Reviews: Captain Disaster in: Death has a Million Stomping Boots:

Captain Disaster in: Death has a Million Stomping Boots


Ein mehr oder weniger draufgängerischer, etwas verhuschter Weltraum-Captain, jede Menge Popkultur-Referenzen, ein großnasiger Bösewicht mit einem Hang zum Größenwahn und ein Retro-Grafikstil bilden die zentralen Ingredienzien für das Indie-Adventure 'Captain Disaster in: Death has a Million Stomping Boots'. Wir haben uns im Test angesehen, wie sich die Geschichte in drei Akten aus dem Hause Team Disaster schlägt.

 

 

 

Gestatten: Captain Disaster, intergalaktischer Botenjunge

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Die Einreisebestimmungen auf Acturus-1 sind ganz schön streng.

Captain Disaster, seines Zeichens stolzer Besitzer eines Raumschiffs, leicht desorganisiert und irgendwie nicht gerade der Hellste, wird von seinem Bordcomputer darauf hingewiesen, dass er Geld verdienen muss. Nur ein Job scheint genau das Richtige für ihn zu sein: Er soll ein Paket auf dem Planeten Acturus-1 abholen und es möglichst rasch am Zielort abliefern. Natürlich ist das nicht so einfach, wie gedacht, denn die Einreisebestimmungen auf Acturus-1 sind mindestens ebenso hinderlich wie die Sprachbarrieren. Und was Captain Disaster eigentlich transportieren soll, weiß er auch nicht. Erschwerend kommt dazu, dass unser Held, kaum dass er sich nach Acturus-1 runtergebeamt hat, keine Verbindung mehr mit seinem Raumschiff bzw. dem Bordcomputer hat. Das, so erfahren wir, liegt an einer Art Schutzschild, der über dem Planeten liegt. Und überhaupt: Man kann doch nicht einfach so hereinspazieren und ein Paket abholen wollen. Dazu braucht es behördliche Genehmigungen, die Captain Disaster außerdem gestatten, den Planeten wieder zu verlassen. Keine Genehmigung, kein Paket und kein „Beam me up, Scotty“. Es bleibt ihm (und uns) also nichts anderes übrig, als die Sache durchzuziehen. Und natürlich beschränkt sich die Handlung nicht darauf, dass wir nur das Paket abholen und abliefern (was immerhin zwei von drei Kapiteln in Anspruch nimmt). Nein. Wir dürfen uns, und das lässt sich ab der ersten Spielminute erahnen, mit Bösewichten befassen und die Galaxis vor den im Titel erwähnten stampfenden Stiefeln retten.

Die Geschichte ist ziemlich geradlinig, leider wenig originell und strotzt vor Klischees. Das wäre eigentlich kein Problem, wäre das Skript durchdachter und besser geschrieben. Die unzähligen Popkultur-Referenzen, die einem praktisch alle zwei Minuten ins Gesicht springen, sollen das Ganze vermutlich auflockern. Teilweise wirken sie aber fürchterlich aufgepropft, und mehr als einmal hatte ich den Eindruck, dass die Entwickler unbedingt jede Anspielung, die ihnen eingefallen ist, unterbringen wollten. Oder dass sie ihre Begeisterung für bestimmte Serien, Filme oder Bücher auf Biegen und Brechen zum Ausdruck bringen wollten. Das ist zwar anfangs noch ganz putzig, und man merkt auch, dass die Entwickler sich vor allem für Science Fiction begeistern. Das rettet das Spiel allerdings nicht einmal ansatzweise.

Seien es Star Trek, Star Wars, Doctor Who, The Hitchhiker's Guide to the Galaxy, Futurama, Apple, Starbucks oder Veganer: Nichts bleibt ausgespart, und das ist mit der Zeit ermüdend. Die zahlreichen Anspielungen können nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte extrem dünn geraten ist. Irgendwann machen sie auch keinen Spaß mehr. Dabei bin ich für so etwas normalerweise immer zu haben, vorausgesetzt, solche Anspielungen sind clever platziert und werden wohldosiert eingesetzt. Aber wenn sich das Gefühl einschleicht, dass auf Teufel komm raus versucht wird, im Minutentakt mehr oder weniger lustige Bemerkungen bzw. Referenzen einzubauen und so zu übertünchen, dass die Geschichte zu wünschen übrig lässt, dann ist das auf Dauer öde und trübt den Spielspaß nachhaltig.


Let's go retro!

DisasterScreen

Die Retro-Grafik funktioniert mal gut, mal weniger gut.

Die Optik des Spiels erinnert an alte Pixel-Adventure aus den späten 1980er Jahren. Dabei mangelt es jedoch teilweise an einer gelungenen Umsetzung. Manche Locations sind ganz gut ausgearbeitet und lassen Liebe zum Detail erkennen, andere wiederum beschränken sich nur auf das Nötigste und wirken, als wären sie mit Paint erstellt worden. Die eher detailarmen Schauplätze, die mit der Zeit immer mehr werden, haben jedoch einen Vorteil: Man findet rasch, was man sucht bzw. braucht. Selbst wenn man beide Augen zudrückt und einen Bonus für Indie-Entwickler vergibt, weiß die Grafik nicht wirklich zu begeistern. Sie wirkt altbacken, teilweise auch dilettantisch. Das mag an der Engine liegen, über weite Strecken hatte ich aber den Eindruck, dass es hier einfach an Können fehlt. Nun wäre das ja kein Problem, wenn wenigstens die Story funktionieren und einem so dabei helfen würde, über so manch grafischen Ausrutscher hinwegzusehen. Grottige Grafik und gute Story – wunderbar. Da kann man schon mal über die Optik hinwegsehen. Grottige Grafik und grottige Story ist jedoch eine Kombination, die gar nicht geht. Bei aller Liebe nicht.

Ähnlich erging es mir mit dem Sound. Die Musik beschränkt sich vor allem in den ersten beiden Akten weitgehend auf Elektro-Sound, der mich stellenweise unwillkürlich an 'Doom' erinnert hat, nur schlechter. Der musikalische Wechsel im dritten Akt – hier bekommen wir so etwas wie Easy Listening mit Klavier und Synthesizer zu hören – hilft dem Spiel auch nicht besonders. Zu diesem Zeitpunkt habe ich die Musik zugegebenermaßen bereits weitgehend ausgeblendet und mich nur noch darauf konzentriert, das Spiel zu beenden. Fairerweise muss ich an dieser Stelle festhalten, dass die Musik, auch wenn sie stellenweise nervt, noch einer der besseren Aspekte des Spiels ist.

Hintergrundgeräusche gibt es nur wenige, allerdings passende und ganz gut gemachte. Die englische Sprachausgabe schwankt dafür sehr stark in ihrer Qualität. Gerade Captain Disaster fand ich persönlich stimmlich extrem nervtötend, und zwar so sehr, dass ich mehr als einmal versucht war, den Ton komplett abzudrehen und mich an die – ebenfalls englischen – Untertitel zu halten. Manche Charaktere sind allerdings ganz passabel vertont. Es handelt sich dabei jedoch in der Regel um Nebencharaktere, und auch hier ist leider nicht alles Gold, was glänzt. Anders gesagt: Auch wenn die Nebencharaktere in der Regel recht gut vertont wurden, gibt es welche, denen man einfach nicht länger als notwendig zuhören will.

Dass ausgerechnet der Hauptcharakter eine leiernde, monotone Stimme verpasst bekommen hat, tut dem Spiel überhaupt nicht gut. Vielleicht war der Sprachduktus ja so gewollt. Für die Immersion und vor allem die Identifikation mit dem Charakter hat das allerdings kein Stück funktioniert. Mit der Zeit gewöhnt man sich zwar einigermaßen an das monotone Geleier von Captain Disaster, aber es ist streng genommen mehr ein Resignieren als ein Gewöhnungseffekt. Normalerweise bin ich bei Indie-Spielen auch in Sachen Ton viel nachsichtiger als bei AAA-Titeln. Aber im Zweifelsfall ist mir gar keine Sprachausgabe lieber als eine in der Qualität schwankende bis enervierende. Die gute Nachricht: Schnelle Leser können, sobald sie die Untertitel überflogen haben, die Dialoge per Mausklick abbrechen bzw. überspringen.


Wir klicken uns durch

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Das einzige Rätsel, das man als etwas anspruchsvoller bezeichnen kann.

Die Steuerung des Spiels ist simpel: Wir benötigen lediglich die linke und die rechte Maustaste, wobei letztere dazu dient, Gegenstände oder auch Personen näher zu untersuchen. Alles andere – Charaktere ansprechen, Gegenstände aufheben, mit Dingen interagieren und so weiter – erledigt die linke Maustaste. Inventargegenstände können entweder im Inventar oder außerhalb davon mit anderen Objekten kombiniert werden, je nachdem, welche Aufgabe gerade ansteht. Mitunter ist das Spiel dabei etwas streng, was die Reihenfolge der Kombination angeht. Will ich etwa Gegenstand B mit Gegenstand A kombinieren, kann es sein, dass Captain Disaster mir erklärt, dass das nicht geht oder er nicht weiß, was er machen soll. Kehre ich die Reihenfolge um und ziehe Gegenstand A auf B, funktioniert's. Das ist nicht unbedingt logisch, stört aber auch nicht großartig und ist noch das kleinste Problem.

Die Aufgaben sind in der Regel recht einfach, ergeben sich aus dem Kontext der Handlung und sind logisch in selbige eingebaut – ein echter Pluspunkt, das muss man an dieser Stelle wirklich festhalten. In vielen Fällen müssen wir Nebencharakteren aufmerksam zuhören, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Teilweise erfordert das Lösen einer Aufgabe auch, dass wir von A nach B über C und E zurück nach A laufen, was die Spielzeit ein klein wenig streckt. Da die Schauplätze aber recht übersichtlich gestaltet sind und wir nicht alles anklicken können, stellt auch das keine Schwierigkeit dar. Wirkliche Herausforderungen sind mir nicht begegnet. Lediglich bei einem Rätsel war mir nicht auf Anhieb klar, was zu tun ist, und in zwei Fällen muss man einfach schnell sein. Dazu gesellt sich gegen Ende eine Art Labyrinth, das aber so simpel gehalten ist, dass es sogar bekennende Labyrinth-Hasser wie meine Wenigkeit mit links und ohne groß nachzudenken in wenigen Minuten erledigt haben. Anders gesagt: Alle Aufgaben sind problemlos schaffbar, der Schwierigkeitsgrad liegt im unteren Bereich, und Adventure-Veteranen werden das Spiel vermutlich in drei, maximal vier Stunden durchgezockt haben.

 


Galerien

Fazit:

Wertung: 44%

Stellenweise merkt man 'Captain Disaster' an, dass viel Herzblut und Begeisterung investiert wurden. Man merkt auch, dass die Entwickler viele Ideen hatten, und ich gehe davon aus, dass sich Team Disaster redlich bemüht hat. Nur: Es reicht leider nicht. Die Handlung ist zu dünn, der Hauptcharakter nervtötend, die Aufgaben sind tatsächlich zu einfach und noch das Beste an diesem Indie-Adventure. Grafisch gewinnt das Spiel keinen Blumentopf (nicht mal einen winzig kleinen), und auch in Sachen Sound wäre es vielleicht besser gewesen, die Sprachausgabe ganz wegzulassen. Die überhand nehmenden Popkultur-Referenzen werden mit der Zeit einerseits langweilig, andererseits vorhersehbar. Wenn Captain Disaster z.B. in seinem Kommandosessel auf der Brücke Platz nimmt, um seine Reise fortzusetzen, kann man erahnen, welchen Befehl er geben wird. Zu diesem Zeitpunkt haben die Anspielungen auf Science Fiction und Fantasy schon lange aufgehört, unterhaltsam zu sein. Zu diesem Zeitpunkt ist es einem als Spieler aber auch schon egal. Wenn man erst einmal die ersten beiden Akte hinter sich gebracht hat, will man trotzdem noch wissen, wie's ausgeht. Dass das Ende wieder in ein Klischee mündet und eine Fortsetzung quasi angedroht wird – nun ja. Sollte es ein weiteres Abenteuer mit Captain Disaster geben, bin ich jedenfalls raus.

geschrieben am 21.10.18, Susanne Lang-Vorhofer

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