Reviews: Space Madness:

Space Madness


Independent- oder Fanadventures stehen den großen Vorbildern mittlerweile oftmals in nichts mehr nach. Ganz besonders spiegeln sie die Leidenschaft unabhängiger Entwickler wider, die ohne den großen finanziellen Erfolgsdruck ihrer Kreativität weitaus häufiger einfach freien Lauf lassen können. So entstehen dann nicht selten Spiele, die trotz eingeschränkter Möglichkeiten stattdessen mit Charme und Einfallsreichtum zu überzeugen wissen. 'Space Madness' versucht ebenfalls in dieser Sparte Unterschlupf zu finden und schickt uns dazu mit teils seltsamen Charakteren und für knapp 5€ auf eine weite Reise ins Weltall. Doch ob sich dieser Abstecher auch lohnt?


Verrückter Professor will Macht über das Universum - die tausendste

Professor Marty versucht die Macht im Universum zu übernehmen. Und nur einer kann ihn aufhalten...

Die Reise beginnt in einer unbekannten Galaxie des Universums mit der Geschichte rund um ein merkwürdiges Raumschiff und einen unförmigen Klumpen Müll, der sich auf direktem Sinkflug zu einem tristen Wüstenplaneten befindet. Neben mehr oder weniger gewöhnlichen Alltagsgegenständen sticht aus diesem Müllhaufen ein großes, gelbes und eckiges Etwas heraus, was zunächst noch auf eine einäugige Mischung aus Bernd das Brot und Spongebob Schwammkopf vermuten lässt. Doch schon bald entpuppt sich dieses Ding als...naja als etwas Großes, Gelbes und Eckiges eben. Jedenfalls handelt es sich dabei um Ed, den Hauptcharakter in 'Space Madness', der selbst gar nicht so recht weiß, wie er Teil des Müllbergs wurde und was er nun nach der harten Landung auf dem sandigen Planeten überhaupt verloren hat. Ganz unbewohnt scheint dieser zumindest nicht zu sein, weshalb sich doch mit Hilfe der Bewohner sicherlich schnell eine Antwort finden lassen sollte. Nichtsahnend, dass das Universum zur gleichen Zeit bereits in höchster Gefahr schwebt und Ed die einzige Hoffnung ist, den verrückten Professor Marty von seinem groß angelegten Experiment abzubringen, welches verheerende Auswirkungen auf alles haben könnte, was wir kennen. Doch der Reihe nach...

Keine Macht den Drogen

Ed mag vielleicht etwas unscheinbar wirken, doch eine freie Zukunft liegt einzig auf seinen eckigen Schultern.

Nach der Ankunft kann sich Ed in altbewährter 2D-Grafik erst einmal mit seiner neuen Umgebung vertraut machen. Über die Wüstenoberfläche bis hin zu einem unterirdischen Pizza-Lokal umgeben von einem Lava-Strom muss ein Weg zurück auf das Raumschiff von Professor Marty gefunden werden. Dabei täuscht der erste Eindruck nicht. Die Hintergründe fallen nicht nur auf dem Wüstenplaneten, sondern eigentlich über den gesamten Spielverlauf hinweg weitestgehend spartanisch, aber dafür mit kräftigen Farben aus. Auch bei späteren Ausflügen zu weiteren entlegenen Planeten oder dem bereits erwähnten Raumschiff zeigen sich die Szenen stets mit einem gewissen Maß an Einfachheit und klaren Strukturen sowie geradlinigen Konturen. Obwohl der einfache Stil mit der kargen Umgebung durchaus seine Freunde finden mag, hätten ein paar mehr Details oder feinere Farbübergänge sicherlich für etwas mehr Atmosphäre sorgen können.

Auf seinem Abenteuer begegnet Ed vielen merkwürdigen Kreaturen. Nicht alle sind allerdings besonders redselig.

Zumindest aber leiden die vielen Nebencharaktere in der Gestaltung, trotz allenfalls minimalistischer Animationen, keinesfalls unter Ideenreichtum. So begegnet Ed von tintenfischartigen Wesen und lebendigen Türen bis hin zu "sprechenden" Kakteen zahlreichen ausgefallenen Kreaturen, Mutanten und sonstigen Lebensformen, die zunächst originelle Hintergrundgeschichten versprechen. Doch genau da ist diese Abwechslung dann aber auch genauso schnell wieder dahin, wie sie gekommen ist. Die Charaktere lassen ebenso wie die eigentliche Geschichte rund um einen Wissenschaftler, der die Macht im Universum an sich reißen möchte, jeglichen Tiefgang vermissen. So verraten auch die Dialoge beispielsweise nie mehr über die Vergangenheit eines Charakters, als für das bloße Weiterkommen auch wirklich notwendig ist.

Space Madness setzt den Schwerpunkt stark auf seine humoristische Komponente.

Stattdessen versucht 'Space Madness' die oberflächliche Handlung mit Humor wieder ein wenig auszugleichen, was mal mehr, mal weniger gut gelingt. Zumindest falls man sich an Anspielungen auf Filme, Bücher oder wie so häufig alte Adventure-Klassiker noch nicht satt gesehen hat, dürfte man das ein oder andere Mal auf seine Kosten kommen. Andererseits sorgen diese für selten mehr als nur gelegentliche Schmunzler, was auch daran liegt, dass viele Anspielungen mittlerweile einfach in die Jahre gekommen und schon etliche Male in ähnlicher Form dagewesen sind. Mehr eigene und innovative Ideen hätten die eigentliche Prise Salz in der Suppe sein können. Diese sind zwar vorhanden, positiv herauszuheben etwa ein bizarrer Spielabschnitt unter dem Einfluss der Droge Placebo, könnten aber als eigentliche Stärke von 'Space Madness' für zukünftige Fortsetzungen gerne noch weiter ausgebaut werden.

Der Kandidat erhält 100 Punkte

Über das Anhäufen von Punkten sowie über sammelbare Objekte können zusätzliche Bonus-Wallpaper freigespielt werden.

Auch hinsichtlich der Bedienung bleibt vieles recht klassisch und schnörkellos, womit 'Space Madness' eigentlich alles richtig macht. Lange Laufwege des Hauptcharakters können bei Szenenwechseln vermieden werden, indem ein Doppelklick am jeweiligen Ausgang ein direktes Umschalten zum nächsten Ausschnitt ermöglicht. Generell findet die Interaktion stets nur mit den beiden Maustasten statt, wobei ein Linksklick eine bestimmte und kontextsensitive Aktion ausführt und ein Rechtklick zum Betrachten von Objekten verwendet wird. Auf die Art werden wie gewohnt Gegenstände eingesackt, die daraufhin in einem am unteren Bildschirmrand aufpoppenden Inventar zu finden sind und fleißig kombiniert werden dürfen, um die mitunter verrücktesten Gegenstände herzustellen. Ein ständiges Ausprobieren von denkbaren Kombinationen zahlt sich aus. So kann auf diese Weise ein mitlaufender Punktestand erhöht werden, der zu einer besseren Bewertung zum Spielende führt und über den, ebenso wie über das Auffinden versteckter Smileys in der Umgebung, Boni wie etwa Wallpaper freigeschaltet werden können.

Mit einem Tanz-Minispiel wird die übliche Spielmechanik ein wenig aufgelockert.

Vor allem zeigt sich beim Rätseldesign aber der spürbare Einfluss der schlichten Umgebungsgrafik. Zwar richtet sich das Spiel laut Entwickler ohnehin eher an Einsteiger, doch die nur äußerst rar gesäten Hotspots pro Bildschirmausschnitt machen es schon beinahe zu einfach, zur richtigen Lösung zu gelangen, da die wenigen interaktionsfähigen Objekte aus dem kargen Hintergrund recht schnell hervorstechen. Falls eine Lösung dennoch einmal nicht direkt offensichtlich erscheint, liegt das eigentlich eher an fehlenden Hinweisen, welche Aufgabe oder wie genau diese nun überhaupt als nächstes zu erledigen ist. Das sind dann auch die wenigen Momente, die das Ende noch ein wenig herauszögern, welches bereits nach ungefähr zwei bis drei Stunden über einen hereinbricht, aber Spielraum für weitere Ableger lässt.

Als kleine Abwechslung wartet neben den gewöhnlichen Sammeleien und Objektkombinationen im späteren Spielverlauf ebenfalls ein mehrmals wiederkehrendes Minispiel darauf, bewältigt zu werden, indem sich der Spieler vorgegebene Tanzkombination einprägen und diese daraufhin über Richtungsangaben selbstständig wiedergeben muss. Eine Möglichkeit für Minispiel-Allergiker, die Tanzeinlagen zu überspringen, existiert dabei allerdings nicht.

Spiel an, Ton aus!

Die Hintergründe bleiben auch im späteren Spielverlauf recht trist.

Wenn sich ein gelegentlich dem Spiel beiliegender Soundtrack darüber freuen darf, beim Spieler ein paar Runden in der Stereo-Anlage drehen zu dürfen, dann wurde bezüglich der musikalischen Unterstützung eigentlich alles richtig gemacht. Und dann gibt es Titel wie 'Space Madness', bei denen man bereits nach wenigen Minuten entnervt im Menü nach dem Lautstärkeregler sucht. Das liegt nicht einmal daran, dass die Musik durchgängig und grundsätzlich schlecht wäre. Über weite Strecken fällt sie weder besonders negativ noch positiv auf. Doch dann trifft man wiederum auf Abschnitte, in denen die Hintergrundmusik allerhöchstens noch den Geschmack hartgesottener Fans elektronischer Musik treffen dürfte, wohingegen sich alle anderen mit einem schwer erträglichen und repetitiven Gedudel konfrontiert sehen. Und genau diese Stellen schreien förmlich danach, den Gehörgang zu schonen und die Lautstärke im Optionsmenü bis auf ein Minimum herunterzudrehen. Der Grund dafür wird spätestens im Abspann offensichtlich, denn zur musikalischen Unterstützung wurde ausschließlich auf lizenzfreie Stücke zurückgegriffen. Das ist zwar nicht zwangsläufig schlecht, bei einem solchen Schritt sollte die Auswahl aber entsprechend sorgfältig getroffen werden.

Aus nachvollziehbaren Gründen verzichtet 'Space Madness' darüber hinaus auf eine Sprachausgabe. Dass es auch ohne geht, haben nicht nur zahlreiche Klassiker, sondern auch jüngst Spiele wie 'What Makes You Tick' sehr schön unter Beweis gestellt. In der Konsequenz wird etwas mehr zum Lesen aufgefordert, wobei die Texte nicht sonderlich ausschweifend und damit für Lesemuffel auch nicht zu anstrengend sind. Allerdings fehlt es der deutschen Übersetzung, auch ohne gleich Grammatik- oder Rechtschreibpapst zu sein, an Feinschliff. Dies ist nicht nur daran zu erkennen, dass gelegentlich Hotspots noch immer mit englischsprachigen Beschreibungen ausgestattet sind, sondern auch an einigen Fehlern in den deutschen Dialog-Texten.


Galerien

Fazit:

Wertung: 54%

'Space Madness' hätte eigentlich eine nette, kleine Science-Fiction-Story sein und sich damit recht deutlich gegenüber anderen Adventures positionieren können. Doch leider ist die gesamte Geschichte einfach belanglos und uninspiriert, so dass der Titel ohne irgendwelche Besonderheiten auch nicht aus der Menge der Independent-Adventures herausstechen kann. Ein gewissenloser Professor, der mit Experimenten die Macht im Universum an sich reißen will, ist schon längst ein sehr alter Hut. Vergebens wird nach dramaturgischen Wendungen oder einer ausgeklügelten Hintergrundgeschichte gesucht. Nicht einmal die Charaktere machen Entwicklungen durch oder zeigen interessante Persönlichkeiten auf, die erforscht werden wollen und damit ausreichend motivieren könnten. Die Rätsel sind zwar bis auf wenige fragwürdige Ausnahmefälle in Ordnung, aber im Grunde zu leicht zu durchschauen und somit allerhöchstens für Gelegenheitsspieler eine Herausforderung. Einzig der recht spezielle Humor, falls man denn mit ihm warm wird, ist ein Anreiz, sich doch bis zum Finale durchzuknobeln. Mit handlungskomplexeren und schlichtweg spannenderen Titeln wie 'Gemini Rue' oder 'What Makes You Tick' kann, aber möchte 'Space Madness' auch gar nicht mithalten. Stattdessen präsentiert es sich viel eher als leicht verdauliche Kost für die Mittagspause oder den Feierabend und sollte für diejenigen, die genau dies suchen, zumindest einen Blick auf die kostenlose Demo wert sein.

geschrieben am 10.03.12, Andreas Baumann

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