Reviews: A Vampyre Story:

A Vampyre Story


Was waren das noch für Zeiten, als die Helden in Adventures Namen trugen wie Guybrush Threepwood oder Manni Calavera. Heute wird mit einer Art von Sehnsucht auf die Titel der neunziger Jahre geschaut und behauptet, früher wäre alles besser gewesen. Um so schöner, dass sich einige der Exmitarbeiter von LucasArts um Bill Tiller, den Chefgrafiker solcher Titel wie 'Monkey Island 3', geschart haben und als Autumn Moon Entertainment Adventures entwickeln. Lange hat es gedauert, doch jetzt ist es so weit und mit 'A Vampyre Story' erscheint das erste Adventure in Zusammenarbeit mit dem deutschen Publisher Crimson Cow. Viele Hoffnungen ruhen auf dem Titel, gilt es aufgrund des Entwicklers und seiner Ankündigungen doch als Hoffnung auf die Wiederkehr der guten, alten Zeit. Wir haben 'A Vampyre Story' getestet und verraten Euch, ob Mona de Lafitte die gute alte Zeit zurückbringt.


Vorsicht, Bissig!

Mona und Froderick versuchen, aus Schloss Warg zu entkommen.

Mona de Lafitte ist Vampir, daran besteht keinerlei Zweifel. Zumindest für jeden, außer ihr selbst. Denn Mona will die Tatsache einfach nicht wahrhaben. Es kann doch nicht sein, dass ein gefeierter Opernstar einfach so gebissen wird und dann ein Vampir ist. Für ihren ständigen Begleiter, die Fledermaus Froderick ist die Sache jedoch klar. Opernsänger haben in der Regel keine spitzen Zähne, keinen Blutdurst, schlafen nicht in Särgen und können sich vor allem nicht in Fledermäuse verwandeln. Das Mona ihre Augen vor der gruseligen Wahrheit verschließt, ist jedoch nicht ihr einziges Problem. Ein viel größeres stellt Baron Shrowdy von Kiefer dar, seines Zeichens Schlossherr von Schloss Warg in Draxsylvanien und nicht nur aufgrund der Tatsache, dass er ebenfalls Vampir ist, unsterblich in Mona verliebt. Das Leben in Draxsylvanien könnte eigentlich also sehr schön sein, würde Mona die Shrowdys Gefühle nur erwidern. Da sie für ihn aber nichts übrig hat und am Liebsten so schnell wie möglich zurück nach Paris möchte, bleibt dem Baron nichts anderes übrig, als Mona auf seinem Schloss gefangen zu halten. So fristet Mona nachtein nachtaus ein tristes Leben im goldenen Käfig, bis Shrowdy eines Nachts einem Vampirjäger ins Messer – oder besser in den Pfahl läuft. Fortan spukt der Baron als Geist durch die Schlossgänge, hat aber nicht mehr die Kraft oder den Körper, Mona gefangen zu halten. Doch wer jetzt denkt, Mona könnte einfach so das Schloss verlassen, der kennt Shrowdy nicht, denn selbst in seiner Abwesenheit gilt es so manch gemeine Sicherheitsvorrichtung zu überwinden. Angefangen bei einem sprechenden, steinernen Gargoyle, der den Türschlüssel für den Ausgang bewacht, über eine eiserne Jungfrau bis zum obligatorischen Seemonster, stellen sich Mona und Froderick einige schräge Gesellen in den Weg. Erst im zweiten Teil des Spiels wird Ihr dann so allmählich klar, dass sie wohl doch ein Vampir ist und sie beginnt, sich mit ihren Vampirfähigkeiten vertraut zu machen.


Wie damals…

A Vampyre Story bietet stimmungsvolle Comicgrafik - und jede Menge Anspielungen an Spieleklassiker.

Während man 'A Vampyre Story' spielt, wird man das Gefühl nicht los, als ob da am Anfang nicht Crimson Cow und Autumn Moon Entertainment gestanden hätte, sondern eigentlich viel eher ein kleines, goldenes Männchen hätte auftauchen müssen. Die Entwickler haben sich also alle Mühe gegeben, den großen Vorbildern gerecht zu werden. Und das haben sie auch geschafft. Die Grafik sieht so aus, wie man sich 'Monkey Island 3' mit aktuellen Möglichkeiten vorstellt, bietet aber einen sehr eigenen Stil, schon allein durch das düstere Setting. Kein Wunder, schließlich war Bill Tiller, Chef von Entwickler Autumn Moon Entertainment auch verantwortlich für die Grafik im Inselabenteuer. Der auffälligste Unterschied zwischen dem Vater im Geiste und 'A Vampyre Story' sind sicherlich die dreidimensionalen Charaktere. Und die machen keinen schlechteren Eindruck als die zweidimensionalen prachtvoll gezeichneten Hintergründe. Im Gegenteil: Mona, Froderick und die übrigen Figuren fügen sich bestens in die Hintergründe ein und sind noch zudem hervorragend animiert. Für jede Aktion Monas gibt es eine eigene Animation, nirgends gibt es Aussetzer. Die gezeichneten Hintergründe wirken ebenfalls nicht leblos. Hier und da fallen Schneeflocken vom Himmel, die Wolken bewegen sich, Feuer flackert und erhellt die Umgebung und die Figuren. Schade ist, dass das Spiel eine fest eingestellte Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten hat. Besitzer von Widescreen Monitoren könnten sich also eventuell über eine rundliche Mona wundern.

Leider sind die Zwischensequenzen etwas unscharf, hier der direkte Vergleich (Zwischensequenz) mit der Szene oben (Spielgrafik).

Die zahlreichen Zwischensequenzen fügen sich fast nahtlos in die sehr gute Präsentation ein, sind jedoch nicht ganz so scharf wie das eigentliche Spiel. Ein Kompromiss zugunsten der Performance und des Speicherplatzes.

Auch die Geschichte um die Vampirin, die eigentlich viel lieber Opernsängerin wäre und die übrigen schrägen Charaktere könnten problemlos aus dem LucasArts-Universum entsprungen sein. Mona und speziell Froderick sind dabei so liebenswert, dass man sie jederzeit gern in der eigenen Wohnung aufnehmen würde und schon fast den Baron Shrowdy verstehen mag, dass er Mona nicht gehen lassen mochte. Den guten Eindruck der Geschichte trübt dann nur das trotz anderslautender Versprechungen seitens Crimson Cow recht offene Ende, das den Spieler nach zwei Kapiteln erwartet. So etwas hat es bei LucasArts nicht gegeben. Da bis zu diesem Zeitpunkt aber schon gut 12 Stunden vergangen sind, sofern man sich alle Dialoge angehört und nicht weggeklickt hat, bekommt man trotzdem ein überdurchschnittlich langes Spiel geboten.


Knackige Rätsel

Einige Rätsel müssen erst durch Dialoge frei geschaltet werden. Doch auch sonst lohnt sich jeder der vielen humorvollen Dialoge.

In Punkto Rätsel gibt sich 'A Vampyre Story' Klassisch. Es gibt immer eine klar definierte Problemstellung und sogar der Lösungsansatz ist mit etwas Logik nicht schwer zu finden. Das eigentliche Problem ist dann eher die Durchführung. Ein Beispiel: Mona bekommt eine Luke nicht auf, weil diese klemmt. Ein Blick auf die Scharniere genügt, um zu wissen, dass diese etwas Öl gebrauchen könnten. Doch nirgends auf Schloss Warg gibt es Öl. Also gilt es etwas Ähnliches zu finden. Leider reicht der Ersatz gerade einmal für ein Scharnier, für das zweite muss also weiter gesucht werden. Hier sind dann schon einige (Rätsel-)Nüsse mehr zu knacken. Wirklich leicht ist dabei kaum eines der Rätsel, auch wenn die Lösung im Nachhinein immer Logisch und Fair ist. Der Rätselaufbau von 'A Vampyre Story' ist dabei zwar nicht hundertprozentig Linear, oft kann Mona auch erst etwas anderes machen, zu Beginn und zum Ende der zwei Kapitel geht es dann jedoch nur noch linear weiter und die Aufgaben müssen Handlungsbedingt in einer bestimmten Reihenfolge erledigt werden. Das führt dann sogar so weit, dass Mona einige Rätsel erst in Gesprächen frei schalten muss. Hat sie vorher also nicht mit dem entsprechenden Charakter alle wichtigen Gesprächspunkte erörtert, geht es im Spiel auch nicht weiter. Außer den Dialog und Inventar-Rätseln gibt es noch eine kleine Knobelei, wenn Mona ein spezielles Gift mischen muss. Dieses Rätsel ist aber nicht besonders schwer und wer sich genau an die Anleitung hält, dürfte damit keine Probleme haben. Außerdem kommt es in einem Rätsel auf das richtige Timing an, doch auch hier sollte niemand länger gebremst werden.

Eine praktische Ablage für Gegenstände und Gedanken jeglicher Art: Monas Sarg.

Die für die Rätsellösung wichtigen Gegenstände sammelt Mona entweder in einem Sarg-Inventar oder sie merkt sich, was Sie wo gesehen hat. In diesem Fall landet statt des Gegenstandes eine Idee im Inventar. Diese Ideen können dann im Spielverlauf noch verändert werden und werden erst dann zu wirklichen Gegenständen, wenn sie auch eingesetzt werden. So findet sich beispielsweise eine Fackel, die Mona aber zu schwer zum Herumtragen ist. Also merkt sie sich den Ort, an dem sie die Fackel gesehen hat. Benutzt man die Idee der Fackel mit einer Flamme, „brennt“ die Fackel als Idee auch in Monas Inventar. Erst dann, wenn die Fackel einen dunklen Raum ausleuchten soll, wird sie geholt, angesteckt und benutzt. Das Inventar wird durch die Gedanken zwar nicht leerer, bietet aber auch die Möglichkeiten, gehörte Informationen abzulegen, beispielsweise eine Zahlenkombination.


Mit allen Reden

Für einen kleinen Plausch steht fast alles und jeder bereit.

Schon im Handbuch von 'Maniac Mansion', dem ersten LucasArts Adventure stand: Nehmen Sie alles mit und reden Sie mit jedem. Dieses alte Gesetz beherzigt natürlich auch 'A Vampyre Story'. Umso wichtiger ist es, dass die Dialoge stimmig sind und von professionellen Sprechern vertont werden. Speziell bei einem Spiel, das zu einem großen Teil von seinem Wortwitz lebt, ist auch die Übersetzung wichtig. Crimson Cow hat hier gute Arbeit geleistet. Die Sprecher wurden in einem Casting gesucht, man legte keinen Wert auf bekannte Namen oder Stimmen sondern achtete einfach nur darauf, ob die Sprecher passen. So wird Mona von Celine Fontanges gesprochen, die sowohl der Stimme des englischen Originals nahe kommt, als auch einen wunderbaren französischen Akzent mitbringt. Die Stimme von Froderick wurde an Tetje Mierendorf vergeben. Eventuelle Bedenken, das der unter Anderem aus der 'Schillerstraße' bekannte Comedian auf die Rolle nicht passen könnte, dürften spätestens nach den ersten Worten Frodericks hinfällig sein. Wenn man es nicht wüsste, würde man Mierendorf gar nicht erkennen, so sehr passt die Stimme des doch eher großen und stämmigen Mannes zu der kleinen, zarten Fledermaus Froderick. Auch die meisten der übrigen Sprecher machen ihre Sache gut und passen zu den Figuren. Leider gibt es hin und wieder Ausnahmen, bei denen die Stimmen entweder nicht so gut passen, dann aber ausschließlich bei Charakteren, die nur eine kleine Sprachrolle inne haben. Die deutsche Sprachausgabe ist außerdem nicht ganz Lippensynchron, ein Problem, das fast alle Adventures haben. Für diejenigen, denen die deutsche Version trotzdem nicht gefällt, wird die englische Sprachversion mitgeliefert. Bei der Installation muss einfach nur der entsprechende Haken anders gesetzt werden und schon kann sich jeder von Monas Englischkenntnissen überzeugen.

Der Soundtrack leistet sich keinerlei Schwächen. Jede Szenerie hat ihre eigene Melodie, die nie aufdringlich wird und die Stimmung immer passend unterstützt. Somit ist auch auf dieser Seite die Abwechslung garantiert.


Das Kreuz mit der Steuerung

Die Funktion zum Anzeigen der Hot-Spots fehlt natürlich auch nicht in A Vampyre Story.

Nein, 'A Vampyre Story' ist nicht schwer zu Bedienen. Im Gegenteil. Ein kurzer Linksklick lässt Mona laufen, wird die Maustaste etwas länger gehalten, öffnet sich das Interaktionskreuz, das ähnlich wie in LucasArts 'Vollgas', 'Monkey Island 3' oder 'Sam & Max' die möglichen Aktionen auflistet. Standardmäßig sind das immer Reden, Ansehen, Nehmen bzw. Benutzen und die Vampireigenschaft Fliegen. Je nach Gegenstand, auf den geklickt wird, können die Verben auch wechseln und ergeben dann solch spaßige Aktionen wie „Ergib dich in Grube“, wenn der Mund gewählt wird. Die zweite Vampireigenschaft, die Mona im Spielverlauf erlernt, landet dann im Inventar, das jederzeit per Rechtsklick aufgerufen werden kann.
Die rechte Maustaste hat außerdem noch die Funktion, Wege abzukürzen. Klickt man mit Links auf einen Ausgang, darf man Mona (die übrigens nicht rennen kann) beim Gehen zum Ausgang zusehen. Die Rechte Maustaste wechselt sofort den Raum. Jede Animation kann zudem durch Drücken der Leertaste abgebrochen werden. Damit auch alle Gegenstände gefunden werden, kann per TAB-Taste eine Hot-Spot-Anzeige eingeblendet werden.


Bugs?

Nach dem Desaster, dass Crimson Cow mit 'The Abbey' erlebt hat, waren wir gespannt auf das nächste Spiel. Würde 'A Vampyre Story' ähnliche Probleme verursachen, wie der Kirchenthriller? Wir können Entwarnung geben. Man hat offensichtlich hinzugelernt und das Veröffentlichungsdatum zu Gunsten einer fehlerfreien Version etwas verschoben. Unsere Presseversion war zwar eine Downloadvariante, doch die lief fast Fehlerfrei, auch unter 'Windows Vista'. Einzig an einer Stelle fanden wir ein Problem. Mona muss zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Parfümflasche ausleeren. Danach wird die leere Flasche für etwas anderes benötigt, ehe sie im späteren Spielverlauf wieder mit Parfüm gefüllt werden muss. Man kann sie aber auch direkt nach dem Ausleeren wieder befüllen. Danach lässt sich die Flasche nicht mehr ausleeren und das Rätsel kann nicht gelöst werden. Da dieses Problem aber recht früh im Spiel auftritt und man sich beim zweiten Spielen die Dialoge nicht mehr anhören muss, kommt man recht schnell wieder an die Stelle (sofern man nicht vorher gespeichert hat). Dieser Fehler ist zwar ärgerlich, viele Spieler dürften aber gar nicht auf ihn stoßen. Wir hoffen auf einen baldigen Patch.


Galerien

Fazit:

Wertung: 89%

Die Geschichte um die vampirische Opernsängerin Mona und ihren Begleiter Froderick weckt mehr als einmal Erinnerungen an die große Zeit der LucasArts Adventures. Man merkt dem Spiel also die Tradition seiner Entwickler durchaus an. Trotzdem bleibt 'A Vampyre Story' originell genug, um nicht als einfache Kopie eines durchzugehen. Über die wenigen technischen Mängel sieht man gern hinweg, wenn der Rest stimmt. Und hier stimmt fast alles: Die Synchronisation, bei der Crimson Cow es verstanden hat, den Sprachwitz ins Deutsche zu retten, gepaart mit bis auf wenige Ausnahmen hervorragend passenden Sprechern, ein klassischer und stimmungsvoller Soundtrack, knackige Rätsel und eine interessante Geschichte. Zusammen mit der stimmigen Comicgrafik und den abgedrehten und liebenswerten Figuren ergibt sich ein Adventure, das zwar nicht ganz an die alten Meisterwerke heranreicht, aber das Zeug dafür hat, ein Klassiker zu werden. Adventure Spieler sollten sich dieses Spiel nicht entgehen lassen, für Fans der Adventures von LucasArts ist es ohnehin ein Pflichtkauf. Punktabzüge gibt es nur für die wenigen technischen Probleme, die fehlende Lippensynchronität und das offene Ende. Und trotz des offenen Endes bin ich dankbar, dass wir 'A Vampyre Story' endlich spielen durften und freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil und weitere Spiele von Autumn Moon Entertainment.

geschrieben am 14.11.08, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP/Vista
Pentium 1.6GHZ / Athlon XP1600+
512 MB RAM
256 MB 100% DIRECTX 9.0 kompatible Grafikkarte
Nvidia Geforce FX /Ati Radeon 9 oder besser
2X DVD Laufwerk
5 GB Festplattenplatz
Direct X 9.0 kompatible Soundkarte


Offizielle Homepage


Spiel kaufen

Bei Amazon kaufen (Affiliate Link)
Ähnliche Spiele

Dieses Review gehört zu  A Vampyre Story.




+1 Gefällt mir
Kommentare 0

Als Gast kommentieren

Benutzername
Zeichenkombination eingeben: 8a70f0


Anmelden

Name
Passwort

[ Registrieren | Passwort vergessen? ]
 







PCGamesDatabase.de Tayrint-Lets Play Adventures-Kompakt Adventuresunlimited.de Tentakelvilla.de All-Inkl Serverhosting

Der Adventure Corner Award
 Newsfeeds!  Twitter!  Become a fan!