Storyteller-Reviews: Wolfenstein: Youngblood:

Wolfenstein: Youngblood


Im Spin-Off 'Wolfenstein: Youngblood' verlassen Machine Games, Arkane Studios ('Dishonored'-Reihe und 'Prey') und Bethesda etwas das gewohnte Terrain: Aus dem Old-School-Shooter wird optional ein Koop-Shooter. Es gibt sogar ein Level-System wie in RPGs oder Loot-Shootern. Als Setting wurden übrigens die 1980er gewählt. Warum? Nun, BJ Blazkowicz ist verschwunden. Es liegt deshalb an Euch, eine der Zwillingstöchter Jessie oder Zofia (Jess und Zof/Soph kurz) zu steuern oder mit einer Mitspieler*in zu zweit nach dem verschollenen Vater zu suchen. 

 

Für den Test spielte ich allein und wählte Soph Blazkowicz. Jess wird in diesem Fall von der KI gesteuert – selbst in diesem Fall spielt man quasi zu zweit. Neu ist zudem, dass es erstmals am deutschen Markt sowohl die internationale Version mit Hakenkreuzen als auch die deutsche Version ohne Hakenkreuze gibt. Erstere hat jedoch keine deutsche Sprachausgabe. Was in diesem Ableger der Reihe noch an Storyteller-Qualität drinsteckt, schauen wir uns jetzt an.

 

 

Soph am Boxsack, Jess auf der Jagd – Der Alltag von Nazi-Jägern

 

Soph, Jess und Abby auf der Farm Wolfenstein Youngblood
Soph, Jess und Abby auf der Blazkowicz-Farm

Was passiert eigentlich, wenn zwei Nazi-Jäger – das sind William J. Blazkowicz und seine Frau Anya schließlich – Zwillingstöchter bekommen? In den fiktiven 1960ern geboren, sind sie in den 1980ern gerade im Teenageralter. Zu Beginn des Abenteuers prügelt Soph unter strenger Beobachtung von Mutter Anya auf den Boxsack ein. Jess liegt neben BJ mit dem Gewehr auf der Jagd und soll einen Bock schießen. Die Schwestern werden zu Nazi-Jägern erzogen. 

 

Durch die Ereignisse von 'Wolfenstein II: The New Colossus' und 'Wolfenstein III' (ja, das kommt dann erst noch auf den Markt) sind sie in den USA nie Nazis begegnet. Sie leben in einer Art Idylle, während in Europa die Nazis noch herrschen. Diese Idylle wird dadurch unterbrochen, dass BJ plötzlich ohne Ankündigung verschwindet. Beide Schwestern, die sich gern auch mit den Namen von zeitgenössischen, männlichen Heldenfiguren Kenneth und Arthur ansprechen, finden zusammen mit Abby, der Tochter von der FBI-Chefin Grace Walker, Hinweise, die geradewegs nach Paris führen. Kurzerhand kapern sie einen FBI-Helikopter, um „Pizza zu holen“ und fliegen dorthin. Die Feuertaufe der beiden Nazi-Jäger steht bevor. Das ist 'Wolfenstein: Youngblood'.

 

Moment? Hier heißt es Nazis? Aber in der deutschen Version ist es doch das Regime? Ja und nein. Eigentlich ist die Symbolik wie in den anderen deutschen Versionen „bereinigt“ und hat stilisierte Wolfenstein-Logos und dreiecksartige Symbole für das Regime. Während in der Sprachausgabe in vorigen Teilen akribisch darauf geachtet wurde, dass das Wort „Nazis“ nie fällt, warnen die Teenager stets davor, dass am Weg wahrscheinlich Nazis lauern. Eine strikte Trennung gibt es also nicht mehr ganz. Problematische Eingriffe, wie etwa das Weglassen von Juden oder der Umbenennung von Konzentrationslagern, gibt es hier keine. Solche kommen nämlich nicht vor.

 

Aller Anfang ist schwer. Mitnichten!

 

Wolfenstein Youngblood im Zeppelin
'Wolfenstein'-Feeling pur. Zumindest am Anfang.

Die ersten zwei Stunden sind auf gewohntem Niveau der Arkane Studios und von Machine Games. Das 'Wolfenstein'-Feeling setzt ein. Wir befinden uns in einem schön designten, relativ großen Level: Dem Zeppelin Nachtfalter. Ein Casino, eine 80er-Jahre Tanzfläche mit leuchtenden Kacheln und natürlich futuristischen Stahl ganz im 'Wolfenstein'-Stil. An diesem Ort töten die beiden Zwillinge ihren ersten Nazi. Ein einschneidender Moment. Die beiden abgedrehten Jungen Mädels können sich etablieren und wirken sympathisch. Die 80er waren verrückt und 'Wolfenstein: Youngblood' will das auch sein. Wie es eben Freundinnen und Freunde in diesem Alter machen (zumindest nach Klischee), veralbern sich die Hauptfiguren gegenseitig, bieten ein High-Five an und ziehen im letzten Moment zurück.

 

Nach der Ankunft in Europa ändert sich das Bild. An Hotel Frieden, dem Platten- und Musikkassettenladen Megatöne und dem Elektronikhändler Ultravideo vorbei geht es in die Katakomben von Neu Paris. Dort finden wir den Widerstand und die gewohnte 'Wolfenstein'-Qualität verabschiedet sich. Aber warum? Leider biegt das Spiel in ein typisches Loot-Shooter-Gameplay ab. Stürme drei Türme (Brüder genannt), besiege einen frappierend ähnlichen Endboss dreimal und schalte anschließend den vierten Turm mit einem anderen Endboss frei. Spätestens nach dem ersten Turm kennt man den Ablauf der nächsten Türme. Die Architektur ist zwar ein wenig anders, aber die gleichen Gegner (mit leichten Variationen) und sogar der gleiche Aufbau wartet auf uns. Am Anfang winkt eine neue Kraftwerks-Waffe – das sind die Energiewaffen im Spiel. Am Ende der besagt Bosskampf. Repetitiv? Oh ja!

 

Grandiose Levels, schwaches Quest-Design und eine Story in Warteschleife

 

Das Spiel mit den Türmen. Wolfenstein Youngblood
Viermal ein Turm. Viermal recht ähnlicher Aufbau. Viermal so viel Spaß? Naja.

Die Levels sind groß und detailreich und bieten eine in den Vorgängern noch nicht dagewesene Vertikalität. Deswegen ist das Schleichen deutlich zeitaufwändiger: Mehr Gegner, größere Levels und mehr Alarme. Das klingt zwar gut, es sind jedoch nur vier Gebiete, d. h. vier größere Levels. Daneben gibt es pro Level nur eine Kanalisation und einen Turm. Das wars. Durch die Größe des Gebiets winken trotzdem neun bis 16 Stunden Spielzeit – je nachdem, ob man aggressiver vorgeht oder eher schleicht.

 

Die Levels werden vor allem durch das schwache Quest-Design unterminiert. Der Aufbau der Hauptmissionen (die vier Türme) ist nur ein Beispiel, denn auch die Nebenaufgaben sind einfache Suche-und-finde-Quests. Da stehen schon einmal Enigma-Maschinen mitten auf einem Schreibtisch, wo kurz vorher noch nichts stand oder eine Nazi-Spezialeinheit wartet mitten auf dem Weg zur nächsten Hauptmission. 

 

Das alles wäre noch okay, wenn sich während dieser repetitiven „Arbeit“ etwas in der Geschichte tun würde. Das ist nicht der Fall. Den wirklich schönen, narrativen ersten Spielstunden folgt eine stundenlange Leere. Selbst der Bösewicht, der als Endboss herhält, wird erst kurz davor etabliert. Zwar wurden die gesprochenen Texte wieder hervorragend vertont (auch auf Deutsch), aber selbst die wiederholen häufig. Die Zwischensequenzen wirken ordentlich, im direkten Vergleich mit dem Aufwand und der Qualität der Sequenzen von 'Wolfenstein II: The New Colossus' bleiben sie jedoch blass. Grafisch sieht 'Wolfenstein: Youngblood' teilweise dennoch sehr gut aus. Ein Stichwort sind hier die äußerst schönen dynamischen Licht- und Schattenspiele. Ein kürzeres Spiel wäre aus Storyteller-Sicht tatsächlich ein besseres gewesen. Unterm Strich ist spürbar, dass das Budget deutlich niedriger war und sich vielleicht gerade der Vorgänger nicht so gut verkauft, wie Bethesda erwartete hatte.


Galerien

Fazit:

Wertung: 66%

Als Fan der ‘Wolfenstein‘-Serie hatte ich große Erwartungen und die ersten Stunden konnten diese noch ganz ordentlich erfüllen. Dann war schnell der Ofen aus und es wurde für mich eher nur ein pflichtbewusstes Durchspielen. Trotzdem wollte ich mehr über den Verbleib von BJ herausfinden, auch um Hinweise zu bekommen, wie denn ‘Wolfenstein III‘ sein wird.

Am Ende blieb ein Gefühl in meinem Magen als hätte ich zu viel gegessen, aber nur die Vorspeise war wirklich zufriedenstellend. Die Koop-Mechaniken wirken unausgereift. Das Gameplay kann v.a. für Fans der Reihe trotzdem unterhaltsam sein, das Storytelling kommt aber nicht so zur Geltung, wie man es von den Machern gewohnt ist. Die markante Kombination aus abgedrehter Überzeichnung der Nazis und tatsächlich ernsten, erschreckenden Themen wie KZs oder Rassismus gibt es in dieser Qualität sonst nirgends. In ‘Wolfenstein: Youngblood‘ fehlt sie. Es bleibt das brachiale, überzeichnet verrückte Bild. Nur leider hat man nach ein paar Stunden schon alles gesehen.

geschrieben am 25.10.19, Peter Färberböck

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Dieser Storyteller-Test gehört zu  Wolfenstein: Youngblood.




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