Reviews: Verliebt in Berlin:

Verliebt in Berlin


Es war im Juli diesen Jahres, als dtp ankündigte, eine PC-Adaption zur SAT.1-Serie 'Verliebt in Berlin' zu veröffentlichen. Das Besondere daran: Anders als bisher wurde das Spiel von dtp nicht nur vermarktet und veröffentlicht, die Hamburger Firma kümmerte sich auch um Konzeption und Produktion. Nicht weniger erstaunt war das Adventure-Genre, als bekannt wurde, dass sich die Köpfe von House of Tales, zuvor bekannt geworden durch 'Das Gehemnis der Druiden' und 'The Moment of Silence', um die Konzeption kümmern sollten. Trotzdem blieb vor allem denjenigen ein flaues Gefühl in der Magengegend, die sich nicht zum großen Kreis der Telenovela-Fans zählen, nicht zuletzt wegen der offensichtlich sehr kurzen Produktionszeit, denn erschienen ist das Spiel bereits knapp sechs Monate später - pünktlich zum Weihnachtsgeschäft. In unserem ausführlich Test könnt ihr nachlesen, ob sich dieses Gefühl beim Spielen des Spiels bestätigt...


Herumtollen an Originalschauplätzen

Gleich zu Beginn des Spiels kommt man ohne große Umschweife ins Zimmer von Lisa Plenske, die sich gerade ihre alten Tagebucheinträge durchliest und das damals Erlebte Revue passieren lässt. Einen vorgelesenen Tagebucheintrag später darf der Spieler die Rolle der Lisa übernehmen und diese Erinnerungen "er"spielen. Dem regelmäßigen Zuschauer der SAT.1-Telenovela wird relativ schnell auffallen, dass es sich bei allen Locations um die nachmodellierten Originalschauplätzen der Serie handelt, die allesamt einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Allerdings durften sich die Macher des Spiels sicherlich auch mit den einzelnen Locations etwas Zeit und Mühe bei der Entwicklung lassen, da man lediglich eine Hand voll Locations zu Gesicht bekommt. In der sehr kurzen Spielzeit bekommt der Spieler lediglich Lisas zu Hause, Kerima Moda, den Kiosk und die Bar zu sehen. Dazu jedoch später mehr.
Natürlich tümmeln sich auch die Originalcharaktere an den Originalschauplätzen, die ebenfalls ganz nett nachgebildet wurden und lediglich durch etwas mittelprächtige Animationen auffallen. Die Übergänge sind teilweise sehr ruckartig und auch angepasste Animationen bei Aufnahme oder Benutzen eines Gegenstandes sind Mangelware. Das hätte man mit etwas mehr Aufwand sicherlich ordentlicher hinbekommen. Besonders ärgerlich wird ein solcher Umstand aber zum Beispiel, wenn man ein Glas leer trinkt, ohne das wirklich mitzubekommen, weil selbiges in der Detailansicht plötzlich seinen Wasserinhalt verliert und man dazu nicht einmal ein Geräusch serviert bekommt, das einem unmissverständlich deutlich machen würde, was man soeben getan hat.

Keine Schwächen bei der Synchronisierung

Originalmaterial bekam das Spiel auch bei der Synchronisierung spendiert: Für die Charaktere wurden die Originalschauspieler ins Studio gebeten, um die Texte aufzunehmen. Regie führte dabei Martin Ganteföhr, der sich mit House of Tales auch um die Konzeption des Spiels bemühte. Und der Aufwand dabei hat sich wirklich gelohnt: Alle Sprecher machen ausnahmslos einen sehr guten Eindruck, was wohl nicht zuletzt auf die Erfahrung der Sprecher in ihren gesprochenen Rollen zurückzuführen ist. Etwas mehr Blöße gaben sich die Macher des Spiels jedoch bei der Hintergrundmusik: Diese ist nur sehr spärlich im Spiel vorhanden, fällt aber, wenn vorhanden, wenigstens nicht negativ auf. Etwas mehr hätte man aber sicherlich erwarten können.

"Adventure mit Rollenspielelementen"

Als das Spiel vor nun mehr einem halben Jahr angekündigt worden war, sprach dtp vielleicht etwas vollmundig von einem "Adventure mit Rollenspielementen". In der Realität sieht das so aus: Der Spieler lenkt Lisa Plenske mit einem Mauszeiger, der sich bei einem interessanten Objekt in eine Lupe verwandelt. Ein Linksklick lässt Lisa das Objekt benutzen, oder eine Nahdarstellung anzeigen, ein Rechtsklick verleitet Lisa zu einem kleinen beschreibenden Satz zu dem entsprechenden Objekt. Das Inventar befindet sich am unteren Bildschirmrand. Wer ein Objekt aus dem Inventar näher anschauen will, muss es auf eine Lupe ziehen, die sich ebenfalls am unteren Bildschirmrand befindet. Nichts ungewöhnliches für ein Point 'n' Click-Adventure also. Am oberen Bildschirmrand befinden sich unterschiedliche Balken, die den aktuellen "Zustand" von Lisa sowie dem jeweiligen Gesprächspartner angeben. Bei Lisa sind das 'Attraktivität', 'Beliebtheit' und 'Selbstbewusstsein', bei Gesprächspartnern 'Aufmerksamkeit', 'Kooperation' und 'Sympathie'. Diese Eigenschaften sollen sich je nach Gespräch ändern und damit den Spielablauf beeinflussen. Jedoch hatten wir beim Durchspielen zu kaum einer Stelle den Eindruck, dass wir je nach Lust und Laune die Balken hätten beeinflussen können, vielmehr waren die Änderungen sehr spärlich gesät und folgten auf Dialoge, die unumgänglich waren und damit von jedem Spieler exakt gleich nachzuvollziehen sind. Es bleibt also anzuzweifeln, ob ein anderer Spieler den Plot signifikant beeinflussen kann, indem er Lisa andere Antworten geben lässt. Weitere Variationsmöglichkeiten werden dem Spieler durch Lisas Kleiderschrank gegeben, mit dem man Lisa ein anderes Outfit geben kann, was jedoch keinerlei Einfluss auf das Spiel hat. Ob dtp mit den angekündigten "Rollenspielelementen" den Kleiderschrank gemeint hat, ist anzuzweifeln, wir würden jedoch weder Kleiderschrank noch Balkensystem als Rollenspielement bezeichnen.

Zielgruppenorientiert

Bleibt also die Bezeichnung "Adventure", der wir uns jetzt näher widmen wollen: "Adventures oder Abenteuerspiele bezeichnen rätselbasierte Computerspiele.". So beschreibt es Wikipedia und wir würden diese Aussage erstmal vorbehaltlos unterschreiben. Jedoch gibt es da ein kleines, aber nicht zu unterschätzendes Wort, mit dem 'Verliebt in Berlin' seine Probleme haben dürfte: "rätselbasiert". Hat man das Spiel durchgespielt und stellt sich danach die Frage, wieviele Rätsel man nun denn gelöst habe, bei denen man wirklich überlegen musste, so muss die Antwort schlicht und einfach heißen: Eins. Keines mehr und keines weniger. Welches das ist, bleibt dem Spieler selbst überlassen, im restlichen Spiel beschränken sich die Rätsel aber zu 80% auf: 'Besorg mir das und das, dazu musst du den und den anrufen und das Fax dann an Richard weiterleiten'. Genau genommen ließe sich das Spiel umbenennen in 'Praktikantin in Berlin', denn mehr als Praktikantenjobs, bei denen man nichts überlegen muss, gibt es kaum zu tun. Ein gutes Adventure zeichnet sich außerdem nach der Meinung vieler auch danach aus, dass man sich auf Rätsel konzentrieren muss und unwichtiges Zwischendrin weggelassen wird. Bestes Beispiel hierfür ist der Klassiker 'Monkey Island 2': Man muss Guybrush nur einmal zeigen, wie man mit den Planken den Baum hinauf klettern kann und danach macht er den Rest selbst. Bei 'Verliebt in Berlin' scheint man den umgekehrten Weg gegangen zu sein: Man hat die Rätsel weggelassen und spezialisiert sich auf das Unwichtige dazwischen. Allzu oft muss Lisa lediglich zwischen Punkt A und Punkt B hin- und herrennen, ohne irgendwelche Rätsel zu lösen, oder monotone Aufgaben erledigen (als Beispiel sei hier das Ausschneiden von Schnittmustern aus Stoff genannt, das etliche Male auf ein und dieselbe Weise durchgeführt werden muss). Dadurch verkommt das Spiel zu einem schnöden Geklicke ohne jegliche geistige Herausforderung, was nur einen einzigen Vorteil bringt: Man freut sich schon fast, dass das Spiel dadurch eine äußerst mäßige Spielzeit von schätzungsweise vier bis fünf Stunden erreicht. Profis werden kaum bessere Zeiten erzielen, weil es auch keine Möglichkeiten gibt, Lisa zu schnellerem Gehen zu überreden.
Deshalb nehmen wir an, dass dtp eine andere Zielgruppe anspricht als mit den sonstigen im Aufgebot befindlichen Adventures. Wie jedoch dtp den intellektuellen Grad dieser Zielgruppe ansiedelt, können wir nur vermuten und möchten das, den Fans und täglichen Zuschauern der Telenovela zuliebe, auch nicht näher ausführen. Dass jedoch ein 9-jähriges Mädchen das Spiel in knapp zwei Tagen ohne Probleme durchgespielt hat spricht, trotz allem Respekt vor den geistigen Fähigkeiten einer Drittklässlerin, nicht unbedingt für den Schwierigkeitsgrad eines Spiels.

Allgemein leidet das Spiel unter einem etwas unflüssigen, unvorteilhaften Ablauf. Nicht selten kam es beim Durchspielen vor, dass wir ein "Rätsel" im Prinzip gelöst hatten und nur noch abschließend mit jemand sprechen mussten, das aber nicht klar gesagt bekamen, bzw. erst, wenn man eine bestimmte Location betrat. Das nervt beim Durchspielen und gibt dem Spieler teilweise das Gefühl, etwas hilflos und verloren zu sein. Es ist kein klarer Handlungsstrang zu erkennen, man hetzt nur von einer kleinen Teilaufgabe zur nächsten, es gibt keine großen Schritte, die man nimmt und dann eine nächste große Aufgabe vor sich hat. So kann sich während des gesamten Spiels kaum bis keine Spannung aufbauen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 60%

'Verliebt in Berlin' ist für Fans der Serie sicherlich eine gelungene Umsetzung des Telenovela-Themas. Für Adventure-Fans bietet das Spiel aber viel zu wenig Herausforderungen, um interessant zu werden. Aber es gibt nicht nur Schattenseiten: Der Originalcontent wurde ordentlich umgesetzt, zumindest in einem Maße, den man für knapp 30 Euro erwarten kann. Besonders hervorzuheben sind hierbei die guten Synchronsprecher, die im Gegensatz zum restlichen Spiel auf Top-Niveau sind.
Für Fans der Serie ist das Spiel sicherlich trotz kurzer Spielzeit zumindest bedingt zu empfehlen, alle anderen werden sich lediglich über ein Feature des Spiels besonders freuen: Der Deinstaller entfernt das Spiel innerhalb von Sekunden von der heimischen Festplatte.

geschrieben am 01.01.06, Moritz Kollmann

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 98/ME/2000/XP
CPU 1 Ghz
128 MB RAM
GeForce 2 64 MB Grafikkarte
600 MB freier Festplattenspeicher
Offizielle Webseite zum Spiel
Offizielle ViB-Homepage
Webseite von Publisher dtp


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