Reviews: Detective Gallo:

Detective Gallo


Noir-Krimis im Comicstil – das ist nun nicht unbedingt etwas Neues im Adventure-Genre. Die Brüder Francesco und Maurizio De Angelis haben sich mit 'Detective Gallo' daran gemacht, dem Ganzen frischen Schwung zu verpassen. Das via Crowdfunding finanzierte Spiel verspricht eine abgedrehte Story und will dazu mit handgezeichneter, von Hand animierter Grafik sowie einer einfachen Point-and-Click-Steuerung glänzen. Wir haben uns im Test angesehen, ob das Spiel die hohen Erwartungen erfüllen kann.

 

 

Feiges Huhn? Mitnichten!

GalloScreen

Phil Cloro braucht dringend einen fähigen Ermittler.

Man nehme: eine Stadt wie jede andere, einen Serienkiller und einen grantigen Ermittler im Trenchcoat, der sich mit viel Sarkasmus und Zynismus daran macht, die seltsame Mordserie aufzuklären. So weit, so bekannt. Was bei 'Detective Gallo' anders ist: Sämtliche Protagonisten sind Hühner, und bei den Mordopfern handelt es sich um Pflanzen, die hinterrücks dahingemeuchelt werden. Gallo, der bereits über 300 Fälle gelöst hat, nimmt den Auftrag des verschrobenen Multimilliardärs Phil Cloro an. Der ist leicht paranoid und hütet seine Pflanzen wie seinen Augapfel. Klar, dass er völlig aus der Fassung gerät, als ein Unbekannter vier seiner Lieblinge kaltblütig ermordet. Gallo soll den Übeltäter finden, und das pronto. Gemeinsam mit seinem Sidekick Thorn, einem Kaktus, macht sich Gallo an die Arbeit. Bald zeigt sich: Cloro ist nicht der Einzige, dessen Pflanzen dran glauben müssen. Tatsächlich scheinen alle Bewohner der Stadt dasselbe Problem zu haben, und entsprechend gefragt sind Gallos Dienste.

Was wie ein mehr oder weniger typischer Noir-Krimi startet – von der bizarren Mordserie und den nicht minder schrägen Charakteren mal abgesehen -, nimmt im Verlauf der etwa fünf bis sechs Stunden die ein oder andere unerwartete Wendung und wartet mit einem Ende auf, das ich so nicht erwartet hätte. Dadurch, dass sich die Entwickler auf das Wesentliche konzentriert haben, bleibt die Story von Anfang bis Ende interessant, verliert sich nicht in Nebensächlichkeiten und macht obendrein auch sehr viel Spaß. Teilweise hatte ich allerdings leichte Probleme mit Gallo selbst – an manchen Stellen ist er zu selbstverliebt, zu zynisch und teilweise auch etwas gemein. Trotzdem ist er, wie der Rest der ausgeflippten Menagerie, ein Charakter, den man nicht so schnell vergisst. Und schon gar nicht kann davon die Rede sein, dass er ein feiges Huhn wäre. Schon eher hat er einen Sauberkeitstick und weigert sich mehr als einmal, in Müll zu stöbern oder etwas zu berühren, das nicht tiptop sauber ist. Anders als andere Noir-Detektive hat Gallo auch kein Alkoholproblem. Allerdings kann er andere Lebewesen partout nicht leiden, was sich in einer ausgeprägten Soziophobie äußert. Die wiederum kompensiert er mit einer Leidenschaft für durchnummerierte Regeln, die bei jeder passenden (und auch bei jeder unpassenden) Gelegenheit rezitiert werden.

Handarbeit vom Feinsten

GalloScreen

Die Schauplätze sind abwechslungsreich.

Eine Stärke des Spiels ist sicherlich die liebevoll von Hand gezeichnete und animierte Grafik, die auf den ersten Blick zu gefallen weiß und mit Einfallsreichtum glänzt. Die Schauplätze überzeugen durch individuelle Gestaltung, dazu gibt es einiges zu sehen. So glitzern auf der Straße zum Emporium, wo jeder alles kaufen kann, falsche Geldmünzen, im Vordergrund plätschert ein mit Tränen betriebener Brunnen vor sich hin, in einem Taxi schnarcht der Fahrer friedlich vor sich hin, und auch die hingemordeten Pflanzen bekommen wir zu sehen. Die einzelnen Charaktere haben ein unverwechselbares Äußeres verpasst bekommen, und selbst Nebenfiguren, die nur einmal auftauchen und eigentlich mit der Geschichte nichts zu tun haben, wurden sorgfältig gestaltet. Etwas mehr Bewegung im Hintergrund hätte dem Ganzen vielleicht gut getan, insgesamt macht die optische Gestaltung aber einen sehr runden, durchdachten Eindruck.

Ebenfalls gut gelungen: die Lokalisation, die derzeit nur auf Englisch oder Italienisch verfügbar ist (Untertitel gibt es unter anderem auf Deutsch). Die Sprecher und Sprecherinnen machen allesamt einen hervorragenden Job – Gallo klingt zynisch und abgeklärt, teilweise vielleicht ein wenig zu cool für diese Welt, während seine Verehrerin das verliebte Huhn heraushängen lassen darf und mit piepsiger, liebestrunkener Stimme erklärt, dass Gallo ihr Held ist. Auch die übrigen Charaktere sind hervorragend vertont; die Qualität der Sprachausgabe ist für ein Indie-Spiel beachtlich und muss sich hinter größeren Titeln wirklich nicht verstecken.

Musikalisch pendeln wir zwischen Noir-typischem Jazz und Blues, wobei die Untermalung je nach Szenerie wechselt. Dazu gesellen sich Hintergrundgeräusche, ebenfalls passend zur jeweiligen Szenerie, dabei aber teilweise etwas repetitiv. Wenn man sich beispielsweise länger im „Emporium“ aufhalten muss, wo man angeblich alles kaufen kann, dann kann es nach einer Weile schon nervig sein, dass der durchtrieben grinsende Inhaber alle paar Sekunden die Registrierkasse öffnet und schließt, mit vernehmbarem Klingeln, versteht sich. Das war allerdings auch die einzige Stelle, an der ich die Hintergrundgeräusche als etwas störend empfunden habe. Ansonsten haben sie sich perfekt in die Umgebung eingefügt, ganz egal, ob es das Schnarchen eines faulen Taxifahrers war, das Plätschern des oben erwähnten Tränen-Brunnens oder Gallos energische Schritte, mit denen er die namenlose Stadt durchquert.

Klassisches Point-and-Click

GalloScreen

Im Notizbuch werden die Aufgaben festgehalten.

Die Steuerung von 'Detective Gallo' ist denkbar einfach gehalten: Wir benötigen lediglich die linke und die rechte Maustaste, um mit unserer Umwelt zu interagieren. Ein Druck auf die linke Maustaste löst entweder einen Dialog aus oder lässt uns etwas benutzen bzw. öffnen, mit Hilfe der rechten Maustaste können wir Charaktere und Dinge näher untersuchen – auch im Inventar. Intuitiver geht es eigentlich nicht. Dennoch haben es sich die Entwickler nicht nehmen lassen, in Gallos Notizbuch eine minimalistische bebilderte Anweisung zur Steuerung zu hinterlegen. Per Doppelklick kann Gallo einen Schauplatz flugs verlassen, eine Funktion, die sich angesichts der vielen Laufwege als sehr praktisch erwiesen hat.

Spielerisch werden vor allem Adventure-Veteranen nicht sonderlich herausgefordert sein: Durch zahlreiche Gespräche erhalten wir immer wieder Hinweise, die uns weiterbringen, und auch Inventargegenstände können uns weiterhelfen. Die meisten Aufgaben bestehen darin, die richtige Information aus dem Gegenüber herauszukitzeln, wobei es keine festgelegte Vorgangsweise gibt. Dazu gesellen sich klassische Inventarrätsel, d.h. wir dürfen regelmäßig Gegenstände, die wir aufgesammelt haben, mit unserer Umwelt kombinieren – oder miteinander, wenn wir etwas bauen müssen. Das kommt allerdings eher selten vor und wenn, dann liefert das Spiel einen Hinweis, was zu tun ist. Zwar gibt es hin und wieder dennoch Stellen, an denen man hängen bleiben kann. Dann hat man aber in der Regel bei einem Dialog nicht gut genug aufgepasst oder schlichtweg vergessen, dass man einen bestimmten Gegenstand im Inventar hat, mit dem man eine bestimmte Aktion durchführen kann. Oder man hat die Umgebung nicht sorgfältig abgesucht – wer mag, kann dazu eine Hotspot-Anzeige verwenden. Wer auf selbige verzichtet, bekommt ein Achievement verliehen.

Anders gesagt: Das Spiel nimmt einen sehr bei der Hand, ohne zu viel vorzugeben. Bisweilen dürfen wir unsere grauen Zellen zwar etwas anstrengen, wirklich knifflig oder unlösbar schwierig wird es aber nie. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich auf der unteren Skala und gestaltet sich extrem einsteigerfreundlich. Und falls man mal wirklich nicht weiter weiß, hilft noch immer Trial and Error – anders gesagt: Probiere alles mit allem aus. In der Regel weiß man aber, was zu tun ist, was durch den doch sehr logischen Aufbau der Aufgaben unterstützt wird. Ein Manko darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Es kann passieren, dass man als Spieler bereits die Lösung einer Aufgabe kennt, diese aber nicht ausführen kann, weil dazu erst der entsprechende Hinweis getriggert werden muss. Das führt dann zu etwas absurden Situationen, etwa, dass Dialoge, die sich auf den noch nicht getriggerten Hinweis beziehen, abgespielt werden. Allerdings kommt das eher selten vor und stört auch nicht weiter.


Galerien

Fazit:

Wertung: 82%

Mit 'Detective Gallo' haben Footprints ein sehr kurzweiliges Adventure im klassischen Stil vorgelegt, das zu unterhalten weiß und vor allem mit einer liebevoll gezeichneten Comic-Grafik glänzt. Auch wenn die Grafik auf den ersten Blick ein Spiel für Kinder suggeriert: Die sarkastischen Kommentare des Helden und die ein oder andere Anspielung auf Popkultur-Themen sorgen in Kombination mit der schrägen Story dafür, dass sich auch Erwachsene angesprochen fühlen werden. Zwar kann Gallo sämtliche Charaktere im Spiel mit seiner Waffe bedrohen, jugendgefährdend ist das aber nicht - zumal er oft genug anmerkt, dass er die jeweilige Person unmöglich erschießen kann.

Die Story mag zwar nicht sonderlich neu sein, erhält aber dadurch, dass Menschen gegen Hühner und Mordopfer gegen Pflanzen ausgetauscht werden, einen skurrilen Twist, der richtig Spaß macht. Dazu beschränkt sich die Geschichte auf das Wesentliche und verzichtet auf unnötige Nebenstränge, sodass man 'Detective Gallo' in fünf bis sechs Stunden durchspielen kann. Erfahrene Spieler werden den Fall vermutlich noch schneller gelöst haben. Hervorzuheben ist auch die sehr gelungene Sprachausgabe, die durchaus mit größeren Titeln mithalten kann. Die intuitive Steuerung wird Einsteigern und Veteranen gleichermaßen Freude bereiten, und die schrägen Charaktere behält man garantiert noch lange in Erinnerung.

geschrieben am 16.07.18, Susanne Lang-Vorhofer

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Dieses Review gehört zu  Detective Gallo.




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