Reviews: Supreme League of Patriots:

Supreme League of Patriots


Vor knapp einem Jahr wurden wir erstmals auf 'Supreme League of Patriots' aufmerksam – auch deshalb, da Point&Click-Adventures mit einem Superhelden als Protagonisten recht ungewöhnlich sind. Eigentlich hätte dieses episodische Projekt im Sommer 2014 erscheinen sollen. Aus verschiedenen Gründen kam es jedoch zu einer Verzögerung. Dank Phoenix Online als Publisher ist es nun so weit und sämtliche drei Episoden sind verfügbar. Wir haben das satirische Comic-Abenteuer von No Bull Intentions für Euch natürlich unter die Corner-Lupe genommen.

 

 

Supreme League of Patriots

 

 

Die Stunde des Purpur-Patrioten...

Supreme League of Patriots

So sieht der "Held" im realen Leben aus.

Wie viele Pseudo-Talente, ruht die Hoffnung von Kyle Keever in einer amerikanischen Talentshow. 'America's Got Superpowers' ist der Name dieser Sendung, die – wie könnte es anders sein - auf der Suche nach dem Helden von Morgen ist. Dummerweise verfügt dieser junge Mann kaum über heroische Attribute – einmal abgesehen von einem Kostüm und seinem loyalen Sidekick Mel. Der letzte Besuch im Fitness-Center dürfte jedenfalls eine ganze Weile zurückliegen. Außerdem wurde sein Kostüm im letzten Spülgang verfärbt und erstrahlt seither im eher fragwürdigen purpurnen Look...

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Bei dieser TV-Aufzeichnung nimmt das Unglück seinen Lauf...

Aber nichts hält unseren Protagonisten davon ab, sich mutig (oder ignorant...) vor die Kamera zu wagen. Während der TV-Aufzeichnung passieren unglücklicherweise ein paar schmerzhafte Unfälle. Ausgerechnet die von Grufti-Krankenschwester Julie verabreichten Schmerzmittel zeigen Nebenwirkungen und spalten sozusagen Kyles Persönlichkeit. Ab jetzt übernimmt der Purpur-Patriot das Ruder in seinem Leben und läßt verdrängte Charakterzüge aufblühen. Diese unsympathische Superhelden-Persönlichkeit wird von blindem Patriotismus getrieben sowie einem hoffnungslos aufgeblasenen Ego und einem krassen Unverständnis gegenüber anderen Kulturen. Auch das andere Geschlecht wird wiederholt zur Zielscheibe schwachsinniger Bemerkungen. Gemeinsam mit seinem sarkastischen Helfer Mel bildet der Purpur-Patriot fortan ein gegensätzliches Duo - auch zumal sein altkluger Freund ein bedeutend liberaleres Gemüt zeigt.



Staffel mit drei Episoden

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Sidekick Mel weicht dem Purpur-Patrioten nie von der Seite und hält sarkastische Sprüche parat.

In der ersten Staffel von 'Supreme League of Patriots' hat das Duo in drei Episoden Gelegenheit, sich zu beweisen und den Purpur-Patrioten als Helden zu etablieren. Da jede Folge bereits downloadbar ist, muss man sich auch nicht auf eine lästige Wartezeit einstellen. Obwohl es Spielraum für weitere Sequels gäbe, kann das Finale durchaus für sich stehen. Jede Episode dreht sich um ein vorrangiges Ziel, sei es nun die erfolgreiche Teilnahme an der Talentshow, der Erwerb einer Superhelden-Lizenz oder die Aufklärung der Ereignisse rund um eine Geiselnahme. Diese Aufgaben bauen lediglich lose aufeinander auf. Trotzdem kann es Sinn machen, von Anfang an zu beginnen, zumal wir fast alle Charaktere in jeder Folge antreffen.


Satirisches Abenteuer mit einigen Schwachstellen

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Kurze, knackige Dialoge bilden eher die seltene Ausnahme.

Pop-Kultur, Politik, Superhelden und Casting-Shows... es gibt nur wenig, was bei 'Supreme League of Patriots' nicht durch den Kakao gezogen wird. Der satirisch gefärbte Humor zielt darauf ab, ähnlich an die Grenzen des guten Geschmacks zu gehen, wie man es von TV-Serien wie 'Family Guy' oder 'South Park' gewohnt ist. Der einfältige Möchtegern-Held lässt seine Homophobie und Frauenfeindlichkeit also nicht nur einmal ungefiltert an der Umwelt aus. Narrativen Tiefgang sollte man sich abgesehen von diversen sarkastischen Bemerkungen und Anspielungen jedoch nicht erhoffen.


Über weite Strecken fällt es dem Point&Click-Adventure leider schwer, die zahlreichen Pointen knackig zu verpacken. Nahezu in jeder Situation versucht No Bull Intentions einen Witz aus dem Hut zu zaubern, was auf Dauer einen sehr zähen Beigeschmack hat. Nicht nur einmal verliert die Geschichte sich in ausschweifenden Gesprächen und um einige Pointen wird mitunter ein derart großer Bogen gespannt, dass einem schon auf halben Wege dämmert, worauf es hinausläuft. Ein kompakteres Storytelling wäre von Vorteil gewesen und hätte die Arbeit der englischen Sprecher sicherlich erleichtert (eine deutsche Lokalisierung ist nicht verfügbar). Trotz ihres Bemühens stoßen sie immer wieder an darstellerische Grenzen und insbesondere im ersten Drittel resultiert daraus vermehrt der Eindruck, als würde der Text lediglich abgelesen werden. Was dieses Manko anbelangt, so merkt man im Verlauf der Staffel immerhin eine leichte Verbesserung. Auch der Humor gewinnt an Qualität und kann später für ein paar Lacher sorgen. Freilich könnte es Durchhaltevermögen erfordern, um bis zum Ende zu gelangen.


Bemühte Rätselkost

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Wer braucht schon Superkräfte, um einen Ganoven aus dem Verkehr zu ziehen? Adventure-Profis machen das natürlich mit einer smarten List!

Das Rätseldesign von 'Supreme League of Patriots' orientiert sich sehr an klassischen Point&Click-Adventures, wie jenen von LucasArts. Es mangelt nicht an kombinatorischen Herausforderungen der besseren Sorte: Gegenstände können im Inventar miteinander kombiniert werden (wobei die Inventarsteuerung allerdings gewöhnungsbedürftig ist), die Puzzles gestalten sich in der Regel nachvollziehbar und auf Action-Einlagen wurde komplett verzichtet. Leider ist das Gamedesign unterm Strich sehr zäh gelungen und die Knobelei macht deshalb weit weniger Spaß, als es eigentlich durchaus möglich gewesen wäre.

Zu Beginn jeder Episode sieht man sich genötigt, im Gespräch mit Mel zu eruieren, was denn nun zu tun ist. Wurde ein Ziel definiert, wird es im Spiel notiert und ist jederzeit ersichtlich. Wer nicht einmal weiter weiß, kann sich im Gespräch mit Mel Tipps abholen (vorausgesetzt, man hat diese Funktion nicht deaktiviert). Einige Aktionen werden erst dann möglich, sobald ein Ziel verfügbar ist. Für sich genommen nicht weiter tragisch, doch wurde dieser Ansatz überstrapaziert. Fast immer ist zunächst ein Gespräch erforderlich, ehe man sich ans eigentliche Rätsel wagen darf. Die Hauptfigur ist dadurch enorm abhängig vom Input anderer Charaktere. Abgesehen davon so gibt es Situationen, die verwirren können, ohne für ein positives Aha-Erlebnis zu sorgen. Zum Beispiel geht es einmal darum, auf eine Superheldin zu warten. Während wir das tun, müssen wir uns am Treffpunkt umsehen und den Barkeeper unter die Lupe nehmen, denn sonst wird eine weitere Gesprächsoption nicht verfügbar, die nur dazu dienen soll, ihren Auftritt zu triggern und nichts zur Story beiträgt. Allerdings kennt man sowohl den Ort, als auch den Barkeeper zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich gut und das Bedürfnis hält sich in Grenzen, sich hier erneut - auf gut Glück - umzusehen.



Durchwachsene Interaktion mit Personen und Objekten

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Nicht alle Objekte bieten diese beiden Interaktionsmöglichkeiten an.

Die Interaktion mit Gegenständen und Personen gestaltet sich suboptimal und die sperrige Inventar-Steuerung ist dabei das geringere Übel. Ein Klick auf einen Gegenstand kann die Möglichkeit offenbaren, das Objekt zu benutzen oder zu untersuchen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit passiert es jedoch, dass ein solcher Klick nicht zu einer solchen Entscheidungsmöglichkeit, sondern direkt zu einem Dialog zwischen Mel und dem Purpur-Patrioten führt. Während jeder Konversation ist keine andere Aktion möglich und die jeweils sprechende Person wird sozusagen im Profil gezeigt. Abbrechen kann man sie nur stückweise und mit zeitlicher Verzögerung (Anmerkung: Verbesserung bietet der Februar-Patch auch in diesem Punkt).

 

Selbst wenn man für ein paar Sekunden keine Aktion setzt, stolpert man unfreiwillig in ein Gespräch. Aufgrund solcher und anderer lästiger Eigenheiten bereitet die Exploration also nur beschränkt Freude und diverse Witz-Exkurse brechen wiederholt den Spielfluss. Würden solche Dinge mehr im Hintergrund ablaufen, wäre das weit eher verschmerzbar, doch das ist leider nicht der Fall. Hinzu kommt die Problematik, dass die Hauptfigur auf Befehle - zumindest am PC - für gewöhnlich mit einer kleinen Verzögerung von ein paar Sekunden reagiert. Ursprünglich bewegte sich die Spielfigur zudem extrem langsam, was erst durch den erwähnten Patch nachträglich ein wenig verbessert wurde.


Nette Grafik und Musik

Supreme League of Patriots

Die Grafik des Point&Click-Abenteuers hat durchaus ihren Reiz

Das führt uns auch schon zu den technischen Aspekten von 'Supreme League of Patriots'. Die Comic-Grafik ist längst nicht mehr State-of-the-Art, doch gerade angesichts des beschränkten Indie-Budgets geht sie voll in Ordnung. Immerhin wurde der Stil konsequent durchgezogen und strahlt einen bunten, markanten Charme aus. Über manche Größenverhältnisse ließe sich freilich diskutieren und einige Figuren sind im Profil kantig geraten. Dennoch wurden insbesondere die Schauplätze angenehm detailliert visualisiert.

Gut gelungen ist auf akustischer Ebene zudem die funkige Musik, die allerdings eher an Filme wie 'Shaft' - das Original aus den 70ern und nicht die Neuauflage - erinnert, als an typische Superhelden-Blockbuster. Noch dazu bekommt man einige Kompositionen recht häufig zu hören, da zahlreiche Schauplätze des öfteren recycled werden. Die Wiederholung hält sich aber im halbwegs verträglichen Rahmen und wenn es die langsamen Laufwege und sonstige Verzögerungen nicht gäbe, könnte man darüber vermutlich hinwegsehen. Auch über den Umfang der gesamten Staffel kann man nicht klagen. Jede Episode dauert schätzungsweise drei, vielleicht sogar vier Stunden.


Galerien

Fazit:

Wertung: 60%

'Supreme League of Patriots' zeigt ansprechende Ansätze, bringt sich aber sehr häufig selbst um die Früchte. Beispielsweise ist es lästig, dass praktisch jeder Klick auf einen Gegenstand zu einem Dialog zwischen Kyle und Mel führt. Symptomatisch auch der Humor, dessen bissige Ansätze in den ständigen Ausschweifungen an Kraft verlieren. Jene pointierte Dynamik, die u.a. Telltales und LucasArts 'Sam & Max' auszeichnete, sie will 'Supreme League of Patriots' einfach nicht gelingen. Ein subtilerer Zugang hätte bestimmt nicht geschadet, wobei im Verlauf der Staffel immerhin eine kleine Steigerung spürbar ist. Wer keine Aversion gegen unnötig ausschweifende Pointen hegt, der könnte bei diesem Superhelden-Adventure trotz gravierender Baustellen halbwegs auf seine Kosten kommen. Immerhin sind die Rätsel recht passabel und man darf No Bull Intentions zugute halten, einen aus Genre-Sicht ungewöhnlichen thematischen Zugang gewählt zu haben. Alles in allem wirkt 'Supreme League of Patriots' bemüht, Vorbildern wie 'Day of the Tentacle' gerecht zu werden. Erfolgreich ist es dabei jedoch nur zum Teil.

geschrieben am 06.02.15, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
MININUM PC: Windows XP, Vista, 7 oder 8; Prozessor: 2 GHz (Single Core); Memory: 2 GB RAM; Graphics: Intel HD 5000 oder besser ab 256MB VRAM; DirectX: Version 9.0c; Festplatte: 4 GB freier Speicher; DirectX 9.0c kompatible Soundkarte Offizielle Webseite


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