Reviews: P.O.L.L.E.N:

P.O.L.L.E.N


Was wäre, hätte die Geschichte im 20. Jahrhundert einen anderen Verlauf genommen? Auf interessanten Überlegungen dieser Art baut das explorative 3D-Mystery-Adventures 'P.O.L.L.E.N' auf und fühlt das Setting damit aus. Obwohl es in den 1990er-Jahren spielt, fühlt man sich nicht wie in der Vergangenheit, im Gegenteil. Allerdings erleben wir dieses Jahrzehnt nur passiv und aus großer Distanz. Schließlich ereignet sich die Handlung in einer fernen Weltraum-Basis...

Ehe wir im Review weiter in die Tiefe gehen, noch ein wichtiger Hinweis: getestet wurde nicht die VR-Version, sondern lediglich die normale 3D-Ausgabe am PC. Es ist höchst wahrscheinlich, dass manche der hier erwähnten Kritikpunkt nicht für die VR-Version gelten und diese einen anderen Eindruck vermittelt. Auch zumal dieses Indie-Spiel von Mindfield Games in erster Linie als VR-Erfahrung konzipiert wurde.

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Eine alternative Zeitlinie

In spielerischer Hinsicht ist 'P.O.L.L.E.N' kein typisches First-Person-Exploration-Adventure, doch im Story-Bereich tritt es eindeutig in diese Fußstapfen. Anders ausgedrückt bedeutet das, dass wir zu Beginn der Geschichte ins kalte Wasser geworfen werden und uns fast alles selbst erarbeiten müssen. Deutsche Untertitel erleichtern dieses Unterfangen übrigens für jene, die sich mit Englisch schwer tun.

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Die Geschichte wird zu Beginn ein wenig umgeschrieben...

Die ersten Informationen sind dementsprechend rudimentär gehalten: Wir befinden uns in einer alternativen Zeitlinie im Jahr 1995. Kennedys Ermordung schlug fehl, das Internet existiert noch nicht, CDs oder DVDs sind ein Fremdwort und im Rennen um die Vorherrschaft im Weltraum, machen die USA und die Sowjetunion gemeinsame Sache, was wenigstens in diesem Bereich zu einer sehr modernen Technologie führt.

Erzvorkommen soll jenseits der Erde abgebaut werden und für die Auswertung der Funde sind private Unternehmen verantwortlich. RAMA Industries ist zum Beispiel für den Saturnmond Titan verantwortlich. Eben dieses Unternehmen beauftragt die Spielfigur, um Nachforschungen im Hinblick auf ein unter mysteriösen Umständen verschwundenes Mitglied eines Forschungsteams anzustellen. Viel mehr wollen wir Euch an dieser Stelle allerdings nicht verraten.


Viele Gelegenheiten zur Exploration

'P.O.L.L.E.N' dürfte ungeeignet für Spieler sein, die schnell ans Ziel wollen. Die Aufgaben muss man sich selbst erarbeiten und die SciFi-Geschichte fährt ein gemütliches Tempo. Da nahezu jeder Gegenstand aus der Nähe betrachtbar, wenn nicht sogar benutzbar ist (selbst Fotoapparate sind flexibel zum Fotografieren einsetzbar), bringt man durch Exploration neue Details über das Forschungsteam und vergangene Ereignisse in Erfahrung. Mindfield Games zeigt sich bemüht, unterschiedliche Persönlichkeiten herauszuarbeiten und zwar durch Fotos, herumliegende Bücher, Notizen, oder dergleichen. Allerdings bleiben diese Eindrücke eher oberflächlicher Natur.

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Fast alles kann näher betrachtet, oder benutzt werden

Wer sich vertiefende Details zur historischen Hintergrundgeschichte wünscht, findet auch dazu ein Gerät mit historischen Zeitungsartikeln. Überhaupt wirkt die Weltraum-Basis angenehm durchdacht konzipiert. Obwohl die Umgebung menschenleer ist, entwickelt man rasch ein Gefühl dafür, wie es bei vollem Betrieb zugehen würde. Das betrifft nicht nur jene Bereiche, die der Forschung oder dem Transport von Erz dienen, sondern auch soziale Räumlichkeiten. Dort kann man u.a. Basketball spielen (so weit es die mühsame Steuerung erlaubt), das Laufband benutzen, den Boxsack prügeln, oder ein Videospiel probieren.


Es erfordert wenig Vorstellungsvermögen, um zu erahnen, dass derartige Interaktionsmöglichkeiten im VR-Bereich spannend sein können. Obgleich die Spieldauer lediglich im zwei-Stunden-Bereich angesiedelt ist, gibt es somit einige optionale Aktivitäten, die darüber hinaus länger beschäftigen können, sofern man das möchte.


Audio-Aufzeichnungen leiten den Weg

Exploration-Adventure heißt bei 'P.O.L.L.E.N' nicht automatisch Walking-Simulator, wie man es von anderen Spielen dieser Art kennt. Tatsächlich gibt es Bereiche in der Basis, die nicht gleich zugänglich sind und in denen es u.a. darum geht, Geräte zu reparieren und zu steuern. Das geht deutlich über die Spielmechanik von 'Gone Home' oder 'Dear Esther' hinaus. Man kann ohne schlechtem Gewissen von Rätseln sprechen. Natürlich keine harten Brocken, aber es gibt Point&Click-Adventures die leichter sind und insbesondere auf dieser Ebene vermag das SciFi-Adventure immer wieder Freude zu bereiten.

 

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Für den Fall, dass uns mal kein Licht zur Verfügung steht, ist eine Taschenlampe jederzeit aktivierbar

So vielversprechend das Setting und die veränderte historische Ausgangslage klingen mögen, im Verlauf der Geschichte treten diese Elemente bald in den Hintergrund. Wichtiger sind da schon die verstreuten Kassetten, die offenbar als Tagebuch der gesuchten Person dienen. Diese Aufzeichnungen geben unseren Nachforschungen etwas Richtung, obwohl man wohl auch ohne diese Komponente - per Zufall - ans Ziel gelangen könnte, zumal das Spiel sehr kurz und der Hauptschauplatz (die Basis) nicht übertrieben riesig ist. Nur macht das die Story nicht verständlicher. Allerdings dürfte das eigenwillige Ende selbst nach halbwegs gründlicher Exploration für geteilte Meinungen sorgen.

 

Abgesehen von Kassetten gilt es Trigger-Reize zu entdecken, die eine Veränderung der Umgebung zur Folge haben und die notwendig sind, um die nächste Phase der Geschichte zu erreichen. Befinden wir uns in der Nähe eines solchen Reizes, wirkt sich das auf die Umgebung aus, wodurch kaum zu übersehen ist, dass hier ein elementarer Hotspot schlummert. Streng genommen hat dieses Spielelement jedoch einen künstlichen Beigeschmack und die Trigger-Reize zielen offensichtlich primär auf einen visuellen VR-Effekt ab, der in der regulären PC-Version zwangsläufig verloren geht.



Suboptimale PC-Optimierung

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P.O.L.L.E.N sieht schick aus, doch das kann auf Kosten der Performance gehen

Dennoch sieht 'P.O.L.L.E.N' ohne VR-Modus - selbst auf niedrigster Stufe - schick und atmosphärisch aus, was aber mit relativ hohen PC-Anforderungen einhergeht. Die Hardware-Empfehlungen sollte man so gesehen nicht ignorieren. Die Geschichte wurde in Abschnitte unterteilt, die jeweils mit Ladezeiten von bis zu vier Minuten verbunden sind (auf besseren PCs kann es deutlich schneller gehen). Gespeichert wird immer nur automatisch, wobei das Speichersymbol leicht zu übersehen ist. Zudem kann es vorkommen, dass einige Zeit bis zum nächsten Speicherpunkt vergeht.


Man spürt, dass der Fokus eher auf der VR-Umsetzung gelegen haben dürfte. Der Rest ist noch nicht restlos überzeugend. Schon die PC-Steuerung ist gewöhnungsbedürftig und nicht sonderlich intuitiv. Mit manchen Gamepads kann es zudem sehr lästige Probleme geben (Tastatur und Maus sind alternativ dazu aber benutzbar). Beispielsweise machte das weit verbreitete Xbox-360-Gamepad beim Testen was es wollte und ließ sich auch im Menü nur schwer bändigen. Paradoxerweise noch nicht einmal bei niedrigster Empfindlichkeitsstufe (0). Besonders umständlich ist die Steuerung beim Abspielen der Audio-Kassetten, was angesichts ihrer Relevanz für das Spiel bitter ist. Problematisch ist ansonsten auch das Ende, welches ohne VR einfach nur merkwürdig anmutet. Wir können leider nur darüber spekulieren, wie überzeugend es mit VR-Geräten wie die Oculus Rift, oder auch HTC Vive wirken mag.


Galerien

Fazit:

Selbst ohne VR-Gerät bringt 'P.O.L.L.E.N' durchaus interessante spielerische Ansätze mit und lädt zum Nachdenken ein, was bei Exploration-Adventures nicht selbstverständlich ist. Die stimmungsvolle 3D-Grafik ist schick, die Weltraum-Basis wirkt authentisch und einiges ist benutzbar. Die SciFi-Story kommt über weite Strecken allerdings nicht über das Prädikat »nett« hinaus und hat daran zu knabbern, dass das langatmige Ende in einfachem 3D etwas seltsam wirkt. Die Steuerung ist zudem unhandlich und umständlich. Meine Lust, eben gefundene Kassetten zum Abspielen herauszusuchen, war im letzten Drittel nahe dem Gefrierpunkt.

Der Fairness halber sei festgehalten, dass es generell schwierig sein dürfte, ein VR-Spiel ohne VR-Modus zu beurteilen. Es ist sehr wohl denkbar, dass 'P.O.L.L.E.N' im VR-Modus glänzen kann. Deshalb verzichten wir auf eine Wertung, raten aktuell aber zur Vorsicht im Hinblick auf den PC-Modus ohne VR. Sollte es den Entwicklern gelingen, etwaige technische Abstimmungsprobleme besser in den Griff zu bekommen und die Steuerung zu optimieren, könnte man aber von einem recht unterhaltsamen, wenn auch kurzen Exploration-Adventure sprechen.

geschrieben am 26.04.16, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Mit oder ohne VR-Gerät spielbar. Minimale Systemanforderungen für den PC (im VR-Modus sind diese deutlich höher) -> Betriebssystem: Windows 7 (64-bit); Prozessor: Intel Core-i3 3.3GHz / AMD Phenom II X4 3.0GHz; Arbeitsspeicher: 4 GB RAM; Grafik: Nvidia GTX650 / AMD Radeon HD 7870; DirectX: Version 11; Speicherplatz: 8 GB verfügbarer Speicherplatz Offizielle Webseite


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