Reviews: Sherlock Holmes 4 - Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin:

Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin


Sir Arthur Conan Doyle´s Meisterdetektiv aus der Bakerstreet stellt wohl nicht nur eine der bekanntesten Figuren der Literaturgeschichte dar, sondern wurde auch in jeglicher sonstigen medialen Form unzählige Male – und mit sehr grob schwankender Qualität - verwertet. Über 15 Jahre nach Holmes erstem PC Auftritt (damals noch unter der Fahne von Electronic Arts), kommt nun der neueste Streich von Frogwares die sich diesem Thema nun schon seit mehreren Jahren widmen. Neuerdings in 3D liefern sich Holmes und Watson einen Wettkampf um Ruhm und Ehre mit einer anderen literarischen Persönlichkeit, dem französischen Meisterdieb Arsène Lupin. Die Frage wer dieses Duell gewinnt, ist so offensichtlich zu beantworten wie der Ausgang eines James Bond Filmes. Interessanter dürfte die Frage wiegen ob der Spieler hier ein Gewinner oder Verlierer ist. Ob sich diese Frage überhaupt einwandfrei klären lässt erfahrt ihr in unserem Test.


Wir schreiben das späte 19. Jahrhundert des Viktorianischen Empires:
Unsere beiden Protagonisten Holmes und Dr. Watson gönnen sich einen seltenen Moment der Ruhe, als auch schon der nächste Fall buchstäblich vor der Tür steht - In Form eines Briefes der die Ruhe schnell in Schall und Rauch auflöst. Gentleman Gauner Arsène Lupin fordert Holmes zu einem Wettstreit der besonderen Art heraus. Innerhalb von fünf Tagen will er fünf der wichtigsten Londoner Wahrzeichen heimsuchen und ausrauben. Dabei wird er Holmes mit verschlüsselten Hinweisen auf seine Spur locken und ihm die Chance geben die Ehre Englands zu bewahren. Diese Herausforderung weckt natürlich Holmes legendäre Spürsinnigkeit und nicht minder seinen Britischen Stolz. Der Wettkampf ist eröffnet.

Dummerweise war es das dann auch schon mit der Story von 'Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin', genau genommen wird nahezu der komplette Plot bereits im Vorspann erzählt. Lediglich die raffinierte Art wie Lupin seine Diebstähle begeht sorgt noch für einen storytechnischen Spannungseffekt, inhaltlich sieht es ansonsten eher trist aus.
Das Spiel ist dabei in fünf zusammenhängende Abschnitte unterteilt, pro Diebstahl einer. Unter anderem verschlägt es den Spieler zum Tower von London, in die National Gallery, sowie den Buckingham Palace. Man entschlüsselt Lupins Hinweise, löst Berge an Logikpuzzles und kombiniert Inventar-Gegenstände, um dem kriminellen Mastermind endlich den entscheidenden Schritt voraus zu sein.

Ungenaue Steuerung

In einer Auflösung von maximal 1024 x 768 erkunden Holmes und Watson nun also London in 3D Grafik.
Die Fortbewegung erfolgt dabei recht problemlos ohne größere Haken. Mit Doppelklick der linken Maustaste rennt der Protagonist, mit der unteren linken Shift-Taste kriecht er. Das Inventar wird per Rechtsklick samt Karte, Dokumenten und schriftlich festgehaltenen Gesprächen geöffnet. Lange Laufwege werden durch bequemes hin- und herbewegen auf der Karte vermieden. Ein Problem stellt hingegen der schwammige Cursor da. Man muss immer in einem bestimmten Winkel zu einem Gegenstand stehen, um einen Hotspot angezeigt zu bekommen, so übersieht man gelegentlich mal etwas Wichtiges. Eine sehr nervige Stelle bietet sich dem Spieler so am Ende des dritten Kapitels auf der Suche nach einer Nachricht von Arsène Lupin. Man befindet sich in einer großen Bibliothek und weiß in etwa wo die Nachricht aufzufinden sein sollte, nur kann die Suche nach dem Hotspot sehr lange dauern und schlicht ergreifend in eine elende Pixelsucherei ausarten. Zusätzliches Problem daran:
Selbst wenn man jeden einzelnen Pixel dann aufwendig untersucht und nichts gefunden hat, weiß man nicht in welchem Winkel man eigentlich stehen muss.
Solche Designschnitzer sollten eigentlich der Vergangenheit angehören, sind hier in der Form aber auch glücklicherweise eher Ausnahme als Regel.

Detailverliebte Originalschauplätze und steife Figuren

Die Wahrzeichen Englands sind mit viel Liebe zum Detail dargestellt und bieten dabei zum Teil ein Meer an Farben. Lebendig wirken sie deswegen allerdings noch lange nicht, denn trotz schöner Bilder wirkt das ganze oft nicht minder steril und leblos. Anders sieht es da mit der Bakerstreet und Umgebung aus, viele kleine Details vermitteln den Eindruck einer lebendigen Strasse. Die Leute gehen ihren alltäglichen Beschäftigungen nach, Kutschen durchqueren die Straße, eine Taube sucht auf dem Bordstein nach Futter. Ein Hauch Leben in einem Sammelsurium an Leblosigkeit.
Eben jene zieht sich durch das Spiel wie ein roter Faden. Keine der Figuren kommt einem wie eine Persönlichkeit vor, sondern wie eine steife Kunstfigur, die es nicht schafft beim Spieler Emotionen oder Spannung zu wecken. Leicht kindisch animiert wirken die Spielfiguren bisweilen nicht minder peinlich wie die Sprachausgabe.

Watson, wo ist das Valium?

Der Sound offenbart sich als eine (von so einigen) große Schwäche des Spiels. Neben sich ewig wiederholenden klassischen Musiktiteln, die sich innerhalb einer Location nicht ändern, (Was bedeutet, dass man einen Titel im Ernstfall vielleicht sogar über mehrere Stunden ertragen muss) wirkt die Sprachausgabe schon im Eingangsdialog zwischen Holmes und Watson einfach nur unfreiwillig komisch. Der Sprecher von Holmes ist dabei noch einer der besten, was allerdings auch nicht schwer ist, da die sprachlichen Leistungen ganz einfach schlecht und einschläfernd sind. Ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit hätte wohl kaum geschadet, Krimi-Atmosphäre schaffen die kindischen Sprecher jedenfalls nicht. Das Viktorianische London kommt einem am ehesten wie eine Ansammlung von vertrottelten Kindsköpfen vor.

Jäger der verlorenen Einkaufsliste

Hätte dieses Spiel nicht einige wirklich interessante Rätsel zu bieten, könnte man es gleich nach fünf Minuten wieder ins Regal stellen aber auch hier ist nicht alles heiter Sonnenschein.
An jedem der Verbrechensschauplätze hat Lupin dutzende Gedichte und Hinweise hinterlassen, die jeweils die Suche nach dem nächsten Hinweis eröffnen. Ist dieser gefunden, geht es genauso weiter und so weiter und so weiter. Schnell beschleicht einen das Gefühl einfach eine riesige Einkaufsliste- die keinerlei Abweichung von der vorgegeben Struktur erlaubt- Stück für Stück abzuarbeiten. Nichtlinearität ist diesem Spiel ein absolutes Fremdwort und übertrifft in dieser Hinsicht sogar jeden interaktiven Film. Nur ein ganz bestimmter Mausklick erlaubt die Möglichkeit den nächsten Schritt zu gehen und so geht es fortwährend.
Die Rätsel sind unterschiedlicher Art, viele sind klassische Logikrätsel in denen man mit ein bisschen Nachdenken schnell auf die richtige Lösung kommen kann. Dies gibt einem am ehesten das Gefühl sich im intellektuellen Wettstreit mit dem Französischen Meisterdieb zu befinden, da man sich nach erfolgreicher Lösung tatsächlich ein klein bisschen wie ein Meisterdetektiv fühlen darf. Manches Mal muss man auch per Tastatureingabe eine Frage beantworten, deren Antwort man sich aus vorhandenen Unterlagen oder eigenen Schlussfolgerungen beantworten kann. Positiv ist dass man über längere Zeit nicht das Trial and Error Prinzip anwenden muss, sondern die gestellten Gripsaufgaben zwar unterschiedlich schwer aber letzten Endes meistens sehr fair sind. Bei der ein oder anderen Ausnahme scheint es allerdings etwas mit den Programmierern durchgegangen sein, aber das macht sich im Gesamtgewicht nicht so schmerzhaft bemerkbar. Einen Blick in eine Komplettlösung wird wohl früher oder später ein Großteil der Spieler mal werfen müssen.
Besonders hoch halten kann Frogwares die Motivation des Spielers nämlich höchstens am Anfang und kurz vorm Showdown (der so unspektakulär über die Bühne geht wie der Rest des Spiels).
Schnell frustriert es aber auch, dass es so eine riesige Anzahl an Rätseln gibt, so dass der Spielfluss über große Abschnitte aus reinem Rätsellösen bestellt. Wäre man gemein, könnte man sagen, dass das Spiel damit gut den nicht vorhandenen Plotinhalt kaschiert.
Immerhin wird zwischendurch ein bisschen die Gangart in der Hinsicht geändert, dass nach der Rätselorgie in Abschnitt Eins und Drei die Abschnitte Zwei und Vier deutlich mehr klassische Adventurekost bieten und nicht so viele Logikrätsel beinhalten. Auch hier folgt man Lupins Spuren, sammelt aber eher Inventory Gegenstände, kombiniert diese um sie in irgendeiner Form anzuwenden etc.
Immer wieder mal übernimmt man auch die Rolle des Dr. Watson , wobei auch hier keine Logikrätsel zu lösen sind sondern man sich hauptsächlich mit Leuten unterhält und Gegenstände einsammelt und verwendet. Der Vorwurf mit der abzuarbeitenden Einkaufsliste gilt aber auch in diesen Passagen ebenso wie in den reinen Rätsel Abschnitten.

So lang können fünf Tage sein

Was alle Abschnitte (bis auf den kurzen fünften) aber noch gemeinsam haben ist, das sie sich wie Kaugummi endlos in die Länge ziehen. Gerade in der heutigen Zeit kann man über ein Adventure mit dem man sehr viel Zeit verbringt ja an und für sich sehr froh sein, nur nicht wenn es so ausgelutscht und dröge zugeht wie hier. Ich prognostiziere mal, dass viele es nicht bis zum Aufeinandertreffen mit Arsène Lupin durchhalten werden, die Gründe für ein Durchhalten sind wie erwähnt auch eher begrenzt. Eine allgemeine Spielzeit ist hierbei im Übrigen schwer zu erstellen, da diese von Spieler zu Spieler sehr stark variieren wird.


Galerien

Fazit:

Wertung: 65%

Für Spieler die auf eine Story, Atmosphäre und Spannung verzichten können jedoch nach Herzenslust Rätsel lösen, könnte dieses Spiel eine kleine Offenbarung sein. Für die meisten anderen hingegen dürfte es eher peinlich, steril, ärgerlich und verlorene Zeit sein.
Die Grundidee des Duells zwischen Meisterdetektiv und Meisterdieb (Basierend auf der Idee des Arsène Lupin Schöpfers Maurice Leblanc) bietet durchaus großes Potenzial, nur hat Frogwares es nicht geschafft das Potenzial auch nur annähernd auszunutzen. Schade, wie spannend und atmosphärisch- dicht man die Holmes Lizenz in einem Adventure umsetzen kann zeigte das Eingangs erwähnte 'Lost Files of Sherlock Holmes' bereits im Jahre 1992, aber die qualitative Differenz zwischen diesen Titeln ist einfach immens. Somit reiht sich 'Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin' nahtlos in die lange Reihe von lieblos, enttäuschenden Lizenzspielen ein. Wer ein Faible für Detektive hat und sich bezüglich dieses Titels unsicher ist, sollte sein Geld lieber in einen 'Tex Murphy' Titel anlegen, dort bekommt man anders als hier nämlich sehr hohe Qualität geboten.
Für den nächsten Teil gibt es jedenfalls viel zu tun, hoffentlich erkennt Frogwares dies rechtzeitig und schafft nächstes Mal was diesem Titel verwehrt geblieben ist: Eine positive Überraschung!

geschrieben am 09.01.08, Ingmar Böke

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 2000 / XP
Pentium III , 1.3 GHz
512 MB Ram
Direct X 9 kompatible Grafikkarte mit mindestens 64 MB
Direct X 9 kompatible Soundkarte
DVD Rom
3 GB Festplattenspeicher
Offizielle Homepage
Trailer im Adventure Corner Videoplayer


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Dieses Review gehört zu  Sherlock Holmes 4.




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