Reviews: Dog Mendonca and Pizza Boy:

The Interactive Adventures of Dog Mendonça & Pizza Boy


Die Comic-Reihe 'Dog Mendonça & Pizza Boy' dürfte hierzulande nicht vielen ein Begriff sein. Seit 2010 produzieren Filipe Melo, Juan Cavia und Santiago R. Villa neue Ausgaben mit dem okkulten Ermittler-Gespann. Erwarten darf man sich hier diverse Anspielungen auf die aktuelle Popkultur und viel Humor, gepaart mit übernatürlichen Ereignissen, Hexen, Monstern und sonstigen schrägen Gestalten. Es gibt wenig, was es hier nicht gibt.

Im Oktober 2014 dämmerte schließlich eine etwas andere Idee: Ein Kickstarter wurde ins Leben gerufen, um ein Point&Click-Adventure basierend auf der Graphic-Novel-Reihe entwickeln zu können. Ob das Resultat gelungen ist, sehen wir uns im Test genauer an.

Dog

Werwolf, Dämon, Gargoyle und Pizzajunge lösen Fälle...

Ein okkulter Ermittler, der ein Werwolf ist? Ein 6000 Jahre alter Dämon im Körper eines kleinen Mädchens namens Pazuul? Der abgetrennte Kopf eines sprechenden Gargoyles, der bei den Fällen mithilft? Ohne das nötige Vorwissen, spürt man vom Start weg, dass viel Exposition in den Comics stecken dürfte. Die aktuelle Geschichte konzentriert sich jedenfalls auf Pizza Boy (Eurico) und sein angespanntes Verhältnis zum werwölfischen Mentor Dog Mendonça (Dog). Letzterer ist nicht für Takt und Einfühlungsvermögen bekannt und hechelt gern dem weiblichen Geschlecht hinterher. Obwohl Eurico bloß sein unbezahlter Lehrling ist, meint er alles besser zu wissen. Würde der groß gewachsene Detektiv ihm die freie Bahn überlassen, ja, die Dinge würden besser laufen... zumindest glaubt er das.

Dog Mendonca

Eurico (Pizza Boy) hat es nicht leicht. Die Drecksarbeit im Büro bleibt an ihm hängen...

Büro-Sticheleien sind das tägliche Brot. Da kommt ein neuer Auftrag gelegen, den eine hübsche Klientin in Aussicht stellt. Angeblich fürchtet sie sich vor einem Zigeuner-Fluch und benötigt professionellen Rat. Obwohl Dog schon mit Geistern, Hexen und Dämonen zu tun hatte und kein Mensch ist, Dinge wie Zigeuner-Flüche hält er für Unfug. Einen Rat will er ihr trotzdem geben... privat, bei einem Drink. Schwups, zieht er mit der weiblichen Begleitung von dannen...

Nach Plan verläuft das vermeintliche Date nicht, denn wenig später fehlt von Dog und der jungen Frau jede Spur. Schlimmer noch, der Lehrling stolpert über eine Leiche in jenem Motel, wo der eigenwillige Werwolf zuletzt gesehen wurde. Einiges geht hier nicht mit rechten Dingen zu und es ist an ihm, den Dingen auf den Grund zu gehen. Gibt es den Zigeuner-Fluch am Ende doch? Was hat die Leiche damit zu tun? Und kann Pizza Boy bei dieser Gelegenheit beweisen, dass er ohne Dog tatsächlich besser dran ist?


Es tut sich einiges...

Dog Mendonca

Ein angeblicher Zigeuner-Fluch bringt das Duo in Schwierigkeiten. Die perfekte Gelegenheit, um bisherige Ereignisse in aller Ruhe zu rekapitulieren

OKAM Studio tischt eine bunte Story auf, die u.a. mit Geisterbeschwörungen, Horror-Filmemachern, Hexen, Monstern und Krimi-Elementen aufwartet. Das okkulte Krimi-Treiben setzt gern auf vertraute Charaktere und Schauplätze aus den Comics. Tiefgang steht dabei allerdings nicht auf der Speisekarte und die Logik ist mitunter streitbar, was bei dieser Art von Geschichte eher noch verzeihbar ist. Schade ist, dass die meisten Charaktere flüchtig bleiben. Insbesondere Pazuul und Gargoyle sind nur blasse Randerscheinungen und kaum einmal in die Lösung der Rätsel eingebettet.

Viel Rücksicht wird nicht auf Neulinge genommen. Das Notwendigste wird erklärt, es ist trotzdem so, als hätte man bei der TV-Serie 'Supernatural' den Piloten verpasst. Kenner sind im Vorteil, was nicht heißen soll, dass Neulinge dem Spiel nichts abgewinnen können. Die Autoren beweisen oft Humor (ohne Pointen übertrieben in den Vordergrund zu drängen) und sowohl das Setting, als auch die Charaktere sind unverbraucht, was durchaus seinen Reiz hat. Verweise auf die aktuelle Popkultur und weitere Anspielungen (z.B. auf das Adventure-Genre) dürfen nicht fehlen. Zugleich würde es nicht verwundern, wenn einige Pointen in der Originalsprache einfach besser funktionieren.

Dankenswerterweise hat das Entwickler-Team Abstand genommen vom ursprünglich geplanten episodischen Release. Das tut dem fertigen Point&Click-Adventure sehr gut. Es setzt auf ein klares Ende, ohne Cliffhanger und offene Fragen. Gleichzeitig hat man das Gefühl, dass eine episodische Aufteilung angesichts der kurzen Dauer (vier Stunden) ohnehin nie eine gute Idee gewesen wäre. Es gibt lediglich einen Fall zu lösen.


Schwächen im Gamedesign

Dog Mendonca

Die Verhöre wirken eher wie ein zufälliges Herumgeklicke

Während der Inhalt nett gelungen ist, schimmert im interaktiven Bereich die fehlende Erfahrung durch. Das Problem sind nicht die klassischen Inventar-Rätsel, denn die funktionieren über weite Strecken relativ gut, ohne sehr anspruchsvoll zu sein - dass es meist nur zwei, drei Hotspots pro Schauplatz gibt, erhöht die Komplexität nicht wirklich, aber in den letzten Jahren hat es weitaus einfachere Adventures gegeben. Im Vergnügungspark-Abschnitt warten jedenfalls recht interessante Rätsel-Ideen, bei denen man OKAM Studio ein gewisses Talent fürs Genre nicht absprechen kann.

Trotzdem gibt es immer wieder Dinge, an denen man sich stoßen kann. Sehr streitbar ist bereits die erste Verhör-Aufgabe nach wenigen Minuten, bei der man sich nach jeder Frage überlegen muss, wie man nachbohren möchte: etwa durch Necken, Konfrontation oder durch Mitgefühl. Eine solche Herausforderung hätte ihren Reiz, gäbe es nachvollziehbarere Anhaltspunkte für eine korrekte Vorgehebsweise. Im aktuellen Fall klickt man jedoch auf gut Glück vor sich hin und weil beliebig viele Versuche bleiben, gelangt man so oder so ans Ziel. Sehr viel ausgereifter und komplexer wird dieses wiederkehrende Element nicht, was schade ist.

Apropos Ziele, 'The Interactive Adventures of Dog Mendonça & Pizza Boy' gelingt es nicht immer klar zu kommunizieren, was vom Spieler erwartet wird. In diesem Punkt hätten sich die Autoren mehr von LucasArts, Daedalic und KingArt abschauen können, die das für gewöhnlich auf den Punkt bringen. Ähnliches gilt für Feedback, denn das ist nicht Euricos Stärke, der vorwiegend Standardsätze von sich gibt. Das im Inventar verfügbare Notizbuch relativiert diesen Kritikpunkt. Nicht nur beinhaltet es eine Auflistung der aktuellen Ziele, sondern bei Bedarf sogar konkrete Lösungshinweise. Aber: eigentlich sollte so etwas bei einem guten Point&Click-Adventure nicht notwendig sein.


Kleinere Logik-Löcher und Box-Einlagen

Dog Mendonca

Box-Einlagen passieren öfter im Spiel. Nett beim ersten Mal, aber danach verzichtbar...

Im späteren Verlauf der Geschichte läuft der Gameplay-Motor runder, wie ein okkulter Ermittler fühlt man sich aber bis zum Schluss nicht. Sobald es um investigative Schlussfolgerungen und dergleichen geht, wird dem Spieler die Arbeit abgenommen.

 

Davon abgesehen können ab und zu kleine logische Ungereimtheiten verwundern, z.B. während man sich als Geist fortbewegt und bei jeder Tür zu hören bekommt, dass diese verschlossen sei und man nicht zu jenen Geistern gehöre, die durch Wände hindurch gehen können... nur einen verschlossenen Raum können wir plötzlich doch betreten. Manchmal hilft es, dass die Schauplätze kaum Interaktionsmöglichkeiten bieten. So kann man sich zur Not prima mit dem Trial-and-Error-Prinzip behelfen und wird selten einen echten Hänger erleben.

Als Vorwarnung sei an dieser Stelle erwähnt, dass es über die Spielzeit verteilt vier "Boxkämpfe" gibt, bei denen es sozusagen wie bei einem alten Spielautomaten darum geht, rechtzeitig auf den Knopf für "Deckung" und "Schlagen" zu klicken und zwar so lange, bis die Lebensleiste des Gegners bei null ist (und ehe Eurico K.O. geht). Schwer ist das nicht und beim ersten Mal sogar witzig, aber nicht so unterhaltsam, dass man es unbedingt viermal oder öfter machen möchte. Wer diese Art von Mini-Game nicht mag, sollte darauf gefasst sein.


Nette Comic-Schauplätze, klassische Steuerung

Dog Mendonca

Ein schickes Inventar...

Die charmante 2D-Comic-Grafik macht, zumindest was die Schauplätze anbelangt, Laune auf die Comic-Vorlage (praktisch dasselbe Team ist daran beteiligt). Allerdings sind die Hintergründe oft überzeugender gezeichnet, als die Charaktere. Protagonist Eurico wirkt mitunter auffällig pixelig und seine Animationen sind zwar relativ flüssig, aber keineswegs vielfältig. Selbst auf einem sehr unebenen Untergrund bewegt er sich so, als wäre es eine ebene Fläche. Sein recht gemütliches Gehtempo und die fehlende Möglichkeit, Laufwege per Doppelklick zu verkürzen, fügen sich in die Liste der Minuspunkte ein. Hören lassen kann sich dafür der abwechslungsreiche Soundtrack, denn dieser trifft die Stimmung gut. Im Spielmenü kann zudem zwischen englischer und deutscher Sprachausgabe gewechselt werden. Die deutsche Fassung klingt manchmal braver, als das englische Pendant, aber sie ist solide gelungen. Übrigens beansprucht 'Dog Mendonça & Pizza Boy' 1 GB auf der Festplatte, was im Vergleich zu anderen Adventures bescheiden ist.

Kaum Grund zum Jammern bietet die Steuerung: Auf das Inventar wird rechts im Bild zugegriffen, wobei Gegenstände per Maus zu einem Hotspot hingezogen werden, oder im Inventar kombinierbar sind. Bei der Interaktion mit Objekten hat man sich von Spielen wie 'Vollgas' inspirieren lassen. Ein Kreis mit drei Interaktionsmöglichkeiten taucht nämlich auf (Auge, Mund, Hand). Auch eine Hotspot-Anzeige steht bei Bedarf zur Verfügung, was in zwei, drei Situationen sogar praktisch sein kann, weil man aufgrund kaum vorhandener Hotspots manches vielleicht übersieht. Schade ist, dass das Menü nur per Tastatur zugänglich ist und es bloß drei Speicherstände gibt, doch im Zeitalter der mobilen Spiele und der Konsolen, ist das keine Überraschung mehr.


Galerien

Fazit:

Wertung: 68%

'The Interactive Adventures of Dog Mendonça & Pizza Boy' macht Lust auf die Comic-Reihe. Für sich genommen ist die Geschichte recht witzig, die Charaktere wirken zumindest vielversprechend und die Schauplätze sind hübsch gezeichnet. Attribute, die für die Vorlage sprechen. Als reines Point&Click-Adventure ist es allerdings nicht rundum überzeugend. Ab und zu schwammig kommunizierte Ziele, wenige Hotspots, streitbare Logik und langweilig umgesetzte Verhör-Aufgaben sorgen für gemischte Gefühle, obwohl es zwischendurch durchaus gute Momente gibt, in denen spürbar ist, dass den Machern das Genre am Herzen liegt. Und ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass es Fans der Reihe unterhalten wird. Wer sich in diesem Comic-Universum bereits auskennt, kann manches womöglich besser nachvollziehen und darf sich zehn Prozentpunkte zur Wertung dazu denken. Für Neulinge ist OKAMs Debüt-Adventure aber nur eingeschränkt empfehlenswert, zumal die knappe narrative Exposition nur das Notwendigste erklärt.

geschrieben am 07.03.16, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Betriebssystem: Windows Vista/ 7/ 8/ 10 Prozessor: Pentium oder kompatibel, 2 Kerne oder besser Arbeitsspeicher: 2 GB RAM Grafik: OpenGL 2.1 oder besser Speicherplatz: 1 GB verfügbarer Speicherplatz Soundkarte: Ja Projektseite bei Kickstarter
Offizielle Webseite der Entwickler


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Dieses Review gehört zu  Dog Mendonca and Pizza Boy.




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