Klassiker-Tests: Dark Seed:

Dark Seed


1992- In einer Zeit in der zumeist Adventures von Lucas Arts oder Sierra die Beachtung eines großen Publikums erfuhren, veröffentlichten Cyberdreams mit 'Dark Seed' ein Spiel, das fern ab von gängigen Adventurekonventionen, nur ein kleines Publikum auf sich aufmerksam machen konnte und dennoch bis heute in seiner Alptraumhaften Optik etwas besonderes darstellt. Mit makaber-furchteinflößenden Hintergründen aus der Feder von H.R. Giger ( Auf seiner Fantasie beruhen auch die Alienmodelle in den gleichnamigen Kultfilmen), spielte sich das Spiel trotz mäßigen Gameplays zumindest in die Herzen einiger hartgesottener Gruselfreunde.
Mehr über eines der gruseligsten Adventures aller Zeiten erfahrt ihr in unserem Klassikertest.

 

Mehr als nur ein Traum!

Der Schriftsteller Mike Dawson hat es nicht leicht. Vor kurzem hat er ein stattliches Haus bezogen, doch Nacht für Nacht wird er von bizarren Alpträumen gequält. Im Traum wird er von Biomechanischen Alienwesen heimgesucht und misshandelt und schon bald soll Mike bemerken, dass es sich dabei um weit mehr als nur einen Traum handelt. Durch ein geheimes Portal in seinem neuen Anwesen betritt Mike eine Parallelwelt namens Darkworld, die von den Biomechanischen Organismen bewohnt wird, die Mike Dawson bestens vertraut sind. Diese Alienrasse – die Ancients- sind mitten dabei die menschliche Welt zu übernehmen und es soll sich herausstellen dass ausgerechnet Mike der Schlüssel zu diesem Plan ist. Zwischen beiden Welten pendelnd, liegt es nun am gepeinigten Schriftsteller, die reale Welt vor der Übernahme der surrealen Alptraumwelt zu bewahren…

Minimale Interaktion
Mit lediglich drei Funktionen kommt das Point and Click Interface aus. Mit der rechten Maustaste klicken wir uns durch die Befehle interagieren/nehmen, betrachten/lesen und fortbewegen. Unser Inventar sehen wir ein, indem wir den Mauscursor an den oberen Rand des Screens bewegen. Im Normalfall bekommen wir zu unseren Inventargegenständen nicht mehr als einen einsätzigen Kommentar. Viel gelesen wird in 'Dark Seed' ohnehin nicht- finden wir Inventargegenstände wie Notizzettel oder ein Tagebuch, so bieten uns auch diese nur ein paar Zeilen Text. Wirkliche Dialoge gibt es im Spiel auch so gut wie keine, wenn es ausnahmsweise mal vorkommt, dass Mike sich mit einer Person unterhält, ist das Gespräch nach wenigen Sekunden beendet.

Zwischen den Welten

Willkommen in der Darkworld.

Im Normalfall besteht das Gameplay darin, Inventargegenstände richtig mit der Umwelt zu kombinieren. Zu Beginn jeden Tages sollten wir Mike erstmal duschen schicken und ihn eine Aspirin einwerfen lassen, damit er die durch seine Alpträumen bedingten Kopfschmerzen loswird. Im Laufe des ersten Kapitels wird Mike zum erstem Mal die „Darkworld“ betreten, diese ist von der Struktur her, der menschlichen Welt ähnlich aufgebaut. Dies bedeutet dass eine Tat in der Darkworld, Konkrete Auswirkungen auf die menschliche Welt haben kann und umgekehrt. Ein konkretes Beispiel: Wenn wir in der menschlichen Welt verhaftet werden, können wir unter dem Kissen unserer Zelle Inventargegenstände verstecken.
Da wir im Spiel auch in der Parallelwelt im Aliengefängnis landen, stehen uns nun dort, die zuvor in der ersten Welt versteckten Items zur Verfügung. Darunter befindet sich auch eine Haarnadel, ohne die wir nicht aus dem Aliengefängnis ausbrechen können. Das kann man allerdings beim Aufenthalt im menschlichen Gefängnis noch nicht erahnen und da wir nur einmal aus dem menschlichen Gefängnis entlassen werden können, hilft hier nur einen alten Spielstand zu laden. Damit wären wir bei einem weiteren elementaren Bestandteil des Spiels.
Dieses Muster ist keine Ausnahme sondern die Regel. Ohne Ausnahme jeder Spieler wird etliche Male alte Spielstände laden müssen um sich aus solchen Sackgassensituationen zu befreien. Konkret setzen Cyberdreams es vom Spieler voraus auszuprobieren, Fehler zu machen und dann mit den richtigen Erkenntnissen zu einem alten Speicherstand zurückzugehen. In der Darkworld gibt es ohnehin reihenweise Arten einen grausamen Tod zu finden. Anders als im Nachfolger können wir hier noch unbegrenzt speichern, so dass man es tunlichst vermeiden sollte alte Spielstände zu überschreiben, da man dies bitter bereuen könnte.

Die Zeit läuft

Auf zur Grabräuberei.

Die Handlung von Darkseed ist über drei Tage aufgeteilt. Mehr Zeit hat Mike nicht um die Pläne der Ancients zu durchkreuzen. Der Haken an der Sache ist, dass wir während des Spiels stets eine Sanduhr eingeblendet sehen, was bedeutet das der Spieler sich ranhalten muss, um rechtzeitig alle Handlungen eines Tages zu erledigen. Stets zur selben Uhrzeit (22 Uhr) fällt Mike in einen tiefen Schlaf, egal an welchem Ort er sich befindet. Zu diesem Zeitpunkt sollten wir uns also unter keinen Umständen in der Darkworld befinden. Schaffen wir es rechtzeitig in Mikes Bett, so haben wir am nächsten Tag etwas mehr Zeit zur Verfügung, so dass versucht werden wollte dies zu erreichen. Schläft Mike in der realen Welt anderorts ein, werden ihm einige seiner Inventargegenstände gestohlen, was nicht wirklich erstrebenswert ist. Zudem ist das Spiel sehr linear aufgebaut, das bedeutet ein konkretes Ereignis muss erst eintreten, bevor wir eine andere Handlung durchführen können. So müssen wir z.B. stark darauf achten ans Telefon zu gehen, wenn es klingelt. Hier gilt erneut, verpassen wir einige Ereignisse landen wir in einer Sackgasse. Am ersten Tag zum Beispiel schlägt unser Nachbar uns vor, uns hinter Mikes Haus am zweiten Tag um Achtzehn Uhr zu treffen. Solche Ankündigungen sollten wir also tunlichst im Hinterkopf behalten. Doch auch hier trifft oft der Fall ein, dass wir erst die

Dieses Haus lebt!

benötigten Schritte rausfinden müssen, um es dann mit einem vorherigen Spielstand rechtzeitig zu schaffen. Insgesamt ist 'Dark Seed' aber eher ein Spiel, welches sich zumindest in der Theorie in wenigen Stunden durchspielen lässt, zumindest wenn man sich nicht von Sackgassen, teilweise nicht immer einleuchtenden Inventarrätseln und gelegentlichem Pixelhunting abschrecken lässt.
Humor ist nun nicht eine der Eigenschaften mit denen das Spiel für sich werben könnte und dennoch ließen es sich die Entwickler nicht nehmen, einen schwarzhumorigen Seitenhieb, auf die ungleich erfolgreichere Konkurrenz aus dem Hause 'Lucas Arts' einzubauen. Wer sich die Inschriften der Gräber auf dem Friedhof mal genauer ansieht, wird dabei über die Inschrift „ R.I.P. Guybrush Threepwood“ stolpern.

H.R. Giger

Unsere einzige Verbündete in der Darkworld.

Nicht erst durch seinen Oscar für visuelles Design- für den Film Alien- wurde H.R. Giger einer breiten Masse bekannt. Bis heute finden die surrealen, verstörenden Bilder des Schweizer Künstlers ihr Publikum und verschrecken in ihrem makaberen Wesen, wohl einen noch größeren Teil der Leute. Auch sexuell provozierende Untertöne finden sich regelmäßig in Gigers Kunst wieder. So sorgten auch einige seiner entworfenen Plattencover (Unter anderem arbeitete er für Glenn Danzig und Debbie Harry), wie etwa das Cover der Dead Kennedys LP „Frankenchrist“ in den USA für einen handfesten Skandal, der sogar in einem Prozess gegen die Band um Jello Biafra gipfelte.
Ein immer wiederkehrendes Grundthema von Gigers Kunst sind biomechanische Alptraumwesen, wie es sie auch in 'Dark Seed' zu Haufe zu bestaunen gibt.
Das Team von Cyberdreams hatte dabei Zugriff auf Gigers gesamtes Archiv und so beruht das Design der Darkworld ausschließlich auf Gigers Werken.

Ein visueller Höllentrip

Sympathische Figuren wohin man blickt.



Ohne die unglaublich intensiv-bedrohliche Atmosphäre und die vielleicht verstörendste Welt, die es jemals in ein Adventure geschafft hat, hätte wohl nie ein Hahn nach 'Dark Seed' gekräht. Doch das permanentes Gefühl der Gefahr und der Angst ist in seiner Optik und beklemmenden Stimmung ein riesiger Pluspunkt des Spiels.
Grundsätzlich bestimmen wenige Farben die Texturen der menschlichen Welt, die ein melancholisches Bild unserer Welt zeichnen. Die Charaktere um den Produzenten Mike Dawson - der nicht nur dem Hauptdarsteller seinen Namen lieh, sondern auch gleich als optische Vorlage diente- staksen unnatürlich und umständlich durch die Screens, doch allein das Design der Darkworld macht solche optischen Ausreißer nach unten wieder wett. Selbige ist eine „real“ gewordene Höllenwelt, wie sie wohl kaum ein Alptraum dieser Welt erschaffen könnte. Wer einen unruhigen Schlaf hat, sollte sich also besser von 'Dark Seed' fernhalten, denn hier sind unruhige Träume vorprogrammiert. Hinzukommen sehr verstörende Zwischensequenzen, die an Brutalität nicht geizen.

Beklemmung in Midi
Einen wichtigen Bestandteil der Atmosphäre stellt die Sounduntermalung des Spiels dar. Zwischen melancholisch und bizarr- bedrohlich benetzt ein durchgehend beklemmendes Soundgerüst die Ohren der Spieler.
Die wenigen Male, in denen ein Charakter mit Mike redet, werden mit unfreiwillig komischen Sprachsamples unterlegt. Dafür dass sich Cyberdreams nicht die Mühe gemacht haben, diesen Charakteren mehr als ein, zwei abgehackte Sätze in den Mund zu legen, kann man in diesem Falle also sogar durchaus dankbar sein.

Funktionalität auf modernen Rechnern
Auf dem Testrechner ließ sich 'Dark Seed' auf Anhieb mit der Dosbox zum laufen bringen. Dabei kam es während der gesamten Spieldauer zu keiner einzigen Komplikation.

Verfügbarkeit
Heutzutage ein Exemplar zu erwerben, kann durchaus einiges an Geduld erfordern. Doch dürfte sich bei Ebay immer wieder mal die Chance dazu ergeben.


Galerien

Fazit:

Wertung: 2.5 / 5

Bei aller Liebe, das Gameplay des Cyberdreams Titels ist leider völlig daneben. Besonders der permanente Zeitdruck (Der beim Nachfolger glücklicherweise abgeschafft wurde) und die vielen Sackgassen tragen einen Großteil dazu bei. Wenn man sich ansieht wie komfortabel dagegen die Lucas-Adventures derselben Zeit waren, ein klarer Grund dafür, dass dem Spiel nie ein großer Erfolg zu Teil wurde. Von Charakterausarbeitung und dem schreiben von Dialogen verstand das Team von Cyberdreams definitiv rein gar nichts, auch die Story bleibt letztlich letzten Endes sehr simpel und dennoch: Neben einigen guten Rätseln, die sich aus dem umherspringen zwischen den Parallelwelten ergeben, sind es die Atmosphäre und die Optik des Spiels, die auch heute noch herausstechen. Diese beiden Punkte stellen für mich ein Faszinosum dar, welches bis heute absolut nichts an seiner brillianten Wirkung eingebüsst hat.
Wer also auf der Suche nach einem handwerklich guten Adventure ist,sollte 'Dark Seed' tunlichst meiden, wer aber auf der Suche nach einem atmosphärischen Höllentrip der intensiven Sorte ist, sollte zugreifen.

geschrieben am 30.06.08, Ingmar Böke

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Kommentare 1
Pixelkitsch
20.03.2016, 14:24

Ich habe mir Dark Seed erst kürzlich in der Big Box für Dos zugelegt und mich schon lange drauf gefreut. Die spielerischen Schwächen bremsen meine Vorfreude nicht, ich bin vor allem auf die schöne Grafik und die Giger-Elemente gespannt! Schöner Testbericht übrigens - vielen Dank! :-)


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