The Cave - Review

Ron Gilbert ist zurück im Adventure-Business. Zumindest, wenn man den Aussagen von Publisher Sega glaubt. Aber auch Ron selbst bezeichnet 'The Cave' als ein Adventure. Dass er bei seinem Höhlentrip auf ein klassisches Inventar verzichtet, dafür aber auf eine direkte Steuerung mit Jump-n-Run Elementen setzt, stört dabei nicht. Wir sind mit den sieben Charakteren in die Höhle gestiegen und haben uns das Ergebnis genau angeschaut. Was dabei herausgekommen ist und ob 'The Cave' auch für uns ein Adventure ist, erfahrt Ihr im Test.

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Fazit

Wertungs-Lupe 77%

Fazit von Ulrika Tegtmeier:
Insgesamt ist The Cave ein guter Puzzle- Platformer, der genau das erreicht, was die Premisse verspricht: Kurzweiligen Spaß, tollen Humor und ein ansprechendes Ambiente. Dennoch hinterlassen Design- Mängel, Bugs und die teilweise mangelnde Interaktivität einen etwas schalen Nachgeschmack. Vor allem die Tatsache, dass der Coop- Modus durch die fehlende Möglichkeit mit einem Splitscreen zu spielen auf dem schmalen Grat zwischen frustrierend und unspielbar wandelt, verhindert den Aufstieg in höhere Wertungssphären. Besonders die Rätsel, in denen es auf gute Koordination zwischen den Team- Mitgliedern ankommt, leiden stark darunter und drücken den Spielspaß gewaltig. Über den „Wiederspielbarkeitswert“ aufgrund der verschiedenen spielbaren Charaktere kann man sich durchaus streiten, denn mehrere Sektionen, am Anfang und in der Mitte, bleiben unverändert und, das ist das Schöne an rein linearen Rätseln, werden auch nicht spannender, je häufiger man sie wiederholt.

Last but not least ist 'The Cave' ein merkwürdiger Hybrid zwischen klassischem Point&Click Puzzle- Gameplay und Platformer, denn gerannt und gesprungen wird reichlich. Letzterem fehlt jedoch, aufgrund der Unmöglichkeit zu sterben, jeglicher Anspruch und die Rätsel sind zwar gut designt, funktionieren aber aufgrund von Ungenauigkeiten der Steuerung teilweise nur semi- gut. Sicherlich hätte es dem Spiel gut getan, wenn man sich auf einen Aspekt konzentriert hätte. Aber das ist, gerne zugegeben, Meckern auf hohem Niveau.

Dennoch, an 'The Cave' gibt es genug zu mögen und zu bewundern. Die Rätsel sind durchweg gut bis exzellent und das herrliche Kitzeln das sich einstellt, nachdem man ordentlich um die Ecke denken musste und nun endlich das Rätsel lösen ist ein ständiger Begleiter auf dem Weg durch 'The Cave'. Besonders punkten kann 'The Cave' allerdings in punkto Grafik, denn die herrlich farbenfrohe Comicgrafik ist außergewöhnlich attraktiv und die Animationen so charmant und vielfältig wie bei kaum einem vergleichbaren Titel.

Dass Ron Gilbert noch immer weiß, wie man den Humor der Spieler kitzelt, ist keine Frage, doch fehlen 'The Cave' vor allem die guten Dialoge und das obwohl die Charaktere interessant genug wären, als dass sich der Spieler wünscht, diese mehr interagieren zu sehen, vielleicht sogar miteinander? Dennoch ist 'The Cave' auch für Konsoleros eine uneingeschränkte Kaufempfehlung, denn für 1200MS Points wird man ausgezeichnet unterhalten.


Fazit von Matthias Glanznig: Für ein "echtes" Adventure fehlt mir eine Geschichte, die mich vom Start weg packt. Die Handlung hat leider einen sehr beiläufigen Charakter und steht im Hintergrund. Dialoge findet man kaum und sämtliche Charaktere blieben mir fremd, so putzig sie aussehen mögen. Dazu kommunizieren sie wohl auch zu selten mit dem Spieler – ein flüchtiges Kopfschütteln bei einer falschen Handlung ist das Höchste der Feedback-Gefühle. Knobeln, Springen, Klettern und Rennen stehen ganz eindeutig im Mittelpunkt. Nicht zwangsläufig eine schlechte Sache, aber keine Kombination, die ich persönlich bei einem Adventure erwarten und suchen würde. Noch dazu zeichnet sich 'The Cave' durch eine levelartige Struktur auf, die für einen Puzzle-Platformer weit typischer wäre und auch nicht das Gefühl vermittelt, ein „echtes“ Adventure vor sich zu haben.

Meinen Geschmack hat 'The Cave' nicht getroffen. Dazu sind mir die Laufwege zu lange und die Story zu seicht. Oft hin und her laufen zu müssen, weil man pro Spielfigur nur ein Objekt tragen kann... das ist auf Dauer nicht mein Kaffee. Das Spiel hat einen witzigen Touch und ist nicht nur optisch charmant umgesetzt, das Spielprinzip wirkt mir aber zu konstruiert. Bei früheren Ron Gilbert Spielen waren die Charaktere zudem präsenter und greifbarer. Bei 'The Cave' wirken sie vor allem vor den Charakterlevels unpersönlich und etwas platt - wie Werkzeuge, die man lediglich gezielt instrumentalisiert und die einem nicht weiter nahe gehen. Die Knobeleinlagen hat Double Fine zwar gut hinbekommen, doch das alleine zeichnet für mich noch kein Adventure aus - schon gar nicht, wenn dieser Aspekt so eng an Springen, Klettern und Rennen gekoppelt ist. Wem Rätsel alleine nicht genügen, der wird hier kaum glücklich werden. Ron Gilbert pocht zwar stets darauf, hier ein Adventure produziert zu haben, doch passt die Bezeichnung Puzzle-Platformer meiner Ansicht nach besser zur rätselhaften Reise durch die mysteriöse Höhle. Gerade in dieser Sparte zieht das Spiel zum Beispiel gegen 'Limbo' allerdings deutlich den Kürzeren.


Fazit von Tobias Maack: Ja, 'The Cave' macht Spaß. Auch mir als jemand, der am liebsten Adventures spielt. Der Humor bringt mich immer wieder zum Schmunzeln, die Rätsel gefallen und die Reise durch die Höhle lohnt sich nicht zuletzt auch wegen der ganzen Anspielungen auf Gilberts vorangegangene Spiele. Beim zweiten Durchgang macht das Spiel noch immer Spaß, wenn auch deutlich weniger. Und beim dritten Spielen… Nun ja, dann hat man wenigstens noch den einen Charakterlevel, der Neues bietet. Dafür bieten die Abschnitte, die in jedem Durchgang wiederholt werden, dann leider doch zu wenig. Schmerzlich vermisst habe ich auch das Inventar, denn das bedeutet immer wieder zum Teil weite Laufwege. Und wenn es ganz schlecht läuft, hat man ein jetzt benötigtes Item im vorherigen Spielverlauf irgendwo abgelegt und findet es nun nicht mehr wieder. Potential verschenkt auch der in dieser Form recht unbrauchbare Multiplayer-Modus. Trotz all dieser Kritikpunkte sollte man 'The Cave' durchaus eine Chance geben. Zumindest, wenn man kein klassisches Adventure erwartet, denn für den geringen Preis bietet es beim ersten und zweiten Durchspielen recht viel Spaß.

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3 Kommentare

Jan (Gast) vor 8 Jahren
The Cave ist ein SteamPlay-Titel und läuft ebenso auf Mac und Linux (demnächst).

PC-Spiele bedeuten mittlerweile nicht mehr nur Windows. :-)
eisbär (Gast) vor 8 Jahren
Ist 'The Cave' auch im Laden erhältlich, oder nur über Steam?
Indiana vor 8 Jahren
Leider nur über Steam

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