Reviews: Anna’s Quest:

Anna's Quest


Das fantasievolle Märchen-Adventure 'Anna's Quest' erzählt von der gefährlichen Reise eines kleinen Mädchens, die nach einem Heilmittel für ihren plötzlich schwer erkrankten Großvater sucht. Zugleich ist es das Erstlingswerk von Dane Krams, einem australischen Autor und Gamedesigner, der sich hier der Folklore europäischer Legenden bedient. Dass Publisher Daedalic bei diesem Projekt wohl einiges mitzureden hatte, merkt man dennoch vom Start weg. Mehr zum Spiel erfahrt Ihr wie gewohnt im Test.

Anna's Quest

 

In den Fängen einer Hexe

Annas Quest

Für ihren erkrankten Großvater begibt sich die kleine Anna auf die Reise...

Abgeschottet in einer kleinen Hütte lebt die kleine Anna bei ihrem Großvater. Er ist ihre einzige Familie und für ihn würde sie alles tun. Eines Tages erkrankt er wie aus heiterem Himmel und um ein Heilmittel zu finden, muss seine Enkelin alleine in die weite Märchenwelt hinaus. Der Weg zum Ziel ist lang und voller Gefahren: Kinderfressende Hexen, Nymphen, Banditen, ja, selbst der Teufel stellt eine Hürde dar. Zunächst verläuft die Suche auch nicht wirklich erfolgreich. Das gutgläubige Mädchen landet prompt in den Fängen der boshaften Hexe Winfriede, die sie sogleich für wissenschaftliche Experimente missbraucht. Anna ist kein gewöhnliches Kind. Sie verfügt über telekinetische Kräfte, wovon sie selbst erst in der Gefangenschaft erfährt.


Die verschwundene Königin

Annas Quest
Die Reise führt natürlich auch in ein Schloss...

So sieht also die Ausgangslage dieses kindlich gehaltenen Märchen-Adventures aus und bis zur Halbzeit prägt die Suche nach dem Heilmittel das Geschehen. Wer jedoch bis zum Ende dran bleibt, stellt fest, dass mehr in 'Anna's Quest' steckt. Allerdings setzt das womöglich Geduld voraus, denn so richtig auf Touren kommt die Geschichte erst zur Halbzeit. Was die Spielzeit anbelangt, so darf man in Summe mit etwa zehn bis zwölf Stunden rechnen, aber das nur so am Rande.

Offenbar ist die Suche nach dem Heilmittel primär als Aufhänger gedacht, um ein royales Fantasy-Familiendrama zu erzählen, das die Protagonistin Anna zwar nur peripher tangiert, aber dennoch mit fast allem in Zusammenhang steht, was wir auf der Reise erleben. Die Königin ist verschwunden und seither droht in der Märchenwelt alles aus den Fugen zu geraten, was auch für die Rettung des Großvaters fatal wäre. Allerdings fällt es der Geschichte schwer, die beiden Erzählstränge zu vereinen und eine klare Aussage zu formen. Später erfährt man viel über die royale Vorgeschichte, doch das eigentliche Ziel der Reise wird dadurch gefühlt ein wenig zur Nebensache. Zudem sind zu diesem Zeitpunkt schon so viele schreckliche Dinge passiert, weshalb zumindest ich am Ende ein wenig zu ambivalent war, als das mich das Ende emotional so richtig gepackt hätte. Dennoch hat mich das Spiel immerhin neugierig genug gemacht, um bis zum Ende bei der Sache zu bleiben.


Comic-Adventure mit einer Portion Melancholie

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'Anna's Quest' ist nicht so lustig, wie man vielleicht meinen möchte

Viel zum Lachen gibt es bei 'Anna's Quest' zudem nicht, obgleich die putzige Comic-Optik auf den ersten Blick anderes vermuten ließe. Das ist nicht zwangsläufig ein Minuspunkt, aber Humor hätte vielleicht geholfen, die Geschichte verträglicher zu gestalten. Für pointierten Humor ist das Setting allerdings wohl ohnehin zu melancholisch gefärbt: Wir kommunizieren mit Geistern verstorbener Kinder, suchen nach von kindermordenden Hexen entführten Kindern, helfen sprechenden Bären mit Gedächtnisverlust und dergleichen. Angesichts dessen ist es kein Wunder, wenn einen vom Start weg ein mulmiges Gefühl begleitet. Ob die liebliche Comic-Optik für dieses Adventure die passende Grafik ist, ist vermutlich aber auch eine Frage der Präferenz.


Technisch ausbaufähig

Annas Quest

Die animierten Zwischensequenzen sind hübsch gelungen...

Damit wären wir bei den technischen Aspekten von 'Anna's Quest' angelangt. Positiv fällt auf, dass der visuelle Stil immerhin konsequent durchgezogen wurde. Die hübsch animierten Zwischensequenzen erinnern zudem an einen Trickfilm - leider gibt es davon nur wenige und die sind sehr kurz gehalten. Schade ist, dass die meisten Schauplätze nicht belebter wirken. Selbst während einer royalen Hochzeit hat man das Gefühl, als wäre höchstens eine handvoll Personen anwesend.

 

Ausbaufähig ist zudem die musikalische Untermalung, der es leider an eingängigen Melodien fehlt. Daedalic-Fans dürfte es überraschen zu lesen, dass es diesmal tatsächlich nur eine englische Sprachausgabe und deutsche Untertitel gibt. Die englische Sprachausgabe ist immerhin passabel gelungen und erfüllt ihren Zweck. Dafür ist die Point&Click-Handhabung von gewohnter Güte. Abseits der für das Genre typischen Gameplay-Elemente, wurde die Steuerung durch Annas telekinetische Fähigkeit erweitert, was einfach von der Hand geht. Ist ein Objekt außerhalb ihrer Reichweite, klickt man auf das Telekinese-Symbole und wählt dann das betreffende Objekt aus. Viel komplexer wird die Beschäftigung mit der Telekinese aber nicht.


Gute Rätselkost

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Dieses und andere Mini-Games kann man notfalls auch überspringen

Die meisten Herausforderungen im Spiel sind Logik-Rätsel. Vereinzelt werden auch Mini-Games geboten, die - wie u.a. bei den 'Deponia'-Abenteuern - optional überspringbar sind. 'Deponia' ist ein gutes Stichwort, denn schon früh vermittelt 'Anna's Quest' das Gefühl, ein waschechtes Daedalic-Adventure zu sein. Jedoch ist der Schwierigkeitsgrad nicht unbedingt einsteigerfreundlich. Genre-Routiniers dürften es so gesehen bedeutend leichter haben.

Das Rätseldesign ist über weite Strecken durchaus stimmig. Jedoch hakt es in ein paar Situationen, in denen man als Genre-Kenner früh intuitiv erahnen kann, welche Idee dahinter steckt, aber wenn einem dieser Vergleichswert fehlt, dann könnte das für einen Moment der Ratlosigkeit sorgen. Beispielsweise wenn es darum geht, eine boshafte Hexe hereinzulegen. Hier gibt es mehrere Dialogmöglichkeiten. Hat man eine davon ausgewählt, stehen einem dieselben erneut zur Verfügung. Würde nach der Auswahl einer Option ein anderer Text dastehen, würde man gleich vermuten, dass es hier auf die Reihenfolge der Argumentation ankommt. Doch dem ist nicht so. Auch gibt es vereinzelt Situationen, wo eine Trial&Error-Vorgehensweise erforderlich ist (Stichwort Hofnarr und Jonglieren), ohne erahnen zu können, was es einem diese Aktion später bringen soll. Solche und weitere Eigenheiten trüben das Gesamtbild. Trotzdem könnte 'Anna's Quest' insbesondere für klassische Genre-Fans interessant sein, die zum Beispiel das stimmungsvolle 'The Night of the Rabbit' mochten und die sich an der kindlich gehaltenen Grafik nicht weiter stören.


Galerien

Fazit:

Wertung: 75%

'Anna's Quest' passt gut ins Portfolio von Daedalic und dürfte insbesondere den jüngeren Fans der Spieleschmiede zu gefallen wissen. Für etwas ältere Semester könnte die Erzählweise aber insbesondere in der ersten Spielhälfte zu kindgerecht geraten sein. Wer hingegen mit dem Gedanken spielt, 'Anna's Quest' einem Kind zu schenken, der sollte das eher nur bei ausreichend Genre-Erfahrung tun oder wenn die Bereitschaft vorhanden ist, sich gemeinsam auf die Reise durch die bunte Märchenwelt zu begeben. Was den Schwierigkeitsgrad bei den Rätseln anbelangt, so ist dieser nämlich nicht so ohne. Unterm Strich ist 'Anna's Quest' ein doch recht gelungenes Erstlingswerk, wenngleich es an klassische Adventures wie 'Night of the Rabbit' oder 'The Whispered World' nicht heran reicht. Dazu gewinnt die melancholisch gefärbte Handlung zu spät an Fahrt und auch die technische Umsetzung hätte noch Luft nach oben. Ein Versprechen für die Zukunft ist es jedoch allemal.

geschrieben am 02.07.15, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
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