Reviews: Black Mirror 2:

Black Mirror 2


Fünf Jahre nach dem Grusel-Hit 'Black Mirror: Der Dunkle Spiegel der Seele' erfahren die Fans endlich, wie die spannende Geschichte um die Familie Gordon, die auf dem Namensgebenden britischen Schloss Black Mirror lebt, weitergeht. Im Spiel selbst sind bereits 12 Jahre vergangen und wir spielen gezwungener Maßen nicht mehr Samuel Gordon. Stattdessen schickt uns Entwickler Cranberry Studios zuerst nach Biddeford im US-Staat Maine. Dort treffen wir auf Darren Michaels, einen Physikstudenten, der die Semesterferien bei seiner Mutter verbringt. Was das alles mit Samuel Gordon und dem Fluch von Black Mirror zu tun hat, verraten wir im Test zwar nicht. Dafür aber, ob die Fortsetzung den hervorragenden Eindruck aus der Vorschau bestätigen kann.


Was bisher geschah…

12 Jahre nach dem grausamen Feuertod seiner Frau plagen Samuel Gordon noch immer Schuldgefühle, die ihn bisher dazu veranlassten, einen weiten Bogen um das uralte Schloss Black Mirror zu machen. Doch der Tod seines Großvaters William bringt den jungen Adeligen dazu, zurück zu kehren. Er will nicht glauben, dass sich sein Großvater selbst das Leben genommen hat. Also stürzt er sich in Nachforschungen und enthüllt dabei einige Geheimnisse, die besser in Vergessenheit geblieben wären: Auf der Familie Gordon lastet ein Fluch, der regelmäßig wieder zuschlägt. Und wie der Zufall es will, geschehen just zu dieser Zeit auch einige Mordfälle im nahegelegenen Dorf Willow Creek, an denen Samuel nicht ganz unbeteiligt ist, wie sich bald herausstellt. Doch ehe die Polizei eingreifen kann, nimmt auch Samuels Leben ein abruptes Ende.


Biddeford, Maine, heute…

In Biddeford kommen Darren und Angelina sich näher.

Im Jahr 1993, also erneute 12 Jahre nach den Vorkommnissen aus 'Black Mirror' treffen wir Darren Michaels, Physikstudent in den Semesterferien, die er bei seiner Mutter in Maine verbringt. Dort jobbt er im Fotoladen eines gewissen Fullers – einem Chef, wie man ihn sich erträumt – sofern man von Alpträumen geplagt ist. So bekommt Darren kaum eine Chance, seinem Hobby, der Fotografie, nachzugehen. Stattdessen darf er langweilige Botengänge erledigen. Das stört ihn ganz besonders, als die hübsche Engländerin Angelina vor dem Laden steht und Darren um Portraitfotos bittet, denn Fuller schickt ihn wieder einmal weg. Trotz der Anfangsschwierigkeiten kommen sich Darren und Angelina näher. Wie sich bald herausstellt, ist Darren nicht der einzige, der ein Auge auf Angelina geworfen hat. Die Geschichtsstudentin wird von einem mysteriösen Fremden beschattet. Für Darren kommt es aber noch dicker: Ein Mord und ein tragischer Unfall verändern sein Leben nachhaltig. Schlussendlich tut sich eine Verbindung zu einem uns wohlbekannten Schloss auf. Darren reist nach England und besucht in der Folge einige der Schauplätze aus 'Black Mirror', darunter Willow Creek und natürlich auch das Schloss selbst.

Natürlich besuchen wir auch wieder das Schloss Black Mirror.

An allen aus dem Vorgänger bekannten Schauplätzen können wir die Veränderungen der letzten 12 Jahre erkennen: Willow Creek erlebte nach der Mordserie einen Touristenboom und hat sich darauf eingestellt. Das Irrenhaus wurde zum Hotel umgebaut und ein Museum über die Ortsgeschichte eingerichtet. Neben einem Sammelsurium historischer Werkzeuge gibt es einen extra Showroom, in dem die Besucher sich über die Mordserie informieren können. Inzwischen ist die Geldquelle Tourismus aber nahezu versiegt und die Bewohner trauern der „guten alten Zeit“ nach, als die Morde Scharen Schaulustiger in den Ort lockten. Spieler, die den Vorgänger nicht kennen, haben aber keinen großen Nachteil. Im Spiel wird oft genug auf die Geschehnisse der Vergangenheit eingegangen, so dass am Ende keine den Vorgänger betreffenden Fragen offen bleiben. Wer 'Black Mirror' kennt, wird jedoch immer wieder auf Anspielungen und bekannte Charaktere stoßen.


Zwei Schwierigkeitsgrade…

Spezialrätsel wie das Knacken von Türschlössern lassen sich im Leichten Modus auf Wunsch überspringen.

…haben die Cranberry Studios in das Spiel eingebaut. Unterschiede gibt’s im Tagebuch, in dem Darren neben dem Fortgang der Geschichte auch die aktuell zu erledigenden Aufgaben aufschreibt. Auf Wunsch kann man sich hier nämlich schrittweise Lösungshilfen anzeigen lassen. Die zweite Erleichterung bietet die Möglichkeit, die Minispiele nach einiger Zeit des Ausprobierens zu überspringen. Das ist vor allem deswegen sinnvoll, weil die Rätsel zum Teil gar nicht so leicht zu meistern sind. Die Bandbreite der Minispiele reicht dabei von Verschieberätseln, bei denen ein bestimmtes Bild erstehen muss über „Einbruch“-Rätsel, bei denen ein Draht so gebogen werden muss, dass sich ein Schloss öffnen lässt, bis zur Erstellung eines Phantombildes. Generell sind die meisten dieser Rätsel aber gut in die Geschichte eingebaut und wirken daher nur selten aufgesetzt. Außerdem bleiben Minispiele die Ausnahme.
Den überwiegenden Teil der Spielzeit sind wir damit beschäftigt, für Adventures übliche Rätsel zu lösen. In 'Black Mirror 2' sind diese aber von überdurchschnittlicher Güte: Selten gab es abwechslungsreichere und interessantere Rätsel. Dabei ist die Lösung immer Fair und nachvollziehbar, auch wenn sie nicht immer gleich auf der Hand liegt. Beispielsweise versucht Darren, zwei Personen in einem Geschäft zu belauschen. Was liegt da näher, als das schon eingesammelte Stethoskop einfach an die Fensterscheibe zu drücken? Darren stellt fest, dass er zwar etwas hört, aber die Personen zu weit weg sind, um sie zu verstehen. Die Lösung ist also eine andere. Wie Darren es schließlich schafft, das Gespräch zu belauschen, verraten wir hier natürlich nicht. Schön ist aber, dass das Spiel auch theoretisch mögliche Aktionen wie die eben genannte erlaubt und dann von Darren keine Standardantwort wie „das geht so nicht“ kommt. Stattdessen bekommen wir einen Tipp auf die richtige Lösung.


Komfort wird groß geschrieben

Nicht nur in der Schlossküche erwarten uns viele Hotspots.

Selten war es komfortabler, Rätsel zu lösen. Neben der obligatorischen Anzeige möglicher Hotspots verfügt das Spiel über einen intelligenten Cursor. Bewegt man die Maus über einen Gegenstand, färbt sich der Cursor rot. Ein Linksklick genügt und Darren erzählt uns alles Wissenswerte zu dem Objekt. Wenn alles gesagt wurde und der Hotspot keine weitere Funktion hat, ergraut der Mauszeiger und der Hotspot verschwindet. Bleibt er allerdings aktiv, wird er im späteren Spielverlauf noch benötigt oder kann aufgenommen werden. Hat Darren die Gegenstände in sein meist gut gefülltes Inventar am unteren Bildrand aufgenommen, kann er sie per Rechtsklick genauer betrachten. Auch für Kombinationen von Objekten wird der intelligente Cursor eingesetzt: Sinnfreie Verbindungen werden durch den grauen Cursor gar nicht erst ermöglicht. Stumpfes Ausprobieren aller Gegenstände miteinander ist dadurch unterbunden. Doch auch die Steuerung von Darren selbst geht komfortabel von der Hand. Eine Karte ermöglicht den raschen Wechsel verschiedener Orte, per Doppelklick auf einen Ausgang springt Darren direkt zum nächsten Raum. Innerhalb eines Screens kann er jedoch nicht rennen. Das Spiel entscheidet selbst anhand der Entfernung zum angeklickten Objekt, ob Darren etwas zügiger geht oder sich in normaler Geschwindigkeit bewegt. Ein Doppelklick auf ein benutzbares Objekt führt dazu, dass Darren direkt dort landet und die gewünschte Aktion ausführt. Ist diese Aktion nicht besonders überlegt, passiert es Darren, wie schon seinem Vorgänger Samuel hin und wieder, dass das Adventure ein abruptes Ende mit dem Ableben des Protagonisten nimmt. Das ist aber halb so schlimm, denn eine Autosafe-Funktion ermöglicht es uns, direkt vor dem fatalen Fehler wieder ins Spiel einzusteigen. So macht selbst das Sterben Spass.


Es gibt viel zu sagen

Darren hat viel zu erzählen, manchmal sogar mit augenzwinkernden Anspielungen.

Darren ist alles andere als ein schweigsamer oder zurückhaltender Charakter. In zahlreichen Dialogen erfahren wir sehr viel über die Geschichte und unseren Hauptcharakter Darren. Schon aus diesem Grund sollte man die Dialoge nicht einfach abbrechen, sondern sich alles anhören und sich so in die Geschichte ziehen lassen. Dazu gehört auch, sich die unzähligen Hotspots anzusehen, die oft nur Zierde sind.
Das Dialogsystem selbst funktioniert wie beim Vorgänger. Einzelne Icons im unteren Bildschirmbereich symbolisieren die zu besprechenden Themen, das anschließende Gespräch führt Darren ohne weitere Einflussmöglichkeiten allein. So bleibt nur noch die Wahl, in welcher Reihenfolge die Themen abgearbeitet werden, Dialogrätsel finden wir in 'Black Mirror 2' nicht.

Bei Gesprächen werden die Themen als kleine Piktogramme angezeigt.

Dafür, dass die Dialoge auch gut klingen, sorgen eine ganze Reihe bekannter und weniger bekannter Sprecher, die insgesamt über zehn Stunden Sprechzeit zusammenbringen. Bei der Auswahl wurde übrigens nicht auf die Bekanntheit der Stimmen geachtet, sondern vielmehr darauf, dass die Stimme zum gewollten Charakter passt. Ein guter Weg, den Publisher dtp gegangen ist. Wie Achim Heidelauf, zuständiger Game Director, in unserem Interview verriet, war ebenfalls sehr wichtig, dass die Dialoge „gesprochen“ klingen und nicht „geschrieben“. Das ist hervorragend gelungen und verpasst 'Black Mirror 2' eine Sprachausgabe, die nicht nur sehr viel lebendiger klingt, als in vergleichbaren Spielen sondern in der oft auch mal Kraftausdrücke vorkommen. Das Tim Knauer, der Synchronsprecher der Hauptfigur Darren, kurz vor den Sprachaufnahmen in einer ähnlichen Situation wie Darren steckte, in der er sich, wie Darren selbst, nur mit einem Blitzlicht zurechtfinden konnte, ist ein schauriges Detail am Rande.
Ähnlich realistisch wie die Dialoge sind auch die übrigen Töne. Die Schrittgeräusche passen zum Untergrund, Wasser plätschert realistisch und auch Tierlaute sind überzeugend eingebunden. Für Soundtrack waren die Hamburger Periscope Studios zuständig, die wie schon in 'The Whispered World' hervorragende Arbeit leisten. Allerdings wird die Musik nur zur Untermahlung von wichtigen Szenen eingesetzt, eine Dauerberieselung findet nicht statt. Wenn sie aber zum Einsatz kommt, überzeugt sie auf ganzer Linie.


Mistwetter

Es regnet. Mal wieder. Und Darren wird sichtbar nass.

Die detaillierten Hintergründe, die in Auflösungen von bis zu 1920x1080 Pixel angezeigt werden können, zeugen ebenfalls von einer hohen Qualität. Nicht nur, dass Biddeford Ähnlichkeiten mit dem real existierenden Ort aufweist. Auch Willow Creek, das Schloss Black Mirror und die übrigen aus dem Vorgänger bekannten Orte weisen einen großen Wiedererkennungswert auf, natürlich um 12 Jahre gealtert. Für Belebung wirken nicht nur die am Himmel vorbeiziehenden Wolken oder der oft in Willow Creek einsetzende Gewitterregen, sondern auch viele kleine Animationen, wie im Wind schwankende Ampeln, wehende Blätter oder auf dem Ozean schaukelnde Schiffe. Besonders Atmosphärisch ist aber das Gewitter, wovon Darren oft genug durchnässt wird. Das er nass wird, sieht man dem Charakter übrigens wirklich an: Darren läuft nicht wie so viele andere Spielcharaktere in der immer gleichen Kleidung durch das Spiel, er zieht sich oft um und wird auch mal dreckig, wenn er durch alte Kanalisationsröhren kriecht. Mit genauso viel Liebe zu Detail wie Darrens Kleidung wurden auch die Animationen erstellt. Jede einzelne Aktion, die Darren ausführt, wird mit einer passenden Bewegung dargestellt. Er bückt sich also beispielsweise, um etwas vom Boden aufzuheben. Manchmal wirken die Bewegungen jedoch etwas steif.


To be continued…

Die spannende Geschichte entwickelt sich über sechs Kapitel zu einem interessanten Ende, das Raum für eine Fortsetzung lässt - Der Schriftzug "To be continued..." lässt auch darauf hoffen. Doch keine Angst, ein offenes Ende a la 'A Vampyre Story' erwartet uns nicht, denn die Geschichte von 'Black Mirror 2' ist in sich abgeschlossen. Bis zum nächsten Teil können wir uns übrigens die Zeit mit den freispielbaren Boni vertreiben. Um sie freizuschalten, muss Darren mit seiner Kamera Bilder bestimmter Personen oder Orte machen. Danach finden sich dann im Hauptmenü die Minispiele, Grafiken oder Videos.


Galerien

Fazit:

Wertung: 90%

'Black Mirror 2' überzeugt durch eine dichte Atmosphäre, eine interessante Geschichte mit vielen überraschenden Wendungen, toll gesprochenen Dialogen und Grafiken mit viel Liebe zum Detail. Die Rätsel haben einen angenehm ansteigenden Schwierigkeitsgrad, Anfänger dürften dank der Hilfefunktion keine Schwierigkeiten haben, auch die etwas schwereren Aufgaben oder Spezialrätsel zu lösen. Die wenigen Kritikpunkte sind kaum der Rede wert. Kurz: 'Black Mirror 2' ist die Fortsetzung, die man sich wünscht und sollte in keiner Adventuresammlung fehlen!

geschrieben am 07.10.09, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links

CPU 1400 MHz
512 MB RAM (XP) 1.024 MB RAM (Vista) / 1.536 MB RAM (Vista x64)
Grafikkarte mit Shader Model 2, DirectX9-kompatibel 128 MB Ram
DirectX8-kompatible Soundkarte
Windows XP oder Vista, je x32/x64
DVD-ROM, Maus, Tastatur
6 GB Festplattenplatz
Offizielle Homepage
Bei GOG kaufen


Spiel kaufen

Bei Amazon kaufen (Affiliate Link)
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