Storyteller-Reviews: Marvels Spider-Man:

Marvel's Spider-Man


Bisher war 'Spider-Man' nicht unbedingt für erfolgreiche Computerspiele bekannt und der letzte Solo-Ausflug mit Peter Parker liegt schon mehr als 10 Jahre zurück ('Spider-Man 3'). Insomniac Games (u.a. 'Rachet & Clank' und die 'Resistance'-Reihe) setzt mit dem PS4-Exklusivtitel 'Marvel's Spider-Man' alles daran, damit die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft endlich mit Konkurrenten wie der schlagfertigen 'Arkham'-Reihe mithalten kann. Ob das bei diesem Action-Adventure tatsächlich gelungen ist, sehen wir uns in diesem Test unserer Storyteller-Rubrik an.

Spiderman

Peter Parker alias Spider-Man hat in seinem neuen Abenteuer beruflich viel zu tun: Einerseits assistiert er im Labor von Otto Octavius und hilft bei einer bahnbrechenden neuen Erfindung mit und parallel dazu engagiert er sich im Obdachlosenheim F.E.A.S.T., wo auch May Parker als Freiwillige tätig ist. Die meiste Zeit verbringt er jedoch damit, sich im schicken Spider-Man-Outfit durch die Gassen von New York City zu schwingen und dort für Sicherheit zu sorgen. Bekanntlich ist die Metropole das Zuhauser mehrerer Marvel-Helden, doch im Spiel gibt es nur ihn. Diese Mehrfachbelastung führt oft dazu, dass der junge Mann Termine vergisst, oder einfach viel zu spät dran ist.

Spiderman

Peter Parker steuern wir nicht nur als Superhelden, sondern wir begleiten ihn auch durch sein normales Leben (hier bei F.E.A.S.T.)

Zwar beginnt 'Marvel's Spider-Man' damit, dass Gangsterboss Wilson Fisk alias Kingpin wohlverdient im Gefängnis landet, doch leider motiviert das eine andere Gruppierung dazu, an seiner Stelle für noch mehr Unruhe in der Stadt zu sorgen. Deren kriminelle Mitglieder tragen seltsame asiatische Masken (sie nennen sich "Innere Dämonen") und haben es zunächst auf diverse Einrichtungen von Fisk abgesehen. Der Grund dafür ist zunächst unklar, aber ein Schurke namens Mister Negative hat seine Finger im Spiel.

Spider-Man ist bei den Ermittlungen nicht komplett auf sich allein gestellt: Ex-Flamme MJ (Mary Jane Watson) meldet sich wie aus heiterem Himmel zurück. Inzwischen ist sie als Reporterin für den Daily Bugle aktiv und arbeitet an einem Artikel, der bei dieser Angelegenheit Licht ins Dunkel bringen könnte...


Vertraute Gestalten aus der Comic-Welt

Insomniac Games greift bei 'Marvel's Spider-Man' viel von den Marvel-Comics auf und versucht das Rad nicht extra neu zu erfinden. Peter Parker ist in dieser Geschichte kein unbeschriebenes Blatt. Er hat sich als Superheld längst einen Namen gemacht und arbeitet nicht mehr als Fotograf beim Daily Bugle. Übrigens hat selbst J. Jonah Jameson bei dieser Tageszeitung aufgehört. Stattdessen hat dieser seine eigene Radiosendung, die wir regelmäßig im Spiel zu hören bekommen und wo dieser grantige Geselle nur wenig positive Worte über unseren Helden verliert.

Spiderman

Auch MJ ist ab und zu spielbar (hier ist schleichen gefragt) und eine dritte Person, die wir nicht vorwegnehmen wollen

Diese Interpretation des Superhelden mit dem Spinnensinn knüpft charakterlich gesehen gut an den letzten Kinostreifen 'Spider-Man: Homecoming' an, oder dessen Auftritte bei den Avengers: Peter Parker alias Spider-Man ist im Spiel zwar einige paar Jahre älter und dementsprechend gefestigter, hat aber noch immer einen Scherz auf Lager. Nicht einmal zwei, drei Raketenwerfer und eine Horde Bösewichte halten ihn davon ab, fröhlich Smalltalk zu betreiben. Bei der Kostumierung bleibt uns die Wahl zwischen diversen Outfits. Manches davon hat direkten Bezug zu den Filmen und selbst den markanten Comic-Look gibt es.

Vorwissen ist nicht essentiell um Spaß mit diesem temporeichen Action-Adventure zu haben, aber es kann praktisch sein. Teilweise ist Unwissenheit womöglich sogar ein Vorteil, da man sonst schon anhand des Namens gewisse Dinge erahnen kann. In jedem Fall gibt es ein Wiedersehen mit bekannten Bösewichten, wie z.B. Fisk, Scorpion, Rhino, Electro und mehr. Auch Norman Osborn spielt eine Rolle. Die Autoren wirken bemüht, die Motive möglichst greifbar zu machen. Teilweise gelingt das gut (z.B. bei Osborn, oder Mister Negative), in anderen Fällen passiert der Schritt von normal auf Superschurke vielleicht ein bisschen abrupt.


Vielfältige Aktivitäten

In spielerischer Hinsicht stammt viel Inspiration von Rocksteadys 'Arkham'-Reihe. Die meiste Zeit verbringen wir bei diesem Open-World-Abenteuer mit Prügeleien mit zahlreichen Gegnern, aber zwischendurch erleben wir hin und wieder Geiselnahmen und suchen das passende Frequenzmuster um einen Polizei-Funkturm zu aktivieren. Teilweise hilft uns unser Spinnensinn, um Hinweise besser ersichtlich zu machen, oder einer Spur zu folgen.

Spiderman

Die kleinen Rätsel zwischendurch sind unterhaltsam

Selbst das Schwingen von Gebäude zu Gebäude ist vom Gefühl her ähnlich wie bei der Fledermaus - wobei Spider-Man seine Spinnennetze an jeder Oberfläche befestigen kann und somit eine einfachere Fortbewegung hat. Selbst ein Fall aus großer Höhe hat keine Konsequenzen, da unser Held leicht wie eine Feder landet. In einigen Situationen ist es zudem wichtig, möglichst lange unbemerkt zu bleiben, insbesondere dann, wenn wir eine der anderen beiden Spielfiguren steuern (das passiert nur selten, die meiste Zeit verbringen wir mit Spider-Man), oder eine Geisel bedroht wird.

Zusätzlich gibt es auch für dieses Genre eher ungewohnte Gameplay-Elemente, wie zum Beispiel Rätseleinlagen, bei denen wir vorgegebene Spektograf-Muster anhand von verfügbaren Mustern rekonstruieren. Ähnliches passiert bei Schaltkreisen, wo wir die richtigen Verbindungsstücke auswählen und darauf achten (ähnlich wie bei 'J.U.L.I.A. - Among the Stars', aber einfacher zu lösen), dass die angestrebte Spannung erreicht wird. Von unterhaltsamen Aufgaben dieser Art hätte es ruhig mehr geben können. Auffällig sind zudem zahlreiche Quick-Time-Events, die in etwa wie bei den Spielen von Telltale Games ablaufen und üblicherweise genug Zeit zum Reagieren lassen.



Teils repetitive Prügeleien

Obwohl 'Marvel's Spider-Man' einige unterschiedliche Aufgabentypen zu bieten hat, wirkt es gerade in der ersten Spielhälfte manchmal repetitiv. Insbesondere mag das daran liegen, dass wir die meiste Zeit letztlich mit Prügeleien beschäftigt sind, die darunter leiden, dass die Gegner alles andere als abwechslungsreich sind und immer dieselben zwei, drei Typen warten. Erst in Hälfte zwei wird mehr variiert und es kommen häufiger klassische Bossfights hinzu. Sollte es ein Sequel geben bleibt zu hoffen, dass sich die Entwickler eine Scheibe von 'God of War' abschneiden, wo die Kämpfe deutlich abwechslungsreicher gestaltet sind.

Spiderman

Die meiste Zeit verbringen wir mit Schlägereien - leider gibt es hier nicht viel Abwechslungsreichtum

Schade ist zudem, dass es zwar zahlreiche optionale Nebenaktivitäten in jedem Teil der Stadt gibt (z.B. Verfolgungsjagden, Raubüberfälle, in Wagen eingesperrte Personen...), die aber immer nach demselben Schema ablaufen, wodurch es schnell keine Überraschung mehr gibt. Auch optionalen Nebenquests brennen sich nicht wirklich ins Gedächtnis, weder narrativ noch spielerisch. In einer dieser Aufgaben eilen wir Tauben hinterher und versuchen nahe genug an sie heranzukommen und sie mit dem Spinnennetz zu erwischen. Auf Dauer nicht sonderlich erquickend.

Dafür ist das Spiel selbst dann halbwegs gut durchspielbar, wenn man sich vorwiegend auf die Hauptaufgaben konzentriert. Der Schwierigkeitsgrad kann gerade in den ersten Stunden allerdings selbst auf leichter Stufe fordern, zumal die verschiedenen Schwierigkeitsgrade relativ eng beisammen liegen.


Filmtaugliche Präsentation

Mit 'Marvel's Spider-Man' gelingt es den Machern sehr gut, der Comic-Vorlage visuell treu zu bleiben und gleichzeitig einen sehr zeitgemäßen Look auf der PS4-Konsole zu präsentieren.

Spiderman

Schnelles Reagieren ist essentiell. Insofern passen die vielen Quick-Time-Events gut ins Konzept

Passend zum für gewöhnlich fröhlichen Helden, darf man sich also auf eine farbenfrohe, offene Spielwelt einstellen, wobei es zwischendurch gescriptete Tag-Nacht-Wechsel gibt und das Wetter kapitelweise variiert. Das New-York-City Flair wird gekonnt vermittelt. Es kann lohnenswert sein, sich manche Bauwerke mal aus der Nähe anzusehen und ein Foto mit Parkers Kamera zu machen (eine optionale Nebenaktivität hat genau damit zu tun). Schade ist lediglich, dass Spider-Man sich nirgendwo in der Umgebung spiegelt. Das dürfte in erster Linie mit der Hardware-Limitierung durch die Konsole zusammenhängen.

 

In den gut inszenierten Zwischensequenzen kommen die Emotionen der Charaktere sehr zur Geltung, denn die Gesichter wurden überzeugend animiert. Ähnlich stark ist die Vertonung - sowohl auf Englisch, wie auch auf Deutsch. Wer die Möglichkeit hat, der sollte trotzdem die englische Fassung vorziehen, die einen Ticken besser gelungen ist. Abgesehen von Laura Bailey gibt es dort zwar keine wirklich klingenden Namen, aber es ist eine sehr erfahrene Besetzung am Werk. Für den klassischen Soundtrack zeichnet sich wiederum John Paesano verantwortlich. Neben den Netflix-TV-Serien 'Daredevil' und 'The Defenders' kennt man den Komponisten z.B. von 'Mass Effect: Andromeda' und 'Detroit: Become Human'. Bei 'Spider-Man' fühlt man sich durch die Musik vom Start weg wie in einem Kinofilm.

Wenig Grund zum Meckern bietet zuletzt die Steuerung, obwohl man angesichts der vielen Aktionen und Combos höchst wahrscheinlich Zeit zum Verinnerlichen braucht und es ist kein Nachteil, andere Spiele dieser Art gespielt zu haben. 'Marvel's Spider-Man' wirft einen gleich ins kalte Wasser und nimmt recht wenig Rücksicht auf den Spieler. Hat man endlich den Dreh raus, spielt es sich dafür sehr flüssig. Die Controller-Tasten sind in jedem Fall sehr stark ausgelastet und im Zuge des Spiels werden weitere Aktionen freigeschalten.


Galerien

Fazit:

Wertung: 84%

'Marvel's Spider-Man' besticht durch eine filmtaugliche Präsentation, sowie einem in Summe spaßigen Gameplay, das u.a. Anleihen von der starken 'Arkham'-Superhelden-Reihe nimmt. Die bunte Palette an Gameplay-Elementen ist keineswegs zu verachten, wobei Kämpfe mit Gegner-Horden im Vordergrund stehen. Weniger glücklich ist allerdings, dass man es v.a. in den ersten 10 Stunden immer und immer wieder mit denselben zwei, drei Gegner-Typen zu tun bekommt. Auf diese Weise nutzt sich das Gameplay etwas ab und wirkt streckenweise repetitiv, da nahezu jede Konfrontation ähnlich abläuft.

Auf narrativer Ebene wird recht solide Kost geboten, wenngleich einem das Meiste von diversen anderen Superhelden-Filmen und -Serien vertraut vorkommt. Die Story wirkt zudem unentschlossen bei der Frage, welche Botschaft denn nun im Vordergrund stehen soll. Angesichts der vielen Action bleibt aber ohnehin nicht viel Zeit, um sich über solche Dinge Gedanken zu machen, insofern fällt dieses Manko auch kaum ins Gewicht.

Wer kein Problem mit einer satten Portion Action und wenigen Verschnaufpausen hat und keine originelle Story sucht, der findet bei 'Marvel's Spider-Man' zweifellos einen sehr unterhaltsamen und gut umgesetzten PS4-Exklusivtitel, für schätzungsweise 20 bis 25 Spielstunden.

geschrieben am 17.09.18, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Offizielle Webseite


Spiel kaufen

Bei Amazon kaufen (Affiliate Link)

Dieser Storyteller-Test gehört zu  Marvels Spider-Man.




+1 Gefällt mir
Kommentare 0

Als Gast kommentieren

Benutzername
Zeichenkombination eingeben: 87f24c


Anmelden

Name
Passwort

[ Registrieren | Passwort vergessen? ]
 







PCGamesDatabase.de Tayrint-Lets Play Adventures-Kompakt Adventuresunlimited.de Tentakelvilla.de All-Inkl Serverhosting

Der Adventure Corner Award
 Newsfeeds!  Twitter!  Become a fan!