Reviews: Neue Abenteuer auf der Schatzinsel:

Neue Abenteuer auf der Schatzinsel


Piraten, eine Schatzsuche und Inseln, die den aktuellen Urlaubskatalogen entsprungen sein könnten – nicht erst seit dem Film Fluch der Karibik sind Piratengeschichten wieder gefragt. Die Entwickler von Kheops Studio schicken Romanfigur Jim Hawkins in 'Neue Abenteuer auf der Schatzinsel' zurück auf die sagenumwobene Insel aus Robert Louis Stevensons Roman 'Die Schatzinsel'. Wir haben ihn begleitet und sind dabei mehr als einmal in Urlaubsstimmung geraten. Welche Abenteuer und Gefahren Jim auf seiner Schatzsuche erwarten, verraten wir Euch in unserem ausführlichen Review.



Vier Jahre sind seit den Geschehnissen auf der Schatzinsel vergangen und Jim ist inzwischen zu einem jungen Mann geworden, der keinem Abenteuer aus dem Weg geht. Von seinem Anteil des Schatzes hat er sich ein eigenes Schiff gekauft und liegt nun vor den westindischen Inseln vor Anker. Doch die Idylle trügt, wie Jim schnell feststellt: Er ist in seiner Kapitänskajüte eingesperrt – Einige finstere Piraten haben das Kommando über sein Schiff übernommen und wollen ihn über die Planke laufen lassen. Keine guten Aussichten. Zum Glück kommen wir ihm in dieser brenzligen Situation zu Hilfe. Aber natürlich ist das Spiel mit der Rettung von Jim noch nicht zu Ende. Just in dem Moment, als er den Ausweg findet, trifft er auf einen ihm bekannten Papagei – Kein anderer als Captain Flint, der treue Begleiter Long John Silvers. Der Vogel überbringt ihm eine Nachricht, in der Long John Silver ihm mitteilt, dass er zurück auf die geheime Insel Emerald Island gegangen ist und dort einen fabelhaften Schatz versteckt hat. Jim soll nun das Erbe von Long John antreten. Den Weg zum Schatz soll ihm ein Rätsel weisen. Natürlich begibt sich Jim direkt auf die Schatzsuche. Dabei bleibt ihm nicht viel Zeit, denn die finsteren Piraten planen bereits einen Hinterhalt.

Südseetraum?

Das die Entwickler von Kheops Studio sich mit Inseln und Romanfortsetzungen auskennen, haben sie bereits in 'Rückkehr zur geheimnisvollen Insel' bewiesen. So wundert es nicht, dass 'neue Abenteuer auf der Schatzinsel' gewisse Ähnlichkeiten zu seinem inoffiziellen Vorgänger aufweist. Die Steuerung beispielsweise ist gleich geblieben. Per einfachen Linksklick wandert Jim in der Ego-Perspektive über die Insel. Wenn er dabei auf einen benutzbaren Gegenstand trifft, verändert sich der Cursor vom einfachen Pfeil in ein interaktives Symbol. Ein Händchen zeigt zum Beispiel einen tragbaren Gegenstand an, Zahnräder markieren Benutzbare. Gegenstände gibt es bereits in der ansonsten recht überschaubaren Kajüte jede Menge. Man findet unter Anderem verschiedene Seile und Navigationsgeräte. Ein Blick ins Inventar sorgt erstmal für Verwirrung: es ist leer. Dafür befinden sich alle gesammelten Gegenstände in einem kleinen Fenster daneben. Als Spieler hat man nun die Wahl: Entweder schaut man sich zu jedem Gegenstand eine kurze Beschreibung an und sortiert alles in verschiedene Register ein, um im Inventar Ordnung zu halten, oder man lässt das Spiel einfach alles automatisch ins große Inventar werfen. Dabei geht dann natürlich die Ordnung flöten. Im späteren Spielverlauf ist das nicht schlimm, wer aber von Anfang an etwas Ordnung hält, muss später nicht suchen. Im Inventar finden sich außer den Gegenständen noch jede Menge weiterer Funktionen, zum Beispiel eine Arbeitsfläche, auf der eingesammelte Objekte jederzeit zerlegt oder kombiniert werden können. Zerlegbare Gegenstände werden mit einem Schraubenschlüsselsymbol gekennzeichnet und von Jim auseinandergenommen, sobald man sie auf die Arbeitsfläche zieht. Von dort wandern sie dann wieder in das Feld neben dem Inventar, um erneut einsortiert zu werden. So entgeht dem Spieler kein neuer Gegenstand.

Verknotete Rätsel

Nachdem man Jim also seine Siebensachen zusammengesucht hat, kann die Flucht und damit die Schatzsuche eigentlich starten. Aber wie kommt Jim unbemerkt vom Schiff? Er könnte sich per Seil auf ein kleineres Schiff herablassen. Doch beide Seile sind zu kurz. Was also machen? Im Inventar benutzt Jim beide Seile miteinander. Wo in anderen Spielen nun einfach ein langes Seil entsteht, fängt die Arbeit in 'neue Abenteuer auf der Schatzinsel' erst an: Kheops Studio hat dem Spiel eine Knotenschule spendiert, in der man für Jim verschiedene Knoten anwenden muss. Dazu wechselt das Spiel in eine gesonderte Ansicht, in der man erkennen kann, wie viele Schritte zum fertigen Knoten zu erledigen sind. Um den Knoten zu knoten, werden je Schritt verschiedene Wege angeboten. Meist hat der Spieler die Wahl zwischen zwei möglichen Teilknoten. Wenn man alles richtig gemacht hat, wird das Seil entsprechend geknotet, ansonsten fängt man wieder von vorn an. Einmal gemachte Knoten kann man sich jederzeit im Inventar wieder ansehen und so für den eigenen Bootsschein üben. Erfahrene Kapitäne haben natürlich einen Vorteil, denn die Knoten werden genau so in der realen Schifffahrt verwendet. Die Knotenrätsel sind auch nicht besonders schwer, mit ein wenig Nachdenken und Logik kommt man schnell auf den richtigen Weg. Bereits fertig gestellte Knoten kann man sich dann im Menü immer wieder anschauen.

Es gibt aber nicht nur Knotenrätsel. Jim muss jede menge Gegenstände miteinander kombinieren und verschiedene Logikrätsel lösen. Für die Kombinationsrätsel kommt die schon angesprochene Arbeitsfläche zum Einsatz. Dadurch wird es auch möglich, mehr als zwei Gegenstände gleichzeitig miteinander zu kombinieren. Weil fast alle Gegenstände mehrmals und in verschiedenen Kombinationen benutzt werden müssen, ist für einige Abwechslung und die eine oder andere Kopfnuss gesorgt.
Auch die Logikrätsel passen gut in die Handlung und schaffen dabei eine Verbindung zu den Ureinwohnern der Insel. So muss Jim beispielsweise mithilfe von zwei alten Steinscheiben, auf denen sich Mayasymbole befinden, den Eingang zu einer Höhle öffnen. Dennoch sind eigentlich alle Rätsel relativ leicht zu lösen. Eine absolute Ausnahme bildet hingegen das Endrätsel, bei dem es sich um ein relativ schweres Schalterrätsel handelt. Aber bis dorthin verläuft das Spiel immer relativ linear und mit einem gleichbleibenden Schwierigkeitsgrad.

Piraten!

'Neue Abenteuer auf der Schatzinsel' bietet eine spannende Piratengeschichte, die zwar nicht immer Logisch ist, aber dennoch sehr viel Potenzial mitbringt. Die Handlung verläuft sogar unterschiedlich, sofern Jim zu Beginn des Spieles einen Gegenstand in seiner Kabine vergisst. Das kommt aber wohl eher davon, dass die Kabine der einzige Ort im Spiel ist, zu dem man später nicht zurückkehren kann. Jim muss interessante Rätsel lösen, gegen böse Piraten kämpfen, Schiffe versenken und sogar eine Kanonenkugel selber gießen, bis – ja bis es auf die Zielgerade geht. Sicher, die Geschichte ist noch immer spannend, entwickelt sich aber in eine Richtung, die nicht unbedingt zu dem vorherigen Spiel passt. Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, als ob dem Spiel das Ende aufgezwungen wurde, damit es vorbei ist. Ob dem Projekt die Zeit oder das Geld davon lief, oder ob den Entwicklern kein besseres Ende eingefallen ist, können wir hier nicht klären. Aber dadurch wurde zumindest viel Potenzial verschenkt.

Urlaubsstimmung

Nichts zu meckern gibt es hingegen bei der technischen Umsetzung. Kheops Studios haben eine Insel geschaffen, die wie aus dem Bilderbuch scheint. Schönere und stimmigere Inseln gab es auch in den alten Klassikern nicht zu bewundern. Und obwohl sich das Spiel größtenteils auf einer einzigen Insel abspielt, gibt es doch Abwechslung genug. Angefangen beim Kargen Kap der Angst mit dem berüchtigten Totenkopffelsen über verschiedene Strände bis zum dichten Urwald im Inneren der Insel findet man immer wieder wunderschöne Hintergründe, die durch kleine Animationen belebt werden. Ein kleiner Krebs läuft über den Strand, Papageien fliegen über die Baumwipfel… Leider sind das aber auch schon fast alle Animationen und auch sonst ist nicht viel Leben auf der Insel. Jims einziger Gesprächspartner in der ersten Hälfte des Spiels ist der Papagei Captain Flint. Später kommen dann zwar noch einige Menschen hinzu, aber bis es soweit ist fühlt man sich ein wenig wie Tom Hanks in 'Cast Away' – Allein auf einer Insel. Auch bei den Zwischensequenzen gibt es keine Animationen. Wie in einem Bilderbuch werden einzelne Zeichnungen eingeblendet, unterlegt mit den passenden Tönen.

Bei der Musikuntermahlung setzt Kheops Studio auf Piratenlieder. Das passt nicht nur zur Geschichte sondern unterstützt auch die Inselstimmung bestens. Die Stimmung der Musik passt sich auch immer der Umgebung an, lauscht man am Blumenstrand noch schönen und fröhlichen Klängen, ertönen beim Totenkopfschädel eher schaurige Klänge. Die übrigen Geräusche tragen viel zur Belebung der Insel bei. Man hört oft Vögel zwitschern, Wellen rauschen sowie andere Geräusche, die zu der Umgebung passen.

Bei der Lokalisation wurden keine größeren Fehler gemacht. Zwar findet man selten einen Schnitzer, die stören aber nicht, da sie eher in den Menüs auftauchen als im Spiel selbst. Die Synchronsprecher passen zu den Figuren und klingen ähnlich wie die Originalsprecher. Leider wirken sie zum Teil recht Lustlos.

'Neue Abenteuer auf der Schatzinsel' bietet eine recht kurze Spielzeit, in der Jim sogar einige Male sterben kann. Wenn das einmal passiert ist, geht es aber direkt vor dem Tod weiter, man darf es also durchaus darauf ankommen lassen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 70%

Es hätte eine spannende Piratengeschichte mit einer Schatzsuche werden können. Und größtenteils ist das auch gelungen. Erstaunlicherweise wird das Spiel in dem Moment schlechter, wenn Jim auf den ersten anderen Menschen auf der Insel trifft und sich etwas länger unterhalten kann. Das liegt aber nicht an der Person, auf die er trifft, sondern einfach nur daran, dass die Geschichte in diesem Moment fast ihr gesamtes Potenzial verliert. Überhaupt lehnt sich die Geschichte eher lose an die Romanvorlage an und erreicht nie die Qualität des Originals. Die technische Umsetzung hingegen ist klasse, auch wenn animierte Zwischensequenzen das Spiel noch etwas auflockern könnten.
Als Budget-Version ist 'Neue Abenteuer auf der Schatzinsel' auf jeden Fall einen Blick wert.

geschrieben am 26.06.07, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 2000 / Me
PIII 800 CPU
64MB RAM
1300MB HD
16fach CD- bzw. DVD-ROM-Laufwerk
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