Reviews: Wailing Heights:

Wailing Heights


'Wailing Heights' spielt in einem fernen kleinen Ort, wo Vampire, Zombies und andere Abscheulichkeiten friedlich zusammenleben. Dummerweise passt Frances Finklestein zu keiner untoten Spezies, weshalb er auf dem Weg zu einem Gig mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Es sieht zunächst absolut nicht so aus, als würde er diesen Ort jemals verlassen können. Damit beginnt dieses britische Musical-Adventures von Outsider Games und hat im weiteren Verlauf noch viel mehr Verrücktheiten auf Lager. Näheres dazu erfahrt Ihr wie immer im Review. Allerdings gibt es bei diesem Spiel bloß eine englische Fassung.

 

Wailing Heights


Das letzte Überbleibsel der Deadbeats

Wailing Heights

Hier sehen wir The Deadbeats... ein Bild, das der Vergangenheit angehört

Einst kannte man Frances Finklestein als Manager der besten britischen Rockband. Nicht The Beatles sind gemeint, sondern The Deadbeats. Dass dieser Name an die berühmten 'Pilzköpfe' erinnert und deren Musik in eine vergleichbare Richtung geht, ist freilich kein Zufall. Während es bei den Beatles noch Überlebende gibt, ist der gute Finklestein das letzte Überbleibsel seiner Gruppe. Wer an ihn denkt, dem fällt für gewöhnlich bloß ein wenig schmeichelhafter Spruch ein, den praktisch jedes Bandmitglied zu Lebzeiten gern verwendet hatte: „Bite me Finklestein!“ - dieser Spruch sagt viel über seine Rolle aus. Seit dem Zerfall der Band ist es nicht rosig für ihn gelaufen. Nach dem Tod des letzten ehemaligen Deadbeats klingelt das Telefon aber. Sein Agent hat einen Gig für ihn und zwar in einem kleinen, unbekannten Ort namens... wer errät es? Richtig: Wailing Heights.


Gig mit Folgen

Nach dieser kurz abgehandelten Einleitung, die in Comic-Form gezeigt wird, steigen wir ins Geschehen ein und es geht Schlag auf Schlag. Statt eines herzlichen Willkommens wurde Finklestein ins Gefängnis gezerrt. Das auf den ersten Blick gemütlich wirkende Wailing Heights ist kein gewöhnlicher Ort und existiert nicht per Zufall völlig abgeschottet vom Rest der Welt. Hier werden ausschließlich Vampire, Werwölfe, Zombies, Monster und dergleichen geduldet. Noch am Leben zu sein wird vor Gericht bestraft. Pech für unsere Hauptfigur.

Wailing Heights

Die Einleitung, sowie einige Zwischensequenzen, gibt es in Comic-Form

Zu allem Überdruß entpuppt sich sein Anwalt nicht nur als Geist, sondern auch als recht ordentlicher Versager. Abgesehen von einem schottischen Rap hat er wenig zu bieten. Aufgrund seiner Ausbildung hat er noch nicht einmal die Berechtigung, um gewisse Dinge in die Wege zu leiten, aber in 80 Jahren könnte er diesen Teil der Ausbildung nachgeholt haben. Darauf will es unser keineswegs lebensmüder Protagonist natürlich nicht ankommen lassen. Wie aus heiterem Himmel ergibt sich allerdings eine ganz andere Gelegenheit. Eine dubiose Gestalt bietet ihm eine besondere Fähigkeit an...


Finklestein the Body-Hopper

Finklestein lernt, wie man von fremden Körpern Besitz ergreifen kann. Dazu braucht es nicht nur den Namen, sondern man muss wissen, was die Zielperson hasst und liebt. Hat man die passenden Informationen und Objekte gefunden, verpackt man diese in einen kurzen Songfetzen und schwupp, schon kann der Körper-Wechsel erfolgen.

Wailing Heights

Jede spielbare Figur verfügt über eine Fähigkeit: Vampire können z.B. fliegen

Diese Fähigkeit bildet das tragende Spielprinzip in 'Wailing Heights'. Die Idee dahinter? Verschiedene Personen verfügen über unterschiedliche Berechtigungen und können somit andere Ziele erreichen. Nur Zombies verstehen zum Beispiel die Zombie-Sprache und nur ein Anwalt, darf gewisse Bereiche des Gemeindeamts betreten, um dort Nachforschungen anzustellen. Auch hat jedes Wesen eine spezielle Fähigkeiten. Vampire können sich zum Beispiel in Fledermäuse verwandeln und fliegen. All diese Fähigkeiten können ihren Teil dazu beitragen, um Finklesteins Körper aus dem Knast zu boxen. Allerdings muss man bei jedem Körper-Wechsel ganz in der Nähe sein, was mit längeren Laufwegen einhergeht. Und man kann schon mal vergessen, wer wo "geparkt" wurde.


Interessantes Rätsel-Design, wenn auch unausgereift

Bei fünf bis sieben Stunden Spielzeit erwarten uns also Rätsel, die vorwiegend darauf basieren, mit dem passenden Körper die richtige Ansprechstation zu finden, bestimmte Informationen zu erlangen und dazu passende Objekte zu finden. Die Steuerung ist stark an Gamepads angepasst. Wir steuern die Spielfigur also direkt durch die Umgebung und wenn eine Interaktionsmöglichkeit vor uns liegt, scheint die erforderliche Taste auf.

Wailing Heights

Wer die passenden drei Objekte hat, vervollständigt damit den Song der Person und kann Besitz von ihr ergreifen

Von welchen Körper wir Besitz ergreifen sollen, ist keine komplexe Angelegenheit. Landet der Name einer Person im Inventar, kann man sich sicher sein, dass das einen Grund hat. Auch die Wahl der korrekten drei Objekte/Informationen wird einem stets stark erleichtert, zumal falsche Objekte erst gar nicht erst unten im musikalischen Theme angezeigt werden, richtige sehr wohl (siehe Screenshot rechts). Zwar erfordert es kaum Denkarbeit, die korrekten drei Informationen und Objekte zu kombinieren, doch die zentrale Herausforderung besteht oft darin, diese überhaupt zu finden. Einerseits ist eben nicht jede spielbare Person dazu in der Lage alles zu bekommen und andererseits muss man die Umgebung gut im Auge behalten. Manchmal wurde dort ein passendes Objekt versteckt, welches zu dem passt, was jemand hasst oder auch liebt.

Leider ist das Gamedesign nicht ohne Fehl und Tadel. So gibt es einen Verkäufer, der jedes Gespräch zunächst eindeutig abblockt, später jedoch hat er - nach Erlangen einer bestimmten Informationen -, warum auch immer, doch noch einen bestimmten Wunsch erfüllt. Und man sollte wirklich jeden Ansprechpartner ansprechen, auch wenn man es vorher vielleicht schon einmal getan hat. Das führt zwangsläufig dazu, dass man ständig hin und her läuft, Körper wechselt und herumprobiert. Spätestens nach zwei, drei Stunden ist das nicht so lustig, weil 'Wailing Heights' sich zu wenig auf andere Gameplay-Säulen verlässt. Vielleicht die größte Schwachstelle des kunterbunten Comic-Vergnügens.


Nicht lustig? Oder doch?

Wailing Heights

Über den Humor kann man streiten, aber einfallsreich ist das Spiel definitiv

Wer Kevin Beimers 'Hector – Badge of Carnage' bereits gespielt hat, weiß in etwa wie der Humor-Hase läuft. Seine Handschrift sticht deutlich hervor. Diverse Dialekte von der britischen Insel tönen entgegen und die Pointen leben weniger von einer knackig pointierten Art, als von skurrilen Einfällen. Jeden Geschmack wird das nicht treffen. So einen bunten Haufen an Ideen in ein Adventure verpacken zu wollen, ist jedoch mutig und interessant anzusehen. Das Resultat funktioniert teilweise erstaunlich gut, aber eben nicht immer. Das Setting, die Charaktere... all das ist eine sehr ungewöhnliche Konstellation und auch die weitere Geschichte hat man so sicher noch nicht gespielt... schon gar nicht in Verbindung mit häufig vorkommenden Musical-Elementen. 

Selbst wenn man die Dialoge nicht lustig findet, kann einen das skurrile Drumherum entschädigen. Allerdings war 'Hector' in Summe ausgereifter und kompakter. 'Wailing Heights' verrennt sich hier und da in kreativer Willkür und wirkt als Gesamtwerk nicht so harmonisch, was auch der Umsetzung geschuldet sein dürfte. Schon das hastige Intro und einige Comic-Zwischensequenzen wollen mit dem Rest nur widerwillig zusammenwachsen und das kurze Finale wirkt etwas übereilt. Schade ist darüber hinaus, dass die Charaktere bald in den Hintergrund treten und die Story steht im Schatten des spielerischen Konzepts.



Interessantes Musical, das vom Sound her besser hätte sein können

Wailing Heights

Die Comic-Grafik ist hübsch. Leider sieht man von den Spielfiguren nur das linke, oder das rechte Profil, was seltsam wirkt, sobald sie vor- oder zurückgeht

Obgleich man über den Humor sicherlich streiten: wenn fetzige Nummern wie 'Betty the Banshee' aus einer Jukebox dröhnen, Werwölfe mit britisch gefärbtem Folk glänzen, oder eine einarmige Zombie-Sängerin einen gefühlvollen Soul-Hit zum Besten gibt... ja, das ist abgedreht und es ist schwer, nicht des Öfteren im Rhythmus mitzuwippen. Ein bisschen fühlt man sich wie bei einem Musikevent mit Musik-Talenten. Dadurch kann man vielleicht eher darüber hinwegsehen, dass die meisten Stücke hörbar nicht aufwändig aufgenommen und produziert wurden.

Bei einer Indie-Produktion sind Abstriche im technischen Bereich keine Überraschung. Die gibt es auch bei der höchstens semi-professionellen Sprachausgabe. Ab und zu kratzt es, manches ist zu laut und anderes zu leise. 'Wailing Heights' erweckt aufgrund solcher Baustellen immer wieder das Gefühl, noch nicht ganz fertig zu sein. Dieser Eindruck spiegelt sich auch in der eigentlich guten und sehr lebendigen 2D-Comic-Grafik wider. Bewegen wir uns vor und zurück im Bild, sehen wir dabei immer nur die linke, oder auch die rechte Hälfte der Spielfigur, was seltsam wirkt. Ansonsten kann man obligatorisch auf Bugs treffen, wie zum Beispiel, wenn ein Vampir sich plötzlich ohne Animationen bewegt, die Zwischensequenzen können noch dazu ruckeln und Dialoge über den Bildrand hinausreichen. Im Einzelfall sind solche Dinge verschmerzbar, aber bei 'Wailing Heights' kann sich das anhäufen, wodurch das Spielerlebnis nicht so rund ist, wie es möglich gewesen wäre.


Galerien

Fazit:

Wertung: 69%

Was die spielerische Umsetzung anbelangt, so ist 'Wailing Heights' interessant gelungen. Die narrative Ausgangslage ist zudem erfrischend abgedreht und das originelle Konzept lässt manche Defizite leichter verzeihen. Leider gibt es noch ein paar Bugs und viele Abstimmungsproblemen im Audio-Bereich. Die Qualität der Sprachsamples ist maximal mittelprächtig und ähnliches gilt für den Klang der Musikstücke, die aber trotzdem sehr stimmungsvoll und abwechslungsreich gelungen sind. Noch dazu nutzt sich das Konzept mit der Zeit ein bisschen ab und nicht alle Rätsel belohnen einen für die mitunter recht langen Laufwege. Obwohl ich durchaus Spaß mit 'Wailing Heights' hatte, kann ich nicht umhin, der vergebenen Chance nachzutrauern, denn es wäre sehr viel mehr möglich gewesen.

geschrieben am 02.05.16, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Steam
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