber eine Karte zur Verfügung steht , ein Raumwechsel per Doppelklick möglich und die Abtei nicht besonders groß ist, stört das nicht weiter. Einzig ungewohnt ist die Inventarsteuerung. Leonardo legt alle gefundenen Objekte auf zwei großen Kirchenfenstern ab und hält für jedes Objekt genau einen ganz bestimmten Bereich der Fenster bereit. So kommt es, dass die zuletzt gefundenen Gegenstände nicht ganz hinten im Inventar liegen, sondern irgendwo zwischen den Anderen abgelegt werden. Mit ein wenig Sucherei findet man aber dennoch alles wieder. Von der auf der letztjährigen 'Games Convention' gezeigten Tastatursteuerung ist im fertigen Spiel leider nichts mehr zu sehen – aber wer will ein Point & Click auch ernsthaft mit der Tastatur steuern?


Bugs? Fehlanzeige!

Nein, wir haben immer noch keine großen Fehler endtdeckt


Was Crimson Cow mit 'The Abbey' passiert ist, sollte dank ausführlichem Betatesting eigentlich nicht mehr möglich sein. Passiert ist es leider trotzdem und Crimson Cow hat alles getan, um die Fehler so schnell wie möglich zu beheben. Dazu gehörte unter anderem ein Auslieferungsstopp und das kostenfreie Tauschen der verbuggten DVDs. Inzwischen ist die überarbeitete 'Second Edition' im Handel erhältlich, die auch für unseren Test als Grundlage diente. Wir haben das Spiel auf die bekannten Fehler getestet und können mitteilen, dass sich viel getan hat. Während des Spielens gab es keinen einzigen Absturz, weder unter 'XP' noch unter 'Vista', wo auch die Installation problemlos lief. Das Problem der doppelt belegten Inventarplätze und der defekten Speicherstände scheint ebenfalls behoben. Crimson Cow und Alcachofa Soft haben es also geschafft, die großen Probleme zu beseitigen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 78%

'The Abbey' hätte ein wirklich herausragender Kirchenthriller werden können. Doch für die Spitzengruppe der Krimiadventures fehlt dann leider doch etwas. Da gehört es einfach dazu, einen Tatort zu untersuchen. Sicherlich kann man sich auch als Suppenträger betätigen, aber die eigentliche Ermittlungsarbeit kommt in 'The Abbey' zu kurz. Dennoch bietet 'The Abbey' eine interessante Handlung, die dank geschickter Wendungen auch einige Überraschungen bereithält. Krimifreunde sollten also trotzdem einen Blick auf das Spiel werfen, auch wenn durchaus mehr aus dem Stoff hätte werden können. Die gute Grafik sowie der opulente Soundtrack entschädigen aber für so manche Schwäche im Rätseldesign.

geschrieben am 17.07.08, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 98SE/ME/2000/XP/Vista
CPU 1,4 GHz
RAM 1 GB
3D Grafikkarte mit min. 128 MB RAM
DirectX kompatible Soundkarte
5 GB freier Festplattenspeicher
DVD-ROM
Crimson Cow
Offizielle Homepage
Trailer im Adventure Corner Videoplayer


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