Reviews: Reprobates - Insel der Verdammten:

Reprobates - Insel der Verdammten


Future Games, dieser Name steht bisher für ein wirklich gutes Adventure, welches jedem, der es noch nicht gespielt hat, unbedingt ans Herz gelegt werden sollte. Die Rede ist von 'Black Mirror', dem Erstlingswerk der tschechischen Entwicklerschmiede. Doch dieser Name steht auch für 'Nibiru', einem Spiel, das schon deutlich weniger Lobpreisungen erhielt. Nun geht es in eine neue Runde. Mit 'Reprobates – Insel der Verdammten' wollen unsere osteuropäischen Nachbarn beweisen, dass sie in der Lage sind, mehr als nur ein „One-Hit-Wonder“ abzuliefern. Ob ihnen das gelungen ist? Lest selbst!



Adaim Raichl, ein 23-jähriger Techniker, macht sich, wie an jedem Morgen eines normalen Arbeitstages, mit seinem Auto auf den Weg zur Arbeit. Mit Kopfschmerzen und noch leicht müde fährt er die Landstraße entlang. Der Verkehr ist ruhig und die gesamte Umgebung um Karlovy Vary wirkt noch sehr verschlafen. Lediglich die lautstarke Rockmusik aus dem Autoradio durchdringt die Ruhe der endenden Nacht. Adam hält den Wagen an einer Ampelkreuzung, um das Grünsignal abzuwarten. Beim Überqueren der Kreuzung kommt von links ein Tankwagen herbeigerauscht. Adam kann nur noch reflexartig die Arme in die Höhe reißen, der Aufprall mit dem tonnenschweren Gefährt steht kurz bevor - Der Tod steht kurz bevor. Oder doch nicht?

Big Brother Island

Was folgt sind keine Szenen aus der Unfallchirurgie oder gar Begräbniszeremonien. Adam erwacht in einem kleinen 1-Raum-Wohncontainer. Die sanitären Einrichtungen sind nur durch zwei kleine Zwischenwände vom Rest der Behausung getrennt, Meeresrauschen ist zu hören. Wie sich herausstellt, ist Adam auf einer Insel erwacht, welche noch weitere Menschen beherbergt, die ähnlich wie er, nach einer Nahtod-Erfahrung in dem vermeintlichen Urlaubsdomizil erwacht sind. Und niemand hat auch nur den leisesten Schimmer, wie er an diesen Ort gelangt sein mag. Merkwürdig ist auch die Tatsache, dass alle Inselbewohner aus verschiedenen Zeiten stammen. Dabei reicht die Spanne von den 60er Jahren bis hin zur Gegenwart.
Neben den zehn Wohncontainern befindet sich auf der Insel noch ein weiteres Bauwerk – ein mysteriöser Glockenturm. Sobald dessen Glocke drei Mal geschlagen hat, fallen alle Bewohner an Ort und Stelle in einen tiefen Schlaf. Sobald sie erwachen, befinden sie sich wieder in ihren Behausungen und klagen über schreckliche Alpträume. Doch manchmal kommt es vor, dass nicht alle Bewohner wiederkommen. Was ist mit ihnen passiert? Was hat es mit den Alpträumen auf sich? Wer steckt hinter all dem? Oder sind sie ohnehin schon alle tot?

Über Stock und Stein

Adam macht sich also daran, den Dingen auf den Grund zu gehen und versucht herauszufinden, was es mit dem Glockenturm auf sich hat. In klassischer Point & Click Manier steuert man dazu die Hauptfigur durch das Inselsetting. Und das kann ganz schön anstrengend sein. Das dachten sich wohl die Entwickler und bauten kurzerhand einen Energiebalken in das Spiel ein. Sobald dieser auf Null gesunken ist, kann Adam keine kraftraubenden Aktionen, wie zum Beispiel das Heben eines schweren Gegenstandes, mehr durchführen. Ein Feature, so überflüssig wie ein Kropf. Alles andere als im Überfluss, befinden sich Gegenstände auf der Insel. So gut wie jedes Rätsel wird auf der Insel mit einem der folgenden Items oder einer Kombination derselben gelöst: Stock, Stein und trockenes Gras. Davon gibt es zwar unendlich viel, Adam kann aber jeweils nur begrenzte Stückzahlen tragen. So kann er zwar fünf Steine mit sich führen, doch wenn man den Vorrat aufstocken will, muss man für jeden einzelnen Stein erneut auf einen der zahlreichen Steinhaufen klicken.

Detailreichtum! Detailreichtum?

Optisch gehört 'Reprobates' klar zu den stärkeren Adventuretiteln. Die Hintergründe sind allesamt ansprechend vorgerendert und Elemente, wie fliegende Möwen und im Wind schwankende Palmen, hauchen dem Spiel Leben ein. Auch die Kritik vergangener Tage an den Charaktermodellen und deren Animationen in 'Black Mirror' und 'Nibiru' wurden stark beherzigt. So sind nun alle Charaktere mit Shader Level 3 designt, was die Spielfiguren authentischer aussehen lässt. Die Animationen sind ebenfalls wesentlich detaillierter geworden, doch besteht hier noch immer ein klarer Verbesserungsbedarf was den flüssigen Spielverlauf angeht. Oft dauert es einfach viel zu lange, bis Adam eine gewünschte Aktion durchführt, da er sich meistens erst noch richtig positionieren muss (Trippelschritte), um die eigentliche Aktion auszuführen. Ein weiteres Beispiel für eine Spielflussbremse beschreibt ein Szenenwechsel. Man kann zwar prinzipiell per Doppelklick den Weg zu einem Ausgang abkürzen, doch besteht Adam immer darauf erst ein paar Schritte in Richtung Exit zu unternehmen, bevor der Szenenwechsel vorgenommen wird. Und wenn er sich dazu auch noch umdrehen muss, dauert das ganze noch mal doppelt so lange.
Die Entwickler hätten lieber mehr Zeit in das non-visuelle Charakterdesign und die Dialoge stecken sollen. Denn so schön die Spielfiguren auch anzusehen sind, insgesamt beschleicht einen nach Beendigung des Spiel das Gefühl, keinen der Inselbewohner auch nur annähernd kennen gelernt zu haben – inklusive Adam.

Daumenkino

Einen weiteren großen Kritikpunkt stellt die Technik, die in 'Reprobates' verwendet wurde, dar. Vielleicht hätten die Entwickler nicht auf die AGDS-Engine setzen sollen oder sie wussten einfach nicht was sie tun. In jedem Fall sind die Performanceprobleme, die einem das Spiel vor allem in dem Inselsetting bereitet, absolut inakzeptabel. Mittlerweile sind zwei Patches erschienen, welche das Spiel performanter machen und um einige Bugs bereinigen sollen, doch noch immer bleiben Szenen mit extrem niedriger Bildwiederholrate nicht aus. Auch die Ladezeiten zwischen den verschiedenen Spielabschnitten sind exorbitant. Wer sich, wie in C64-Zeiten, zwischendurch mal einen Kaffee kochen und einen Fertigkuchenteig anrühren will, ist herzlich dazu eingeladen! Kritikpunkte wie diese nagen geradezu an der Atmosphäre und rauben den Spielspaß.

Vivid Dreams

Kommen wir zu der Stärke von 'Reprobates', den zuvor angesprochenen Alpträumen. Diese werden nicht nur in Erzählform behandelt, sondern gehören zum Teil des Spiels; Rätsel wollen gelöst, Schauplätze untersucht und Personen (falls vorhanden) in Dialoge verstrickt werden. Und im Gegensatz zu den Inselsequenzen werden hier einige Dinge, die zuvor noch kritisiert werden mussten, richtig gemacht. So füllt sich das Inventory mit weitaus mehr als nur Stöcken und Steinen, Gegenstände können plötzlich auch mit einem Rechtsklick untersucht werden und Performanceprobleme sind hier nicht anzufinden.

Trotz der hier höheren Anzahl an verwendbaren Gegenständen, befindet sich der Schwierigkeitsgrad der Rätsel insgesamt auf einem recht niedrigen, stellenweise auf mittlerem Niveau. Nur ganz vereinzelt besitzt das Spiel rätseltechnische Frustmomente, wenn es beispielsweise darum geht, eines der wenigen, recht zusammenhanglosen, Geschicklichkeitsspiele zu meistern oder einen praktisch unsichtbaren Gegenstand durch Zufall zu entdecken. Hierbei sollte noch angemerkt werden, dass Gegenstände im Gegensatz zu Ausgängen nicht gesondert sichtbar gemacht werden können.

Nachtigall, Ick hör dir trapsen

Soundeffekte und die Synchronstimmen gehen insgesamt noch in Ordnung. Was man sich allerdings bei der Stimme von Eva, eine der Inselbewohnerinnen, gedacht hat, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Ihre Stimme hört sich so an, als hätte man vergessen einen Charakter zu casten und hätte aus lauter Verzweiflung die nächstbeste Schulschwänzerin von der Straße aufgegriffen. Bis auf diese Ausnahme sind die restlichen Stimmen passend, auch wenn die Stimmregie bei den Aufnahmen wohl ab und zu geschlafen haben muss, denn manche Aussagen werden einfach völlig falsch betont. Musikalisch präsentiert sich das Spiel recht karg. Hier hätten passende Klänge bedeutend die Atmosphäre beeinflussen können.


Galerien

Fazit:

Wertung: 60%

Es hätte alles so schön sein können. Die Story fesselt einen von dem ersten Moment an den Bildschirm und die Motivation, dem Rätsel um den mysteriösen Glockenturm auf die Spur zu kommen, ist groß. Doch die ermüdenden Inselabschnitte, monotone Charaktere und die letztlich fade Auflösung der Story hinterlassen ein Gefühl der Unzufriedenheit. Die technischen Mankos bedeuten schlussendlich den Todesstoß für eine gute Bewertung, die für 'Reprobates', mit etwas mehr Finetuning, durchaus drin gewesen wäre.

geschrieben am 01.11.07, Klaus Sauer

Systemanforderungen Weitere Links
Windows® 2000/XP/Vista
DirectX® 9
1.3 GHz Prozessor und 256MB RAM
DirectX® 9 kompatible Grafikkarte mit 64 MB RAM
DirectX 9 kompatible Soundkarte
4,5 GB freier Festplattenspeicher
Offizielle Homepage
Trailer im Adventure Corner Videoplayer


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Dieses Review gehört zu  Reprobates.




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Kommentare 3
Indiana
05.09.2010, 18:49

Ich habs jetzt tatsächlich einmal durchgespielt und muss sagen, dass ich recht hin- und hergerissen bin. Viele Kritikpunkte wurden inzwischen behohen. Der letzte Patch entfernt den Energiebalken (und die damit verbundene Cracker & Wasser-Sammlung) und spendiert stattdessen eine Skip-Funktion für die Minispiele. Ansonsten sind die Alpträume wirklich zum Teil wirklich gut, aber das Inselleben ist noch immer zum abgewöhnen.

Dolgsthrasir
05.09.2010, 19:40

Indiana hat geschrieben:
aber das Inselleben ist noch immer zum abgewöhnen.


Das Ende der Story meiner Meinung nach auch.

Indiana
05.09.2010, 21:01

Stimmt, das ist wirklich nicht doll. Am Besten fand ich den Abschnitt im Leichenhaus.


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