Reviews: Kriminologie:

Kriminologie


Schlechte 'C.S.I.'-Klone gibt es für Nintendos 'DS' mehr als genug, selbst das Original erreichte in unserem Test nur eine unterdurchschnittliche Wertung. Mit 'Kriminologie' steht bereits seit einiger Zeit ein Kandidat in den Händlerregalen, der es besser machen möchte. Verantwortlich für den Titel sind die White Bird Studios. Das Team um den Geschichtenerzähler und Zeichner Benoit Sokal zeigte bereits mit dem PC-Titel 'Sinking Island', dass sie spannende Kriminalgeschichten gut in ein Adventure packen können. Was also soll da noch schief gehen? Unser Test gibt die Antwort.

 

Gestatten, Simmons.

Bei Kriminologie geht es recht Blutig zu.

In der Großstadt Crossburg sind Korruption und Verbrechen an der Tagesordnung und die Polizei ist noch schlimmer als ihr Ruf. Trotzdem freut sich Matt Simmons, ein junger Inspektor auf seinen ersten Tag in der forensischen Abteilung der Polizei. Als Kriminologe kennt er sich bestens in der Spurensuche und –untersuchung aus. Damit er sich schnell zurechtfindet, stellt ihm Hauptkommissarin Alexandra Malone den erfahrenen Peter Wayne als Partner zur Seite. Die beiden haben kaum Zeit, sich kennenzulernen, denn der erste Fall wartet schon auf das Team: Ein Polizist und seine Frau haben die Folgen einer akuten Bleivergiftung nicht überstanden und liegen Blutüberströmt in ihrer Wohnung. Der erste Verdacht ist schnell gefasst: Der Kollege soll zuerst seine Frau und dann sich selbst umgebracht haben. Doch das Familiendrama nimmt eine ungeahnte Wendung, als Matt Ungereimtheiten aufdeckt: Die Frau war noch am Leben, als Ihr Mann starb. Der müsste aber den tödlichen Schuss auf seine Gemahlin abgegeben haben. Das wir am Tatort Spuren eines Insassen der örtlichen Vollzugsanstalt finden, macht die Sache nicht einfacher – Schließlich ist das Einsitzen in einer Haftanstalt doch ein unumstößliches Alibi. Oder etwa nicht?


Korruption, wohin man schaut

Im Verhör findet Matt erste Hinweise auf den wahren Tathergang.

Nach und nach kämpft sich Simmons durch einen Wust an Indizien, findet neue Spuren, Verhört Zeugen und Verdächtige und bringt einen Täter nach dem Anderen hinter Gitter. Das unter den Verdächtigen auch immer mal wieder Kollegen auftauchen, sorgt nicht gerade für gute Laune im Kommissariat. Aber es hilft nichts, denn zu sehr stecken die Justizbehörden im Sumpf der Korruption. Neben dem schon erwähnten Mord geht es um eine Geiselnahme mit blutigem Ende, einen merkwürdigen Todesfall im Krankenhaus von Crossburg, einen vermeintlichen Verkehrsunfall mit Entführung und um einen Menschenschieberring. Alle diese Fälle ergeben am Ende ein großes Ganzes, wie man es bei solchen Titeln schon fast erwartet.

Spurensuche

Ein großer Bestandteil des Spiels ist die Spurensuche. Am Tatort angekommen fahren wir mit dem Stylus über den Touchscreen, bis sich der Cursor verändert. Dann wissen wir: Hier gibt es etwas zu untersuchen. Tippen wir auf die nun markierte Stelle, präsentiert uns das Spiel eine Großaufnahme, die wir meist wieder auf Spuren untersuchen müssen. Zum Sicherstellen stehen uns dann neun verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, die je nach gefundener Spur unterschiedlich kombiniert werden müssen. Unter den Werkzeugen finden wir beispielsweise eine UV-Lampe, mit der wir unsichtbare Blutspuren finden können. Danach sprühen wir sie mit Luminol ein, ein Mittel, das die Spur auch ohne UV-Licht zum Leuchten bringt - wie wir spätestens nach einer Folge 'C.S.I.' oder Konsorten wissen. Zuletzt greifen wir uns ein Wattestäbchen, tauchen es kurz in eine Flüssigkeit und reiben damit anschließend über die Spur. Danach muss das Stäbchen nur noch eingetütet werden. Klingt einfach? Ist es aber nicht. Öfter als uns lieb ist, ist das Wattestäbchen unbrauchbar, weil wir entweder zu viel oder zu wenig über den Blutfleck gerieben haben. Nur wer das genaue Mittelmaß findet – das übrigens für die nächste Spur ein Anderes sein kann – erfreut sich an einer Blutprobe.

Bis hier geht die Spurensuche gut von der Hand. Das Einsammeln des Fingerabdrucks ist dann aber eine Wissenschaft für sich.

Aber es gibt ja noch weitere Spuren: Fingerabdrücke zum Beispiel. Hierfür steht dem 'DS'-Ermittler ein Pinsel samt Pulver zur Verfügung. Nachdem wir beim Einpinseln der Spur immer zu viel Pulver verwendet haben, pusten wir das überschüssige Pulver weg, nehmen ein Stück Klebeband und haben den Fingerabdruck. Manchmal zumindest. Bei den meisten Proben hat das per Stylus eingezeichnete Klebeband die falsche Größe. Besonders freut den Frustliebhaber, dass es auch hier keinen einheitlichen Maßstab gibt: Mal muss das Klebeband großzügig mit einem Rand von mehreren Millimetern über den Abdruck gelegt werden, mal müssen an den Seiten noch Millimeter des Abdrucks überstehen. Aber irgendwann hat Matt auch den kompliziertesten Abdruck eingesammelt und wir fragen uns "Geht es noch schlimmer?" Ja, es geht. Besonders dann, wenn das Skalpell oder die Pinzette zum Einsatz kommen, zwingt das Programm den Spieler zu Fingerakrobatik, die den persönlichen Frustlevel noch weiter nach oben treibt, weil die Steuerung Beispielsweise mal die Skalpellspitze misst und mal den Stylus. Müßig zu erwähnen, dass die Skalpellspitze nie – wirklich niemals – dort ist, wo sich der Stylus befindet.


Dieser Vorgang wird sich ständig wiederholen… ständig wiederholen…

Haben wir dann doch irgendwann unsere Spuren gesammelt, geht es ins Labor, wo in einer Reihe von Minispielen die Untersuchung folgt. Fast schon überraschend läuft die Untersuchung von Abdrücken oder das Reinigen von Blutproben recht frustfrei ab. Während Fingerabdrücke eingescannt und in einer Datenbank abgeglichen werden, landen Blutproben unter einem Mikroskop, wo per Laser unerwünschte Bestandteile ausgelöscht werden. Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem wir auch die DNA-Analyse selbst machen dürfen, kehrt das Spiel auch hier zur bekannten Fruststufe zurück: An der Seite des Touchscreens läuft eine Kette von Symbolen entlang, die wir an der unteren Seite dann auswählen müssen. Da auch hier die Steuerung nicht optimal reagiert, mutiert diese eigentlich recht einfache Aufgabe zu einer Hackorgie, in der Außenstehende sich oft fragen, was denn die arme Handheldkonsole verbrochen haben mag, dass der Besitzer mit dem Stylus so brutal darauf einpickt. Verfehlt man mehr als vier Symbole, startet die Hackerei erneut.

Die DNA-Analyse sieht leichter aus, als sie ist.

Das Alles wäre ja schon schlimm genug. Auf die Spitze wird es aber dadurch getrieben, dass wir eine Art „Zufriedenheitsanzeige“ eingeblendet bekommen. Für jede richtige Schlussfolgerung und jede richtig gesammelte Spur werden hier Punkte gutgeschrieben, für jeden Fehler welche abgezogen. Sind zu wenige Punkte auf der Skala, sammelt Matt seine Siebensachen ein und stellt fest, dass die Polizeiarbeit wohl doch nichts für ihn ist – Weiter geht’s beim letzten Savegame, das man hoffentlich rechtzeitig angelegt hat. Am Ende eines jeden Kapitels, in die die fünf Fälle aufgeteilt sind, werden die Punkte gutgeschrieben, daraus ergibt sich nach Abschluss des Falls die Bewertung. Das könnte den Wiederspielbarkeitswert steigern - Wenn man das Spiel denn überhaupt einmal durchgespielt hat. Bei einer Aufgabenvielfalt die stetig zwischen langweiliger Routine, Pixelhunting und purem Frust wechselt ist das kaum Vorstellbar. Die ebenfalls nicht Nervenschonende Musik- und Soundkulisse gepaart mit statischen Grafiken und einer Steuerung mit Hang zur Unspielbarkeit dürfte jedenfalls eher dafür sorgen, den 'DS' an die Wand zu werfen, denn die Card noch einmal einzulegen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 39%

Wie bereits erwähnt, gibt es für den 'DS' schon mehr als ausreichend viele schlechte Spiele, die sich Serien wie 'C.S.I.' zum Vorbild nehmen. 'Kriminologie' reiht sich in diese Riege hervorragend ein – und zwar ganz am unteren Ende. Selten sorgte ein Spiel für einen so hohen Frustfaktor bei den Aufgaben, die sich noch dazu ständig wiederholen. Chancen für Charakterentwicklung oder eine spannende Geschichte (die trotz der starken Klischees durchaus Potential gehabt hätte) werden so völlig zunichte gemacht. Hat man das Spiel dann doch irgendwann einmal durchgespielt, stellt man rückblickend nicht etwa fest, gut unterhalten worden zu sein, sondern freut sich vielmehr, dass es endlich vorbei ist und weder der 'DS' noch man selbst ernstzunehmende Schäden davon getragen hat.

geschrieben am 03.02.10, Tobias Maack

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Dieses Review gehört zu  Kriminologie.




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