Reviews: Zurück in die Zukunft - Das Spiel - Back to the Future - The Game:

Back to the Future - Episode Three: Citizen Brown


Zurück in die Zukunft 3 – das dürfte bei vielen von uns Erinnerungen an fliegende Kuchenbleche, riesige Kühlschränke, Superzündis und dampfgetriebene Zeitmaschinen wecken. Mit dem dritten Teil fand die erfolgreiche Filmtrilogie im Jahre 1990 ihren Abschluss und erweiterte den Kanon um ein Abenteuer im wilden Westen. Von vielen als schwächster Teil der Serie bewertet, hat der dritte Film dennoch auch heute noch Unterhaltungswert dank schnellem Tempo und einer gewohnt guten schauspielerischen Leistung von Michael J. Fox und Christopher Lloyd. Einen vierten Teil gab es auf der großen Leinwand nie zu sehen. Vielleicht weil die vielen Handlungsbögen, die vor allem Teil 2 und 3 eng miteinander verknüpften, am Ende des dritten Films ihren Abschluss fanden und ein vierter Teil ein komplett neues Konzept erfordert hätte. Die Gedanken muss sich Telltale Games nicht machen: Ihre Quintologie geht mit dem neusten, dritten Teil gerade mal in die Halbzeit. Im Gegensatz zu den Filmen musste Marty im zweiten Teil nicht in die Zukunft reisen, sondern im Hill Valley der 30er Jahre einige Dinge richten. Eigentlich lief alles glatt, aber als Marty am Ende des zweiten Spiels wieder im guten alten 1986 ankommt, erkennt er Hill Valley kaum noch wieder...


Citizen Brown


Bürger Brown hat ein wachsames Auge auf Bürger Marty und Bürger Biff.

Wie schon im zweiten Teil setzt auch 'Citizen Brown' ('Bürger Brown' für die deutschen Spieler) das schon durch die Filme regelmäßig praktizierte Stilmittel des Cliffhangers ein. Das Spiel fängt genau da an, wo der Vorgänger aufhörte: Marty hat den DeLorean volle Möhre in eine riesige Reklametafel geflogen und sitzt dort oben nun erst einmal fest. Gottseidank ist schon Hilfe in Sicht – in Form von Jennifer, Marty’s Freundin. Nur scheint die gute Jenny nicht gerade freundlich gestimmt zu sein und verweigert Marty anfangs jegliche Hilfe. Mit einem Trick kann Marty ihr dann wenigstens einen Schraubenschlüssel abschwatzen und befreit sich so aus dem DeLorean. Etwa drei Sekunden und einen äußerst unangenehmen Sturz später befindet sich Marty auf dem Boden der Tatsachen zurück: das 1986 in das er gerade gereist ist, ist nicht das aus dem gekommen war. Als der DeLorean dann auch der Schwerkraft nachgibt und am Boden zerschellt, muss Marty erkennen das er hier gestrandet ist (Stranden?! Ich kann hier nicht stranden!). Und von der Reklametafel starrt ihn ein überlebensgroßer Doc Brown an. „Entspannen sie sich!“ dröhnt es aus einem Lautsprecher in der Nähe, „Wir haben alles unter Kontrolle!“

"You are live on CCTV."

Und was der Doc sagt, dass meint er auch genau so. Aus seinem Hauptquartier, dem berühmten Hill Valley Rathaus, kontrolliert er absolut alles und jeden. Videokameras überwachen die Einwohner auf Schritt und Tritt. Automaten stellen für jedes kleine Vergehen Strafzettel aus. Ein rigoroser Polizist ist ständig auf Patrouille. Das sind keine Zustände, findet Marty. Kein Wunder, das die (Ex-)Freundin zu einer rebellischen Punk-Braut geworden ist. Aber auch die anderen Bewohner Hill Valleys haben sich sehr verändert. Der notorische Bösewicht Biff ist harmlos wie ein Kätzchen und Martys Eltern benehmen sich schlimmer als je zuvor: die Mama säuft wie ein Loch und der Vater hat sein ehemaliges Hobby eines Spanners zum Beruf gemacht. Kein Zweifel: hier muss Marty Hand anlegen!


Wen man sich ordentlich bemüht, kann man alles erreichen.

Fast könnte man glauben, Telltale hätte sich Doc Browns Credo an die Tür genagelt. Die dritte Episode von 'Back to the Future' präsentiert sich technisch einwandfrei. Weder bei Installation, noch beim Spiel tritt ein Fehler auf. Es gibt keine Grafikglitches mehr und der Sound (wie gehabt, englisch ist besser) funktioniert ebenfalls tadellos. Zur Bedienung muss man kaum ein Wort mehr verlieren. Hier ändert sich nichts. Marty steuert sich entweder über Tastatur oder Maus, rennt auf Tastendruck auch mal schneller. Er sammelt nach wie vor Gegenstände ein, die dann per Klick auf den Menü-Button am oberen rechten Bildschirmrand genauer betrachtet und verwendet werden können.

Hill Valley wirkt verlassen.

Das große „aber“ muss sich 'Citizen Brown' wegen seiner Spielzeit gefallen lassen, die mit knapp zwei Stunden wirklich lächerlich kurz ist. Natürlich muss man im Hinterkopf behalten, dass 'Back to the Future' ein Episodenspiel ist und der Preis natürlich auch dementsprechend niedriger ausfällt. Aber bei einer Spielzeit die 'Citizen Brown' wie eine gut spielbare Demo wirken lassen, da darf man auch mal auf den Tisch hauen. In einer derart kurzen Zeit entwickelt sich bei einem Adventure keine Stimmung. Vor allem dann nicht, wenn die Charaktere aus den ersten beiden Episoden im Grunde komplett andere Rollen verkörpern, an die man sich erst noch gewöhnen muss. 'Citizen Brown' präsentiert mit der Kulisse eines von Doc geleiteten Überwachungsstaates eine interessante, originelle Welt, die als Spiegelbild zum chaotischen 1985 gesehen werden darf, in das Marty im zweiten Teil der Filmtrilogie reist. Aber leider lässt Telltale viele Möglichkeiten ungenutzt, den Spieler in dieses neue Hill Valley mit zu nehmen. Es gibt nicht einen einzigen Charakter, der die Atmosphäre des Spiels unterstützt und Marty ein wenig unterhält oder ärgert. Es gibt nur Zweckcharaktere, die man eindimensionaler nicht hätte schreiben können.

Mit der kurzen Spielzeit geht einher, dass es kaum Rätsel gibt. Und es ist so schade, denn das eine richtige Rätsel was 'Citizen Brown' bietet (es ist ein großes, mehrteiliges) ist, gemessen an den beiden ersten Episoden, erstaunlich gut. Umso größer ist die Enttäuschung, wenn Teil 3 völlig abrupt endet. Es gibt nicht einmal ein vermeintliches Happy End mit anschließendem Cliffhanger. Der Spieler wird inmitten des letzten Aktes, so scheint es jedenfalls, einfach vor die Tür gesetzt.


Galerien

Fazit:

Wertung: 73%

Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass Telltale Games hinter den hohen Erwartungen, die die berühmte Vorlage mit sich brachte, zurück bleibt. Nach zwei ziemlich verbugten Epsioden mit arg dünnen Rätseln, wirkt Teil 3 wie ein Kompromiss, ein halbes Spiel, dass alle technischen Mängel abgelegt hat und dafür um die Hälfte gekürzt wurde. Fast möchte man glauben, dass das Spiel wie ein Vollwertadventure geschrieben und dann in 5 Teile geteilt wurde. Es ist gut möglich, dass ein guter Teil des Spielspaßes erst dann fühlbar wird, wenn der letzte Teil veröffentlicht wurde und man das Spiel als Bundle von Anfang bis Ende zocken kann. Insofern muss man von einem Genuss des Spiels häppchenweise abraten. Schon komisch wenn man bedenkt, dass genau diese Mechanik bei Telltales 'Tales of Monkey Island' viel besser funktioniert hat.

geschrieben am 06.05.11, Hendrik Busse

Systemanforderungen Weitere Links

Windows XP / Vista / 7
1.8 GHz Pentium 4 oder vergleichbar
2 GB RAM
Direct X 9.0c kompatible Grafikkarte mit 256 MB Ram
Soundkarte
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