Reviews: The Adventures of Bertram Fiddle:

The Adventures of Bertram Fiddle


Kürzlich erschien die erste Episode ('A Dreadly Business') von 'The Adventures of Bertram Fiddle' im App Store (iPad, iPhone und iPod). Inhaltlich dreht sich alles um den Entdecker Bertram Fiddle, der auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer, in einen schrägen Kriminalfall hineinrutscht. Ein entführter Hund, quer durch London verstreute Teile eines Kopfes, sowie eine Geisterbeschwörung - so einiges steht auf dem Programm. Wie uns das gefallen hat, könnt Ihr im Test nachlesen. Sobald weitere Episoden verfügbar sind, werden wir unseren Bericht entsprechend ergänzen (und am Ende schließlich auch eine Wertung nachreichen).

 

  Bertram Fiddle

 

 

Entdecker auf Mörderjagd

Streng genommen hat Bertram Fiddle mit Kriminalfällen ähnlich viel zu tun, wie Jamie Oliver mit Burgern von McDonalds. Im viktorianischen England (19. Jahrhundert) kennt man ihn allseits als umtriebigen Entdecker, der bevorzugt mit seinem einäugigen peruanischen Butler Gavin die Welt bereist. Zuletzt hatte er allerdings einen ruhigen Alltag. Die verschlafenen Nächte wurden länger, das Geld knapper und seine eingebildete Ehefrau zusehends ungeduldig. Doch es wäre kein ordentliches Adventure, wenn das nächste Abenteuer zu Beginn allzu lange auf sich warten ließe. Glück für Bertram, Pech für Foofy, dem Hund seiner Gattin. Aus heiterem Himmel wird dieses arme Tierchen entführt und zwar von Geoff dem Mörder. Dieser Fall von Dognapping passt kaum ins Beuteschema des Weltreisenden, doch ohne Hund seiner werten Frau unter die Augen zu treten, würde vermutlich ein selbstmörderischer Akt werden. Und in Zeiten der totalen Langeweile ist Mann von Welt ohnehin nicht wählerisch.

Bertram Fiddle

Seine Frau zwingt den unterbeschäftigten Bertram dazu, sich um den schielenden Hund Foofy zu kümmern...

Leicht wird die Suche wahrscheinlich nicht. Selbst der berühmte Detektiv Sherlock Holmes – der sich in dieser Geschichte übrigens als arroganter Kauz entpuppt - war bislang nicht in der Lage, diesem Killer das Handwerk zu nehmen. Das schreit nach ungewöhnlichen Maßnahmen und so fassen Bertram und Gavin den Plan, ein Medium aufzusuchen, um so den Geist des letzten Opfers nach Hinweisen zu befragen. Eben dessen malträtierter Kopf ist in ihren Besitz geraten. Geschmackvollerweise fehlen dem Körperteil aber ein paar Bestandteile, die aus irgendeinem Grund wie eine Brotspur quer durch London verstreut wurden. Als wäre das noch nicht fordernd genug, muss Bertram zudem einen Botengang für einen reichen alten Herren erledigen, denn auch ein Entdecker braucht irgendwann Geld zum Leben....


Humor vor Story

Bertram Fiddle

... der dann zum "Glück" prompt entführt wird. Wenn das nicht nach einem echten Abenteuer schreit.

Charakterisieren könnte man 'The Adventures of Bertram Fiddle' als eine Art Roadmovie, bei dem wir – wenngleich zu Fuß – durch die Straßen von London eilen. Sind alle Aufgaben in einem Abschnitt gelöst, geht es weiter zum nächsten Bereich (wer dann zurückgehen möchte, hat keine Gelegenheit mehr dazu). Trotz bunter Rahmenhandlung lebt die erste Episode weniger von der Story, als vom charmanten, britisch gefärbten Humor. Es lohnt sich, in dieser Welt alles anzuklicken. Vor allem die hier verstreuten Plakate sind immer wieder für Lacher gut. In den Details ruht letztlich ein Reiz des Spiels.

Die Suche nach Geoff dem Killer dient der gesamten Staffel möglicherweise als Klammer. Nach zwei bis drei Stunden Spielzeit, ist diese Suche - soviel sei an dieser Stelle vorweggenommen - noch nicht abgeschlossen und neue Fragen stehen im Raum, die neugierg auf die nächste Episode machen. Da die Entführung rund um den Hund Foofy Aufklärung findet, dürfte dieses offene Narrativ dennoch leicht verkraftbar sein. Es ist ohnehin nicht jene Art von Geschichte, wo einen stets das Gefühl begleitet, unbedingt den Killer schnappen zu wollen und Antworten zu brauchen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Finanzierung der zweiten Episode zum Release-Zeitpunkt noch nicht gesichert ist. Bis zur Fortsetzung dürften also einige Monate verstreichen.

Bertram Fiddle

Der einäugige Butler Gavin hat für jede Situation eine peruanische Weisheit auf Lager.

Im Spiel gäbe es einige schräge Charaktere und interessante Schauplätze, doch fehlt meist die Möglichkeit, sich länger damit zu befassen. An kaum einem Ort verweilt man länger und mehr als ein paar Sätze sollte man sich von den Konversationen eher nicht erhoffen. Die Gespräche laufen quasi von selbst und ohne optionale Gesprächsmöglichkeiten. Leider betrifft dieses Manko auch den einäugigen Butler Gavin. Anfangs kommt dieser mehr zur Geltung, verkommt bald jedoch zum Handlanger, der nur ab und zu einen netten Spruch parat und schwere Gegenstände zu tragen hat. Angesichts dieses kommunikativen Mangels will zwischen dem protagonistischen Gespann nur schwerlich eine echte Dynamik entstehen. Bleibt zu wünschen, dass die Entwickler bei der Fortsetzung auch hier den Hebel ansetzen.



Simple Rätselkost mit guten Ansätzen

Bertram Fiddle

Die Rätsel sind recht unterhaltsam, doch zumal es immer nur wenige Hotspots gibt und die Umgebung überschaubar ist, liegt die Lösung meist nahe.

Was die Rätsel anbelangt, so sind viele positive Ansätze ersichtlich. Gegenstände können im Inventar miteinander kombiniert werden und so manches lädt zum Querdenken ein. Allerdings macht das britische Entwicklerstudio Rumpus den Fehler, die Schauplätze und Hotspots zu überschaubar zu halten. Abgesehen davon, dass im Inventar bestenfalls eine handvoll Objekte zu finden ist. Die meisten spielerischen Herausforderungen liegen aus diesem Grund auf der Hand. Einsteigerfreundlich ist es somit zwar, aber für Profis wahrscheinlich zu leicht.

 

Zudem gibt es Situationen, wo man weiß, dass man etwas gleich benötigen wird, noch ehe man es benötigt (fast möchte man es 'Broken Age'-Phänomen nennen - wobei dieser Kritikpunkt sicherlich auf einige Adventures zutrifft). So sitzt ein Betrunkener in einer Szene in einer Badewanne. Klicken wir ihn beim ersten Treffen an, kommt prompt zur Sprache, dass er uns seine Badewanne nicht geben möchte und es ist, als würde unser Protagonist sie gerne haben wollen (obwohl man als Spieler noch nicht wissen kann, warum man das Teil benötigt). In solchen Situationen wäre Rumpus gut beraten gewesen, die Dialoge mehr auf das tatsächliche Geschehen abzustimmen.

 

Verzichten muss man zudem auf die Möglichkeit, Objekte betrachten zu können – auch im Inventar. Derzeit geht das nicht. Beim Aufnehmen eines Gegenstandes erzählt Bertram gerne etwas dazu, doch diese Information können wir später nicht nochmal abrufen. Zugegeben, nachdem die Rätsel der ersten Episode selbst ratenderweise flott gelöst sind, fällt das nicht schwer ins Gewicht. Sollte die Fortsetzung an Rätsel-Komplexität zulegen, könnte das dennoch ein Nachteil werden. Abseits klassischer Puzzles wartet 'A Dreadly Business' übrigens mit zwei witzig gemachten Verfolgungsjagden auf, wo wir den hurtig laufenden Bertram an Hindernissen vorbei manövrieren, um so den Abstand zu den Verfolgern zu minimieren beziehungsweise den Abstand zur Zielperson zu verringern. Das bringt etwas Abwechslung ins Geschehen und klappt per Touch-Steuerung relativ gut. Zur Entwarnung sei zudem erwähnt, dass man sich sehr viele Fehler leisten kann, ohne zu versagen.


Saubere Comic-Umsetzung

Bertram Fiddle

Zwei nette kleine Verfolgungsjagden bringen zudem ein bisschen Abwechslung ins Geschehen.

Genannte Problemstellen verhindern in Summe, dass die erste Episode von 'The Adventures of Bertram Fiddle' als echtes Spitzenspiel durchgeht, unterhaltsam ist dieser witzige Auftakt aber allemal. Die technische Umsetzung ist zudem sauber gelungen und kommt mit Liebe zum Detail. Zumindest auf mobilen Geräten klappt die Handhabung angenehmen und die Hotspots sind angesichts ihrer passenden Größe und der markanten, hübsch gezeichneten Comic-Grafik problemlos auszumachen. Wer trotzdem sichergehen möchte, nichts übersehen zu haben, kann sich bei Bedarf jederzeit sämtliche Hotspots der Umgebung anzeigen lassen. Nett gelungen ist ansonsten auch die englische Sprachausgabe, wo insbesondere Bertram Fiddles versnobter Charakter wunderbar zur Geltung kommt. Klar ist nicht jede Rolle ideal besetzt, doch für ein kleines Indie-Spiel darf man zufrieden sein. Ähnliches gilt übrigens für den Soundtrack. Deutsche Untertitel dürfte es laut den Informationen bei Steam Greenlight später ebenso geben.

 

 

Fiddle


Galerien

Fazit:

Unterm Strich ist 'The Adventures of Bertram Fiddle' ein sehr gefälliges Erstlingswerk, obgleich es ein paar Dinge gibt, die man sicherlich ankreiden kann. Wer nach knackigen Herausforderungen sucht und schon 'Broken Age' aufgrund der Leichtigkeit schwerlich bis gar nicht tolerieren konnte, der ist bei diesem humorvoll verpackten Mystery-Krimi - trotz guter Ansätze - eher an der falschen Adresse. Dafür wird hier ein recht flottes Erzähltempo geboten und angesichts vieler gelungener Pointen kommt selten Langeweile auf. Auch die Charaktere haben Charme, wenn auch leider nur Bertram Fiddle sich als Figur wirklich entfalten kann. Für die Fortsetzung wäre es so gesehen sehr wünschenswert, dass die Schauplätze und die Persönlichkeiten besser genutzt werden. Trotzdem bietet die erste Episode einen kurzweiligen, sympathischen Auftakt mit viel Humor und macht Laune auf weitere Abenteuer.

geschrieben am 26.12.14, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Offizielle Webseite
Bei Steam - EP 1
Im App Store kaufen (iOS) - EP 1
Bei Steam - EP 2


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Dieses Review gehört zu  The Adventures of Bertram Fiddle.




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Kommentare 1
LostRiddle
26.12.2014, 18:53

Wieder nur so ein durchgeklicke? Nein, Danke.
Ach so, ist ja episodisch. Interessiert mich daher eh nicht..


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