Reviews: Agatha Christie: Mord im Orient-Express:

Agatha Christie: Mord im Orient Express


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen... Jedenfalls dann, wenn die Reise im berühmten Orient-Express stattfindet und noch dazu ein Mord geschieht. Das neue Adventure von CDV und The Adventure Company lässt uns die Ereignisse von Agatha Christies Roman 'Mord im Orient-Express' am PC nachspielen. Wir waren mit an Board und berichten von der spannenden Reise quer durchs Europa des Jahres 1934.


 



Eigentlich sollte die junge Französin Antoinette Marceau sich um den berühmten Detektiv Hercule Poirot kümmern, der mit dem Orient Express von Istanbul nach Paris reist. Das ändert sich jedoch plötzlich, als der Zug in einer Schneelawine mitten in den jugoslawischen Bergen stecken bleibt und der kaltblütige Mord an Mr. Ratchett, einem weiteren Mitreisenden, die illustere Gesellschaft erschüttert. Doch zum Glück ist ja ein Detektiv an Board, der diesen Fall sicherlich aufklären kann. Könnte vielmehr, denn der gute Poirot hat sich bei der Notbremsung vor der Schneelawine den Knöchel verstaucht und ist ans Bett gefesselt. Er kann die Ermittlungen unmöglich alleine aufnehmen. Unterstützung findet er bei der begeisterten Krimileserin Antoinette, die ab sofort als persönliche Assistentin von Poirot die Ermittlungen leiten darf. Wie es sich für ein echtes Detektivspiel gehört, muss Antoinette die Verdächtigen verhören, Fingerabdrücke, Reisepässe und Spuren sammeln und durch geschicktes Kombinieren der Beweise die richtigen Schlüsse ziehen. Auf Wunsch auch mit Unterstützung von Hercule Poirot persönlich. Wird es Antoinette gelingen, den Schuldigen zu überführen, wo doch jeder an Board des Zuges verdächtig ist? Oder kommt der Mörder etwa gar nicht aus dem Zug?

Der Gärtner wars nicht...
Bis zur überraschenden Antwort auf diese Fragen vergehen einige spannende Stunden, doch die Arbeit fängt für Antoinette schon viel früher an. Drehen wir die Zeit etwas zurück. Wir treffen Antoinette in den Straßen von Istanbul, wo sie sich erst einmal einen Weg zum Bahnhof erkämpfen muss. Dabei stehen ihr immer wieder andere Mitreisende im Weg, die sie erst durchlassen, wenn sie kleinere Aufgaben erfüllt. Das geht von einfachen Dialogrätseln bis hin zu regelrechter Laufarbeit. Auf diese Weise lernt man zwar prima die Bedienung und die Mitreisenden kennen, aber dennoch nervt es ziemlich. Eigentlich möchte man ja nur zum Bahnhof, aber in jedem neuen Bildschirm stehen wieder ein paar Passagiere im Weg. Leider kann Antoinette aber nicht einfach um die Figuren herumlaufen sondern darf immer erst dann weiter, wenn das Rätsel richtig gelöst worden ist. Irgendwann schafft sie es dann aber doch in den Zug, der natürlich am Bahnhof schon bereitsteht.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Belgrad, wo ein weiterer Wagen an den Zug gekoppelt wird und es wieder ein paar Kleinigkeiten zu erledigen gibt, überschlagen sich die Ereignisse: Der Zug bleibt in einer Schneelawine stecken und der Mord geschieht. Von nun an geht es darum, möglichst viel über die Mitreisenden herauszufinden und Spuren zu sichern. Dabei steuert man Antoinette per einfachen Mausklick durch den Zug. All zu weite Laufwege im Zug kann man dabei über eine Zugkarte abkürzen, die am oberen Bildrand eingeblendet werden kann. Klickt man auf den entsprechenden Waggon, begibt sich Antoinette direkt dorthin. In den einzelnen Waggons selbst gibt es hingegen keine Abkürzung. Über den Gang gelangt unsere Detektivin in die einzelnen Abteile, die zum Teil durch eine Tür direkt miteinander verbunden sind, zum Teil werden sie auch durch ein Bad voneinander getrennt. Und jedes Abteil, jedes Bad, einfach alles muss untersucht werden. Anfangs macht das auch viel Spaß, weil man immer etwas Neues findet. Später wird das wiederholte Durchsuchen der Abteile leider zur doch recht langweiligen Routineaufgabe – zumindest solange man sich nicht sicher sein kann, vielleicht etwas übersehen zu haben. Und das passiert leider öfter als man möchte. 'Mord im Orient-Express' ist eben ein klassisches Detektiv-Spiel bei dem man den Bildschirm nach Objekten absuchen muss. Eine Funktion zum Finden der wichtigen Gegenstände, wie es sie beispielsweise in 'Undercover' gibt, würde aber auch den Detektivcharakter des Spiels stören.

Alle gefundenen Spuren und Aussagen hält Antoinette in ihrem Tagebuch fest. Auch eine Übersicht über alle Fingerabdrücke und Reisepässe erstellt Antoinette von selbst. Wichtige Aufgaben, wie etwa das Vergleichen von Fingerabdrücken, bleiben aber dem Spieler vorbehalten. Dabei bekommt man die gefundenen in Einer und die von den Verdächtigen gesammelten Fingerabdrücke in einer zweiten Reihe angezeigt. Man sucht zwei zusammenpassende Abdrücke aus und prüft über einen Knopf, ob die Fingerabdrücke wirklich zusammen passen. Dass dabei so manches Alibi ins Wanken gerät, versteht sich von selbst. Leider ist es nicht möglich, die Verdächtigen gleich mit den neuen Erkenntnissen zu konfrontieren, denn 'Mord im Orient-Express' ist in mehrere Kapitel aufgeteilt. In das nächste Kapitel geht es immer erst dann, wenn alle Aufgaben erledigt worden sind. Das muss auch so sein, damit der Fall am Ende auch gelöst werden kann. Beim Spielen selbst stört das aber etwas, weil man in seinen Gedankengängen immer wieder unterbrochen wird und sich erst um ein ganz anderes Problem kümmern muss, bevor man seinen ersten Gedanken wieder aufnehmen kann.

Saft gehört in die Schüssel
Wer den inoffiziellen Vorgänger 'Und dann gabs keines mehr' kennt, wird sich im Inventar sofort zu Recht finden. Die gefundenen Gegenstände können im Inventar seitenweise durchgeblättert werden, in einem extra Fenster können einzelne Gegenstände zerlegt oder zusammengesetzt werden. Das klingt aber leichter als es im Spiel ist. Weit über 50 Gegenstände sammelt Antoinette im Verlauf des Spiels ein. Einige haben ganz ähnliche Funktionen, können aber dann doch nicht zum Lösen eines Rätsels genutzt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass manche Kombinationsrätsel nicht im Inventar gelöst werden können. Antoinette kann zwar im Inventar einen Armreif mit einer Zange verbiegen, den Saft, den sie zur Lösung des Selben Rätsels braucht, kann sie aber nur dann in eine Schüssel füllen, wenn sie diese vorher auf einem Tisch stellt. Dabei präsentieren die Entwickler bei 'Mord im Orient-Express' viele verschiedene Rätselarten. Antoinette darf sich Beispielsweise am zurzeit in Adventures sehr beliebten Zusammensetzen von zerrissenen Zetteln wie auch am Herausfinden einer Safekombination versuchen. Dialogrätsel und die schon angesprochenen Kombinationsmöglichkeiten runden das Rätseldesign ab. Die Steuerung in den Rätseln geht leicht von der Hand, sowohl beim Zusammensetzen des zerrissenen Zettels wie auch beim Einstellen der richtigen Zahlenkombination am Safe.

Hilfst Du mir?
Kurz nachdem sie den Mord entdeckt hat, hat Antoinette die Wahl: Löst sie die Rätsel alleine oder mit Unterstützung durch den berühmten Meisterdetektiv Poirot. Wenn sie sich für die Unterstützung entscheidet, gibt Poirot das ganze Spiel über Tipps. Dadurch wird das Spiel aber nicht leichter: Die Tipps sind meist auch vorher schon offensichtlich und wenn man mal wirklich nicht weiter kommt, schweigt der berühmte Detektiv sich aus. Entscheidet man sich gegen die Hilfe, teilt Poirot immer mal wieder mit, was er anders gemacht hätte.

Große Abwechslungen in der Grafik sucht man bei 'Mord im Orient-Express' vergeblich. Die Geschichte findet, wie der Titel schon verrät, überwiegend im Zug statt. Dafür sind die wenigen Außenbereiche aber schön modelliert und bieten großen Detailreichtum. Der Bahnhof Sirkeçi, an dem das Spiel startet, ist dabei einer der absoluten Höhepunkte. In den verschneiten Bergen hinterlässt Antoinette Fußspuren im Schnee, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden und Schneeflocken wehen durch die Luft. Das Innere des Zugs lässt viel von dem Luxus, den der Orient-Express seinen Passagieren bietet, erahnen. Dabei fehlt zwangsweise die Abwechslung, viele Abteile sehen gleich aus. Ganz besonders schwer wird das Spiel dann, wenn man sich beim Durchsuchen kein System überlegt. Ein einmal durchsuchtes Abteil von den Anderen zu unterscheiden ist fast unmöglich.
Bei den Badezimmern, die zwischen einzelnen Abteilen liegen, ist das noch schwerer – Sie sehen alle absolut identisch aus und wirken leider etwas zu künstlich, vor allem im Vergleich zu den schönen Außenarealen. Die Figuren passen sich gut in die zweidimensionalen Hintergründe ein, Schattenwurf und Beleuchtung stimmen immer. Leider bewegen sich die Charaktere recht hölzern und verharren in den Kapiteln auch immer am selben Fleck. Etwas mehr Eigendynamik wäre hier wünschenswert gewesen. Die Zwischensequenzen halten zwar die allgemeine Grafikqualität, leiden aber unter einer hohen Kompression, was zu unschöner Klötzchenbildung führt.

Ich höre nur Rauschen...
Umgekehrt ist es bei der musikalischen Untermahlung. Während die Zwischensequenzen immer von passender Musik begleitet werden, muss Antoinette bei Ihren Ermittlungen komplett auf begleitende Musik verzichten. Stattdessen kommen die für eine Zugreise üblichen Geräusche aus den Lautsprechern: Man hört den Zug schnaufen und den Wind pfeifen. Durch die fehlende Musik kommt den Stimmen mehr Beachtung zu. Und das auch zu Recht: Die Synchronsprecher machen ihre Sache gut und die Stimmen passen immer zu den Charakteren und unterstreichen damit die sehr gute Atmosphäre des Spiels. Leider gibt es gerade in den sonst sehr guten Dialogen einige böse Schnitzer. Antoinette übernimmt dann einfach mal Sätze von anderen Charakteren. Wenn man sich die Dialoge dann nur anhört, kommt dadurch der Sinn ziemlich durcheinander. Aber man kann jeden Dialog auch mitlesen. Schade nur, dass auch hier einige Male eine Texttafel einfach stehen bleibt, bis das nächste Thema angewählt wird. Das alles sind zwar keine schlimmen Fehler, störend ist so etwas aber allemal. Auch sonst gibt es in der Logik ein paar Schnitzer, die das Lösen des Falles nicht unbedingt vereinfachen. Antoinette findet im Wald Metalltrichter, die in Bäumen stecken. Warum die dort sind, bleibt dem Spieler verborgen. Weiterhin ist es möglich, Rätsel zu lösen, von denen Antoinette eigentlich noch gar nichts weiß. Das führt dann wieder dazu, dass ihr eventuell Informationen in den Gesprächen entgehen – zumindest aber die Aufgabenstellung.


Galerien

Fazit:

Wertung: 77%

'Mord im Orient-Express' reicht aus grafischer Sicht nicht an aktuelle Titel heran, das fällt speziell bei den Zwischensequenzen auf. Speziell die Lücken in der Logik verhindern ein höheres Ergebnis. Wer sich davon aber nicht stören lässt (oder auf einen Patch wartet), bekommt ein gutes Adventurespiel mit toller Atmosphäre. Die wirklich gute Geschichte bleibt bis zur Lösung des Falles absolut spannend. Kenner des Buches dürften zudem einige Änderungen feststellen, Antoinette gibt es im Buch gar nicht, auch das Ende wurde verändert. Fans von Detektivspielen oder Spieler, die einfach gute Geschichten mögen, können bedenkenlos zugreifen.

geschrieben am 08.01.07, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
OS: Windows® 98/ME/2000/XP
CPU: 1.4 GHz Pentium® 3 Processor
RAM: 256 MB
Disk Space: 1.5 GB
CD/DVD-ROM: 16x
Video Card: 64 MB DirectX® 9 Compatible Video Card
Sound: 16-bit DirectX® Compatible

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