Reviews: Casebook Trilogie:

Casebook Episode 2: The Watcher


Nur wenige Monate nach Veröffentlichung der ersten Casebook-Episode 'Kidnapped', schickt der neuseeländische Indie-Entwickler Areo nun bereits zum zweiten Mal echte Schauspieler zur Ermittlung an Verbrechensschauplätze. Doch hat sich einiges geändert beim Adventure-Casual-Hybriden, in welcher Art und Weise, erfahrt ihr in unserem Review zu Detective Burtons zweitem Auftritt in 'Casebook: The Watcher'.

 

 

 


Unsanfter Abgang.

Ein junger Mann stürzt aus seinem Appartement in den Tod. Das Team um Detective Burton, dem unsichtbaren forensischen Ermittler, in dessen Rolle wir als Spieler schlüpfen, Labor-Spezialist Pete so wie die im Laufe des Spiels dazu stoßende Psychologin Anna, ermittelt vor Ort, da sich schnell die Gewissheit eingestellt hat, dass es sich hier wohl kaum um einen Selbstmord gehandelt haben kann. Schon bald stellen wir fest, dass das psychisch mehr als angeknackste Opfer Salt die Nachbarn seines Wohnblocks regelmäßig nachts mit einer Kamera gefilmt hat. Könnte es sein, dass er dabei etwas gesehen hat, was er nicht hätte sehen dürfen? Einige der direkten Anwohner scheinen durchaus das Potential für dunkle Geheimnisse zu haben, also beginnt das Team ein weiteres Mal mit ihren Ermittlungen und stößt dabei auf einen wesentlich blutigeren Zusammenhang, als sie es sich hätten ausmalen können.

Steuerung

Die Areograph-Engine in Aktion.

Da die Steuerung komplett der des Vorgängers entspricht, sei an dieser Stelle nur kurz auf sie eingegangen. Erneut bewegen wir uns aus Ego-Perspektive durch reale Hintergründe, benutzen dabei entweder W,A,S,D zur Fortbewegung oder halten die Linke Maustaste gedrückt um uns durch einen Raum fortzubewegen. Mit der rechten Maustaste holen wir eines unserer wichtigsten Werkzeuge hervor, unsere Kamera. Mit Taste W oder dem Mausrad zoomen wir uns an Gegenstände heran, bis uns unser Objektiv mitteilt, dass wir nun einen Gegenstand zur Beweissicherung fotografieren können. Per I-Taste lösen wir erneut die Intuitions-Funktion aus, die uns mit einem Augen-Symbol die Richtung zum jeweils nächsten relevanten Gegenstand deutet, den wir für unsere Nachforschungen fotografieren müssen. Mit der Space-Taste öffnen wir hingegen unser Notebook, das uns über aktuelle Ziele aufklärt, so wie einiges an festgehaltenen Fakten und Statements aus Gesprächen, die Burton mit Anwohnern geführt hat, bereithält. Erneut wird zu Beginn des Spiels ein Profil angelegt, welches automatisch ein Lesezeichen an die Stelle setzt, an der wir das Spiel das letzte Mal beendet haben.

Gameplay

Der Computer ist elementarer Bestandteil unser Ermittlungen.

Nicht nur wer Episode 1 kennt, dürfte sich in Windeseile im Spiel zurechtfinden. Erneut durchsuchen wir die diversen Räumlichkeiten mit unserer Kamera auf jedes noch so kleine Detail. Ist unsere Kamera mit acht Bildern gefüllt, entleeren wir sie, indem wir sie in unserem mobilen Einsatzfahrzeug an den Computer anschließen. Zusammen mit dem sympathisch-schrulligen Laboranten Pete, der uns bei unseren Computer-Analysen fortwährend zugeschaltet ist, beschäftigen wir uns anschließend mit der Frage, welche unserer Bilder wir verwenden können, um weitere Rückschlüsse auf den Tathergang bzw. Zusammenhänge innerhalb des Falls zu schließen. Die eigentliche Analysearbeit von relevanten Beweisstücken erledigen wir allerdings zum größten Teil erneut selbst, auch wenn wir fortwährend von Burton und Pete Anweisungen bekommen. Diese Analysen finden erneut in Form von simplen Mini-Games statt, bei der wir auch dieses Mal zb. DNA-Stränge isolieren oder mit Schwarzlicht Gegenstände auf verborgene Spuren untersuchen.

Burton versucht klare Schlüsse aus den rätselhaften Vorgängen zu ziehen.

Zu den bekannten Mini-Games gesellen sich allerdings eine Reihe von neuen Aufgabenstellungen dazu, die trotz des sehr niedrigen Schwierigkeitsgrades für mehr Abwechslung sorgen. Dabei handelt es sich unter anderem um die Rekonstruktion beschädigter Videobänder, das simple Übersetzen einer Runen-Nachricht oder einen Dummy-Simulator, mit dem wir versuchen müssen, den tödlichen Sturz des Opfers zu rekonstruieren um Erkenntnisse zum genauen Ablauf des Sturzes zu erhalten. Zudem müssen wir eine ausgebrannte Wohnung auf Stoffe untersuchen, die als Brandauslöser gedient haben könnten, wobei uns eine Art Geigerzähler unterstützt, der nach dem Heiß-Kalt-Prinzip funktioniert. Die etlichen Details und Verbindungen, die aus unseren Analysen entstehen, halten wir erneut auf unserem Karteikartensystem fest. Einige dieser Karteikarten, die anhand neuer Erkenntnisse, auf die wir stoßen, ausgedruckt werden, tragen ein spezielles Symbol, welches uns anzeigt, dass wir sie auf andere Karteikarten verwenden können. Tun wir dies, werden uns neue Erkenntnisse und Verbindungen zwischen einzelnen Details klar, die letzten Endes auch die Story vorantreiben. So kommen wir den Hintergründen des Todessturzes in vielen kleinen Schritten Stück für Stück näher, während wir parallel dazu in vielen Video-Sequenzen verfolgen, wie Detective Burton Zeugen und potentiell Verdächtige aushorcht bzw. sich die Story weiterentwickelt.

Der House-Effekt

Anscheinend gibt es jemanden, der unsere Ermittlungen gerne unterbinden möchte.

Sehr gelungen wurde erneut das Gefühl geschaffen, ein realer Bestandteil der Ermittlungen zu sein, wozu besonders der permanente Kontakt zu Pete und besonders Burton beiträgt, stets fühlt man sich als unmittelbar an der Handlung beteiligt. Ein entscheidender Unterschied zur ersten Episode ist allerdings der, dass man sich seinerzeit noch recht unmotiviert durch das Spiel klickte, was zum Großteil an der sehr drögen, spannungsfreien Story bzw. Inszenierung lag. Und eben dadurch, dass man nun eine wesentlich spannendere Geschichte erzählt, die über wesentlich mehr Dynamik verfügt, deutlich lebendiger daherkommt und man auch dem interessanten Burton-Charakter mehr Raum zur Entfaltung verschafft , kommt das „Mittendrin statt nur dabei“-Prinzip nun erst richtig zu Geltung. So ist der Wille, hinter die Geschehnisse des Verbrechens zu kommen, in meinem Falle, ungleich gewachsen, was dazu führt, dass zumindest mir das Warten auf die direkte Fortsetzung 'Snake in the Grass' nicht leicht fallen wird- der typische Serieneffekt eben, wie ihn Fans von 'Dr.House', 'C.S.I.' und Co kennen, ein Effekt, den also auch 'The Watcher' erreicht, was für die Qualität spricht, die die Serie mittlerweile erreicht hat. Ein wenig befremdlich wirkt dabei höchstens, dass wir einen Haufen erdrückender Indizien gegen eine verdächtige Person gesammelt haben, die einem juristischen Laien wie mir den Eindruck vermitteln, dass man den Verdächtigen längst hinter Schloss und Riegel bringen könnte. Burton und Co sind hingegen der Meinung, immer noch nicht genug Material für eine Gerichtsverhandlung in der Hand zu haben, was nicht wirklich nachvollziehbar wirkt, aber im gelungenen Gesamtbild nicht viel mehr als einen Schönheitsfehler darstellt.


FMV-Expansion

Stylische Splitscreens gibt es in Casebook einige zu bewundern.

Dafür, dass 'The Watcher' rund 400 MB mehr an Datenumfang mit sich bringt als Episode 1, gibt es einen guten Grund: Die Anzahl an FMV-Szenen wurde deutlich hochgefahren, was sich enorm positiv auf die Erzählstruktur auswirkt. Die optische Qualität ist 1:1 der des Vorgängers gleichzusetzen, allerdings haben Areo es sich dieses Mal nicht nehmen lassen, auch ein paar nette Splitscreens mit einzubauen, die sich sehr gut ins gelungene optische Bild einfügen. Nach wie vor besitzen die interaktiven FMV-Szenen, in denen wir die Kamera geringfügig schwenken können und zb. Burton auf dem Weg in das Wohngebiet zu Fuß begleiten, während er in dieser Live-FMV-Szene mit uns spricht, einen etwas verwaschenen Ton, der auch bei der Fortbewegung innerhalb der eigentlichen Areograph-Spielengine entsteht. Erneut gibt es hier allerdings nichts wirklich etwas zu beklagen, da die FMV-Produktion auch dieses Mal insgesamt sehr gelungen und professionell ausfällt. Dass dabei nicht alle Schauspieler das Gelbe vom Ei sind, macht sich nicht sonderlich bemerkbar, da die Figur, mit der letztlich fast alles steht oder fällt, also Hauptcharakter James Burton, erneut sehr charismatisch von Darsteller Julian Temple portraitiert wird.


Sound

Wir ziehen Psychologin Anna zu Rate.

Im Spiel selbst wird erneut mit Musik gegeizt, dafür bieten einige der Videosequenzen dann einige kurze Musikstücke, die mal einen elektronischen Touch haben können, aus Pianoklängen bestehen oder mit Old School-Jazzigen Film noir-Klängen aufwarten. An den Räumlichkeiten, die wir im Laufe des Spiels untersuchen, müssen wir uns hingegen mit wenigen Hintergrundsounds wie Vogelgezwitscher oder permanenten, entfernten Straßengeräuschen zufrieden geben. Die Sprecherleistungen gehen allesamt in Ordnung, wobei hier besonders James Burton und seine Verbündeten Pete Inverness, Anna Hendrickson zu punkten wissen. Sehr positiv ist zu vermerken, dass man mittlerweile eine (optionale) komplette Untertitlung eingeführt hat, auch wenn diese lediglich auf Englisch vorliegt.

Bezugsquelle

Für knapp 11,50 Euro (15 Dollar) kann Episode 2 auf der offiziellen 'Casebook-Homepage' bestellt werden.


Galerien

Fazit:

Wertung: 78%

Respekt! So eine enorme Steigerung von einer Episode zur nächsten ist mir bislang in noch keiner Episodenreihe begegnet. War Folge 1 noch ein recht kurzweiliger aber sehr biederer und über weite Strecken fad inszenierter Krimi zum Mitspielen, haben Areo nun mit einer deutlich dichteren, düsteren Erzählweise und besser inszenierten Handlung für einen enormen Motivationsschub gesorgt, der das Spielen der zweiten Episode ungleich packender macht. Zudem wird hier zum ersten Mal ein Episodenübergreifender Plotstrang eingeführt, der -zum Ende hin- die Geschehnisse für den tollen Hauptcharakter James Burton vom dienstlichen ins persönliche kehrt, was dafür spricht, dass der Entwickler sich bewusst ist, dass aus dieser Figur noch weit mehr herauszuholen ist, als es in 'Kidnapped' der Fall war. Einen großen Beitrag zur spannenderen Handlung stellt auch die nun deutlich erhöhte Anzahl an FMV-Sequenzen dar, die sich also bei weitem nicht nur in der Datenmenge ausdrückt. Das Gameplay verläuft zwar genau genommen immer noch nach bekannten Mustern, durch die erhöhte Anzahl an Mini-Games und einiger neuer Aufgabenstellungen kommt das Ganze aber dennoch zumindest etwas weniger repetitiv rüber als noch im Vorgänger, auch wenn hier nach wie vor niemand spielerische Wunderdinge erwarten sollte. Dass der Schwierigkeitsgrad dabei immer noch extrem niedrig ist, wundert bei einem Spiel mit so starken Casual Game-Einflüssen ohnehin wenig, dafür werden einem aber ein paar unterhaltsame Stunden zum sehr geringen Preis geboten und das alles in Kombination mit sehr gelungener, moderner FMV-Technologie. Wer beim Wort „Casual-Game“ nicht schreiend davonläuft, sollte einen Blick auf 'The Watcher' riskieren und kann sich die erste Episode, die nun wie ein Testballon wirkt, im Vergleich durchaus sparen.

geschrieben am 15.03.09, Ingmar Böke

Systemanforderungen Weitere Links

Windows XP SP2 / Vista
1.5Ghz CPU (Core 2 oder Vergleichbar)
1GB RAM
Grafikkarte mit Shader 1.4 und DirectX 9.0c Unterstützung
1GB Festplatte
Soundkarte
Offizielle Homepage


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Dieses Review gehört zu  Casebook Trilogie.




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