Reviews: Unavowed:

Unavowed


Der Name Dave Gilbert (Wadjet Eye Games) ist vielen Genre-Fans vermutlich spätestens seit der Blackwell-Reihe ein Begriff. Auch als Indie-Publisher konnte das amerikanische Studio sich bereits mehrfach auszeichnen (u.a. durch 'Technobabylon' und 'Primordia'). Mit 'Unavowed' steht ab sofort ein weiteres Point&Click-Adventure bereit. Inhaltliche Berührungspunkte mit früheren Eigenproduktionen gibt es zwar, erzählt wird jedoch eine komplett eigenständige Geschichte. Wir bekommen es mit einem überaus bösartiges Wesen zu tun, das in New York für erhöhte paranormale Aktivitäten und blutige Verbrechen sorgt. Im Review nehmen wir das Fantasy-Abenteuer unter die Corner-Lupe.

Unavowed

Besessen von einer dämonischen Kreatur

'Unavowed' ist jene Art von Spiel, bei der Entscheidungen eine gewichtige Rolle spielen und wir den Charaktere unserer Spielfigur mitformen. Das zeigt sich bereits in den ersten Sekunden der düsteren Fantasy-Geschichte. Neben dem Namen (per Tastatur geben wir etwas Beliebiges ein) und dem Geschlecht der Hauptfigur, bestimmen wir sogar ihre Profession. PolizistIn, SchauspielerIn und BarkeeperIn stehen zur Auswahl.

Unavowed

Zu Beginn bestimmen wir, wie unsere Spielfigur sein soll

Name und Geschlecht spielen keine wesentliche Rolle, doch für jede Profession gibt es – ähnlich wie z.B. beim Rollenspiel 'Dragon Age: Origins' - eine eigene Herkunftsgeschichte (durchspielbar in wenigen Minuten). Auch im weiteren Spielverlauf gibt es kleine Auswirkungen, doch darauf kommen wir später zu sprechen. Im Endeffekt läuft der Prolog stets auf dasselbe hinaus: Ein Dämon ergreift Besitz von unserer Spielfigur und hinterlässt fortan eine Spur des Grauens.

Ein Jahr später folgt die Rettung durch zwei Mitglieder der Unavowed, eine Organisation, die die sterbliche Bevölkerung vor übernatürlichen Ereignissen in New York schützen soll. Mandana und Eli treiben die dämonische Kreatur mit Mühe aus, sie entkommt aber. Bald darauf unterbreiten sie uns das Angebot, sich ihrer Geheimorganisation anzuschließen. Da die Polizei nach uns fahndet und niemand unsere Unschuld glauben würde, bleibt uns letztlich keine Wahl als einzuwilligen.


Start in ein neues Leben

Geleitet werden die Unavowed vom bärtigen Flaschengeist Kalash. Leider mehren sich die paranormalen Vorfälle in der Großstadt massivst und das kleine Team rund um Mandana (seine Tochter und ebenfalls ein Flaschengeist) und dem Feuermagier Eli ist restlos überfordert damit. Kein Wunder, dass wir so eilig ins Team aufgenommen wurden. Verursacht wurden fast sämtliche Vorfälle dieser Art übrigens von eben jener bösartiger Kreatur, die erst kürzlich aus dem Körper der Hauptfigur vertrieben wurde. Mit ihr haben wir ohnehin noch eine Rechnung offen.

Unavowed

Mit jeder Berufsrichtung geht eine kurze spielbare Vorgeschichte einher

Im Zuge unserer Ermittlungen treffen wir auf ruhelose Geister und seltsame Mordfälle. Welche Motive dahinter stecken, bleibt lange ein Rätsel. Fest steht nur, dass sich die finsteren Pläne selbst nach der Dämonenaustreibung längst nicht zerschlagen haben. Hilfreich bei den Nachforschungen sind plötzliche Visionen, die die Hauptfigur an wichtigen Orten erlebt und in denen wir vergangene Taten des Dämons erleben. Hier verbergen sich mitunter neue Hinweise.

Im Hinblick auf die Spielzeit sind bei diesem Fantasy-Abenteuer geschätzt acht bis neun Stunden einzuplanen. Unterschiedliche wenn auch kurze Herkunftsgeschichten, sowie mehreren Enden (teilweise sind diese Abhängig von früheren Entscheidungen) werden einige Spieler womöglich dazu veranlassen, manche Abschnitte erneut zu spielen, oder vielleicht sogar einen neuen Durchgang zu starten.


Geister und Kreaturen

Was die paranormal geprägte Fantasy-Thematik angeht, so fühlt man sich u.a. an TV-Serien wie z.B. 'Grimm' erinnert, wo es um ähnliche Geschöpfe und Mordfälle geht, die in investigativer Manier untersucht werden. Die gravierendsten Parallelen zeigen sich freilich im Hinblick auf die 'Blackwell'-Reihe. Da wie dort sehen wir uns mit rastlosen Geistern konfrontieren, über die wir mehr herausfinden müssen um ihnen beim Übertritt ins Jenseits zu helfen. Hinzu kommen allerdings noch andere Wesen wie z.B. einen Wassermann und eine Muse.

Während die meisten Charaktere neu sind, stolpern wir zwischendurch unverhofft über Detective Sam Durkin, der schon in 'The Shivah' und 'Blackwell Epiphany' zu hören und sehen war. Das zeigt deutlich, wie sehr Wadjet Eye Games darum bemüht ist, eine gemeinsame Welt für ihre eigenen Spiel zu kreieren und es schafft zudem ein Gefühl der Vertrautheit. Auch die Atmosphäre ist sehr ähnlich und die Geschichte ist für Überraschungen gut.

In die Charaktere kann man sich gut hinein versetzen. Oft verfügen diese über eine sehr umfassende Hintergrundgeschichte, die mit manchen Missionen sogar in Zusammenhang stehen kann. Insbesondere mit den Gefährten ist eine lange Plauderei möglich. Private Details bleiben einem beim ersten Gespräch noch verborgen, aber nach ein paar gemeinsamen Erlebnissen öffnen sich die Gesprächspartner.


Teamzusammensetzung und Fähigkeiten

Unavowed

Mit Geister haben wir es oft zu tun, allerdings kann nur ein Gefährte mit ihnen kommunizieren

Bei den ersten Missionen (d.h. wir besuchen einen bestimmten Ort der Stadt und finden dort heraus, was vorgefallen ist) begleiten uns nur Mandana und Eli, die jeweils über besondere Fähigkeiten verfügen. Feuermagier Eli ist z.B. in der Lage, verbrannte Botschaften lesbar zu machen, Flaschengeist Mandana geht uns bei Bedarf mit ihrem Säbel zur Hand. Später gesellen sich weitere Gefährten hinzu, die andere Dinge gut beherrschen (z.B. das Sprechen mit Geistern, oder das Bedienen einer Schusswaffe).

Bei jeder Mission steht es uns frei, mit wem wir uns auf den Weg machen wollen - zwei Mitstreiter sind erforderlich, einer davon sollte Mandana oder Eli sein. Sie begleiten uns, führen Smalltalk und sind vom Inventar aus mit der Umgebung kombinierbar. Schade nur, dass die Gespräche teilweise zu einem ungünstigen Zeitpunkt starten - wird vorzeitig der Ort verlassen, wird das Gespräch nicht unmittelbar fortgesetzt.

Die Team-Zusammenstellung kann sich auf unsere Herangehensweise auswirken. Teilweise gibt es alternative Herangehensweisen (z.B. kann man sich einmal dank Mandanas Säbel Zutritt zum Lüftungsschacht verschaffen, oder aber Eli einsetzen, um den Rauchmelder zu aktivieren, nachdem ein paar Kabel neu zugeordnet wurden). Lediglich in Ausnahmefällen lässt sich die Teamzusammensetzung während den Ermittlung an einem Schauplatz nachträglich ändern.

Eine Rolle spielt, für welche Hauptfigur wir uns zu Beginn entschieden haben: Als Schauspieler behilft man sich z.B. durch Vorspielen falscher Tatsachen in vielen Situationen. Ein Barkeeper kann wiederum durch Einfühlungsvermögen wichtige Informationen herausbekommen. In spielerischer Hinsicht ändert sich dadurch allerdings nicht so viel. Auffälliger ist da schon, dass wir durchaus auf Freunde von früher stoßen, die einst durch den Dämon in uns zu Schaden kamen...


Unavowed

Entscheidungen und Konsequenzen?

Auffällig an 'Unavowed' ist, dass im Team so gut wie jede Entscheidungen unterstützt wird und es kaum Gegenwind gibt. Während man bei Telltale Games immer jemanden gegen sich hat, packt das Point&Click-Adventure erst spät in den letzten Minuten leise Vorwürfe aus, die man in dieser Phase leicht abschütteln kann. Seltsam wirkt dieser Umstand beispielsweise bei einem Mord – zwar bleibt einem kaum eine andere Wahl, aber man möchte doch meinen, dass zumindest eine dem Opfer nahestehende Person uns das nicht, emotional gesehen, so rasch verzeihen kann.

Unavowed

Wir entscheiden über das Schicksal vieler Wesen - erst am Ende hat das kleine Konsequenten

Wünschenswert wäre gewesen, wenn die Gefährten eine klarere eigene Meinung verfolgten, die sich stärker auf die Beziehung zueinander auswirkt. Nicht zwangsläufig so übertrieben wie bei einigen anderen Spielen dieser Art, aber doch vehementer als im vorliegenden Fall. Der Fantasy-Thriller bietet einige sehr knifflige Situationen, bei denen es gefühlt keine eindeutig richtige Wahl gibt. Es hätte sich defintiv angeboten, das intensiver in den Konversationen zu thematisieren.

 

Ab und zu können Fehler beim Lösen von Aufgaben übrigens zum Ableben führen - doch das hat keine nennenswerten Folgen, zumal wir lediglich an den Anfang des jeweiligen Rätsels versetzt werden und beliebig oft erneut unser Glück versuchen dürfen.


Adventure mit Rollenspiel-Flair

Schon in Wadjet Eyes 'The Shivah' gibt es charakterbezogene Entscheidungsmomente, die u.a. an frühere Rollenspiele von Bioware erinnern. Jahre bevor Telltale Games sich darauf spezialisiert hat. 'Unavowed' ist jedoch wohl das erste Spiel von Dave Gilbert, das nicht nur sporadisch darauf setzt, sondern sich konsequent darum bemüht, den Spieler eine Rolle spielen zu lassen. Die Dialoge sind deutlich umfangreicher geraten, Entscheidungen häufiger zu treffen. Leider sind die Dialogoptionen mitunter etwas redundant und laufen auf dasselbe hinaus - was angesichts des kleinen Teams aber nachvollziehbar ist.

Unavowed

In Visionen werden wir Zeuge von vergangenen Übeltaten des Dämons

Wie man es von einem Point&Click-Adventure erwarten würde, bleiben einem echte Kämpfe erspart. Der Fokus bei 'Unavowed' liegt eindeutig auf Story und Charakteren. Zudem gibt es wie immer wieder leichte bis durchschnittlich schwere Rätsel, ebenso von einem Adventure erwartbar. Die Umgebung ist nach Hinweisen abzusuchen (z.B. für ein Computer-Passwort) und vereinzelt gilt es verschlüsselte Botschaften zu entziffern. Viel Zeit wird obendrein damit verbracht, verschiedene Gesprächspartner zu befragen – ein Hinweis ist womöglich in einem anderen Gespräch nützlich.

Gesteuert wird per Ein-Klick-Maussteuerung, was gut funktioniert, da uns das Spiel bei jedem per Mauszeiger anvisierten Hotspot ohnehin automatisch per Schriftinsert mitteilt, was die Spielfigur dort sieht. Ist ein Objekt per Mausklick benutzbar, wird uns das per Handsymbol signalisiert. Eine automatische Hotspot-Anzeige fehlt, 'Unavowed' kommt jedoch problemlos ohne aus. Wer einmal nicht mehr weiterweiß, der fragt einfach einen seiner Begleiter. Kleine Hilfestellungen gibt es und zwar ohne viel vorwegzunehmen.


Hübsche 2D-Grafik mit höherer Auflösung

'Unavowed' wartet mit einer höheren Auflösung als z.B. 'Shardlight', oder 'Blackwell Epiphany' auf und hat sich dadurch weiter vom reinen Pixel-Look entfernt. Die markante Handschrift von Grafik-Artist Ben Chandler schimmert aber selbst mit doppelt so vielen Pixeln durch. Durch die detaillierter wirkende Umgebung gestaltet sich die Erkundung interessanter und die Zahl der Hotspots nimmt zu. Lediglich die Charaktere sehen pixelig aus und erinnern an alte Zeiten. Positiv fallen zudem ein paar kurze Zwischensequenzen auf - beispielsweise wenn eine mit Pflanzen verwachsene Leiche aufgedeckt wird. Solche Elemente lockern die Präsentation immer wieder auf. Über die Limitationen der in die Jahre gekommenen AGS-Engine kann das nicht hinwegtäuschen, Wadjet Eye Games macht jedoch das Beste daraus.

Unavowed

Manche Charaktere sind vertraut...

Untermalt wird das mysteriöse Dämonen-Abenteuer von einem filmisch wirkenden Soundtrack. Zur ansprechenden Präsentation tragen zudem die Sprecher bei, die sehr passend gecastet sind. Englische Sprachausgabe gibt es nur bei den Nebenfiguren, nicht bei der Hauptfigur. Da sowohl das Geschlecht als auch die Profession vom Spieler abhängig sind, dürfte diese Einschränkung nicht verwundern. Selbst AAA-Titel wie 'Dragon Age: Origins', oder 'The Elder Scrolls' handhaben es gleich. Mit einer deutschen Übersetzung ist vorerst nicht zu rechnen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 82%

'Unavowed' bietet eine unterhaltsame Fantasy-Geschichte mit der einen oder anderen unerwarteten Wendung. Positiv fallen, abgesehen davon, die Charaktere auf, in die man sich gut hinein versetzen kann und die eine umfassende Hintergrundgeschichte offenbaren. Das Dialogsystem könnte hingegen noch ausgefeilter sein, zumal immer wieder recht ähnliche Antwortmöglichkeiten zur Auswahl stehen. Dafür brachten mich die moralischen Entscheidungen insbesondere nach dem ersten Drittel mitunter sehr ins Grübeln und so soll es sein! Dennoch hätte es ruhig mehr Gegenwind von den Gefährten geben können, die nahezu immer Verständnis zeigen. Was hingegen die Rätsel anbelangt, so sind diese ähnlich solide gestrickt, wie man es von anderen Wadjet Eye-Adventures kennt, bei denen die Rätsel immer wohl durchdacht in die Story eingebunden sind, ohne übertrieben kompliziert zu sein. Das Fantasy-Abenteuer ist nicht so packend und emotional erzählt wie das ungemein dichte 'Blackwell Epiphany', es zählt dennoch zu den Geheimtipps dieses Jahres.

geschrieben am 08.08.18, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  Unavowed.




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