Reviews: Another Sight:

Another Sight


Das 2.5D-Plattform-Abenteuer 'Another Sight' ist das erste kommerzielle Projekt von Lunar Great Wall Studios aus Mailand. Geboten wird ein bunter Mix aus Steampunk-Elementen, abwechslungsreichen Schauplätzen, historischen Persönlichkeiten und natürlich kleinen Rätsel-Einlagen. Im Zentrum der Geschichte steht ein blindes Mädchen und ein mysteriöser Kater, die gefangen im Untergrund von London sind und gemeinsam einen Ausweg suchen. Derzeit ist das Spiel für Windows PC verfügbar. Für PS4, Xbox One und Nintendo Switch dürfte es etwas später erscheinen.

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'Another Sight' spielt in einer Steampunk-Realität, im London des Jahres 1899. Nach einem Tunneleinsturz findet sich das junge Mädchen Kit weit unter der Oberfläche der Stadt wieder, inmitten einer Baustelle der hiesigen Untergrundbahn, die laut den Entwicklern von Neil Gaimans Roman 'Neverwhere' inspiriert wurde. Auch Alice im Wunderland und die Werke von Jules Verne dürften dem Abenteuer u.a. als Inspirationsquelle gedient haben.

Another Sight

Im Spiel gibt es interessante Levels zu erkunden. Viel davon sehen tun wir nur, während wir den Kater steuern.

Seit dem Unglück ist Kit erblindet und orientiert sich nur mehr durch Echoortung, die sie erstaunlicherweise sofort beherrscht. Alleine wäre sie in den unterirdischen Gewölben wahrscheinlich verloren, doch zum Glück macht sie Bekanntschaft mit dem langhaarigen roten Kater Hodge. Mit vereinten Kräften ist das Duo in der Lage, sich durch eine mitunter sehr surreale und geheimnisvolle Welt zu bewegen: Sonderbare Maschinen, Ruinen, überpropertionale Pflanzen oder Abschnitte die an die Kunstwerke von Monet erinnern... hier tut sich einiges und für Abwechslung ist gesorgt.

Auf der Suche nach einem Weg zurück zur Oberfläche erfahren wir allmählich mehr über die schwierige familiäre Situation von Kit, die dort unten auf ein Lebenszeichen von ihrem Vater hofft. Ihr Onkel ist übrigens Thomas Edison, der neben Nikola Tesla, Claude Monet und Helena Blavatsky zu jenen historischen Persönlichkeiten zählt, die wir in diesem Plattform-Adventure u.a. antreffen. Selbstverständlich nehmen sich die Entwickler einige Freiheiten und nicht jeder steht auf unserer Seite.


Gameplay steht im Mittelpunkt

'Another Sight' bietet schätzungsweise fünf bis sechs Stunden Spielzeit. Die teils abstrakt gehaltene Story hat gute Momente, aber es geht damit nur langsam voran. Erzählt wird sie durch kurze, comicartige 2D-Zwischensequenzen nach jedem Kapitel.

Streng genommen muss man der narrativen Verpackung keine Beachtung schenken, denn die Rätsel stehen problemlos für sich. Die meiste Zeit im Spiel verbringen wir mit Springen, Schiebe- und Schalter-Rätseln, wobei die Level allmählich an Komplexität gewinnen. Das Gamedesign ist über weite Strecken unterhaltsam gelungen. Es macht Spaß, zwischen dem Mädchen und dem Kater hin und her zu wechseln, um bei einem Abschnitt schrittweise weiterzukommen.

Another Sight

Kit nimmt nur jene Teile der Umgebung schemenhaft wahr, wo es Geräusche gibt. Viele Aufgaben im Spiel bauen darauf auf.

Während Kit lediglich ihre unmittelbare Umgebung und Geräuschquelle schemenhaft wahrnimmt (der Rest ist komplett schwarz), hat Hodge selbst an einem eher düsteren Ort den totalen Überblick und ist obendrein ein begabter Kletterer. Teilweise gibt es auf dem Boden Schaltflächen, die das Tier durch Berührung aktivieren kann, was sogleich einen Mechanismus in Gang setzt, der dem Mädchen weiterhilft. Kit wiederum ist in der Lage Hebel zu betätigen und Leitern zu benutzen. Da sie niemals über einen Abgrund springt, ohne zu wissen, wie groß dieser ist, muss der Kater manchmal für Geräuschquellen sorgen: Zum Beispiel in dem er Ratten verjagt.

In spielerischer Hinsicht misslungen ist vorwiegend die längere Stealth-Passage in der zweiten Spielhälfte, die für Frust sorgen kann. Dabei muss sich unsere junge Heldin an mehreren bewaffneten Wächtern vorbei schleichen, während der Kater beispielsweise durch Miauen für Ablenkung sorgt. Es ist schwer abschätzbar, wie viel Abstand hier notwendig ist, um nicht entdeckt zu werden und die Gegner reagieren enorm hellhörig. Aufgrund ihres langsamen Tempos zieht sich dieser Abschnitt noch dazu unnötig in die Länge und erfordert Geduld. Dieses unausgereifte Gameplay-Element will auch überhaupt nicht zum Rest passen.


Nette Umsetzung

Another Sight

Leider entpuppt sich das undurchdachte Stealth-Gameplay als Spaßbremse

In visueller Hinsicht ist das 2.5D-Plattform-Abenteuer fantasievoll und solide gelungen. Die einzelnen Kapitel unterscheiden sich deutlich voneinander und sind immer wieder für Überraschungen gut. Die Texturen könnten zwar mitunter etwas besser sein und es ist schade, dass die Gesichter keine Emotionen zeigen, doch das fällt nicht allzu sehr ins Gewicht, weil es ohnehin kaum Nahaufnahmen gibt. Professionell ist ansonsten die Musik und die englische Sprachausgabe (deutsche Untertitel sind verfügbar).

Die Steuerung von 'Another Sight' wurde wenige Wochen nach dem Release überarbeitet und zeigt sich inzwischen verbessert. Überzeugend ist sie allerdings immer noch nicht. Zur Auswahl stehen Controller-Steuerung und Tastatur-Steuerung. Beides ist etwas hakelig und gezieltes Springen gestaltet sich oft umständlicher als notwendig, da die Sprungweite gerade auf engerem Raum nicht einfach zu beeinflussen ist. Zum Glück wirkt sich ein vorzeitiges Ableben nicht wesentlich aus, da die Spielfigur gleich neben dem Unglücksort wieder erscheint. Ähnliches gilt für den zuvor erwähnten Stealth-Abschnitt. An fixen Punkten wird automatisch gespeichert. Für gewöhnlich klappt das gut, da der Schwierigkeitsgrad nicht übertrieben schwer ist und es genug solche Speicherpunkte gibt.


Galerien

Fazit:

Wertung: 66%

'Another Sight' ist eher im Puzzle-Plattformer-Genre zuhause, als bei den Adventures. Im spätviktorianischen Untergrund von London durchstreifen wir zahlreiche Levels, die jeweils auf ein ähnliches Prinzip zurückgreifen und allmählich an Komplexität gewinnen. Die nette Geschichte braucht Zeit um auf Touren zu kommen und macht sich vorwiegend am Ende jedes größeren Kapitels bemerkbar. Tatsächlich macht es Spaß, abwechselnd mit Kater und blinder Protagonistin die optisch abwechslungsreich gestaltete 2.5D-Umgebung zu erkunden und nach einem Ausgang zu suchen. Insbesondere die eingeschränkte Wahrnehmung sorgt für ein interessantes Spielgefühl, das sich von anderen Spielen dieser Art abhebt. Leider schmälern die hakelige Steuerung und nervige Stealth-Herausforderungen den ansonsten guten Gesamteindruck. Für Rätselfreunde, die mit Geschicklichkeits- und Stealth-Einlagen kein Problem haben, könnte 'Another Sight' dennoch eine Überlegung wert sein.

geschrieben am 19.02.19, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  Another Sight.




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Kommentare 2
Dietmar
20.02.2019, 11:21

Schön, dass ihr auch mal bei einem Spiel schreibt, dass es nicht richtig ins Genre gehört. Ich würde mir wünschen, dass ihr bei diesen ganzen narativen und explorativen (für mich persönlich, inhaltslosen) Games auch wirklich deutlich schreibt, dass sie eben nicht wirklich Adventures sind.

Mikej
20.02.2019, 11:34

Wer narrative und explorative Spiele nicht mag, muss diese ja nicht spielen. Wenn Exploration im Fokus ist oder das Gameplay sehr dünn ist, erwähnen wir das ohnehin.


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