Reviews: Shardlight:

Shardlight


'Shardlight' ist eine neue Wadjet Eye Games-Eigenproduktion, die jedoch nicht von Mastermind Dave Gilbert persönlich stammt. Zusammen mit dem Pixel-Künstler Ben Chandler hat Francisco Gonzalez ('A Golden Wake', 'Ben Jordan') ein dystopisches Point&Click-Adventure erdacht, bei dessen Geschichte weite Teile der Welt in Trümmern liegen. Eine neue Aristokratie hat das Ruder in die Hand genommen und diktiert - notfalls gewaltsam - den steinigen Neuanfang. Allerdings geht die Angst vor einer Krankheit um, die unbehandelt zum Tode führt. Sie beschäftigt auch Amy Wellard, die Protagonistin dieses Spiels. Wie uns ihr Abenteuer gefallen hat, das sehen wir uns im Review an.

Shardlight

Im Würgegriff der Aristokratie

Etwa 20 Jahre sind seit dem Fall der Bomben vergangen, der die Welt der damals noch jungen Amy Wellard so drastisch verändert hat. Der Tod ihrer Mutter prägt sie bis zum heutigen Tag und angesichts knapper Ressourcen ist das Leben für sie eine tägliche Herausforderung. Heruntergekommene, defekte Leuchtreklamen ohne Strom erinnern an ein paar Gebäuden nur mehr entfernt an das, was einmal gewesen sein mochte. Die Gesellschaft besteht inzwischen aus einer kleinen Oberschicht, die sich Aristokratie nennt, und einer breiten Unterschicht, die ihren Befehlen folgt. Die herrschende Schicht gleicht dabei einer Hommage an das 17./18. Jahrhundert in Europa. Soziale Spannungen werden im Keim erstickt. Mit Gewalt, falls notwendig.

Shardlight

Die Aristokratie hat die Bevölkerung in der Hand

Medizinische Versorgung und sonstiger Luxus sind für die normale Bevölkerung außer Reichweite. Fatal ist diese Situation insbesondere deshalb, weil eine ansteckende Krankheit die Bevölkerung heimsucht, die unbehandelt zum Tode führt. Grüne Lunge wird sie genannt. Amy Wellard könnte ihr bald Opfer fallen. Sie kämpft ums Überleben und erfüllt gefährliche Aufträge für die umstrittene Regierung, um Tickets für die Lotterie zu bekommen. Wer gezogen wird, bekommt die rare Medizin, was Zeit verschafft, ohne das Problem komplett zu beseitigen. Mit ihrem aktuellen Job rutscht sie jedoch geradewegs in den Konflikt zwischen revolutionärem Untergrund und Aristokratie hinein. Ein gefährliches Spiel zwischen den Fronten beginnt. Doch die Zeit drängt. Die Symptome werden immer offensichtlicher.


Greifbare Charaktere, tolles Setting, eher konventionelle Story

Shardlight

Story und Grafik sind richtig gut darin, in die Welt eintauchen zu lassen

Während das historisch geprägte 'A Golden Wake' unter blassen Charakteren zu leiden hatte, wird bei 'Shardlight' vom Start weg deutlich, dass Francisco Gonzalez sich die Kritikpunkt an seinem Werk zu Herzen genommen hat. Amy Wellard ist zweifellos eine Protagonisten mit Vorgeschichte, die einiges durchgemacht hat. Sie kennt die Menschen in ihrem Umfeld. Mit manchen verbindet sie eine Freundschaft. Sie liebt Autos und assoziiert deren Reparatur mit ihrem bereits verstorbenen Vater, ihrer Kindheit. All das sind Dinge, die einem diese junge Frau nahe bringen und das ist gut so. Akt eins der dystopischen Geschichte lässt uns zudem ausreichend Zeit, um zu verstehen, wie es an diesem Ort abläuft.

Andererseits hätte der in der sympathischen Heldin innewohnende Konflikt ruhig noch intensiver an die Oberfläche dringen können und dieser wurde in spielerischer Hinsicht etwas zu einfach umgesetzt, um die Asse vollends auszuspielen. Zudem verrät der Gegenspieler zu früh etwas zu viel von sich. Auch deshalb ist der finale dritten Akt des postapokalyptischen Dramas zwar immer noch recht gut und reich an Tempo, wohl aber nicht so wirkungsvoll, wie es möglich gewesen wäre.

 

Shardlight

Kleine Gags sind auch versteckt, wie diese Anspielung auf 'Assassin's Creed'

Dass 'Shardlight' packend ist, verdankt es vor allem dem großartigen, kreativ umgesetzten Setting. Sogar mehr noch als der Geschichte, die im Kern relativ konventionell gestrickt ist: Eine unterdrückte Bevölkerung, bei der ein paar Leute eine Revolution anstreben sowie eine Hauptfigur, die dazwischen gerät. Auf diesem Konzept beruhen - bei kritischer Betrachtung - nicht wenige Filme und auch ein paar Rollenspiele jonglieren damit (u.a. 'Fallout 4'). Im Adventure-Bereich ist es nichtsdestotrotz recht unverbraucht und die kluge Mischung sorgt für ein spannendes Endprodukt.


Spielerisch solide Kost

Tatsächlich ist das Finale der einzige Moment, in dem eine Entscheidung zu treffen ist. Davon abgesehen steht eher konventionelle Inventar-Rätselkost im Mittelpunkt, was verglichen mit den gewohnten Adventures der amerikanischen Indie-Schmiede schade ist. 'Shardlight' macht seine Sache sehr solide, scheut aber riskante, ungewöhnliche Rätsel-Varianten. Vermutlich deshalb, weil das diesbezüglich kreativere 'A Golden Wake' viel Kritik einstecken musste.

Shardlight

Selbst Herausforderungen wie diese, sind leicht zu bewältigen

Ein Inventar darf nicht fehlen und Gegenstand sind miteinander und mit der Umgebung kombinierbar. Klassisch 2D-Point&Click-Adventure also. Die Logik bleibt stets nachvollziehbar und in der Realität verankert, aber es gibt kaum etwas, das lange zum Knobeln zwingt. Ein paar Lösungen setzen Exploration voraus und laden dazu ein, sich genauer in der Umgebung umzusehen. Auffällig ist ansonsten das Zeichnen eines Codes, vielleicht das interessanteste Rätsel, wenngleich man möglichst exakt vorgehen sollte, damit die korrekte Lösung akzeptiert wird.

 

Vereinzelt ist das Gamedesign ein bisschen streitbar. Zum Beispiel, wenn es darum geht, zwei wohlhabende Damen zu belauschen oder beim Versuch, jemandes Vertrauen zu gewinnen. Nicht immer ist sofort klar, welche Konsequenzen eine Aktion haben wird und inwiefern uns etwas bei der Lösung eines Problems helfen kann. In Hälfte zwei nimmt die Linearität zu und die betretbaren Schauplätze werden weniger, was zweifellos einen dramaturgischen Hintergedanken hat, aber die Lösungssuche zusätzlich erleichtert. Im Großen und Ganzen ist das Gamedesign dennoch sehr solide gelungen und 'Shardlight' spielt sich angenehm zügig (Spielzeit um die sieben Stunden).


Gelungene Pixel-Umsetzung

Shardlight

Was bringt die Zukunft für Amy? Tod oder Leben?

Zu überzeugen vermag die Visualisierung, zumindest dann, wenn man diese Art von Grafik zu schätzen weiß. 'Shardlight' ist aktuell vielleicht Ben Chandlers beste Pixel-Arbeit, der mit vielen interessant umgesetzten Schauplätzen der Atmosphäre seinen Stempel aufdrückt. Viel mehr kann man aus der angestaubten AGS-Engine nicht herausholen, obgleich die Statik mancher Hintergründe schade ist und eine höhere Auflösung gut getan hätte. Letzteres wird es erst im nächsten Spiel von Wadjet Eye Games geben. Trotz niedriger Auflösung mangelt es 'Shardlight' nicht an zahlreichen Details. Bemerkenswert sind zum Beispiel die vielen unterschiedlichen Personen, die den Marktplatz beleben.

 

Zufrieden darf man mit der englischen Sprachausgabe sein. Die meisten Sprecher verkörpern ihre Rolle glaubwürdig und einige Stimmen kennt man von den bisherigen Pixel-Adventures. Zwar gibt es einmal mehr keine deutsche Lokalisation, doch das Englisch ist relativ leicht verständlich (einfacher als 'Technobabylon'). Auch die Steuerung bietet keine Überraschungen für Freunde des Indie-Studios. Ein Inventar gibt es also und während die eine Maustaste dem Anschauen dient, steht die andere mit dem Benutzen von Objekten in Verbindung. Hilfsmittel wie etwa eine optionale Hotspots-Anzeige stehen hingegen nicht zur Verfügung, was in diesem Fall auch gar nicht notwendig ist. Zwar gibt es in der Umgebung einige Dinge zu betrachten, aber die wirklich wichtigen Hotspots stechen ins Auge.


Galerien

Fazit:

Wertung: 82%

Das Endzeit-Setting ist großartig erdacht und Amy Wellard ist eine sympathische, greifbare Hauptfigur, die man gern begleitet. Allerdings ist die Story im letzten Drittel ein wenig vorhersehbar und die Rätselkost ist zwar sehr solide und logisch, aber sie ist weder ausgefallen, noch schwer. Letzteres könnte Genre-Profis stören. Obwohl man so gesehen über dieses und jenes lästern kann, hatte ich bis zum Schluss viel Freude mit 'Shardlight'. Ein kurzweiliges Vergnügen, das jeden Cent wert ist.

geschrieben am 08.03.16, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Offizielle Webseite
Bei GOG kaufen - Special Edition
Bei GOG kaufen - Normale Edition


Spiel kaufen

Bei GoG kaufen (Affiliate Link)
Ähnliche Spiele

Dieses Review gehört zu  Shardlight.




+1 Gefällt mir
Kommentare 1
RoccoZocko
10.03.2016, 22:53

Hab's gerade durchgespielt und etwa 4,5 Stunden gebraucht. Die Rätsel sind okay, nicht wirklich schwierig. Einmal wusste ich nicht weiter und hab in die Lösung geschaut, ich sag nur: "Klopfen und klingeln" ;-) Die Atmosphäre ist wirklich klasse. Manchmal finde ich die Hauptperson aber nicht ganz schlüssig, weil sie viele Dinge so kommentarlos hinnimmt. Gutes Adventure, nicht so grandios wie Technobabylon...


Als Gast kommentieren

Benutzername
Zeichenkombination eingeben: a5bd0e


Anmelden

Name
Passwort

[ Registrieren | Passwort vergessen? ]
 







PCGamesDatabase.de Tayrint-Lets Play Adventures-Kompakt Adventuresunlimited.de Tentakelvilla.de All-Inkl Serverhosting

Der Adventure Corner Award
 Newsfeeds!  Twitter!  Become a fan!