Reviews: Der verborgene Kontinent - Journey to the Center of the Earth:

Der verborgene Kontinent


Seit Spielen wie 'The Longest Journey' und 'Syberia' bekommt der Genretitel „episches Adventure“ eine völlig angemessene Bedeutung. Nun meldet sich der in diesem Gebiet eher jungfräuliche Kaarster Publisher bhv an, um diesen Begriff weiterzuführen. In dem von Frogwares entwickelten Point & Click Adventure 'Der verborgene Kontinent', begeben wir uns erneut auf eine Reise zum Mittelpunkt der Erde.


Ariane ist Reporterin und deshalb auch immer bereit, für gute Fotos abenteuerliche Reisen auf sich zu nehmen. Allerdings hätte sie niemals erwartet so „tief“ in ein Abenteuer hinein zu schlittern. Als nämlich bei einer Geschäftsreise ihr Hubschrauber am Rande eines Vulkans bruchlanden muss, entdeckt sie zufällig den Eingang zu einer völlig neuen, unbekannten Welt. Nach einer ersten faszinierenden Begegnung merkt sie, dass es unter dem Mantel des Planeten Erde Orte gibt, die sie sich nicht einmal in ihren Träumen hätte vorstellen können.
Unterirdische Meere und Gebirge, ungewöhnliche Kreaturen und einzigartige Menschen. Bald schon sucht sie Antworten auf viele ihrer Fragen: Was sind das für Orte? Was ist das für eine Zivilisation und woher kommen all diese Leute? Über all dies zu berichten könnte für Ariane den Schritt zu Ruhm und Berühmtheit bedeuten.
Nach der anfänglichen Euphorie muss sie jedoch feststellen, dass sie durch ihre Ankunft selbst Teil eines korrupten Plans geworden ist, der die gesamte Struktur dieser verborgenen Welt gefährdet.

Vorgerenderter Champignonwald

Wie der Untertitel 'Journey to the Center of the Earth' verrät, knüpft die Hintergrundgeschichte an den klassischen Abenteuerroman des Juristen Jules Verne an. Einige alte Leseratten mögen sich wohl noch immer an die dichte Atmosphäre und die unglaubliche Faszinationsgewalt des 1864 erstmals publizierten Werkes erinnern. Zurecht also inspirierte man sich an Vernes Vorstellungen, um ein ebenso gewaltiges Adventure-Epos zu schaffen.
Sobald man Ariane nach einem Tutorial-ähnlichen Einstieg in diese aussergewöhnliche Welt hineingeführt hat, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Riesige unterirdische Strände und Meere, riesige Pilzwälder und Diamanthöhlen werden uns als hübsch vorberechnete Szenerien präsentiert. Man merkt, dass sich hier 3D-Designer und Künstler richtig ins Zeug gelegt haben, um der Buchvorlage gerecht zu werden.
Wie bei dem Genrekollegen 'Syberia' wurden die Charaktere, den Hintergründen angepasst, als 3D Objekte in das Spiel integriert. Teilweise wirkt das Spiel sogar wie aus einem Guss. Die Grafikpracht wird letztlich leider von den etwas abgehackten Animationen der Charaktere getrübt. Ariane bewegt sich zwar fliessend und äusserst realistisch, sobald es allerdings zu Interaktionen mit anderen Charakteren kommt, merkt man, wo sich die Animatoren die Schwerpunkte gesetzt haben. Viele Personen wirken unbeholfen und bewegen sich hölzern. Für den Spielverlauf ist dies jedoch nicht weiter störend.

Frustrierende Fußmärsche

Gameplaytechnisch orientiert sich 'Der verborgene Kontinent' am klassischen Prinzip des Point & Click. Die Objekte werden mittels einem sich ändernden Cursor angezeigt. Aufgesammelte Gegenstände werden in einem Inventar verwahrt, welches am unteren Bildschirmrand per Mausbewegung erscheint.
In dem an sich so bewährten System liegt allerdings eine grosse Schwäche für das Spiel: Am Rande jedes Bildabschnittes erscheint normalerweise ein „Go-Out“ Symbol, welches anzeigt, dass an dieser Stelle das Szenenbild zu verlassen wäre. Allerdings schlampten hier öfters mal die Programmierer. Das Symbol erscheint an vielen Stellen des Spiels überhaupt nicht, wobei die schwierige Aufgabe des Spielers nunmehr darin liegt, die an sich schon träge Ariane an einen nicht angezeigten Bereich zu dirigieren. Dies kann oftmals den weiteren Spielverlauf erheblich erschweren, da einige Rätsel auch mit viel Fußmärschen verbunden sind.
Auch in der Rätselstruktur gibt es einige Schnitzer. So fehlt beispielsweise eine „Anschau“-Funktion, welche die Gegenstände von Ariane beschreiben lässt. Ausser einer knappen Überschrift weiß man daher oft überhaupt nicht, wozu der jeweilige Gegenstand zu gebrauchen ist. Auch die Suche nach begehrten Inventarobjekte erweist sich oft als äußerst schwierig: Der Spieler ist nicht selten gezwungen sich mehrere Bildschirme zurückzuklicken, um ein Objekt aufzunehmen, was zunächst nicht angezeigt wurde. Viele Rätsel sind folglich nur unter viel Zeitaufwand und mit viel Geduld zu bewältigen.

Verschollen mit Laptop und Kamera

Als Reporterin musste sich Ariane vor Reiseaufbruch auch entsprechend ausrüsten. So steht der Spielfigur nach dem unerwarteten Hubschrauberabsturz die ganze Zeit ein Laptop und eine Kamera zur Verfügung. Ariane kriegt auf ihrer Reise in bestimmten Situationen immer wieder Mails von der Erdoberfläche. Freunde, Familie, Arbeitgeber, Nachrichtenstationen und sogar Rettungskräfte machen so auf die aktuellen Ereignisse in der Außenwelt aufmerksam. Da die junge Reporterin unter einigen Kilometern Erdplatten keinen Empfang hat, kann sie konsequenterweise auch nie zurückschreiben.
Notizen, Zettel und Nachrichten, die Ariane während ihrer Reise aufsammelt, können im Laptop gespeichert und beliebig aufgerufen werden. Auch Bilder die zeitweise mit der Kamera aufgenommen werden, speichert Ariane automatisch im tragbaren Computer. Der Spieler kann sich so besser an bereits besuchte Locations zurückerinnern. Ansonsten ist die Kamera das ganze Spiel über eher unbrauchbar.

Abenteuerliche Musikuntermahlung

Was die Synchronisation und den Score anbelangt, mag 'Der verborgene Kontinent' vollends zu überzeugen. Die Musik motiviert durch ihren „abenteuerlichen“ Charakter und mindert deshalb auch den oft ansteigenden Rätselfrust ein bisschen. Vor allem das Hauptthema ist ein angenehmer Ohrwurm und wird in verschiedenen Variationen immer wieder abgespielt.
Auch die Hintergrundgeräusche tragen zur Atmosphäre ein außerordentliches Stück bei. Meeresrauschen und Vogelgezwitscher hauchen den an sich starren, vorgerenderten Hintergründen noch etwas Leben ein. Vor allem überzeugend wirken die geheimnisvollen, animalischen Geräusche, welche auf unbekannte Kreaturen aufmerksam machen und die Materie des Spiels noch ausweiten.
Die Synchronisation ist meisterlich und hat kaum Mängel aufzuweisen. Die Sprecher sind allesamt professionell und fügen sich äusserst stimmig in das Gesamtbild ein. Hierzu gehört natürlich auch eine angemessene Lokalisation, wobei auch diese absolut sauber und überarbeitet ist.

Im Bann der Grösse

Arianes Odyssee wird selbst erfahrene Adventure-Zocker einige Zeit vor den Bildschirm fesseln. Durch bereits genannte Kriterien mögen zwar einige geneigt sein schon früh das Handtuch zu werfen, vielfach schaltet man aber nach einigen Stunden den Computer wieder ein, um doch irgendwie einen Fortgang der Reise zu versuchen. Das Spiel erscheint nach erstmaligen Durchspielen riesig, da die Gebiete die man durchlaufen hat nicht selten gigantisch visualisiert wurden (z.B. der Champignonwald mit seinen riesigen Pilzbäumen). Möglichweise hatte man in der Entwicklung einige Spielabschnitte sogar verkürzt; so finden sich nämlich auf der deutschen Verpackung Bilder von Orten, die man im eigentlichen Spiel gar nicht besuchen kann.


Galerien

Fazit:

Wertung: 73%

Man merkt, dass 'Der verborgene Kontinent' ein Mitschwimmer der letztjährigen Adventurewelle ist. Die Frogwares Produktion schaut sich beispielsweise so einiges von 'Syberia' ab. Dies merkt man vor allem an Parallelen in der Präsentation, sowie an der Ähnlichkeit der beiden Hauptfiguren Ariane und Kate Walker. So erscheint Arianes Abenteuer ebenso wie eine riesige epische Reise durch eine neue Welt. An vielen Orten fühlt man die lebende Umgebung und die Ausmaßen dieser unterirdischen Sphäre. Die Geschichte ist spannend und für Entdecker äusserst motivierend.
Leider haben die Entwickler die Rätsel-Gestaltung viel zu übertrieben schwer ausgerichtet. Ein bisschen mehr Feingefühl in Bereichen der Objektsuche und –verwaltung hätten Wertung und Gesamteindruck um einige Punkte erhöht. Elemente wie z.B. die mühsamen Fußmärsche wären nicht nötig gewesen. Diese scheinen vielmehr als wären sie zur unnötigen Verlängerung des Spiels eingebaut worden. Auf der Schachtel wird die Spieldauer mit 30-40 Stunden angepriesen. Würde man von dem Rumgelaufe absehen, wären es gut 10-15 Stunden.
Kann man aber über diese Mängel hinwegsehen, so erwartet einen ein aufregendes, mit stimmiger Musik untermalenes Sequel, zu einer der innovativsten Abenteuergeschichte des vorletzten Jahrhunderts. Fans von Jules Verne und kniffligen Abenteuerspielen können ohne Bedenken zugreifen.

geschrieben am 20.12.03, Philipp Thalmann

Systemanforderungen Weitere Links
Win 98/2000/ME/XP
CPU mit 500 Mhz
64 MB Ram
Grafikkarte mit 16 MB Ram
700 MB freier Festplattenspeicher
DirectX 8.1
Offizielle Homepage


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