Reviews: Lilly Looking Through:

Lilly Looking Through


Es war einmal im Sommer 2012, da gelang dem damals unbekannten Team von Geeta Games ein schöner kleiner Kickstarter-Erfolg mit 'Lilly Looking Through', ihrem Adventure für Jung und Alt. Ende 2013 ist es fertig und hierzulande, dank dem Kölner Publisher HeadUp Games, nicht nur als digitaler Download, sondern auch als schicke Box im Handel erhältlich. Wir haben einen Blick durch die Fliegerschutzbrille, ähem, durch unsere Corner-Lupe geworfen und ein ausführliches Review für Euch vorbereitet.



Ein Mädchen und ihre Fliegerschutzbrille

Lilly Looking Through

Der Frosch hat wenig Lust zum Spielen, doch das trübt Lillys Laune nicht

Dem Mädchen Lilly begegnen wir zunächst in einer wundersamen Welt, wo sie und ein Junge (Bruder?) sich ihres Daseins erfreuen. Allerdings gerät die holde Heiterkeit bald aus den Fugen, denn er wird von ihr getrennt und an einen fremden Ort gebracht. Gemeinsam mit Lilly folgen wir nun seiner Spur. Am Weg findet die junge Protagonistin eine seltsame Fliegerschutzbrille. Ein Blick durch sie offenbart eine Parallelwelt. Herrscht ohne diesen Aufsatz strahlender Sonnenschein und Grünwuchs, kann in der Realität mit Fliegerschutzbrille sogar frostige Eiszeit herrschen. Hindernisse in der einen Welt, müssen in diesem Sinne nicht zwangsläufig Hindernisse in der anderen Welt sein. Ein Wechsel zwischen den beiden Realitäten ist somit elementar für die Überwindung mancher Hürden und ein Schlüssel für die Rettung des kleinen Bruders...



Die wahren Abenteuer sind im Kopf...

Lilly Looking Through

Ab in die weite Fantasy-Welt!

... und von dieser Überschrift kann nicht bloß André Heller ein Lied singen. Geeta Games serviert mit 'Lilly Looking Through' bestimmt keine von A bis Z vorgekaute Erzählung. Vielmehr ist sie auf die Interpretation des Spielers angewiesen und darauf, wie man die einzelnen Kapitel narrativ miteinander verkoppelt. Allgemein geht es um Lillys Versuch die Vergangenheit umzuschreiben und so die Gegenwart zu ändern. Der Rest lässt sich verschiedenartig deuten. Sobald die Credits nach schätzungsweise drei, vielleicht vier Stunden Spielzeit aufscheinen, werden einige sich wahrscheinlich erst ihren Reim bilden müssen. Wer mit der gebotenen Metaphorik nichts anfangen kann, auf den wartet ein unzufriedenstellendes Ende. Die Geschichte von 'Lilly Looking Through' kann also durchaus Komplexität offenbaren, sofern man sich mit der gebotenen Metaebene näher beschäftigt.




Atmosphärisch A+

Lilly Looking Through

Hier möchte man mehr Zeit verbringen

Man kann 'Lilly Looking Through' freilich auch als schmuckes kleines Puzzlespiel verstehen und die Geschichte beiseite schieben. Ein Trumpf ist die außergewöhnliche Atmosphäre, die von durchwegs erstklassig gezeichneten 2D-Hintergründen und einer perfekten musikalischen Vertonung lebt. Die stimmungsvollen Schauplätze würden sich in einigen Animationsfilmen hervorragend machen. Die Animationen sind flüssig und lassen kaum Wünsche offen, obwohl Lilly und ihr Bruder visuell nicht ganz mit dem detaillierten Rest mithalten können. Im Spiel ist es übrigens möglich, etwas näher ins Bild zu zoomen und sich einen beliebigen Abschnitt der Umgebung genauer anzusehen. Wer sich bei der Suche nach Hotspots nicht auf die notfalls verfügbare Hilfefunktion des Spiels verlassen möchte, kann auf diese Weise den einen oder anderen Gegenstand womöglich leichter erkennen (es offenbart jedoch nichts, was nicht auch in der normalen Einstellung ersichtlich wäre). Geeta Games begnügt sich erfreulicherweise nicht damit, lediglich einen Ausschnitt der Umgebung zu vergrößern. Mit dem Wechsel verändert sich auch die Perspektive entsprechend, wodurch die Grafik an räumlicher Tiefe gewinnt.



Kontinuierlich steigender Schwierigkeitsgrad

Lilly Looking Through

Wohl eines der gelungensten Rätsel

Neben der Atmosphäre hat 'Lilly Looking Through' ein paar interessante Rätsel im Angebot. Das Adventure ist in zehn Abschnitte unterteilt, die wir hinterher jederzeit nochmal betreten können. An vielen Orten ermöglicht die Fliegerschutzbrille einen Wechsel zwischen zwei Realitäten, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Insgesamt werden somit etwa 20 Schauplätze geboten. In jedem Abschnitt wartet zumindest eine komplexere Aufgabe: Oft haben wir es mit fremden Maschinen zu tun, die wir durch Versuch und Irrtum begreifen lernen. Oder wir überwinden ein Hindernis durch den Wechsel zwischen den Realitäten. Vereinzelt kommt es trotz Point-and-Click-Steuerung sogar ein wenig auf Timing an, wobei ein Fehler nie schwerwiegende Konsequenzen hat. Selten aber doch kombinieren wir natürlich auch ganz klassisch Objekte miteinander. Im Gegensatz zu vielen gewohnten Adventures werden allerdings nur jene Gegenstände unmittelbar als Hotspot ausgewiesen, die sich in greifbarer Nähe zu Lilly befinden. Das Gamedesign deutet zumeist in Richtung jener relevanter Objekte, die nicht sofort als Hotspot identifizierbar sind. Auffällig am Rätseldesign ist zudem der kontinuierlich steigende Schwierigkeitsgrad. Anfangs erzielt man leichte Erfolge und gegen Ende nimmt die Lösung mehr und mehr Zeit in Anspruch. Die Herausforderungen bewegen sich allerdings eher im Bereich einfach bis mittelschwer.



Viel Schauen, wenig Anfassen...

Lilly Looking Through

Unter Wasser braucht Lilly sich nicht um Sauerstoff-Reserven kümmen

Das gravierendes Manko von 'Lilly Looking Through' ist die eingeschränkte Handlungsfreiheit: Wir können die Protagonistin nicht frei bewegen, sondern klicken uns von Aktionspunkt zu Aktionspunkt. Manche Hotspots erlauben es Lilly, sich zu einem fix vorgegeben Punkt zu bewegen, andere ermöglichen die Interaktion mit Objekten. Hat man eine Aktion ins Rollen gebracht, kann man sie nicht abbrechen und muss sich zuweilen Sekunden lang in Geduld üben, ehe man eine neue Handlung setzen kann. Zwar ist so gut wie jeder Schauplatz ein schmucker Augenschmaus, doch echte Interaktionsmöglichkeiten halten sich im überschaubaren Rahmen. Wer die Hotspots-Hilfefunktion des Spiels partout nicht in Anspruch nehmen möchte, muss zuweilen den Schauplatz gründlich abgrasen und manches was ins Auge sticht, ist lediglich schicke Zierde. Das hat Amanita Design mit Spielen wie 'Botanicula' vergleichsweise besser gelöst. Obwohl dort einige kleine Spielerei für den Fortgang der Geschichte nicht relevant war, die Wahrnehmung wirkte durch derlei Freiheiten taktiler. Nicht optimal, wenngleich verschmerzbar, ist das automatische Speichersystem, das den Fortschritt nur zu Beginn eines jeden Abschnittes sichert. Bricht man das Spiel knapp vor Erreichen des Ziels ab, muss man den gesamten Abschnitt nochmal durchlaufen, was im späteren Spielverlauf dann doch etwas Zeit kosten kann.


Galerien

Fazit:

Wertung: 79%

'Lilly Looking Through' bleibt durch eine wundervolle Atmosphäre in Erinnerung und bietet zudem unterhaltsame Rätselkost für all jene, denen ein interessant umgesetztes Versuch-und-Irrtum-Prinzip bei Puzzles nicht zuwider ist. Aus meiner Sicht erreicht auch die inhaltliche Ebene ein ansprechendes Niveau und regt immerhin dazu an, sich hinterher noch mit dem Spiel zu beschäftigen. Am Ende hatte ich allerdings noch nicht das Gefühl, dass das Konzept bereits voll ausgeschöpft wurde und länger hätte es ruhig sein können. Spielerisch hat Geeta Games zudem Luft nach oben, zumal die Bewegungsfreiheit stark beschnitten ist, wodurch das Finden von Hotspots für meinen Geschmack manchmal zu viel Gewicht erhält. Alles in allem ist 'Lilly Looking Through' dennoch ein gelungenes, hübsches Fantasy-Spiel mit originellem Touch und wird zweifellos nicht nur Kinder, sondern auch einige Erwachsene ansprechen können.

geschrieben am 30.10.13, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Minimum PC: OS: Windows XP oder ein neueres Windows System Prozessor: Ab 2.33 GHz Memory: Ab 2 GB RAM Offizielle Homepage


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Dieses Review gehört zu  Lilly Looking Through.




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Kommentare 1
Han Solo
16.11.2013, 09:48

Werde ich mir anschauen, wenn es mir im Einzelhandel über den Weg läuft! ;-) Die Demo gefiel mir bereits.


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