Klassiker-Tests: Prisoner of Ice:

Prisoner of Ice


Nach dem Achtungserfolg 'Shadow of the Comet', machte sich Infogrames (heute Atari) 1995 daran, ein weiteres Adventure nach Motiven Howard Phillips Lovecrafts zu veröffentlichen. Die Rede ist von 'Prisoner of Ice', das Lovecraft's Kurzgeschichte "At the Montains of Madness" zum Vorbild und als Inspirationsquelle genommen hat. Herausgekommen ist ein Adventure-Geheimtip, den man sich unbedingt einmal näher anschauen sollte und der auch wesentlich zugänglicher geworden ist, als sein Vorgänger 'Shadow of the Comet'. Alles weitere erfahrt ihr in diesem Klassiker Test.


Ausgangslage: Das Intro

Es ist Januar 1937. Unser Protagonist, Oberleutnant Ryan befindet sich auf geheimer Mission an Bord des englischen U-Bootes H.M.S Victoria. Im Rahmen der Operation Polaris wurden zuvor am Südpol zwei mysteriöse Kisten aus der Hand der Nazis entwendet und zusammen mit dem norwegischen Wissenschaftler Björn Hamsun an Bord der Victoria gebracht. Auf noch ungeklärte Weise scheint der Wissenschaftler während der Mission den Verstand verloren zu haben. Sein Vater Peter konnte nicht gerettet werden und wird weiterhin in einer geheimen Nazi-Basis am Südpol festgehalten.

Die ersten Schritte an Bord der Viktoria

Auf dem Rückweg wird das U-Boot von einem deutschen Schlachtschiff mit Wasserbomben angegriffen und am Heck getroffen. An Bord bricht ein Feuer aus, das einen Matrosen tötet und eine der Kisten erfasst und ein zuvor eingefrorenes Wesen, den 'Prisoner of Ice' befreit. Das Wesen greift den Kapitän an und tötet diesen. Geistesgegenwärtig kann Ryan die Türe der Kühlkammer, in der die Kisten mit dem Wesen lagerten, schließen und das Feuer löschen. Jetzt liegt es an Ryan, die verbliebene Mannschaft zu retten.

Zunächst gehen wir auf die Kommandobrücke und informieren unseren Steuermann Driscoll über den Vorgang. Anschließend gehen wir in die Quartiere, wo der Mannschaftsarzt Wayne den phantasierenden Hamsun betreut. Nachdem wir Wayne zurück auf die Brücke geschickt haben, beschließen wir, Hamsun mit einer Medaille zu hypnotisieren. Daraufhin singt dieser eine merkwürdige Beschwörungsformel, die wir mit einem Tonbandgerät aufzeichnen.

Zurück auf der Brücke wird plötzlich das Schott zum Lagerraum mit den Kisten, aus den Angeln gesprengt und trifft unseren Mannschaftsarzt Wayne tödlich. Offenbar konnten wir das Wesen nur kurzfristig außer Gefecht setzen. Durch die zuvor via Tonbandgerät aufgenommene Beschwörungsformel können wir jedoch den Prisoner besiegen. Zwischenzeitlich wurde durch einen Saboteur ein Sprengsatz am Bug der Victoria platziert, wodurch ein Leck im Torpedoraum entstanden ist.

Als nächstes müssen wir nun einen SOS-Funkspruch aussenden und das Wasser im Torpedoraum ablassen. Dumm nur, dass wir die Funk Frequenz nicht kennen. Daher begeben wir uns zunächst in den Maschinenraum, um unseren Maschinisten Stanley zu befragen. Im Maschinenraum angekommen, finden wir Stanley unter einem Träger eingeklemmt vor. Durch Funkkontakt mit unserem Steuermann Driscoll schaffen wir es, den Träger mittels eines Kettenzuges anzuheben und Stanley zu befreien. Er verrät uns die Frequenz und kümmert sich alsbald um seine Maschinen, die von der Explosion ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nachdem wir den Funkspruch abgesetzt haben, müssen wir nun verhindern, daß noch mehr Wasser in die Victoria eindringt, da wir sonst nicht auftauchen können.

Blöd, dass auch noch das elektronische Entriegelungssystem für den Torpedoraum ausgefallen ist. Um das Schott öffnen zu können, müssen wir zunächst den Schaltkasten mittels Schalterpuzzle überbrücken. Anschließend lassen wir das Wasser im Torpedoraum ab und uns in einem leeren Torpedo an die Wasseroberfläche schießen. Dadurch kann uns die britische Navy orten und transportiert uns zusammen mit der Victoria zur auf den Falklandinseln befindlichen Basis Edwards. Von dort aus nimmt die Geschichte seinen folgenschweren Lauf.

Im weiteren Story Verlauf werden wir interessante Orte besuchen, wie Buenos Aires oder eine geheime Nazi-Basis am Südpol. Umso weiter wir vorankommen, desto mehr werden wir feststellen, dass die bösen Mächte aus Shadow of the Comet nur kurzfristig aufgehalten werden konnten. Diese haben sich jetzt mit den Nazis verbündet und wollen das einst in Illsmouth vereitelte Ritual um jeden Preis zu Ende bringen. Dadurch soll die Herrschaft der großen Alten auf der Erde vorbereitet und die Welt zurück ins Chaos geschickt werden. Mit den Prisoner of Ice als Vorhut. Kann Ryan diese dunklen Pläne vereiteln?

Das Gameplay

Für ein typisches Adventure gibt es in 'Prisoner of Ice' natürlich auch wieder eine Palette an Rätseln. Diese sind durchgehend logisch und nachvollziehbar gehalten. Um beispielsweise auf der Basis Edwards in den Sicherheitsbereich gelangen zu können, benötigen wir einen Passierschein. Dieser Passierschein befindet sich bereits unterschrieben auf dem Tisch des Kommandanten. Es fehlen ein Bild von Ryan und der passende Stempel. Das Bild von Ryan finden wir auf einer Karteikarte aufgeklebt. Im Büro des Funkers steht ein dampfender Teekessel. Da benutzen wir die Karteikarte und lösen durch den Dampf das Bild ab. Der Stempel für den Passierschein befindet sich im Tresor im Büro des Kommandanten. Auf dessen Tisch finden wir eine halbe Seite aus einem Buch, mit einer 3-stelligen Zahlenkombination. Die andere Hälfte finden wir im Filmvorführraum, in einem Buch. Dort wird die andere Seite eingefügt und man erhält den vollständigen Zahlencode für den Tresor. Ist dieser geöffnet, kann der Passierschein gestempelt werden und wir haben Zugang zum Sicherheitsbereich.

Ein weiteres Kombinationsrätsel spielt sich in der Waffenkammer ab. Neben der Waffenkammer gibt es einen Karteiraum, in den wir dringend müssen, um Nachforschungen anstellen zu können. Der wachhabende Offizier lässt uns aber leider nicht herein. Daher müssen wir etwas umdisponieren. Wir nehmen den Feuerlöscher von der Wand, klauen die qualmende Kippe des Offiziers aus dem Aschenbecher und legen sie in den Papierkorb. Anschließend verstecken wir uns in einer dunklen Ecke. Der Papierkorb fängt an zu brennen, der Offizier findet jedoch keinen Feuerlöscher und ergreift panisch die Flucht. Wir löschen das Feuer mit dem Feuerlöscher und haben Zugang in den Karteiraum.

Perfekt gelöst sind dieses Mal die Todesszenen. War nach dem Ableben des Protagonisten in 'Shadow of the Comet' das Spiel anschließend unwiederbringlich zu Ende, speichert in 'Prisoner of Ice' das Spiel zuvor automatisch ab. Der Spielstand lautet dann "Joker" und kann nach dem Tod des Protagonisten einfach aufgerufen werden. Dadurch entfällt zwanghaftes Speichern vollständig und somit auch ein großer Frustmoment des Vorgängers.

Grafisch veraltet, aber immer noch ansehnlich

Die Grafik von 'Prisoner of Ice' sieht auch heute immer noch gut aus. Auf der CD-ROM sind zwei Versionen enthalten. Die niedrig aufgelöste 320x200 Pixel Version und die höher aufgelöste 640x480 SVGA-Version. Letztere sollte aufgrund der höheren Auflösung auch primär bevorzugt, also gespielt werden. Die Hintergründe sind wieder handgezeichnet und die Charaktere sind dieses Mal sogar in 3D animiert. Die Animationen wurden ebenfalls erheblich verbessert. Man merkt, dass die Entwickler extra in einem Motion Capturing Studio waren, um die einzelnen Bewegungen realistisch im Spiel umsetzen zu können. Allerdings sind die Bewegungsanimationen für heutige Verhältnisse natürlich extrem veraltet und nicht mehr mit jüngeren Titeln vergleicbar. So fallen die Figuren oft wie in Zeitlupe zu Boden, wenn sie beispielsweise in einer Zwischensequenz niedergeschossen werden. Trotzdem konnte sich die Grafik im Vergleich zum Vorgänger enorm verbessern.

Der Sound

Beim Sound gibt es auch nichts negatives auszusetzen. War die Sprachausgabe in 'Shadow of the Comet' nur in Englisch verfügbar, so haben es bei Prisoner of Ice gleich drei Sprachversionen auf die CD-ROM geschafft: Englisch, Deutsch und Französisch. Die deutsche Sprachversion ist wirklich sehr gut und wurde mit Schauspielern aus der Filmbranche synchronisiert. Die Sprecher passen durchweg und wirken sehr positiv auf die Atmosphäre. Auch die Musik hat sich qualitativ merklich verbessert und erklingt jetzt in bester CD-Qualität aus den Boxen. Auch wurde die Anzahl der Musikstücke im Vergleich zum Vorgänger ausgebaut.

Die Bedienung

Auch die Bedienung wurde signifikant verbessert. Das Spiel ist jetzt ohne Probleme mit der Maus spielbar. Die Funktionen wurden konsequent auf zwei Tasten entschlackt. Mit Linksklick interagiert man mit der Spielwelt und mit Rechtsklick schaut man sich die Umgebung an. Das bedeutet, dass keine anderen Tasten mehr benötigt werden. Das heißt, eine Funktion wie "rede mit" gibt es nicht. Man klickt lediglich mit der linken Maustaste den Gesprächspartner an und das Gespräch kann beginnen. Dadurch ist das Spiel auch für reine Neulinge im Adventuregenre sehr Einsteigerfreundlich!

Funktionalität auf modernen Rechnern:

Um 'Prisoner of Ice' zu starten gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, ihr spielt es auf einem Rechner mit Windows 95, oder ihr verwendet das nützliche Tool DosBox.

Verfügbarkeit:

'Prisoner of Ice' wurde neben der regulären Version mit Poster in der Pappschachtel, auch in einigen Budgetversionen veröffentlicht. Beste Anlaufstellen sind Ebay und der Marktplatz von Amazon.


Galerien

Fazit:

Wertung: 4 / 5

Mit 'Prisoner of Ice' hat Infogrames in Kooperation mit Chaosium Inc. ein sehr spannendes und atmosphärisches Adventure abgeliefert. Sämtliche Kritikpunkte aus 'Shadow of the Comet' wurden konsequent behoben. Die automatische Speicherfunktion vor dem Ableben des Protagonisten baut Frustmomente ab. Zudem wurde die Sprachausgabe dieses Mal komplett auf Deutsch vertont und baut zusammen mit der Musik eine richtig gute Atmosphäre auf. Die Geschichte wurde sehr glaubhaft umgesetzt und hat auch ein paar Verlinkungen zum Vorgänger 'Shadow of the Comet' parat. Das bedeutet aber nicht, dass Nichtkenner dadurch einen Nachteil erlangen. Einige wenige Kritikpunkte sind die relativ kurze Spielzeit von ca. fünf Stunden und die durchweg leichten Rätsel. Dafür ist das Spiel aber auch für Adventure Neulinge bestens geeignet! Auch die Grafik sieht heute noch ganz gut aus. Wer also dringend Nachschub braucht, macht mit 'Prisoner of Ice' definitiv keinen Fehler und wird damit über eine kurze Zeit blendend unterhalten.

geschrieben am 04.03.08, Mr. Brain

Systemanforderungen Weitere Links
Windows Me / 98 / 95
486 DX 33
Doublespeed CD-ROM Laufwerk
Maus
Soundblaster kompatible Soundkarte
8 MB RAM
VGA Grafikkarte


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