Reviews: The Tiny Bang Story:

The Tiny Bang Story


Bis dato ist das kleine Entwicklerstudio Colibri Games noch nicht großartig in Erscheinung getreten. Spätestens mit 'The Tiny Bang Story' soll sich dies nun aber ändern. Seit einiger Zeit schon sind sowohl die PC- als auch Mac-Version des stilistisch markanten Titels erhältlich, zudem soll in naher Zukunft für das iPad auch noch eine Mobilumsetzung folgen. War das Spiel bislang nur über diverse Downloadplattformen erhältlich, befindet sich seit kurzer Zeit auch eine Verkaufsversion im Handel. Wir werfen einen Blick auf das Puzzle-Spiel und beantworten die Frage, ob es sich lohnt, den nächsten Händler des Vertrauens und dessen Regale zu stürmen.


Der kleine große Knall

Ein Asteroid stellt Tiny Planet gehörig auf den Kopf.

Nach dem Einschlag eines Asteroiden ist es um Tiny Planet, dem Schauplatz in 'The Tiny Bang Story', nicht unbedingt zum Besten bestellt. Durch das Unglück sind Teile der Welt in kleine Stücke zerbrochen, weshalb die Bewohner nun jegliche Unterstützung ganz gut gebrauchen können. Mit dieser kleinen Vorgeschichte und ohne große Umschweife wird man dann auch schon mitten in die Geschehnisse geworfen, denn von nun an liegt es am Spieler, das alltägliche Leben wieder in geregelte Bahnen zu bringen. Wer an dieser Stelle nun einen Auftakt zu einer epischen Geschichte mit überraschenden Wendungen erwartet, findet relativ schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Auch wenn sich das Wörtchen "Tiny" im Titel des Spiels eigentlich an den Einschlag richten dürfte, so lässt es sich auch wunderbar auf die karge Handlung des Spiels anwenden. Viel mehr, als bislang beschrieben, erwartet einen nämlich bis zum Ende hin wirklich nicht.

Kreativität trifft auf Gleichförmigkeit

Der Phantasie waren bei der Entwicklung des Spiels scheinbar wenig Grenzen gesetzt.

Stattdessen konzentriert sich 'The Tiny Bang Story' viel lieber auf andere Aspekte des Spiels. Um den Bewohnern von Tiny Planet zu helfen, klickt man sich deshalb von einer wunderschön detailliert und liebevoll handgezeichneten Szene zur nächsten und versucht sich währenddessen ein wenig nützlich zu machen. Der grafische Stil kann dabei als eine Mischung aus halbwegs realistischen Maschinen und surrealistischen Bauten beschrieben werden, wobei das Setting fast schon einen künstlerischen Anstrich bekommt und thematisch immer wieder neue ideenreiche Schauplätze aus dem Hut zaubert. Über die fünf Kapitel verteilt hat sich Colibri Games einiges einfallen gelassen, so befindet sich beispielsweise eine kleine Flughafenstation nicht einfach irgendwo in der Pampa, sondern irgendwie passend hoch oben in einem kräftigen Baumwipfel. Wo die Kulissen an Phantasie nicht geizen, muss dennoch auch ein wenig Kritik geäußert werden, denn nicht nur die Auflösung ist nicht mehr ganz zeitgemäß, kleine Abzüge gibt es auch in der B-Note. So werden sich Widescreen-Besitzer wohl oder übel mit denen wohl jedem bekannten schwarzen Balken am Bildschirmrand abfinden müssen.

Suchbild-Einlagen wechseln sich immer wieder mit kleineren, aber recht einfachen Minispielen ab.

Während sich aus grafischer Sicht von der ersten Minute an ein Vergleich mit einem Titel wie 'Machinarium' geradezu aufdrängt, kann 'The Tiny Bang Story' aber nicht nur durch die erwähnt dünne Story, sondern auch spielerisch nicht mit der liebenswürdigen Roboterwelt mithalten. Ohne einen sichtbaren Charakter, den man durch Tiny Planet navigieren könnte, wird man in munterer Regelmäßigkeit vor fast immer die gleichen Abläufe gestellt. Aus der Draufsicht kann direkt im gesamten Bildschirmausschnitt agiert werden, der lediglich durch Schalter oder Türen noch ein paar weitere Möglichkeiten zur Erkundung bietet. Die vorrangige Aufgabe besteht nun darin, Maschinen zu reparieren, die der Erschütterung zum Opfer gefallen und jetzt in weite Teile verstreut sind. Nebenbei hilft man ebenfalls vereinzelt den wenigen Bewohnern bei ihren kleinen Problemen, wofür als Gegenleistung dann meist ein wichtiger Gegenstand winkt. Das Ganze offenbart sich recht schnell als eine Kombination aus Suchbild und einer darin eingebetteten Puzzlesammlung, denn um die Maschinen wieder in Gang zu bekommen, müssen immer wieder aufs Neue eine bestimmte Anzahl mehr oder weniger gut in der Umgebung versteckte Teile gefunden und aufgesammelt werden, wobei ein eingeblendeter Zähler verrät, wie viele der gesuchten Objekte noch fehlen. Hat man diese beisammen, so setzt man sie an entsprechenden Stellen wieder ein, worauf in der Regel ein kleines Minispiel darauf wartet, gelöst zu werden. Diese umfassen ein relativ breites Spektrum und reichen von gewöhnlichen aber nicht wirklich fordernden Schiebepuzzles bis hin zu längeren Geschicklichkeitseinlagen. Außer den Maschinenteilen und den damit verknüpften Minispielen warten wortwörtlich auch noch Puzzlestücke der Welt darauf, wieder zusammengesetzt zu werden. Dies geschieht jeweils am Ende eines Kapitels, wo dann ein Teil in das andere gefügt und dadurch Tiny Planet wieder ein Stück näher an den Urzustand herangeführt wird.

Hilfe nur durch Wettklicken

Ein knapp gehaltenes Tutorial erleichtert den Einstieg. Wirklich viel zu erlernen gibt es aber auch nicht.

Damit der Einstieg in 'The Tiny Bang Story' etwas leichter fällt, wird einem zu Beginn noch ein wenig unter die Arme gegriffen. Im ersten Spielabschnitt begleitet ein kurzes Tutorial, welches die grundlegende Spielmechanik knapp umreißt, die anfänglichen Schritte im noch jungen Abenteuer. Danach ist man allerdings weitestgehend auf sich allein gestellt und sieht sich immer wieder mit gutem Auge den Bildschirm stückchenweise absuchen, um die benötigten Einzelteile auch alle zu finden. Da diese mit steigendem Spielverlauf auch immer besser in die Umwelt integriert werden, ist ausreichend Geduld eine Grundvoraussetzung, weshalb der Titel auch eher nichts für nervöse Zeigefinger ist. Zwar hat Colibri Games für den Fall der Fälle eine optionale Hilfefunktion integriert, doch recht schnell zeigt sich diese fast schon mehr als lästig denn unbedingt hilfreich. Sie steht nämlich immer nur dann zur Verfügung, wenn diese vorher auch vom Spieler mühsam aufgeladen wurde. Das geschieht über das wiederholte Anklicken von zwei über den Bildschirm surrenden Insektenwesen, die den Aufladestatus pro Treffer aber nur geringfügig erhöhen. Wird die Hilfe also mehr als einmal benötigt, artet dies fast schon in eine zähe Klickorgie aus, bei der man sich zumindest nicht dem Eindruck verwehren kann, sie diene ausschließlich dem Zweck einer ausgedehnten Beschäftigungstherapie. Wie es besser geht, haben unlängst andere Spiele bewiesen, welche die Hilfefunktion ebenfalls nur begrenzt anbieten, bei denen sich die Verfügbarkeit aber selbstständig wieder auflädt und die Spieler sich so auf das Wesentliche konzentrieren können.

Die Hilfefunktion hätte deutlich komfortabler ausfallen dürfen. In dieser Form gibt sie nur wenig Anlass zur Freude.

Dazu kommt, dass durch die Hilfe nur ein bestimmtes Objekt auf dem Bildschirm hervorgehoben wird, welches aber nicht unbedingt immer dem entsprechen muss, welches gerade vom Spieler so dringend gesucht wird. Oftmals zeigt das Spiel einem den Weg zu einem zusätzlichen, aber eher nebensächlichen Puzzlestück, obwohl in diesem Moment der Hinweis auf ein benötigtes Maschinenteil angebrachter gewesen wäre. Bereitet hingegen eines der vielen Minispiele Probleme, darf nicht auf weitere Unterstützung gehofft werden. Stattdessen ist an dieser Stelle alleiniges Durchbeißen angesagt. Zumindest die in Such- und Puzzlespielen geübten Spieler werden sich ohnehin nicht lange durch die recht simpel gehaltenen Aufgaben aufhalten lassen und die Hilfefunktion dadurch auch nicht allzu häufig einsetzen müssen. Sollte dies aber doch der Fall sein, darf sich die Tischkannte womöglich recht schnell über einige zusätzliche Bissspuren freuen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Auf Bewohner trifft man auf Tiny Planet nur selten. Diese sind aber auch nicht sonderlich gesprächig.

Damit dies aber trotz aller Unkenrufe nicht geschieht, wird das Spielerlebnis zumindest durch einen ruhigen und verträumten Soundtrack unterstützt, der schon allein dafür sorgt, während der gesamten Spielzeit keinerlei Hektik aufkommen zu lassen. Die langsame und stimmige Musik passt nicht nur gut zum kreativen Grafikgerüst, sondern liegt für Genießer neben einem Poster und zwei Postkarten sogar als Bonus-CD dem Spiel bei. Auch auf Seiten der Sprachausgabe gibt es nichts zu beanstanden, denn eine solche wird erst gar nicht benötigt. Die wenigen liebenswerten Bewohner von Tiny Planet, wie beispielsweise ein altes Großmütterchen mit ihrer Katze oder der Pfeife rauchende Bartträger, bleiben in den knapp drei bis vier Stunden Spielzeit stumm und verleihen ihren Wünschen stattdessen lieber über visualisierte Gedankenblasen Ausdruck.


Galerien

Fazit:

Wertung: 59%

Auch wenn 'The Tiny Bang Story' auf den ersten Blick sehr reizvoll aussehen mag und zumindest optisch wohl auch nicht ganz unbewusst eine ähnliche Schiene wie 'Machinarium' oder 'Samorost' fährt, entpuppt sich der Titel bei genauerer Betrachtung dann doch nur als ein bodenständiger Lückenfüller für Zwischendurch, der ohne nennenswerte Handlung oder Tiefgang regelrecht vor sich her plätschert. Damit vernachlässigt das Spiel eine der wesentlichen Grundtugenden des Adventure-Genres und sollte daher viel mehr als ein mit Puzzle-Elementen angereichertes, interaktives Suchbild verstanden werden, welches vornehmlich für ruhige Abende oder, dank der unbedenklichen Altersfreigabe ab null Jahren, als phantasievolles Familienspiel seine Käufer finden dürfte. Soll hingegen eher die Herausforderung, knackige Rätsel oder eine mitreißende Geschichte im Vordergrund stehen, ist man mit anderen Titeln höchstwahrscheinlich deutlich besser beraten.

geschrieben am 12.11.11, Andreas Baumann

Systemanforderungen Weitere Links

Windows XP, Vista, 7
Pentium IV mit 1,5 GHz
512 MB Ram
180 MB Festplattenkapazität
Offizielle Homepage


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Dieses Review gehört zu  The Tiny Bang Story.




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