Reviews: Black Mirror 2017:

Black Mirror 2017


Zwischen 2003 und 2011 wurden drei Teile der 'Black Mirror'-Grusel-Reihe veröffentlicht. Die düsteren 2D-Point&Click-Abenteuer erfreuen sich seither einiger Fans, die sich dank THQ Nordic und KING Art auf einen Reboot im 3D-Gewand einstellen können. Dieser erzählt jedoch eine komplett neue Geschichte und soll dadurch für neue Spieler zugänglich sein. Wie gut das veränderte Gameplay und die andere Optik funktionieren, das sehen wir uns jetzt im Review an.

 

Black Mirror


Auf zum Anwesen der Gordons

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Der Einstieg macht neugierig, danach stottert der Motor leider

Wir schreiben das Jahr 1926. David Gordon wurde vom Selbstmord seines Vaters John Gordon in Kenntnis gesetzt. Er hat ihm nie nahegestanden und war in Indien aufgewachsen, doch die Nachricht macht ihm dennoch zu schaffen. Zu Beginn des Abenteuers sitzt er im Auto und ist auf dem Weg zum riesigen Familiensitz in den schottischen Highlands. Einerseits gilt es dort Erbschaftsdetails zu klären, zugleich will er mehr über jene Familie herausfinden, mit der er nie viel zu tun hatte. Wir steuern ihn bei diesem Unterfangen.

Das nächtliche Willkommen im Schloss Sgathan Dubh ist frostig. Der Butler und die ähnlich überheblich wirkende Großmutter Lady Margaret sind über seine Ankunft wenig begeistert und lassen ihn das spüren. Doch selbst David geht mit den Bewohnern des Gemäuers auf Konfrontationskurs. Die düstere Umgebung macht ihn reizbar und nicht nur das: Ihn suchen beunruhigende Halluzinationen heim, die an seine Kindheit erinnern. Er glaubt Gespenster zu sehen. Damit scheint er nicht der einzige Gordon zu sein. Gibt es da womöglich eine Verbindung zum Ableben seines Vaters? Welche Rolle spielt das Anwesen bei alldem? David begibt sich auf die Suche nach Antworten.


Eine Story mit gutem Beginn, die dann aber ziemlich nachlässt

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Es gibt ein Inventar, doch das ist primär für den manuell verstellbaren Generalschlüssel relevant

Im Zentrum der Grusel-Geschichte steht das Verhältnis zwischen David und seinem verstorbenem Vater. Parallel dazu lernen wir viel über die Familienverhältnisse. Zu Beginn ist das durchaus spannend und die Dialoge sind gerade im ersten Abschnitt solide geschrieben. Mit Fortdauer verliert die Erzählung an Linie und setzt vermehrt auf eine künstliche Überdramatisierung, was nicht selten mit Overacting von Seiten der eigentlich recht soliden Sprecher gepaart ist (und zwar sowohl in der deutschen Version, als auch in der englischen).

Nahezu alles in diesem Third-Person-Adventure ist viel zu leicht ausrechenbar, was auch für die Horror-Momente gilt, die nicht zünden wollen. Neben der Vorhersehbarkeit sind Schwächen bei der Inszenierung sowie die mittelprächtige Grafik mögliche Gründe dafür, dass der Motor nicht anspringen will. Selbst der große Twist vor dem Finale ist nicht überzeugend und das banale 08/15-Ende austauschbar. Die Beziehung zwischen David und John hätte die Geschichte vielleicht tragen können, geht aber inmitten all der übertriebenen Emotionen und diverser anderer Familiendramen verloren. Schade, dass man hier nicht mehr Fokus auf diesen Aspekt legen konnte. Ein bisschen hat man zudem das Gefühl, als wäre das ursprüngliche Konzept zur Story doch deutlich umfangreicher gewesen. So darf man sich auf fünf bis sechs Stunden Spielzeit einstellen.


Ein paar Rätsel und viel Herumgeklicke

Im Gegensatz zu den 2D-Vorgängern wird der Reboot via Maus und Tastatur gesteuert – oder komplett per Gamepad. Es ist somit also kein klassisches Point&Click-Adventure. Auch das Gameplay tickt ein bisschen anders, als man es vielleicht gewohnt ist.

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Das mit Abstand interessanteste Rätsel wartet früh am Anfang

Im ersten Abschnitt wird das Gefühl vermittelt, als gäbe es echte Rätsel, die komplexer werden können. So wartet eine 'The Room'-artige Herausforderung rund um einen Sekretärtisch, der von allen Seiten betrachtbar ist, wobei sich immer wieder neue Hinweise auftun. Selbst ein Code ist zu entziffern und das macht Spaß. Leider lässt das Gameplay wenig später nach und bewegt sich auf einem sehr einfachen Niveau. Den schwierigsten Part in der ersten Stunde zu bringen, das ist eine fragwürdige Gamedesign-Entscheidung. Erst gegen Ende ist wieder mehr zu tun, wobei das komplexeste Rätsel dort relativ flott per Trial-and-Error zu knacken ist.

Im Inventar sind Objekte aus der Nähe betrachtbar, doch es ist normalerweise nicht möglich, ausgewählte Gegenstände gezielt mit der Umgebung zu kombinieren. Das erledigt das Spiel automatisch. Nur vereinzelt bietet sich uns die Möglichkeit, zwischen Objekten zu wählen (d.h. breche ich etwas lieber mit dem Messer auf oder per Draht). Relevant ist das Inventar eigentlich nur bei einem Generalschlüssel, der aus mehreren Teilen besteht. Diesen können wir manuell anpassen, um bestimmte Türen zu öffnen. Dabei rächt sich oft die Steuerung. Bei mehreren nahegelegenen Interaktionspunkten ist es nicht einfach, etwas anzuvisieren. Die Blickrichtung ist entscheidend und so muss man das Objekt und die Kamera so lange bewegen, bis der richtige Punkt im Visier ist. Das ist mühsam.

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Droht David den Verstand zu verlieren, müssen wir versuchen, den sich bewegenden Punkt per Maus/Controller lange genug im Kreis zu halten

Die meiste Zeit verbringen wir damit, diverse Hotspots zu finden und anzuklicken. Sei es, um Briefteile zu entdecken, die vielerorts versteckt wurden, oder um bei geisterhaften Erscheinungen im passenden Moment ein Detail zu erfassen, das uns eine neue Spur gibt. Jedoch ist Vorsicht geboten, denn sobald David zu lange in der Nähe einer solchen Erscheinung verweilt, folgt unweigerlich ein Gameover. 'Black Mirror' signalisiert dem Spieler allerdings stets visuell, wann es denn kritisch wird. Da im Zuge solcher Halluzinationen nicht gespeichert werden kann, empfiehlt es sich, das möglichst oft manuell zu tun, um manche Dinge nicht wiederholen zu müssen.

Selten aber doch gibt es zuletzt ab und zu Quicktime-artige Events, die dem Spieler aber relativ viel Zeit zum Reagieren lassen und die niemanden beunruhigen müssen. Im Gegensatz zu den Abenteuern von Telltale Games gelingt es KING Art leider noch nicht so recht, durch solche Gameplay-Events für Dynamik zu sorgen.


Optisch nicht überragend

Ausbaufähig ist die technische Umsetzung. Die 3D-Grafik wäre vor ein paar Jahren sicherlich schwer in Ordnung gewesen, heutzutage liegt die Latte höher. An Genre-Vertretern wie 'The Devil's Daughter' von Frogwares beißt man sich bei Inszenierung und Grafik eher die Zähne aus - vom Spiele-Mainstream ganz zu schweigen (Vergleiche dahingehend sind Budget-bedingt natürlich nicht fair, obwohl die Macher durchaus ein breites Publikum anstreben). Der Fokus der Entwickler ruht offenbar mehr auf dem Inneren des Gebäudes, welches – abgesehen von kleineren Grafikfehlern hier und da – durchaus passabel aussieht. Leider hat man dort schon in der ersten Stunde nahezu alles gesehen.

Black Mirror

Insbesondere vor dem Haus sieht die Grafik altbacken aus

Eine Problemzone bei 'Black Mirror' ist die fehlende Mimik. Bei Telltale Games ist die Comic-Grafik zwar nie überragend gelungen, doch deren Engine ist zumindest gut geeignet, um Emotionen in den Gesichtern zu vermitteln. Auch bei 'Life is Strange' von DONTNOD vermitteln die Gesichter Emotionalität. Wird häufig mit Close-Ups und anderen Formen der cinematischen Inszenierung gearbeitet, dann spielen eben solche Feinheiten eine wesentlichere Rolle als bei einer typischen 2D/2.5D-Umsetzung. Das lässt das Grusel-Adventure von THQ Nordic und KING Art deutlich spüren. Dort wird Emotion vorwiegend durch die Sprecher vermittelt, die zwar recht gut sind, aber manche Passagen etwas übertrieben umsetzen. Der professionelle orchestrale Soundtrack macht übrigens einen guten Eindruck und sorgt für Stimmung, ohne sich übertrieben in den Vordergrund zu drängen. Das kann aber selbstverständlich nicht über genannte Schwächen hinwegtäuschen.

Draußen in der Natur sehen die Schauplätze leider trostlos aus. Schon mit dem Einstieg ins Abenteuer tun sich die Entwickler keinen echten Gefallen: Da läuft man durch eine langweilige Umgebung mit wenig berauschenden Texturen. Lediglich die Kamera dreht sich kontinuierlich mit, was allerdings für Probleme sorgt: Der Spieler kann per Maus und Analogstick die Kamera steuern, tut man das jedoch beim Gehen (wie es bei den meisten zeitgemäßen Spielen üblich ist), steuert die automatische Kamera vehement dagegen, was ein Gefühl der Übelkeit auslösen kann. Noch dazu machen es die häufigen Perspektivwechsel beim Gehen unnötig schwer, sich zu orientieren.

Immerhin lief das Spiel auf unserem PC ein paar Tage vor dem Release recht stabil, mit Ausnahme von zwei Situationen, in denen ein Neustart vom letzten Speicherstand weg erforderlich war. Abgesehen davon ist das Betreten eines neuen Raums für gewöhnlich mit Ladezeiten verbunden. Am PC fällt das weniger stark ins Gewicht, als auf der PS4, wo es etwas länger dauern dürfte.


Galerien

Fazit:

Wertung: 67%

KING Art und THQ Nordic möchten mit dem neuen 'Black Mirror' ein breiteres Publikum begeistern und tasten sich an die Zielgruppe von Telltale und 'Life is Strange' heran. Leider kann sowohl die 3D-Grafik als auch die Inszenierung dabei nur mäßig begeistern und das Gameplay wirkt unentschlossen. In dieser Form wird es nicht leicht werden, das Ziel zu erreichen und einen kommerziellen Erfolg zu verzeichen. Inhaltlich beginnt 'Black Mirror' ganz gut und der familiäre Hintergrund des Protagonisten ist durchaus interessant. Leider mutiert die Geschichte mit Fortdauer zur Seifenoper und das 08/15-Ende ist extrem austauschbar. Auch die Rätsel wären in den ersten Minuten vielversprechend und gar nicht mal so einfach, verkommen dann aber zur faden Hotspot-Klickerei. Über die unvorteilhafte Kameraführung und Steuerung wurde im Test ja schon genug geschrieben. Schade! Wir hätten uns davon zweifellos mehr erhofft.


Zusätzliches Fazit von Tobias Maack: Ein neues Spiel im bei Adventure-Fans beliebten 'Black Mirror'-Universum! Groß war die Freude nach der Ankündigung, die gleich Zweifel nach sich zog, ob denn das geänderte Gamedesign auch gefallen kann. Leider zeigt sich im Spiel, dass es stellenweise recht wenig zu tun gibt. Nach einem vielversprechenden Start mit geheimen Codes stellt sich auf der Rätselseite bald Ernüchterung ein. Das führt jedoch zu einem recht guten Fluss der Geschichte, die schnell voranschreitet. Die Steuerung durch das Schloss hat mich hingegen nicht überzeugt, weder mit Maus und Tastatur noch mit Controller kam ich richtig gut zurecht. Das liegt vor Allem an der unglücklichen Ansteuerung der Interaktionspunkte, die erst dann aktiv werden, wenn sie in den Fokus geschoben wurden. Hin und wieder steht die Kamera bei den Bewegungen auch im Weg, was mich regelmäßig davon abhielt, wirklich ins Geschehen einzutauchen. Vielleicht kam deshalb trotz der guten Sprecher nie so recht das 'Black Mirror'-Feeling auf. Schade, da wäre mehr drin gewesen.

geschrieben am 28.11.17, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
MINIMUM FÜR WINDOWS PC: Window 7, 8, 8.1, 10 (64bit) // Prozessor: Intel Q9650 / AMD Phenom II X4 940 // Arbeitsspeicher: 8 GB RAM // Grafik: GeForce GTX660 / Radeon 7870 - 2GB VRAM // DirectX: Version 11 // Speicherplatz: 11 GB verfügbarer Speicherplatz Offizielle Homepage
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Dieses Review gehört zu  Black Mirror 2017.




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Kommentare 9
ImaMightyPirate
28.11.2017, 12:54

Genau was ich noch in der letzten News berfürchtet habe... schade :(

Mikej
28.11.2017, 13:03

Ja, ist leider ein eher durchwachsenes Erlebnis. Sehr schade!

Nur zu Gast
29.11.2017, 02:08

Die Schlussfolgerung wenige/einfache Rätsel —> guter Spielfluss finde ich meist eher fragwürdig. Das ist für mich kein guter Spielfluss, sondern gar keiner.

Indiana
29.11.2017, 07:31

Mit Spielfluss ist gemeint, dass die Geschichte rasch fortschreitet. Wenn viele / schwere Rätsel eingebaut werden, stockt die Erzählung ja in der Regel so lange, bis diese gelöst wurden.

Tobit
29.11.2017, 10:46

War zu befürchten, wie bei jedem 3D Adventure das je erschienen ist.
Ein Adventure hat 2D zu sein und nicht anders.

Mikej
29.11.2017, 11:00

Tobit hat geschrieben:
War zu befürchten, wie bei jedem 3D Adventure das je erschienen ist.
Ein Adventure hat 2D zu sein und nicht anders.


Dem kann ich in dieser pauschalen Form nicht zustimmen (selbst gute klassisch orientierte Adventures sind problemlos möglich, wie The Westerner 1, oder auch das erste Jack Keane zeigen).

sinnFeiN
29.11.2017, 11:01

Tobit hat geschrieben:
War zu befürchten, wie bei jedem 3D Adventure das je erschienen ist.
Ein Adventure hat 2D zu sein und nicht anders.

liegt nicht zwingend an 3D. Es liegt eher an der Umsetzung wie sie 3D gemacht haben. Wenn die Steuerung Murks ist, könnte man sich an wirklich gut steuerbare Titel wie Tomb Raider oder Assassin's Creed orientieren. Problem daran ist einfach das Budget.
Aber auch günstigere Titel, wie Firewatch, Life is Strange uvm., schaffen dieses Problem. Die Qualität der Story hat auch nichts mit 2D oder 3D zu tun.

Mikej hat geschrieben:
Dem kann ich in dieser pauschalen Form nicht zustimmen (selbst gute klassisch orientierte Adventures sind problemlos möglich, wie The Westerner 1, oder auch das erste Jack Keane zeigen).

:zaunpfahl: genau, das kommt noch dazu!

Nur zu Gast
03.12.2017, 08:41

@Indiana: Und was genau fließt dann? Ich weiß schon, was gemeint ist, aber wo kein Gameplay ist, gehört auch kein Spielfluss gelobt. Der ist gut, wenn das Spiel gut designt ist, nicht, wenn es fast keines gibt; alles andere bedeutet für mich eher: „Wenigstens war's schnell vorbei.” Zumal sich BM laut bisheriger Meinungen wohl leider noch nicht mal ohne Gameplay "flüssig" spielen lässt, sowohl technisch als auch inhaltlich. Aber das bewerte ich irgendwann selber.

@Tobit: Ein Adventure hat gut zu sein und nicht anders. Gibt in 3D und auch 2D solche und solche.

sinnFeiN
03.12.2017, 09:04

Die Handlung, ergo das Spiel fließt besser, wenn es nicht durch Rätseln zerhackt ist? Hat wenig mit "schnell vorbei sein" zu tun, mehr mit Kurzweile.
Ein Story-lastiger Shooter fließt auch nicht gut, wenn man dauernd mit Gegnern beworfen wird, sondern nie Langeweile aufkommt und nicht unnötig durch schwere Szenen zerhackt wird.


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