Reviews: Phoenix Wright: Ace Attorney 6 - Spirit of Justice:

Phoenix Wright: Ace Attorney - Spirit of Justice


Während uns das letzte 'Ace Attorney'-Spin-Off-Abenteuer ('The Great Ace Attorney') verwehrt bleibt, durften Fans von Capcoms Anime-Anwaltsreihe sich beim sechsten Teil über einen globalen Release für den Nintendo 3DS freuen. Das Wiedersehen mit dem Anwalt Phoenix Wright und seinem sympathisch-chaotischen Team haben wir im Test unter die Lupe genommen. In 'Ace Attorney – Spirit of Justice' führt die Reise ins spirituelle Khura'in, wo es im Untergrund gehörig brodelt und Anwälte für gewöhnlich keine hohe Lebenserwartung haben. Obwohl wir uns bemühen, auf Spoiler zu verzichten, wird empfohlen, zumindest 'Dual Destinies' und/oder 'Apollo Justice: Ace Attorney' gespielt zu haben.

 

-> Review zum fünften Teil: Dual Destinies

 

Spirit of Justice

Tödliche Überzeugungen

Nach den dramatischen Ereignissen der beiden Vorgänger, ist zu Beginn des neuen Abenteuers Ruhe in der Talent-Agentur von Phoenix Wright und Adoptivtochter Trucy eingekehrt. Seine Schützlinge Apollo Justice und Athena Cykes machen ihren Job als Anwälte hervorragend, sodass er sie guten Gewissens alleine lässt, um eine Reise ins strenggläubige Reich von Khura'in zu wagen. Und nein, dort hofft er nicht auf Erleuchtung. Vielmehr geht es ihm um seine frühere Assistentin Maya Fey, deren Ausbildung als spirituelles Medium dort fast abgeschlossen ist.

Spirit of Justice

Phoenix back in Action...

Es dauert nicht lange, ehe der Staranwalt den Gerichtssaal dort von innen erlebt, wie auch die fatalen Eigenheiten der fremden Rechtsprechung: Im Land gibt es keine Verteidiger mehr. Vor Jahren wurde ein Gesetz erlassen, wonach den verteidigenden Anwalt bei einem Schuldspruch dasselbe Schicksal ereilt, wie den Angeklagten. Sämtliche Vetreter dieses Berufs wurden entweder bereits hingerichtet, eingesperrt oder sie sind in den Ruhestand geflohen. Gerichtsverfahren regeln üblicherweise nur mehr der Strafverteidiger und der Richter. Bei Mordfällen tritt zudem die nicht volljährige Prinzessin Rayfa Padma Khura'in auf, die mit ihrer angeblich unfehlbaren „Divination Séance“, die letzten Momente vom jeweiligen Verstorbenen zeigen kann...

Ein Angeklagter ohne Verteidiger? Wer Phoenix Wright und seine Schützlinge kennt, der weiß, dass sie so etwas niemals tolerieren würden, wie riskant eine Ausübung des Berufs auch sein mag. Doch das ist nur der Anfang, denn hinter der fragwürdigen Situation in diesem Land steckt mehr. In fünf Episoden, bei denen Humor und Drama wie üblich Hand in Hand gehen, rücken wir der Wahrheit näher.


Eine Frage des Glaubens

Spirit of Justice

Dass der höchstrangige Staatsanwalt in Khura'in ein Mönch ist, zeigt deutlich, welchen Stellenwert Religion dort hat...

Der esoterische Touch passt zur Prämisse der Geschichte: Wie die Bevölkerung von Khura'in an die Heilige Mutter glaubt sowie an die spirituelle Macht der Königin und die Divination Séance der launischen Jungprinzessin, so glauben unsere Protagonisten an die Unschuld ihrer Klienten. Beide Überzeugungen werden immer und immer wieder auf die Probe gestellt. Das gilt also auch für die Junganwältin Athena Cykes (sie kommt diesmal etwas zu kurz) und insbesondere für Apollo Justice.

Jede der fünf Episoden steht problemlos für sich, zugleich hängen sie zusammen. Lediglich der als humorvolle Auflockerung dienende vierte Fall, rund um einen “Nudelmord“, spielt am Ende keine Rolle (passt aber in Sachen Charakterentwicklung trotzdem zum Rest). Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte darauf gefasst sein, dass es oft schräge Momente und abgedrehte Zeugen gibt. Zu ernst sollte man es nicht nehmen.

Das narrative Konzept funktioniert mitunter hervorragend, aber nicht immer. Zum Beispiel hakt es, wenn es darum geht, vertraute Gestalten zu verteidigen. Es ist seltsam, wenn Phoenix z.B. auf die Frage nach dem Grund für die Überzeugung angibt, dass ein Anwalt immer an den Klienten glauben muss - trotz langjähriger Vertrautheit. Ab und zu wird der Dialog zu offensichtlich in Richtung Prämisse zurechtgebogen.


Gameplay mit Höhen und Tiefen

Spirit of Justice

Nahezu sämtliche Gameplay-Elemente kennt man u.a. von 'Dual Destinies' und an der Steuerung ist wenig auszusetzen

Wie gewohnt steht die Suche nach Widersprüchen anhand von Beweisen im Gameplay-Zentrum. Jeder Anwalt verfügt zudem über eine spezielle Fähigkeit: Phoenix Wright kann psychologische Barrieren anhand von Fakten durchbrechen; Apollo ist fähig, verräterische Ticks während einer Aussage ausfindig zu machen und Athena hat die Technologie, um Emotionen auf Widersprüche hin zu analysieren. Wann diese Fähigkeiten zum Einsatz kommen, darüber entscheidet das Spiel und nicht wir. Diese lineare Herangehensweise ist kritisierbar, gleichzeitig tummeln sich im Inventar stets um die 20 Beweisstücke und es ist viel zu bedenken, wodurch derartige Vereinfachungen hilfreich sein können.

 

Neu dabei ist die Divination Séance, bei der es darum geht, Widersprüche zwischen den letzten Sinneseindrücken des Verstorbenen und der Interpretation der Prinzessin aufzuschlüsseln. Nichts bahnbrechend Neues und dennoch eine willkommene Abwechslung. Durch die vielen unterschiedlichen Spielelemente wird einem nicht so schnell langweilig.

Spirit of Justice

Tatorte werden vor der Verhandlung untersucht und Fotos davon landen im Inventar - viele kleine Details gewinnen erst im Kreuzverhör an Bedeutung...

Abseits der Verhandlungen grasen wir wichtige Schauplätze nach Beweisen ab, wobei es u.a. um Blutspuren, Fingerabdrücke und dergleichen geht. Auch hier wartet ein lineares Korsett mit klaren Vorgaben. Wer sich selbst nach fünf 'Phoenix Wright'-Teilen auf die fröhliche Suche nach Widersprüchen freut, der kennt jedoch ohnehin die typischen Macken und Vorzüge. In einem Moment ist man hin und weg von einer genialen 180-Grad-Drehung der Geschichte. Bald darauf kann sich ein Fluchen auf den Lippen breitmachen, weil einem die Antwort klar ist, nicht aber, wie man das dem Spiel kommunizieren soll. Oder man wird zu umständlichen Zwischenschritten gezwungen, obwohl man das Gefühl hat, als gäbe es einen schnelleren Weg. Auffälliger als sonst ist diese alte Problematik im viel zu umständlich konzipierten dritten Fall, der locker sechs Stunden dauert.

Während der Mittelteil trotz spannender Ansätze enttäuscht, ist das extralange Finale (um die sieben Stunden) ein Highlight, das vieles wieder wettmacht. In dieser Zeit war ich tatsächlich kaum vom Handheld zu trennen. Die weiteren Episoden bieten etwa das, was man sich von einem 'Phoenix Wright'-Abenteuer wünscht, wobei die vierte Episode eine klassische Füllepisode ist, die immerhin einen ziemlich skurilen Unterhaltungswert hat. Auch das kennt man von den Vorgängern. Und selbst wenn man den Mörder bei einem Fall kennt, so ist es oft knifflig, ihn oder sie dingfest zu machen. Der genaue Tathergang ist selten sofort zu durchschauen.


Wiedersehen mit Freunden

Spirit of Justice

Forensik-Expertin Ema unterstützt uns wieder deutlich mehr als sie eigentlich sollte

Fans von Capcoms Anime-Reihe wird ein Wiedersehen mit vielen vertrauten Gestalten geboten, allen voran mit Maya Fey. Zugleich hält sich die Geschichte nur kurz mit deren Exposition auf, wodurch das Abenteuer für Neulinge schwer zugänglich sein dürfte. Den Machern ist das jedoch kaum zu verübeln, zumal jeder Teil der Reihe für sich genommen eine Spieldauer im 20-Stunden-Bereich hat (für 'Ace Attorney - Spirit of Justice' sind 20 bis 25 Stunden einzuplanen). Ganz zu schweigen davon, dass sie genug damit zu tun haben, diverse neue Charaktere vorzustellen...

Positiv hervorzuheben ist Prinzessin Rayfa Padma Khura'in, die nicht nur für Cosplayer ein gefundenes Fressen sein dürfte, sondern die auch erstaunlich viel Tiefgang entfaltet. Dank ihr sieht man leichter darüber hinweg, dass Staatsanwalt und Mönch Nahyuta Sahdmadhi aufgrund seiner etwas eintönigen Art leicht langweilig wird. Wer dann immer noch nicht genug hat, kann sich derzeit zwei absurd-komische, kostenpflichtige 'Asinine Attorney'-Story-DLCs kaufen (Spieldauer 40 bis 60 Minuten), bei denen es z.B. ein Wiedersehen mit Klavier Gavin gibt, sowie eine Scherzverhandlung zwischen Phoenix und Edgeworth. Dieser Bonus ist primär als recht amüsante Auflockerung für Zwischendurch gedacht und vorwiegend für Fans interessant. Ob sich eine DLC-Anschaffung angesichts der Kürze lohnt, wird jeder für sich entscheiden.

 

Seit Ende September ist mit 'Turnabout Time Traveler' zudem ein kostenpflichtiger Bonus-Fall erhältlich. Eine Braut steht diesmal unter Mordverdacht und meint am Ende gar, eine Zeitmaschine benutzt zu haben. Geboten wird recht unterhaltsame 'Ace Attorney'-Kost mit etwas mehr als vier Stunden Spielzeit, auch wenn man gegen Ende nicht zu kritisch sein darf und in spielerischer Hinsicht bleibt es sehr klassisch (die Fähigkeiten von Apollo und Athena stehen uns nicht zur Verfügung). Edgeworth, Maya und ein hoffnungslos verliebter Larry Butz sind jedenfalls gute Gründe, sich dieses Abenteuer zu genehmigen. Wer weiß, wann das nächste Sequel erscheint.

 

 

Vorkenntnisse empfohlen

Spirit of Justice

An neuen Charakteren mangelt es nicht, zum besseren Verständnis sollte man jedoch ein paar der bisherigen Spiele kennen

In jedem Fall macht es Sinn, zumindest 'Apollo Justice' und/oder 'Dual Destinies' vorher gespielt zu haben, um vertrauter mit den Charakteren zu sein und mit diesem Vorwissen funktionieren viele Gags besser. Verweise auf die alte Trilogie gibt es zwar (u.a. zu einem Fall rund um die TV-Serie 'Steel Samurai), doch die sind weniger präsent. Dennoch ist es nicht verkehrt, von Anfang an zu beginnen, um richtig in diese witzige Welt einzutauchen. Inhaltlich keine Rolle Spielt wiederum das 'Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney'-Crossover (abgesehen von einer kleinen Anspielung).

 

Für die Steuerung ist kein Vorwissen notwendig, zumal es hier immer ein überspringbares Tutorial gibt. Die Handhabung ist aber ohnehin intuitiv und leicht verständlich. Gespeichert wird manuell, wobei man die Speicherstände beliebig setzen kann (wer sich bei einem Einspruch nicht sicher ist, kann sich auf diese Weise behelfen). Was die Präsentation anbelangt, so bewegt sich diese praktisch auf demselben Niveau wie der Vorgänger 'Dual Destinies'. Mit dem diesbezüglich wirklich hervorragenden Crossovers mit Professor Layton kann 'Spirit of Justice' nicht mithalten, v.a. was die Qualität und Quantität der Zwischensequenzen anbelangt, oder die 3D-Effekte am Nintendo 3DS. In diesem Punkt liegt die Latte allerdings sehr hoch. Selbst die englische Vertonung fällt vergleichsweise deutlich spärlicher aus und erfasst nur wenige Sätze. Wer nicht lesen mag und viel Text ablehnt, ist an der falschen Adresse. Zum Release wurde nur eine englische Fassung veröffentlicht. Weitere Übersetzungen sind in Arbeit. Im Zweifelsfall solltet Ihr die Demo im Shop von Nintendo ausprobieren.


Galerien

Fazit:

Wertung: 78%

Obwohl die 'Phoenix Wright'-Reihe viele Macken hat, ist sie mir ans Herz gewachsen und ich freue mich über jeden neuen Teil. Die absurden Zeugen vor Gericht, die verrückten Wendungen im letzten Moment, die tragikomische Mischung und die Charaktere... all das hat einen besonderen Charme und wem die Suche nach Widersprüchen Spaß bereitet, der kann hier wenig falsch machen. Auch 'Ace Attorney - Spirit of Justice' hat mich keineswegs enttäuscht, obgleich die starke esoterische Ausrichtung schon etwas gewöhnungsbedürftig gewesen ist. Geboten wird ein gelungenes Sequel mit einem starken Anfang und einem furiosen Showdown. Nur der durchwachsene und leider ziemlich lange Mittelteil trübt den ansonsten richtig guten Gesamteindruck.

geschrieben am 23.09.16, Matthias Glanznig

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