Reviews: Dominique Pamplemousse:

Dominique Pamplemousse


Mitte 2012 erreichte die Crowdfunding-Welle einen Höhepunkt, nahezu alle gestarteten Adventure-Projekte erreichten ihr Finanzierungsziel. In dieser Zeit startete auch die Entwicklerin Deirdra Kiai eine Kampagne bei Indiegogo. Kiai, die zuvor schon für Telltale an einigen der 'Sam & Max'-Episoden mitgewirkt hatte, wollte 9.500 $ für ein Stop-Motion-Musical-Detektiv-Adventure sammeln. Am Ende kamen 9.950 $ zusammen und 'Dominique Pamplemousse' ging in die Entwicklung. Fertig ist das Spiel bereits seit längerer Zeit. Wir haben uns mit der Knetfigur in das ungewöhnliche Adventure gestürzt und verraten Euch hier, ob sich der Kauf lohnt.



“It’s All Over Once the Fat Lady Sings!”

Dominique Pamplemousse

Zu Beginn klagt uns Knetfigur Dominique ihr Leid.

Die Knetfigur Dominique Pamplemousse ist chronisch pleite. Die andauernde große Rezession trägt ihren Teil dazu bei. In ihrer Not eröffnet Dominique eine Detektei, die allerdings auch kaum Geld abwirft: Der letzte Fall ist bereits lange her und zahlungskräftige Kundschaft nicht in Sicht. Zu allem Überfluss droht nun auch noch die Kündigung der Mietwohnung, wenn Dominique nicht binnen 48 Stunden die restlichen Mietschulden begleicht. Wie es der Zufall will, steht direkt nach der Vermieterin eine neue Kundin in der Tür und bietet Dominique einen neuen Fall an. Er oder Sie (Dominique weiß selbst nicht so genau, welchem Geschlecht es angehört) soll das Verschwinden eines Popstars aufklären. Die Auftraggeberin ist die größte Popproduzentin der Gegend und endlich winkt das große Geld. So nimmt Dominique den Fall an, ahnt aber schon, dass mehr hinter der Geschichte stecken muss. Warum sonst sollte eine so reiche und bekannte Person ausgerechnet Dominique engagieren? Schnell findet sich Dominique in einer großen Verschwörung wieder.


Stop-Motion-Knetgrafik

Dominique Pamplemousse

Pappe und Knete sind die Grundmaterialien für die Figuren und Szenen

Um die mit leichtem Humor gewürzte Dedektivgeschichte zu erzählen, setzt Deirdra Kiai auf Knetfiguren, die sie per Stop-Motion-Technik animiert und in selbst gebaute Kulissen gestellt hat. Das Ergebnis wurde dann abfotografiert und in Adobe AIR zusammengesetzt. Die Animationen sind jedoch rudimentärer, als man es von Stop-Motion-Knetfilmen kennt. Deirdra Kiai hat sich auf die grundlegenden Bewegungen konzentriert und animiert auch jeweils nur die notwendigen Körperteile. Auch die aus Pappkartons gebastelten Hintergründe vermitteln eher den Eindruck eines selbst gebauten Puppenhauses (viel mehr Räume als in einem Puppenhaus gibt es auch nicht). Die an sich bunten Figuren und Hintergründe sind im Spiel als grob gefilterte Schwarz-Weiß-Grafik zu sehen, trotzdem ergibt alles zusammen einen ganz besonderen Charme, den man durchaus auch als Kunst bezeichnen darf. Widescreen-Auflösungen werden vom Spiel nicht direkt unterstützt, der freie Bereich wird mit schwarzen Balken aufgefüllt, wie man auch an unseren Screenshots sehen kann.


Musicalventure

Dominique Pamplemousse

Es wird mehr gesungen als gesprochen, wie es sich für ein Musical gehört

Ein Musical als Adventure ist mal etwas anderes. Und so gibt es in 'Dominique Pamplemousse' auch nur wenige gesprochene Dialoge, meist wird gesungen. Auch hier ist die Gamedesignerin Deirdra Kiai am Werk: Unter ihrem Bühnennamen 'Squinky and the Squinkettes' hat sie als Solokünstlerin alle Instrumente eingespielt, die Songs komponiert und natürlich auch alle Texte eingesungen. Durch ihre Jazz-Erfahrungen hat sie den Soundtrack so aufgeteilt, dass die einzelnen Fragmente immer wie aus einem Guss wirken und dennoch abhängig von den Aktionen des Spielers wild durcheinander gewürfelt werden können. Jeder Raum hat ein eigenes Theme, in das sich die Gesangsstücke immer passend einfügen. Zu lange Wartezeiten, die dann entstehen können, wenn ein Fragment erst kurz vor dem Mausklick angefangen hat, überbrückt Deirdra Kiai beispielsweise mit einem Seufzer von Dominique. Sehr passend, wenn sich der eingesungene Kommentar um die trostlose Wohnung dreht. Übrigens spricht Kiai auch alle vorkommenden Charaktere, verstellt ihre Stimme dabei aber recht passend. Alle Texte werden auch als englischsprachige Untertitel angezeigt.

Dominique Pamplemousse

So sah das Set während der Entstehung aus

Rätsel gibt es in 'Dominique Pamplemousse' nur wenige. Meist geht es in der Story über das Abklappern der Dialogoptionen voran, wobei das Spiel bereits abgeschlossene Möglichkeiten ausgraut. Hin und wieder warten Dialogrätsel auf uns, bei denen dann jedoch nur der richtige Einleitungssatz ausgewählt werden muss. In späteren Abschnitten folgt noch ein zeitkritisches Rätsel, das aber auch langsamere Spieler nicht vor Schwierigkeiten stellen wird, und hin und wieder sogar eine Kombination von Inventargegenständen mit Objekten in der Spielgrafik. Gegenstände und Informationen sammelt Dominique übrigens in einer Fallakte, die per Mausklick geöffnet werden kann.

Benötigt wird über das gesamte Spiel nur die linke Maustaste, wodurch 'Dominique Pamplemousse' auch auf mobilen Geräten problemfrei läuft. Der Spielfortschritt wird automatisch gespeichert, extra Speicherpunkte gibt es nicht. Der letzte Spielstand wird glücklicherweise vor der letzten Spieleraktion gesichert, so dass man sich die zwei unterschiedlichen Enden ansehen kann, ohne das ganze Spiel erneut spielen zu müssen. Bei einer Gesamtspielzeit von rund 90 Minuten wäre aber auch das kein Problem.


Galerien

Fazit:

Wertung: 72%

Wer 'Dominique Pamplemousse' spielt, muss sich im Vorfeld klar sein, dass man hier kein gewöhnliches Adventure vorfindet. Es ist eher ein interaktives Musical zum Mitknobeln. Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der künstlerischen Darbietung: Die gut eingesungenen Dialoge und der gelungene Soundtrack auf der einen Seite und der grob gefilterten Knetoptik auf der anderen Seite. Wer sich damit anfreundet, kann für kurze Zeit eintauchen in ein Adventure, das ganz anders ist als alles Bekannte und dennoch ganz klar ein Vertreter des Genres. Trotz der Kürze bietet die Geschichte genügend Abwechslung und die eine oder andere überraschende Wendung, steht aber ebenso wenig im Vordergrund wie die Rätsel. Für den Preis von rund fünf Dollar ist das Ein-Frau-Projekt auf jeden Fall einen Blick wert. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann sich vorher eine im Browser spielbare Demo (verfügbar auf der offiziellen Homepage) anschauen.

geschrieben am 10.07.14, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
Offizielle Homepage mit Kaufmöglichkeit
Projektseite bei Indiegogo


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