Reviews: The Great Perhaps:

The Great Perhaps


Im Endzeit-Abenteuer 'The Great Perhaps' wechseln wir Level für Level zwischen zwei Zeitebenen hin und her, um allmählich herauszufinden, was auf dem inzwischen verlassen wirkenden Planeten Erde vor rund 100 Jahren vorgefallen ist. Caligari Games versucht sich an einem eigenwilligen Genre-Mix aus Puzzle-Plattformer und Adventure-Game. Ob das funktioniert, das sehen wir uns im Test an.


Wir schlüpfen in die Rolle eines Astronauten, der abgeschieden auf einer Weltraumstation erleben muss, wie auf der Erde sämtliche Lichter ausgehen und der Funkkontakt abbricht. Über die genauen Ursachen vermag er nur zu spekulieren, doch allem Anschein nach gibt es kaum Überlebende.

 

Auf der Station ist er nicht komplett auf sich gestellt. Eine künstliche Intelligenz leistet ihm Gesellschaft und entwickelt sich im Laufe der Zeit weiter. Das lindert seine Verzweiflung aber nicht wirklich und er denkt häufig an Selbstmord. Sein Frau und sein Tochter wird er jedenfalls nie wieder sehen. Nach einem hundertjährigen Tiefschlaf entschließt er sich schließlich zu einem Erkundungstrip, um mehr über die Katastrophe auf dem Planeten herauszufinden. Begleitet wird er dabei von der AI der Weltraumstation, die ihn fortwährend mit Informationen versorgt...



Dünne Story

Nach einer knackigen Einleitung zu Beginn tritt die Story über weite Strecken in den Hintergrund. Der 2D-Plattformer konzentriert sich vorwiegend auf das Gameplay, kombiniert mit einem für Puzzle-Spiele typisch levelartigen Gamedesign.

 

Great Perhaps

Zu Beginn gibt es eine kurze Einleitung.

Per Tastatur oder Controller bewegen wir den Astronauten nach links oder rechts. Manche Schauplätze erstrecken sich über mehrere Stockwerke, die über den Lift, eine Leiter oder die Treppe betretbar sind. Hotspots können benutzt, geschoben und teils sogar geworfen werden. Laufen ist per Tastendruck möglich. Das ist sinnvoll ist, da Timing und Geschicklichkeit hin und wieder eine Rolle spielt (und natürlich weil es tödliche Monster gibt). Ein Inventar fehlt hingegen und die Spielfigur kann immer nur einen Gegenstand tragen. Die eigentlich passable Controller-Steuerung ist diesbezüglich ein bisschen unhandlich geraten.

 

 

Man stirbt nicht nur einmal...

 

Das Besondere an diesem 2D-Abenteuer aus Russland ist die Möglichkeit zwischen zwei Zeitebenen zu wechseln: Zufälligerweise entdeckt der Protagonist auf der Erde eine mysteriöse Laterne, die das möglich macht. Der Blick in die Vergangenheit ist zeitlich begrenzt, dort treffen wir andere Menschen, mit denen jedoch kaum sinnvoll interagiert wird. Da in beiden Realitäten abwechselnd Gefahren lauern (z.B. Monster, Abgründe, vorbeifahrende Züge, bewaffnete Wachen...) empfiehlt es sich, vor jedem Wechsel das Licht der Laterne einzuschalten, um einen halbwegs risikofreien Vorgeschmack zu bekommen.

 

Great Perhaps

Die 2D-Grafik ist nett gelungen

Auf den ersten Blick mag das spielerische Konzept an 'The Silent Age' erinnern, doch damit hat es wenig zu tun und ist unausgereifter. Die Vergangenheit hat beim Puzzle-Plattformer von Caligari Games primär den Zweck, um in der Gegenwart fehlende Objekte zu erlangen, sowie Gefahren oder Barrieren (versperrte Türen, Löcher im Boden) zu überwinden. Und während die Story beim netten Point&Click-Adventure von House on Fire das Geschehen trägt, bekommt man hier nur spärlich ein paar nicht sonderlich originelle Storyfetzen serviert. Gegen Ende versuchen die Macher, ein bisschen Symbolik beizumischen, was eher aus heiterem Himmel passiert und nicht zum Rest passen will.


Netter Ansatz, enttäuschende Umsetzung

 

Nett gelungen ist in jedem Fall die 2D-Comic-Grafik, die stark an Ubisofts 'Valiant Hearts' erinnert. Dass es insbesondere in Sachen Budget nicht mithalten kann, merkt man spätestens an der Sprachausgabe, denn die englische Vertonung klingt höchstens semi-professionell. Dafür gibt es deutsche Untertitel, die ihren Zweck halbwegs gut erfüllen. Warum 'The Great Perhaps' nicht zünden will, liegt aus unserer Sicht aber an anderen Schwachstellen.

 

Great Perhaps

Vor dem Wechsel zur anderen Zeitebene empfiehlt es sich, die Laterne zwecks Vorwarnung einzuschalten - nicht immer genügt das

Als Puzzle-Plattformer überzeugt es nicht, da im Gegensatz zu anderen Genre-Vertretetern dieser Art (wie zum Beispiel 'Inside') u.a. kein Spielfluss zustande kommen will. Ständig ist darauf zu achten, ob in der anderen Zeitebene ein Problem lauert. Sei es nun ein Banküberfall samt Geiselnahme, oder ein Abschnitt in einer Nervenheilanstalt, wo jedes Pflegepersonal nichts Besseres zu tun hat, als den plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Astronauten betäuben zu wollen. Und selbst wenn man vorsichtig auf die Umgebung achtet, kann ohne Vorwarnung z.B. der Boden wegbrechen oder ein hungriges Monster emporschießen. Für den Inhalt hat das keinen Mehrwert und der Fun-Faktor ist überschaubar.

Als Adventure im klassischen Sinne ist die Story zu nebensächlich. Die Rätsel sind abgesehen vom Herumgelaufe keineswegs anspruchsvoll. Eine Ausnahme ist da höchstens ein Rätsel, wo es darum geht, die richtigen Zutaten in der passenden Reihenfolge zu finden (was spielerisch leider unintuitiv designed wurde). All das erweckt den Anschein, als hätten die Entwickler zuerst die Levels konstruiert und sich dann erst Gedanken über die narrative Verpackung gemacht. Gespeichert wird übrigens nur automatisch an vorgefertigten Speicherpunkten - allerdings nicht oft pro Level und ohne eindeutige Rückmeldung. Nach einem Ableben kann das dazu führen, dass man ein paar Laufwege und andere Aktionen wiederholen muss.


Galerien

Fazit:

Wertung: 50%

'The Great Perhaps' passt wohl am ehesten ins Puzzle-Plattformer-Genre und selbst da ist es ein Grenzfall. Daran ändert auch die dünne Vorgeschichte wenig, die ohnehin rasch in den Hintergrund tritt. Der häufige Wechsel zwischen den Wahrnehmungsebenen mag in der Theorie recht spannend klingen, doch die Umsetzung hakt. Ständig muss man auf tödliche Gefahrenquellen in beiden Welten achten, während man durch Levels streift, die gefühlt keinen narrativen Mehrwert haben. Ein Flow beim Spielen kommt selten zustande und die Puzzle-Einlagen verlassen sich zu sehr auf fades Herumgelaufe, um wirklich bei Laune zu halten. Schade. Wer sich mit dem Gameplay anfreunden kann und keine Erwartungen an die Story stellt, der könnte aber trotzdem auf die Kosten kommen.

geschrieben am 14.08.19, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  The Great Perhaps.




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