Reviews: Casebook Trilogie:

Casebook Episode 1: Kidnapped


Episodenformate mit reduzierten spielerischen Inhalten sind angesagt, FMV-Technologie war mal sehr angesagt. Nun kommt der neuseeländische Entwickler Areo um die Ecke, traut sich das, wozu heutzutage kaum ein Publisher den Mut hat: Die Verwendung von Filmsequenzen, kreiert dabei einen Casual-Adventure-Hybriden und macht in Form von 'Casebook' eine Episodenreihe daraus, in der der Spieler als unsichtbarer forensischer Ermittler mitten an Verbrechens-Schauplätze geschickt wird. Wir haben uns die erste Episode 'Kidnapped' genauer angesehen und liefern Fakten zum Serienauftakt.

 

 

Guter Cop, böser Cop, was darf es sein? Detective Burton beherrscht beides

Es ist Dein erster Tag bei der Polizei, als forensischer Ermittler sollst Du fortan an der Seite des erfahrenen Detectives James Burton die verschiedensten Verbrechen aufklären. Und wie sollte es anders sein, die Arbeit lässt nicht lange auf sich warten. Die Familie Bircherman wendet sich an die Cops, nachdem ihre beiden Kinder aus ihrem Zimmer entführt worden sind. Die Ermittlungen beginnen und umso mehr Beweise Du und Burton sammelt, desto mehr wird deutlich, dass hinter dem Kidnapping mehr steckt, als zuerst angenommen. Aus einer Reihe von Verdächtigen und Hinweisen gilt es die richtigen Schlüsse zu ziehen, den Tätern Stück für Stück näher auf die Spur zu kommen und dafür zu sorgen, dass die Bircherman-Kinder am Ende wohlbehalten zurückkehren können, es gibt viel zu tun…

Foto-Tourismus

Der erste Schauplatz, den es zu durchforsten gilt.

Nach einem kurzen Intro und einigen Anweisungen unseres omnipräsenten Partners James Burton sind wir auch schon mitten im Spiel. Wir sollen das Kinderzimmer der Geiseln komplett auf den Kopf stellen und an Hinweisen zusammentragen, was wir nur können.
Gesagt, getan! Aus First Person-Sicht bewegen wir uns frei durch den Tatort. Entweder wir benutzen dazu die klassische Shooter-Steuerung W,A,S,D und benutzen die Maus um unseren Blick in verschiedene Richtungen schweifen zu lassen, oder aber wir beschränken uns bei der Bewegung komplett auf die Maus und bewegen uns mit gedrückter linker Maustaste durch das jeweilige Zimmer. Per Klick auf die rechte Maustaste zücken wir dann eines unserer wichtigsten Arbeitswerkzeuge, unsere Kamera. Durch das Kameraobjektiv wird uns angezeigt, wenn wir einen Gegenstand, bzw. einen potentiellen Anhaltspunkt, fotografieren können, oftmals stehen wir aber entweder zu nah oder zu weit entfernt vom Gegenstand um ihn zu fotografieren, dies können wir mit der Zoom-Funktion ändern, die wir entweder durch Verwendung des Mausrads oder der Taste W nutzen. Jeder Schauplatz, den wir im Verlaufe dieser Episoden betreten, bietet etliche fotografierbare Elemente, von denen freilich nicht alle relevant sind, Abhilfe verschafft hier die Intuitions-Hilfe. Drücken wir die Taste I, zeigt uns ein Symbol den Weg zum nächsten wirklichen Hinweis, den es zu fotografieren gilt. Nicht schlecht auch für Spieler, denen das repetitive Fotografieren nach einer Weile etwas auf den Nerven herumzutanzen vermag. Aktuell anfallende Aufgaben und bereits erledigte Ziele innerhalb eines Schauplatzes können wir uns im Übrigen stets per Space-Taste anzeigen lassen, zur Erklärung einzelner Features dient die F1-Taste. Frei Speichern können wir nicht, am Anfang unseres Spiels wird ein Profil erstellt, das am Ende jeder Runde automatisch vermerkt, wo wir das letzte Mal aufgehört haben.


Beschäftigungstherapie

Das Schwarzlicht enthüllt Geheimnisse.

Haben wir acht Bilder aufgenommen, ist unsere Kamera erstmal voll, und wir verlassen den Schauplatz in Richtung Einsatzfahrzeug. Dieses verfügt praktischerweise über eine Vor Ort-Mini-Ermittlungseinrichtung, in der insbesondere der PC zum essenziellen Tool für uns wird. Schließen wir die Kamera an den PC an, werden unsere acht Bilder auf den Rechner übertragen, unwichtige Fotos wandern dabei automatisch in den Müll. Infos zu den Fotografien bekommen wir stets von einem uns zugeschalteten Analyse-Spezialisten, der dabei auch gerne mal den ein oder anderen trockenen Kalauer raushaut. Dieser Spezialist ist neben Detective Burton quasi so etwas wie unser zweiter permanenter Ansprechspartner, der uns auch bei weiteren Teilen des Analyse-Prozesses beratend und erklärend zur Seite steht. Jeden brauchbaren Hinweis müssen wir allerdings selbst auswerten, nachdem der Analyse-Experte eins unserer Bilder aus der Ferne als hilfreich eingestuft hat. Und hier kommt nun einer der Hauptbestandteile des Spiels zum Einsatz: Eine Reihe von Mini-Games, die sich laufend wiederholen. So müssen wir zb. Objekte auf Fingerabdrücke untersuchen, mit Schwarzlicht über Gegenstände fahren, chemische Proben isolieren, oder Abdrucksmuster von Schuhsohlen erstellen. Diese Mini-Games lassen sich ausnahmslos mit ein paar simplen Mausklicks absolvieren, Adventure-Rätsel im eigentlichen Sinne gibt es nicht.

Ist ein solches Mini-Game erledigt, wird der daraus resultierende Hinweis umgehend im Computer archiviert und auf einer Karteikarte ausgedruckt. In einer Mappe im Einsatzwagen finden wir für jeden Schauplatz ein eigenes Feld auf dem wir sämtliche Fotos, die uns der PC in Karteiform ausgedruckt hat, platzieren müssen, optisch vergleichbar mit einem aufgedeckten Memory-Spiel. Können wir Beweismittel auf Gemeinsamkeiten prüfen, tragen die entsprechenden Karteikarten ein spezielles Symbol. Klicken wir solch eine Karte an, nachdem wir sie auf der Mappe angebracht haben, werden uns einige Vorschläge gemacht, mit welchen anderen Karteikarten wir unsere ausgesuchte Karte verwenden können. Wir ziehen den einen Ausdruck auf den anderen und finden so umgehend heraus, ob es eine Überschneidung gibt, oder nicht.

Auch Suzies "Namensschild" ist vor Burtons wachsamen Augen nicht sicher.

Damit wäre im Grunde bereits das komplette Spielprinzip der ersten 'Casebook'-Episode erläutert. Wir betreten einen Schauplatz, machen acht Fotos, scannen sie im Einsatzwagen ein, analysieren die etlichen (!) Hinweise durch Mini-Games, gehen mit nun wieder entleerter Kamera zum Schauplatz zurück und das Ganze geht wieder von vorne los. Haben wir alles Wissenswerte entdeckt, machen wir uns auf den Weg zu einem anderen Schauplatz, wo wir nach exakt dem selbem Muster verfahren. Parallel dazu hält uns Detective Burton stets über neue Erkenntnisse und konkrete Dinge, nach denen wir suchen sollen, auf dem Laufenden. So wie er von jedem unserer Schritte unterrichtet ist, so informiert er uns auch über jede seiner nächsten Handlungen. So verfolgen wir zb. in mehreren FMV-Sequenzen wie Burton ausgiebig Verdächtige und/oder Familienangehörige der Geiseln befragt. Da wir selber unsichtbar bleiben, wird unser Partner Burton für uns so etwas wie die Identifikationsfigur, die nicht nur den Kurs der Ermittlungen vorgibt, sondern auch gefühlt unser wichtigster Verbündeter und Ratgeber wird.

Nettes Gimmick: Während zwei Verhören, die wir durch eine Glasscheibe verfolgen, verlässt Burton kurz den Raum, spricht uns an und fragt uns ob er den Verdächtigen eher hart angehen soll, oder es auf die weiche Tour versuchen soll. Das Kopfschütteln oder Nicken führen wir nun mit einer Mausbewegung, ähnlich wie in 'Experience 112', aus, was dementsprechend zu einer leicht veränderten nächsten Szene führt. In weiteren Episoden könnte man solche Elemente gerne noch etwas stärker einbinden, so dass sie sich als mehr wie bloße Spielerei anfühlen.


FMV in der “Neuzeit”

Haben die Birchermans etwas zu verbergen?

An der Qualität der FMV-Technik gibt es nicht wirklich etwas auszusetzen, abgesehen von einem leicht verwaschenen Effekt, der sich besonders deutlich in einigen interaktiven FMV-Szenen zeigt (zb. wenn wir neben Burton im Auto sitzen, er dabei lenkt, mit uns redet und wir währenddessen die Kamera schwenken können). Diese Erwähnung dient allerdings lediglich zur reinen Protokollierung, zu gut sehen die Videos am Ende insgesamt aus um hier ernsthaft Erbsenzählerei zu betreiben. Was die Auswahl der Schauspieler angeht, kann man den Burton-Darsteller durch seine recht charismatische Verkörperung des erfahrenen Bullen sicherlich herausheben, ansonsten sind die Qualitäten der neuseeländischen Schauspieler wohl am ehesten als Ausreichend zu bezeichnen, ohne das sonst jemand ansatzweise den Eindruck macht, über sonderlich große Schauspielerfahrung zu verfügen.
Die Grafik im Spiel selbst beruht auf realen Fotografien, die logischerweise ohne bewegliche Elemente auskommen muss. Während wir uns bewegen, wird der entsprechende Schauplatz von einem Unschärfe-Effekt überlagert, der jedoch keineswegs als störend zu bezeichnen wäre.

Sparsames Soundgerüst

Unser Karteisystem, mit dessen Hilfe wir Zusammenhänge zwischen verschiedenen Spuren entdecken.

Musik wird in diesem Falle zu selten eingesetzt um großartig auf sie einzugehen, hören wir doch mal ein paar Piano oder Jazz-Töne wird deutlich, dass hier Film Noir-Motive Pate standen. Im Spiel selbst sorgen Hintergrundgeräusche wie entfernter Strassenlärm oder Vogelzwitschern für einen Hauch von Leben. Die stimmliche Qualität der Schauspieler ist absolut deckungsgleich mit ihren oben beschriebenen Schauspielqualitäten. Durch den Verzicht auf Untertitel, teilweise zu leise Stimmen, so wie in einem Falle einem starken neuseeländischen Akzent, fällt es gelegentlich nicht immer leicht jedes Wort zu verstehen, auch wenn man des Englischen mächtig ist. Areos Creative Director Sam Clarkson kündigte uns gegenüber allerdings an, dass es Überlegungen gebe, in Zukunft mit untertitelten Versionen zu arbeiten, wenn es gut läuft sogar mit verschiedensprachigen Untertiteln (konkret wurde auch die deutsche Sprache genannt), ob diese Gedanken am Ende allerdings in die Tat umgesetzt werden, war zum Zeitpunkt unseres Gespräches nicht definitiv sicher!

Bezugsquelle

Bestellt werden kann der Online-Titel auf der offiziellen 'Casebook-Homepage' zum Preis von 15 Dollar, was derzeit etwa 11,50 Euro entspricht.
Die Arbeiten an der zweiten Episode 'The Watcher' stehen derzeit kurz vor der Beendigung, so dass diese schon sehr bald verfügbar sein wird. Weitere Episoden (derzeit sind insgesamt vier geplant) sollen im Abstand weniger Monate folgen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 65%

Nervenkitzel, komplexe Charaktere, nymphomanische Femme Fatales, Dinge, die man in der 'Casebook'-Reihe nicht suchen sollte, hier geht es eher so betulich zu, wie in einer 'Derrick'-Folge. Für ca. drei Stunden weiß Episode 1 aber durchaus solide zu unterhalten, denn eines haben Areo hier wirklich sehr gut hinbekommen: Das Gefühl, ein realer Teil der Ermittlungen zu sein und aktiv, Stück für Stück, die Kette aus Hintergründen aufzublättern, die hinter der Kindesentführung stehen. Viel mehr als nette Beschäftigungstherapie – ohne Herausforderungen- sollte man allerdings nicht erwarten, denn mehr kann weder das repetitive Casual-Gameplay noch die biedere Geschichte bieten. Dennoch bin ich gespannt, wie es weitergehen mag, der Trailer zur zweiten Episode weiß durchaus zu gefallen und der überzeugende Hauptcharakter James Burton bringt sicherlich noch einiges an unausgeschöpftem Potential mit sich.


geschrieben am 18.02.09, Ingmar Böke

Systemanforderungen Weitere Links

Windows XP SP2 / Vista
1.5Ghz CPU (Core 2 oder Vergleichbar)
1GB RAM
Grafikkarte mit Shader 1.4 und DirectX 9.0c Unterstützung
1GB Festplatte
Soundkarte
Offizielle Homepage


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Dieses Review gehört zu  Casebook Trilogie.




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