Reviews: Inner Voices:

Inner Voices


Den Weg zu Steam hat das First-Person-Adventure 'Inner Voices' über die Community-Plattform Steam Greenlight gefunden. Eine gute Möglichkeit für Indie-Entwickler wie die noch unbekannten Sigma Games, um genügend Aufmerksamkeit zu erzeugen und das Interesse innerhalb der Adventure-Gemeinde zu wecken. Seit Mitte Mai ist der Titel nun verfügbar und so wollen wir es uns nicht nehmen lassen und Euch mit dem folgenden Test verraten, ob sich der Ausflug in die psychologischen Tiefen des Horror-Abenteuers auch lohnt.

 

 

Ein gerne genommener Klassiker: Der Held mit Erinnerungslücken

 

Schulklasse

Die Zwischenwelt von Inner Voices versucht mit der Psyche zu spielen. 

Wozu schon ausschweifende Erklärungen? Stattdessen dürfen wir gleich den Sprung ins kalte Wasser erleben, denn so und nicht anders fühlen sich die ersten Minuten von 'Inner Voices' an. Wo wir sind, was wir dort machen oder wie wir überhaupt dorthin gekommen sind, diese Fragen sind, während wir uns zunächst mit der First-Person-Steuerung vertraut machen, nämlich noch genauso offen wie auch schon die eigentliche Identität des Protagonisten. Stattdessen wagen wir die ersten Schritte via Maus- und Tastatursteuerung und aus Sicht der zunächst einmal mysteriösen unbekannten Person vollkommen ahnungslos durch die Gegend. Die Umgebung wirkt dabei vor allem irgendwie surreal und unwirklich. Kahle Wände, Abgründe, schwebende und sich spontan materialisierende Stufen - all das und mehr bereitet den Weg in immer weitere, nicht vertraute Bereiche einer merkwürdigen Welt. Sind dies noch Teile der Wirklichkeit oder nur die eines merkwürdigen, aber doch sehr lebendigen Traums? 

neue Wege

Vieles ist nicht so, wie es zunächst aussehen mag. 

Und dann ist da diese Stimme. Eine vertraute, aber dennoch auch fremdartige Stimme, die nur in unserem Kopf zu existieren scheint. Und die uns mal eben im Vorbeigehen davon erzählt, dass wir eigentlich auf den Namen John Blake hören und die ganze Situation mit Sicherheit nicht einfach nur erträumen. Falls dieser inneren Eingebung Glauben geschenkt werden darf, ist die uns benannte Alternative jedoch keineswegs eine erfreuliche, denn John soll sich längst nicht mehr im Reich der Lebenden befinden - eine furchterregende Vorstellung. Generell ist es eine schwierige Frage, auf was sich John in dieser Welt überhaupt verlassen kann, so er doch jegliche Erinnerung an seine Vergangenheit verloren zu haben scheint und sich somit einzig auf seinen Instinkt verlassen muss. Doch will er seine Erinnerung zurückerlangen und herausfinden, in was er hier verstrickt wurde oder wie er sich womöglich aus dieser misslichen Lage befreien kann, wird ihm am Ende nicht viel übrig bleiben, als sich Stück für Stück vorzuarbeiten und den Anweisungen des geheimnisvollen Begleiters Folge zu leisten. Fremdsprachen-Verweigerer sollten an dieser Stelle übrigens aufhorchen, denn alle Dialoge und Dokumente sind nicht in deutscher Sprache verfügbar. Weder in gesprochener, noch geschriebener Form.



Im Wohnzimmer des Chaosprinzips


Pausenmenü

Das Pausenmenü ist begehbar wie manch ein Kleiderschrank. 

'Inner Voices' bezeichnet sich selbst als nicht-lineares Adventure und zieht diese Linie auch oberflächlich betrachtet eiskalt durch. Am offensichtlichsten zeigt sich das System am Weltendesign, denn im Grunde kann man sich nur darauf verlassen, dass man sich eben auf nichts verlassen sollte. Auf der Suche nach sich selbst und nach Antworten muss John einige Korridore, Räume und Türen hinter sich lassen, ohne dabei zu wissen, was sich hinter dem nächsten Durchgang verbergen wird. Die ganze Welt ist dabei als ein riesiges Labyrinth aufgebaut. Jede Tür kann im Prinzip zu vielerlei Orten führen. Selbst wenn ein Raum mehrfach durchlaufen wird - und das werden sie zwangsläufig unzählige Male - kann eine Tür, die vorhin noch zu einem bestimmten Ort reichte, beim nächsten Durchschreiten ganz wo anders hin leiten. Der Titel scheint ein wenig darauf bedacht, mit der Psyche spielen zu wollen und demonstriert dies auch immer wieder mit seinen unterschiedlichen Arealen. Betreten wir etwa einen Raum und drehen diesem nur ganz beiläufig kurz den Rücken zu, so kann sich dieser bei der nächsten Betrachtung stark verändert haben und die vorher gewöhnlich platzierten Stühle hängen etwa urplötzlich kopfüber von der Decke. Auf derartige spontane Verblüffungseffekte und ähnliche Kniffe, die ganz bewusst ein Gefühl von Unbehagen und des Kontrollverlustes wecken sollen, greift 'Inner Voices' nur allzu gerne zurück. 

Beleuchtung

Mit der Beleuchtung hat Inner Voices seine Probleme. Dadurch sind auch manche Dokumente schwer lesbar. 

So interessant das zunächst auch alles klingen mag, so sehr kann das Prinzip mit zunehmender Spieldauer aber auch ziemlich anstrengend werden. Wenn wir zum zehnten Mal den gleichen Raum in der Hoffnung durchlaufen haben, nun endlich im Spiel voran zu kommen, dann leidet darunter irgendwann die beabsichtigte Faszination für den vorherrschenden Surrealismus. Daran ändern auch die gelegentlichen Jump Scares wenig, wenn einmal mehr wie aus dem Nichts eine merkwürdige Gestalt vor einem durchs Bild huscht (dank eines veröffentlichten Patches können Angsthasen diese Option inzwischen übrigens deaktivieren). Stattdessen ist die Verlockung doch sehr groß, nur noch von Raum zu Raum und immer direkt auf die nächstbeste Türe zu hetzen, da es im Endeffekt vollkommen gleichgültig ist, welche oder in welcher Reihenfolge diese schlussendlich durchschreitet werden. Durch die ganze Herumrennerei rücken stattdessen die eigentlich wichtigen Komponenten des Spiels in den Hintergrund und wichtige Details werden allzu schnell übersehen. Denn um voranzukommen, muss John in der Umgebung Erinnerungswürfel finden, die ihm nach und nach wieder Teile seiner Vergangenheit offenbaren sollen und einen Schlüssel zur Lösung der Geschichte beisteuern. Manchmal sieht man aber einfach den Wald vor lauter Bäumen bzw. die Erinnerungswürfel vor lauter Räumen und Türen nicht. 



Schwache Beleuchtung, detailarme Texturen und weitere Probleme



Grafik

Neben verbesserungswürdiger Beleuchtung sind auch viele Texturen nicht optimal gewählt. 

Vielleicht könnte man das mysteriöse Labyrinth mit seinen bizarren Räumen auch einfach mehr genießen, wenn 'Inner Voices' grafisch ein wenig mehr aus sich raus kommen würde. Eigentlich untypisch für die leistungsstarke Unreal-Engine, lässt der Titel sich die Chance einer noch viel dichteren Atmosphäre durch zu simple Umgebungsbeleuchtung und detailarme Texturen leider etwas entgleiten. Dazu gesellen sich weitere kleine und größere Probleme, wie eine Auflösung, die sich auf dem Testsystem nur mit sehr viel Widerwillen auf das gewünschte Format umstellen lässt und sich nach jedem Neustart zurücksetzt, oder mitunter deutliche Performanz-Einbrüche, die sich nicht wirklich sinnvoll erklären lassen. So kommt es mitunter zu in der Intensität starken und störenden Rucklern an unverständlichen Stellen wie fast nahezu vollständig abgedunkelten und darüber hinaus detailarmen Räumen.

Diverse Bugs machen es uns dabei ebenfalls nicht unbedingt einfacher, die Herausforderung des Spiels anzunehmen und zu genießen. So konnte im Laufe der Handlung zwar eines der vielen Erinnerungsrätsel erfolgreich gelöst werden und es offenbarte sich der benötigte Gegenstand zum Weiterkommen, doch führte das Raumlabyrinth auch weiterhin immer und immer wieder an die Ausgangsstelle zurück, anstatt neue Orte freizugeben. Dass es sich hierbei um einen Fehler handelt, war durch den nicht-linearen Aufbau der Welt zunächst jedoch gar nicht so einfach ersichtlich, da es nunmal keine genau festgelegte Route in der Geschichte zu geben scheint. Erst nach einigem zeit- und nervenraubendem Gerenne wurde dieser Umstand jedoch immer offensichtlicher. So hatte sich das erwähnte und bereits gelöste Rätsel teilweise wieder zurückgesetzt und musste schlichtweg noch einmal gelöst werden, was dann auch schlussendlich mit dem überfälligen Fortschritt belohnt wurde. Ärgerlich. 



Wer suchet, der findet



Horror

Nichts für Angsthasen. Zumindest die Jump Scares können aber inzwischen Dank Patch deaktiviert werden. 

Insgesamt sind die Rätsel nicht übermäßig spektakulär und zeigen sich meist als einfache Such- und Find-Aufgaben, um ein weiteres dieser Erinnerungsstücke für John freizuschalten. Das heißt Gegenstände einsammeln und andernorts wieder einsetzen lautet die Devise, auf ein Inventar wird dabei allerdings verzichtet und es kann immer nur ein Objekt gleichzeitig in der Hand mitgeführt werden. Gelegentlich verlässt 'Inner Voices' jedoch auch diesen Pfad und John muss einen Irrweg mittels in der richtigen Reihenfolge gewählter Abzweigungen bestreiten oder er sieht sich unterschiedlichen Herausforderungen wie einem Verhör bzw. einer Befragung konfrontiert, kann diese dabei mittels Dialog-Optionen ein wenig lenken und gestalten. Für die relativ kurze Spieldauer von 2-3 Stunden ist in der Hinsicht also schon einiges an Abwechslung geboten. Doch gerade weil 'Inner Voices' auf seine Nicht-Linearität so stolz ist, ist es doch mehr als schade, dass sich dieser Ansatz nicht auch in den Rätseln selbst widerspiegelt. Denn abgesehen davon, dass sich Objekte bei mehrmaligem Durchspielen an geringfügig unterschiedlichen Orten befinden, passiert an jener Front nicht sonderlich viel. Exemplarisch für diese leicht verspielte Chance ist es etwa an John, im späteren Verlauf ein Ritual zu Ende bringen, wozu in einem der auszuführenden Schritte Kerzen entfacht werden müssen. Ganz in der Nähe befinden sich bereits einige brennende Gegenstücke, die aber leider nicht dafür eingesetzt werden können, um die Flamme auf die übrigen Kerzen zu übertragen. Die Lösung für diese Aufgabe ist stattdessen mit dem Ausfindigmachen eines Feuerzeugs in der Umgebung inkosequenterweise fest vorgeschrieben. Etwas mehr Flexibilität hätte dem Spiel in solchen Situationen ganz gut getan. 


Galerien

Fazit:

Wertung: 56%

'Inner Voices' versucht sich an einigen neuen Ansätzen und baut seine düstere Welt über ein nicht-lineares System auf, bei dem die zu wählenden Pfade nie eindeutig oder vorauszusagen sind. Dabei verliert der Titel aber so ein wenig aus den Augen, was wirklich wichtig für ein mitreißendes Erlebnis ist. Viel von der anfänglichen Faszination geht verloren, wenn man sich erst einmal ein wenig in der Handlung vorgewagt hat und wir Teile des Spiels nur noch mit bloßem Umherrennen durch bereits bekannte Orte verbringen. Und auch wenn die Handlung mit einigen Kehrtwenden und mehreren verschiedenen Enden überraschen möchte, so kommt die Geschichte trotz allem Bemühen nie so recht aus dem Knick. Was am Ende übrig bleibt, ist ein eher ernüchterndes Erlebnis, dem mehr Feinschliff in so ziemlich allen Bereichen deutlich gut getan hatte.

geschrieben am 19.07.17, Andreas Baumann

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Dieses Review gehört zu  Inner Voices.




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