Reviews: Nibiru - Der Bote der Götter:

Nibiru - Der Bote der Götter


Mit 'Black Mirror' schuf Unknown Identity eines der wohl besten Adventures der letzten Jahre und da ist es dann nicht weiter verwunderlich, dass wir alle gleich ganz ungeduldig werden, wenn ein neues Spiel der tschechischen Spieleschmiede angekündigt wird. In diesem Falle trägt es den Namen 'Nibiru - Der Bote der Götter' und ist nicht nur inhaltlich sehr weit von Samuel Gordons Abenteuer entfernt...


Alten Aufzeichnungen zufolge existiert in unserem Sonnensystem ein zwölfter Planet - in der sumerischen Kultur wird dieser "Nibiru" genannt und stellenweise gar als Ursprung des menschlichen Lebens gesehen. Während des zweiten Weltkriegs suchten nun, wir sind wieder im Jahr 2005 in einem Computerspiel, auch angeblich die Nazis nach eben diesem Planeten, dessen Geheimnisse letztendlich sogar den Krieg entscheiden sollten. Dummerweise jedoch drangen die Alliierten schneller vor als erwartet und so gingen alle Erkenntnisse in den unendlichen Weiten düsterer Tunnelsysteme verloren.
Erst mehr als 60 Jahre später werden diese Tunnel wiederentdeckt - sie sind nämlich beim Bau einer Autobahn im Weg. Der französische Professor Francois de Wilde, der ein unerklärliches Interesse an "Nibiru" hat, bekommt Wind von der Sache und ruft seinen Neffen Martin Holan, seines Zeichens Archäologiestudent, zu sich in die Villa. Klar, der alte Mann möchte, dass wir uns mit Martins Hilfe ein wenig in Tschechien umsehen, auch wenn die anfänglichen Informationen, die wir erhalten, nur recht spärlich ausfallen...
Recht schnell deutlich wird hingegen, dass es scheinbar noch mehr Personen dort draußen gibt, die ein Faible für alte Nazi-Geheimprojekte haben. Denn ist ja schon etwas auffällig, wenn die Kontaktperson, die Martin in Prag treffen sollte, ermordet wird, oder? Nun, mit diesem schrecklichen Bild im Hinterkopf schlurft unser Protagonist also fortan durch Tschechien, Frankreich und schließlich sogar Mexiko. Immer auf der Suche nach... ja, nach was eigentlich? Das weiß er genau genommen eigentlich selber nicht so richtig und vermutlich interessiert's ihn auch kein Stück.

Wie langweilig

Denn, bringen wir's auf den Punkt: Martin Holan hat in etwa so viel Charisma wie ein Mülleimer. Er läßt sich nicht nur kommentarlos überall hinschicken ohne auch nur einmal nach dem Grund zu fragen, nein, beim Anblick einer Leiche kommt ihm nicht mehr als ein süffisantes "Oh" über die Lippen und Interesse an ausschweifenden Dialogen hat er schon gar nicht. Und auch die anderen Charaktere bieten wenig Möglichkeit dazu, sich mit ihnen zu identifizieren - zu unwichtig ihre Rollen, zu undurchsichtig ihr Handeln. Da hilft's dann auch nicht viel weiter, dass die Gesamtatmosphäre in der ersten Hälfte des Spiels sogar wieder ein wenig 'Black Mirror'-Gefühl aufkommen läßt, was sich jedoch leider schnell wieder legt.
Einen richtigen Vorwurf kann man dem guten Martin aber eigentlich auch gar nicht machen: In weniger als zehn Stunden Spielzeit bleibt nun mal leider kein Platz für großartige Charakterentwicklungen und tiefschürfende Gespräche. In der Tat fällt auf, dass 'Nibiru' nur sehr wenige Dialoge bietet, die sich dann meist auch lediglich auf das Wesentliche beschränken. Freunde von Small Talk kommen also nicht ganz auf ihre Kosten.

Die Frage ist doch...

Woran liegt's, dass der Funke nie so recht überspringen mag? An der Synchronisation vielleicht? Nein, die ist, wie von dtp gewohnt, erneut sehr gut ausgefallen. Sicherlich auch Dank namenhafter Besetzungsliste mit den deutschen Stimmen von Matt Damon und den drei 'King of Queens'-Hauptdarstellern Doug, Carrie und Arthur. Die musikalische Untermalung ist sicher auch nicht Schuld, auch wenn ich mir für die Zukunft noch ein paar mehr atmosphärische Hintergrundklänge wünschen würde.
Ist's die Grafik? Nein, auch nicht. Zwar sind die wenigen vorgerenderten Zwischensequenzen alles andere als atemberaubend, die Animationen der Charaktere wie schon in 'Black Mirror' eher hölzern, aber insgesamt sieht 'Nibiru' grafisch recht ordentlich ist. Dafür sorgen in erster Linie die detaillierten Hintergründe in der Auflösung 1024*768, die mit verschiedenen Wetter- und Lichteffekten zum Leben erweckt werden.
Die oftmals angepriesenen 3D-Charaktere wissen hingegen nicht gänzlich zu überzeugen. Gegenüber Samuel Gordons Abenteuer ist da natürlich ein Fortschritt zu erkennen, jedoch wirken Martin Holan und Co. etwas polygonarm, was im Kontrast zu den Hintergründen natürlich nicht sonderlich positiv auffällt.

Was wirklich wichtig ist

Bei einem Adventure zählen neben der Story, den Charakteren und den technischen Inhalten aber vor allem die Rätsel. Und die schwanken, wie beinahe alles in 'Nibiru', zwischen mäßig bis gut. Von den schon oft gesehenen Schieberätseln abgesehen, stimmt vor allem der Schwierigkeitsgrad nicht wirklich. Kaum eine Knobelei benötigt mehr als ein paar Minuten um erledigt zu werden, was nichts anderes bedeutet als: Anfänger können sich über schnelle Erfolge freuen, während alte Genre-Veteranen hinter den einfachen Rätseln einen Trick vermuten werden - ganz getreu dem Motto "das kann doch nicht alles sein?". Schade auch, dass 'Nibiru' seinem Untertitel gegen Ende des Spiels alle Ehre macht. Ob Martin jetzt ein Götterbote ist, mag ich gar nicht beantworten, bei UPS wäre er aber sicherlich auch gut aufgehoben.
Einzig die Steuerung weiß vollends zu überzeugen. Das Inventar befindet sich am unteren Bildschirmrand, das Hauptmenü am oberen, während die linke (Interaktion mit der Umwelt) und die rechte Maustaste (Betrachten der Umgebung) die von ihnen gewohnten Funktionen zuverlässig ausführen.

Platzfragen

'Nibiru' wird in einer Pappschachtel ausgeliefert, in der sich wiederum eine DVD-Hülle mit zwei CDs befindet. Nach der Installation des Spiels beanschlagt der Titel deutlich mehr als zwei Gigabyte Speicher auf eurer Festplatte.


Galerien

Fazit:

Wertung: 74%

Na klar, ich bin schon von 'Nibiru' enttäuscht. Wer wie Unknown Identity mit 'Black Mirror' eines der besten Adventures der letzten Jahre schuf, kann doch jetzt nicht auf einmal mit einem Spiel unseren Weg kreuzen, das nichts Halbes und nichts Ganzes ist. Sicher unterhielt 'Nibiru' mich in den wenigen Stunden, die ich für's Durchklicken benötigte, dennoch fällt es mir sehr schwer, eine uneingeschränkte Kaufempfehlung auszusprechen. Anfänger sind mit dem Titel auf jeden Fall gut bedient, alte Hasen sollten sich aber lieber keine zu hohen Erwartungen setzen.

geschrieben am 21.03.05, Matthias Holz

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 98 / 2000 / Me
PIII 800 CPU
128MB RAM
16fach CD- bzw. DVD-ROM-Laufwerk
Offizielle Homepage
Trailer im Adventure Corner Videoplayer


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Dieses Review gehört zu  Nibiru.




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