Klassiker-Tests: Hugo's House of Horrors:

Hugo I - The House of Horrors


Es war irgendwann in der ersten Hälfte der 1990er Jahre, als ich in den Kiosk meines Vertrauens kam und dort durch die PC-Spielemagazine schaute. Nein, es gab noch keine neue Ausgabe irgendeiner Zeitschrift. Was also tun? In einem Regal weiter oben entdeckte ich eine dünne Plastikhülle, in der ein Papier und eine 5,25" Diskette steckten. Darauf befand sich das Adventure 'Hugo's House of Horrors' von David P. Gray. Für nur 19,80 DM (rund 10 €) bekam man eine Shareware-Version dieses englischsprachigen Horror-Adventures, das von der Optik an die Sierra-Adventures der damaligen Zeit erinnerte. Heute nun findet sich die gesamte 'Hugo'-Trilogie im Angebot von GOG und so war es an der Zeit, die Spiele einmal zur Gänze durchzuspielen.

 

Hugos House of Horrors

 

Hugo I oder ist das nicht Maniac Mansion?

Hugos House of Horrors

Willkommen im Spukhaus!

In 'Hugo's House of Horrors' treffen wir den namensgebenden jungen Hugo, der vor einem gruseligen Haus steht. Irgendwo hier muss es eine Spur von seiner Freundin Penelope geben, die von einem Babysitter-Auftrag in eben diesem alten Haus nicht zurück gekehrt ist. Hugo beschließt, einmal einen Blick in das Anwesen zu werfen, von dem im gesamten Ort Geistergeschichten erzählt werden. Für so eine verdeckte Ermittlung kann man natürlich nicht einfach klingeln und so schaut sich Hugo um. Schnell findet er den vor der Tür versteckten Schlüssel und verschafft sich damit Zutritt zum Horror-Haus. Hier bekommt er es mit allerhand seltsamen Figuren zu tun. Unter anderem einem verrückten Wissenschaftler, Monstern oder Mumien.

Die Geschichte klingt vertraut, findet Ihr? Wer den LucasArts-Klassiker 'Maniac Mansion' aus 1987 gespielt hat (oder unseren Klassikertest gelesen hat), wird vielleicht glauben, dass das Spiel für 'Hugo's House of Horrors' Pate gestanden hat. Hugos Schöpfer David Gray betonte in einem Interview mit Adventure Classic Gaming jedoch, dass er 'Maniac Mansion' bis zum heutigen Tage nicht gespielt hat. Die Inspiration für die Geschichte kam Gray durch das Bild eines Spukhauses, das er erworben hatte und das er als Start für sein Adventure nutzen wollte. Er stellte sich nun die Frage, warum sich wohl ein Jugendlicher in ein solches Haus begeben sollte und welche Abenteuer er dort erleben würde. So kam dann auch der verrückte Wissenschaftler schnell in die Geschichte. Tatsächlich keimte die Idee zu einem Grafikadventure in Gray auf, nachdem er 'Leisure Suit Larry 1' gespielt hatte.


Wirre Geschichte und tödliche Fallen

Hugos House of Horrors

Was mag diese Frage wohl mit der Geschichte des Spiels zu tun haben?

Losgelöst vom Ausgangspunkt liefert 'Hugo's House of Horrors' auch eine ganz andere Geschichte als 'Maniac Mansion'. Leider fällt sie im direkten Vergleich auch deutlich ab. Was der Wissenschaftler eigentlich macht, warum Penelope gefangen genommen wurde oder was es mit den übrigen Figuren auf sich hat, erfahren wir im Spiel nicht. Im Laufe der rund 30 Minuten Spielzeit wird die Geschichte zusehends unlogischer. Das gipfelt schließlich mit dem Finale, vor dem uns ein altes Männchen Fragen stellt wie "Welchen Namen trug der Hund von Roy Rogers?". Andere Fragen drehen sich um die 'Herr der Ringe'-Romane oder 'Die Chroniken von Narnia'. Heute kennt nahezu jeder die entsprechenden Filme oder Bücher und kann die Fragen so beantworten. Das war damals jedoch nicht der Fall, eine Komplettlösung lag dem Spiel nicht bei und natürlich gab es noch kein Internet, wo die Antworten nur ein paar Mausklicks entfernt sind. Und: Was haben diese Fragen überhaupt mit der Geschichte zu tun?

Damals dürfte auch kaum ein Spieler so weit gekommen sein, denn Hugo verliert schnell mal sein Leben. Zur falschen Zeit in den falschen Raum gegangen? Einen Inventar-Gegenstand nicht im richtigen Moment genutzt? Die Rettungsaktion für die arme Penelope ist vorbei und man darf von vorn beginnen. So speichert man vor jeder neuen Aktion schnell einmal ab. Erschwert wird das Spiel durch so manche andere kleine Gemeinheit wie unsichtbare Ausgänge oder Orte, in denen die Spielfigur steckenbleiben kann. Wenn man es durch diese Passagen schafft, steht noch ein recht schwieriges Verfolgrungsrätsel mit einer Mumie auf dem Programm, das man nur durch geschicktes Manövrieren der eigenen Spielfigur und mit viel Geduld erfolgreich bestreiten kann.


Die Technik

Hugos House of Horrors

Verfolgungsjagd mit einer Mumie...

Gesteuert wird das erste 'Hugo'-Adventure wie die Sierra-Klassiker, also rein über die Tastatur. Befehle wie "Take Candle" geben wir direkt ein, wobei wir auf die korrekte englische Schreibweise achten müssen. Leider nimmt es die Texterkennung sehr genau. Wollen wir beispielsweise ein Loch mit einem Gummistopfen flicken, könnte man auf die Idee kommen "Fix Hole with Bung" oder "Repair Hole with Bung" einzugeben. Das Spiel verlangt von uns jedoch ein "Plug Hole with Bung". Hugo selbst steuern wir über die Pfeiltasten, was recht gut klappt. Alternativ können wir auch in die Grafik klicken und Hugo bewegt sich an den entsprechenden Ort. Ebenfalls können wir mit der Maus ein Menü am oberen Bildrand öffnen, in dem wir das Inventar finden, Spielstände speichern oder laden können.

Hugos House of Horrors

Die Grafik war schon bei Erscheinen des Spiels veraltet.

Die Grafik von 'Hugo I' orientiert sich ebenfalls an den Sierra-Adventures. Die Shareware-Version kam seinerzeit mit EGA-Grafik in 16 Farben, eine VGA-Fassung ist ebenfalls erschienen und wurde nach Windows portiert. Die bei GOG verfügbare Fassung setzt auf ScummVM als Basis auf. Im Vergleich mit anderen Adventures der Zeit wirkt der Titel jedoch hoffnungslos veraltet. Ein Jahr vor 'Hugo I' erschien 'Indiana Jones und der letzte Kreuzzug' oder der dritte 'Larry'-Teil, im selben Jahr erschienen 'Monkey Island' oder 'Kings Quest V', die im Bereich Grafik und Sound ganz anders auftrumpften. Allerdings stecken hinter diesen Spielen ganze Entwickler-Teams, an den 'Hugo'-Adventures arbeitete größtenteils David Gray alleine. Er holte sich aber auch Anregungen von Freunden und Bekannten. Eine witzige Anekdote verrät der Entwickler in einem Interview mit PlusXP: Es gibt im Spiel einen wichtigen dreistelligen Code. Man könnte nun die Zahl "666" erwarten, die auch ursprünglich im Spiel gewesen sein soll. Der Nachbar von Gray war jedoch der Meinung, dass eine solche Nummer nichts in einem Spiel für Kinder verloren hätte. Gray ließ sich überzeugen und empfindet diese Änderung im Nachhinein als zu naiv.

 

Was ist eigentlich Shareware?

In einer Zeit vor dem Internet war es für unabhängige Entwickler schwierig, ihre Programme bekannt zu machen und auch zu verkaufen. Shareware war ein Lösungsansatz: Man durfte das Programm kostenfrei kopieren und weitergeben, solange man die Text-Datei mit dem Bestellformular nicht entfernte. Die Programme waren meist im Umfang eingeschränkt, starteten erst nach einem Countdown oder liefen nur bis zu einem bestimmten Punkt, vergleichbar mit einer Demo-Version. Gegen Zahlung einer Summe, die im Vergleich zu professionell vertriebenen Programmen meist recht gering war, erhielt man dann eine Diskette direkt vom Autor mit dem gesamten Programm und oftmals noch Goodies wie ein Lösungsbuch oder in diesem Fall sogar den nächsten Teil der 'Hugo'-Reihe.


Galerien

Fazit:

Wertung: 1 / 5

Eine schon damals veraltete Grafik, keine spielerfreundliche Texterkennung und - wenn man ehrlich ist - keine zusammenhängende Geschichte. Dennoch legte das Spiel den Grundstein für eine Adventure-Trilogie und sogar einen vierten Teil, der die Reihe ins Ego-Shooter-Genre trägt. Noch heute erinnern sich Spieler (mehr oder weniger) gern an ihre Zeit mit 'Hugo' und auch ich wollte dem bislang unbeendeten Shareware-Titel eine neue Chance geben. Und natürlich wollen wir Euch diese kleine Adventure-Reihe nicht vorenthalten. Doch auch mit einer gehörigen Portion Nostalgie kann man 'Hugo's House of Horrors' keine bessere Wertung geben.

geschrieben am 26.01.18, Tobias Maack

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Dieser Klassiker-Test gehört zu  Hugo's House of Horrors.




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