Reviews: Balko:

Balko


Sherlock Holmes und Dr. Watson. Fox Mulder und Dana Scully. Sam und Max. Ohne Frage alles teilnahmsvolle Seelen, die sich für die Bewahrung der Gerechtigkeit einsetzen und es zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben, bösen Hintermännern das Handwerk zu legen. Und das immer mit der typischen Rollenverteilung vom Helden und seinem treuen Helfer.
Was haben die drei Dreamteams noch so gemeinsam? Aber natürlich, es sind alles namhafte Verbrecherjäger, bekannt aus populären TV- oder Literatur-Serien. Was zudem alle wissen dürften: Sie alle haben es schon einmal ganz weit gebracht – mit einer Rolle in einem Point-And-Click-Adventure.
Aber Moment, irgendwer fehlt da noch. Genau! Balko und Krapp. Tja, wer hätte das gedacht, auch diese Beiden erleben nun ihr erstes, grosses Abenteuer auf dem PC. Basierend auf der erfolgreichen RTL-Krimiserie 'Balko', veröffentlichte RTL Playtainment zusammen mit Vertriebspartner und Branchengigant Electronic Arts ein Computerspiel, das alles bieten soll, was wir von einem Abenteuerspiel erwarten können. Ob das allerdings vielleicht schon zu viel verlangt ist, zeigt euch unser aktueller Testbericht.


Vor einem populären Nachtclub prügeln sich zwei Männer, weil der eine der Freundin des anderen an den Hintern gefasst hat. Eigentlich schien die ganze Sache eine der üblichen Vorkommnisse an einem Samstag Abend in der Dortmunder Innenstadt zu sein, doch plötzlich geschah das Unerwartete: Während dem Kampf kippt einer der beiden plötzlich tot um. Alle Beteiligten und vor allem der noch lebende Schläger sind ratlos. Eine spätere Obduktion wird auch kein Licht in die Sache bringen, Fakt ist nur, dass der junge Mann sich am besagten Abend mit Stereoiden und anderen Drogen vollgepumpt haben muss. Der zuständige Kommissar Balko und sein korrekter Kollege Krapp merken allerdings bald schon, dass die Tatbestände nicht ganz so offensichtlich erscheinen, wie zuerst anzunehmen war. Der Verstorbene war ein verwöhnter Bürgerssohn und hatte während seiner Lebzeiten nicht wenige Feinde um sich. Wollte ihm wirklich jemand an die Gurgel? Mord oder tatsächlich nur die Tücken des Sports? Dieser Frage haben Balko und Krapp jetzt unweigerlich nachzugehen.

Einmal durch den Tatort gepointet und geklickt

Nach dem das Originalintro der TV-Serie über den Bildschirm flimmerte, wird der Spieler direkt ins Geschehen hineinversetzt. Ein anderes Intro gibt es nicht, man beginnt gleich als Balko am Tatort vor "Chippie's Nightclub". Dabei werden wir, noch bevor wir mit etwas anderem interagieren dürfen, von Krapp, unserem Kollegen und Mit-Kommissar, angesprochen und über die undurchsichtigen Tatbestände aufgeklärt. Hierbei klickt man sich durch die gewohnte Art von verfügbaren Multiple Choice-Optionen, um mehr Hintergrundinfos in Erfahrung zu bringen. Motiviert und voller Tatendrang mustert man anschliessend die Umgebung etwas genauer: Zur interaktiven Verfügung stehen einem ein Lupensymbol für die Ansicht diverser, ausgewählter Objekte, eine Sprechblase zur Konversation mit NPCs oder ein Händchen, um Aktionen auszuführen oder Gegenstände aufzunehmen. Gebrauchen lässt sich das alles ganz im Sinne des Point-And-Click-Gameplays. Durch Rechtsklick schaltet man wie in den klassischen Sierra-Spielen durch die möglichen Interaktionsmöglichkeiten, oder aber man hält dieselbe Taste gedrückt, um alle Auswahlmöglichkeiten auf einmal angezeigt zu bekommen. Welche der beiden Varianten die komfortablere ist, darf der Spieler selbst entscheiden.

Denksport ist Mord?

Durch die genauere Betrachtung des Tatorts kommen wir in den Besitz von zwei Beweisstücken, die ohne weiteres dem Inventar hinzugefügt werden. Dieses ploppt praktischerweise im unteren Bildschirmrand auf, wenn man mit dem Mauszeiger nach untern fährt. Gegenstände lassen sich im Inventar auf's neue betrachten und von Balko kommentieren.
Das alles klingt im Wesentlichen nach dem üblichen Adventure-Schema, und tatsächlich: Das Spiel zur RTL-Serie 'Balko' bedient sich jeglicher Elemente die für ein Krimi-Abenteuerspiel typisch sind. Man besucht einen Tatort, spricht mit den Zeugen und sammelt Beweismaterial, welches man dann anschliessend im Revier untersuchen und analysieren lässt. Man nimmt Aussagen von Tatverdächtigen, Freunden, Feinden und Verwandten der verstorbenen Person auf und löst so Schritt für Schritt den Fall. Es klingt genau so simpel, wie es sich spielt, weshalb das alles eigentlich auch nichts Besonderes ist.
Die Story – die sich übrigens an die gleichnamige Folge "Sport ist Mord" anlehnt – wird grössenteils über die Gespräche mit anderen Charakteren weitererzählt. Zwischensequenzen gibt es, bis auf ein paar wenige gescriptete Momente, überhaupt keine.

Damit die bekannte Form der "Crime Investigation" nicht auf Dauer langweilig wird, gibt es ab und an Rätseleinlagen, die sich von der üblichen Ermittlungsarbeit differenzieren sollen. Das führt dazu, dass Balko neben Formularen, Autopsieberichten und der Pistole auch einmal eine Trillerpfeife oder einen Tennisball in seinem Inventar herumtragen wird. Trotzdem behält sich das Spiel vor, äusserst logisch abzulaufen und weitgehend rational erklärt zu werden.
Als besonders unvorteilhaft für den Gesamteindruck des Rätseldesigns ergab sich allerdings das an wenigen Stellen auftretende Pixel-Hunting. Als konkretes Beispiel soll hier eine Sache mit einer Büroklammer genannt werden, die sich im Büro eines Verwaltungsgebäudes der Universität auf einem Schreibtisch befand. Ohne Geduld, Feingefühl oder zumindest etwas Glück könnten solche Passagen kaum gemeistert werden. Durch drücken der Taste "T" lassen sich wiederum sämtliche Hotspots anzeigen. Wem die Sucherei auf Dauer zu blöd ist, sollte also ohne weiteres Gebrauch von der äusserst simplen Hilfsfunktion machen.
Typischerweise - und zum Wohle aller konventionellen Spürnasen - kann man in 'Balko' nicht sterben. Auch Dead-Ends gibt es, so weit bekannt, keine und immer wenn Balko handgreiflich wird, geschieht alles gescriptet. Der Spieler kann also nicht in die (überhaupt sehr seltenen) Actioneinlagen eingreifen.

Drei Stunden "Dortmunder Puppenkiste" und zurück

Trotz der kurzen Entwicklungsdauer des Spiels und einer noch schnelleren Vermarktung, wartet das Abenteuer mit einer angenehmen Optik auf. Augenkrebsgefahr besteht jedenfalls durchwährend keine, auch wenn die Charaktere sich etwas hölzern bewegen und die Hintergründe, trotz vorgerenderten Grafiken, ebenfalls keine gestalterischen Höhenflüge bieten. Die meisten Innenräume ähneln einander wie ein Stein dem anderen. Dafür gibt es ab und zu sehr schöne Aussengebiete. Erwähnenswert ist auch die Grösse der meisten Locations: Viele Szenerien – wobei sich die meisten übrigens über eine isometrische Perspektive präsentieren - werden durch Scrollen des Bildschirms expandiert.
Lange Ladezeiten oder Fussmärsche gibt es nicht. Durch einen Doppelklick rennt Balko sogar an die gewünschte Stelle. Hätte man ausserdem das Verlassen durch Doppelklick auf einen Ausgang integriert, wäre das Handling perfekt. Auf diesen Komfort muss der Spieler aber leider verzichten.

Jegliche Spielfiguren wurden als 3D-Modelle hinzugefügt, wobei offensichtlich sehr viel Zeit und Geld bei den Animationen gespart wurde. Die meisten Personen schaffen es nicht aus einer einzigen Haltung heraus. Mandy, die Freundin des frisch Verstorbenen beispielsweise, sitzt das ganze Spiel über in ihrem Wohnzimmer auf dem Sofa. Zwar dürfen noch Wetten abgeschlossen werden, ob diese Trägheit auf ein eingeschränktes Entwicklungsbudget, oder aber – was sowieso viel wahrscheinlicher ist - auf die grundnatürliche Trägheit von verwöhnten Weibsbildern zurückgeführt werden kann, jedenfalls passiert es selten, dass die Spielfiguren was anderes machen, als von Links nach Rechts zu laufen, oder eben sitzend auf einer Couch zu verweilen. Mal davon abgesehen, sehen die Charaktere der TV-Vorlagen überhaupt nicht ähnlich. Tatsächlich sieht der Computerspiel-Balko viel eher aus wie Columbo.
Beim Umfang ist zudem ersichtlich, dass das offizielle 'Balko'-Adventure nicht zu der Riege der Vollpreisspiele gehört: Nach höchstens drei Stunden dürften Profis den Täter gefasst haben. Wer sich jeden einzelnen Dialog und Kommentar anhört, oder an dem einen oder anderen Rätsel zu nagen hat, wird das Spiel kaum um eine weitere Stunde verlängern können.

Alles Balko, oder was?

Nach über zehn Jahren und 140 Folgen Balko war es den Herren von RTL trotz allem noch zu schade, die beiden Hauptpersonen für das Spiel von den jeweiligen Schauspiel-Paten Bruno Eyron und Ludger Pistor synchronisieren zu lassen. So griff man doch lieber auf zweit-... nein, drittklassige Sprecher zurück, die den Charakteren gerade mal soviel Leben einhauchen, wie eine Banane einem Apfel ähnelt.
Balko hat zwar ab und zu einen richtig coolen Spruch auf Lager, den umschwärmten Frauentyp nimmt man ihm aber selten bis gar nicht ab. Und auch Krapp wirkt im Vergleich zu seiner TV-Vorlage eher ein bisschen verzeichnet. Das angeblich überkorrekte Pendant hockt den ganzen Fall über in seinem Büro. Teamwork sucht man eigentlich vergebens.
Die musikalische Untermalung fällt im Übrigen kaum weiter auf und wirkt somit eher nebensächlich. Dafür stört die Dudelei im Hintergrund auch kaum.


Galerien

Fazit:

Wertung: 55%

Wir alle dürfen wohl froh sein, das nach der miserablen Umsetzung von der ebenfalls nicht gerade qualitativ hochwertigen RTL-Serie 'Der Clown' mit 'Balko' nunmehr ein reinrassiges Point-And-Click-Adventure veröffentlicht wurde. Nun ja, eigentlich wird das auch niemanden interessieren, ausser man sieht sich selbst als hartgesottener Balko-Fan. Und selbst dann dürfte man nicht darüber hinwegsehen, dass das Spiel im Grunde nur sehr geringe Ähnlichkeit mit der TV-Vorlage besitzt. Alles was übrig bleibt ist ein kleines Spürchen wohl genutzter Lizenz, die in ein solides, aber uninspiriertes Abenteuerspiel umgesetzt wurde. Für rund drei bis vier Stunden Spieldauer und den 30 Mücken die man für das Spiel bezahlt, müsste man allerdings von einem miserablen Preis-Leistungsverhältnis sprechen. Wem das nichts ausmacht, oder wer bis zu einer Preissenkung des Titels warten kann, der kann sich vielleicht doch noch an dem kurzweiligen Krimi-Abenteuer erfreuen.

geschrieben am 21.10.05, Philipp Thalmann

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 2000/XP
Pentium 4 mit 800 Mhz
256 MB RAM
300 MB freier Festplattenspeicher
DirectX kompatible Grafikkarte (64 MB)



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Dieses Review gehört zu  Balko.




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Kommentare 1
forenbenutzer
04.06.2010, 22:06

Fast so "gut" wie K11... :P


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