Reviews: Beat Cop:

Beat Cop


Die 80er. Wer darin gelebt hat, wird einiges erzählen können. Die Faszination dieser Zeit zieht sich durch Filme, Spiele und Fernsehserien. Vor allem die unzähligen Krimi-Serien bleiben oft im Gedächtnis. 11 Bit Studios hat sich dieser Faszination zugewandt und will mit 'Beat Cop' zeigen, dass Retro sich nicht nur auf Grafik ummünzen lässt. Wir spielen Jack Kelly, einen Streifenpolizisten der 69. Polizeiwache. Er bekommt es mit der Mafia, einer Gang namens der Crew und Korruption zu tun. Nebenbei soll er auch aufklären, warum er strafversetzt wurde. Befeuert wird das Ganze durch Humor, unzählige Wendungen und viele, viele Entscheidungen. Im Test schauen wir uns an, was Euch am Weg zu den verschiedenen Enden erwartet.

 

 

 

Wo sind die Diamanten?

 

Jack im Polizeirevier

Seine Kollegen behandeln Jack Kelly nur selten gut

Polizeiwache 69 in Brooklyn, New York im Jahr 1986. Detective Jack Kelly wird beschuldigt, Diamanten aus dem Safe eines Senators gestohlen zu haben. Eine Strafversetzung ist die Folge. Schon ist klar, dass wir genau diese Lüge aufdecken und die Weste des nunmehr Officer Jack Kelly reinwaschen sollen. 

Im Briefing Room herrscht ein raues Klima. Jack wird mit Misstrauen behandelt – von Kollegen und Vorgesetzten. Unbeirrt macht er sich mit dem Revier und den verschiedenen Etablissements bekannt und lernt dabei Unterwelt und Volk kennen. Der Spagat zwischen Korruption, Gerechtigkeit und Kriminalität begleitet ihn in den nächsten 21 Tagen seiner Karriere: Strafzettel und Abschleppwagen sind das Tagesgeschäft. Mafia, Crew, Polizei und Anwohner sollte er halbwegs glücklich halten, sonst könnte ihm der neue Job rasch zum Verhängnis werden. Und natürlich verliert er nie sein eigentliches Ziel aus den Augen: die Suche nach der Person, die ihn zum Sündenbock gemacht hat.



Der Alltag

 

Beim Strafzettel verteilen

Abenteuer Strafzettel verteilen

Nach dem täglichen Briefing laufen wir von morgens bis abends die Straße entlang und erledigen unsere täglichen Aufgaben. Wir teilen Strafzettel für Falschparker, zerbrochene Lichter oder verschlissene Reifen aus und verhaften den einen oder anderen Verbrecher. 

Im Laufe der 21 Tage im Spiel, oder acht Stunden Spielzeit, liefern wir uns Klischee-getreu auch Schießereien, beschatten Personen und durchsuchen Autos. Außer Musik und Soundeffekte hört man keine Stimmen. Durch den Stil, der durchaus einem Comic entspringen könnte, fällt dies aber nicht sonderlich auf. Die Texte sind dafür in mehreren Sprachen verfügbar - auch Deutsch ist dabei. Nebenbei liefert sich Jack Auseinandersetzungen mit einer Sekte, dem Drogenbusiness und einem Pornodreh. Es ist nicht sonderlich verwunderlich, dass der Apotheker ein Deutscher namens Krank ist – mit NS-Wurzeln –, der Kramer ein polnischer Jude ist und der Donut-Laden MakeFat Yo'Butts heißt. Ernst nimmt sich 'Beat Cop' in keiner Weise, es behandelt aber dennoch ernste Themen. Neben der offensichtlichen Korruption wird der noch gängige Rassismus der Fernsehserien der 80er angesprochen. Ebenso gehen die Entwickler auf zu dieser Zeit noch relativ aktuelle Themen, wie den Terroranschlag in München 1972, ein. 



Entscheidungen mit Konsequenzen



Einen Mafiosi verhaften oder doch freilassen

Legt sich Jack mit der Mafia an? Nebenbei sind zwei Aufgaben zu erledigen.

Das Gameplay-Kernelement sind die täglich zu treffenden Entscheidungen. Wirft Jack den Strafzettel weg und nimmt die Bestechung an? Hilft er der Mafia? Welchen Raum durchsucht er bei Mordverdacht in einem Apartment? Selbst kleine Schieberätsel in den Kofferräumen diverser Autos können schiefgehen oder klappen. Alles hat Konsequenzen. Eine Fehlentscheidung führt aber nicht gleich zum Ableben des Protagonisten. Erst nach einer Summe von Entscheidungen in eine Richtung, beispielsweise gegen die Mafia, kann es fatale Folgen haben. 

Es bleibt genug Zeit, um Fehler auszubessern. Jack muss nicht ständig um sein Leben fürchten, sollte aber hie und da Aufgaben positiv für die einzelnen Fraktionen abschließen. Je nachdem kristallisieren sich verschiedene Spielenden heraus, von denen es im Spiel ungefähr zehn gibt. Schwarz-Weiß-Denken hilft auch in 'Beat Cop' nur selten, denn die meisten Enden sind grau und sind nicht völlig positiv. Man kann sich zum Beispiel auch einfach nach Mexiko absetzen, wenn man Jack genug Geld sammeln lässt. Natürlich klärt man dadurch nicht den Fall auf und er bleibt weiterhin offiziell eine zwielichtige Gestalt.



Zeitdruck und Wiederholungen

 

Sehr eigenwilliger Humor

Der Humor ist eigenwillig, aber meist doch witzig

Ab dem ersten Tag patrouilliert man ein und dieselbe Straße mit den gleichen Geschäften. Wie im echten Streifenpolizisten-Leben, so stellt man es sich stereotyp zumindest vor, wird das Strafzettel-Schreiben zur Routine. Das führt oft zum gleichen Trott, was durch täglichen Ereignisse immerhin etwas aufgelockert wird. Die zeitlichen Bestimmungen für die wichtigeren Ereignisse sind relativ großzügig bemessen und rechnen schon einmal eine Reaktionszeit von ein bis zwei Minuten dazu. Bei plötzlich auftretenden Nebenevents, wie Raubüberfällen, muss man sich da schon etwas beeilen, denn diese sind oft nur dreißig Sekunden auf der Straße zu finden und flüchten danach. 

Natürlich kann Jack Kelly auch per Doppelklick laufen, jedoch muss man auf seine Ausdauer aufpassen. Marathonläufer ist er keiner. Dazu muss man immer wieder im hiesigen Diner, Hotdog-Stand oder beim Italiener essen gehen. Das kostet natürlich Geld und Zeit. Selbst Drogen können kurzfristig die Ausdauer steigern – natürlich mit entsprechenden Nachteilen, denn die Polizei sollte nicht dahinterkommen. Achtet man nicht darauf, entkommen die Verbrecher dem Cop schlicht und ergreifend. Aus dem anfänglichen spaßigen Streifen-Dasein wird also schnell trister Alltag.


Die Geschichte bindet



Platoon läuft im Kino

Die Geschichte ist authentisch eingebettet.

Aufgelockert wird dieser Alltag glücklicherweise durch eine wendungsreiche und recht spannende Geschichte. Man kann 'Beat Cop' gut mit einer Polizei-Serie vergleichen, denn die 21 Tage könnten ebenso 21 Episoden sein. Es steht ursprünglich die Polizeiarbeit im Mittelpunkt, aber schnell zeigen sich soziale Probleme oder Konflikte mit dem Mob. Wie in Serien üblich gibt es auch hier Tage, die nicht unbedingt zur Hauptgeschichte beitragen und kleine Nebenhandlungsbögen erzählt. Mein Spielverhalten glich auch dem typischen Sehverhalten bei guten, nicht herausragenden, Serien. 

Ein bis zwei Episoden à jeweils 15-20 Minuten am Stück spielte ich gerne, dann war aber auch eine Pause nötig. Nebenbei trällern bei den Läden altbekannte Klänge und Eindrücke der jeweiligen Nation: Polka beim Deutschen, sizilianische Klänge beim Italiener und natürlich 80er Rap in der Pfandleihe. Die Geschichte schafft es aber soweit bei Laune zu halten, dass man immer wieder zurückkommt und das Spiel auch bis zum Ende durchspielen will. Zusätzlich motivierend sind die verschiedenen Herangehensweisen, denn vom korrupten Cop bis hin zum Saubermann oder gar Mafia-Handlanger ist alles möglich. Risiken und Nebenwirkungen natürlich inbegriffen.


Ist das ein Adventure?

 

Kofferraum-Schieberätsel

Auch Schieberätsel findet ihr im Spiel

Bei einem Genre-Mix wie 'Beat Cop' ist es naheliegend zu fragen, ob es denn überhaupt als Adventure zu sehen ist. Durch die vielen Dialoge mit Auswahlmöglichkeiten, die Entscheidungen und das typische Point & Click-Interface denke ich schon, dass man es als solches verstehen kann. So hat das Spiel frappierende Ähnlichkeiten zu 'Police Quest' und gleichzeitig Einflüsse von 'Rogue Likes'. Da es jedoch nie unmöglich schwer wird und Fehler verziehen werden, kann man es auch in typischer Adventure-Manier spielen. Der digitale Tod wartet nicht hinter jeder Ecke, sondern folgt erst viele Straßen, Parktickets und Bestechungsgelder weiter. Man könnte 'Beat Cop' fast als moderne Retro-Variante von 'Police Quest' sehen. Dazu kommen die in Rollenspielen typischen verschiedenen Enden und ein Rufsystem bei vier Fraktionen aus diesen. Das vermeintliche Retro-Spiel sieht das Genre also klassisch und modern zugleich.



Galerien

Fazit:

Wertung: 73%

Zugegeben, die Alltagsroutine hat mir zwischendurch den Spielspaß etwas gemildert. Gleichzeitig schien zu Beginn die Geschichte ein Meer von Klischees zu sein, das mich ebenso skeptisch dreinblicken ließ. Nach einigen Spieltagen/Episoden mauserte sich dieses bewusste Klischee-Gewimmel der 80er allerdings zum waschechten Spiel mit moralischen Aspekten - in etwa vergleichbar mit 'Papers, Please'. Neben der Geschichte waren es vor allem die verschiedenen Charaktere, die oftmals eine tiefgründigere Hintergrundgeschichte hatten, als es zunächst vielleicht den Anschein hat. Dazu wirken einige Diskussionspunkte dieser Zeit noch immer aktuell. Wer auf die 80er steht und sich nicht vom Pixel-Look abschrecken lässt, erlebt eine spannende Polizei-Serie, die in sich geschlossen ist. Liebhaber von Polizei-Spielen werden hier auf jeden Fall fündig. Vom Alltag bis zum Mordfall ist alles drin.

geschrieben am 27.04.17, Peter Färberböck

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