Reviews: Syberia:

Syberia


2002 hat 'Microids' mit 'Syberia' ein optisch und atmosphärisch ansprechendes Adventure auf den Markt gebracht und in den USA dafür mehrere Awards eingeheimst. Wie sich die deutsche Fassung spielt und ob sich der Kauf lohnt, erfahrt ihr in diesem Review.

 


Benoît Sokal, französischer Comic-Zeichner, ist unter anderem für die nicht ganz alltägliche Story verantwortlich. Der Spieler übernimmt die Rolle der jungen amerikanischen Anwältin Kate Walker, die nach Good Old Europe kommt, um den Verkauf einer im Familienbesitz geführten mechanischen Spielzeug- und Automatenfabrik abzuwickeln. Kurz nach ihrer Ankunft muss Kate allerdings feststellen, dass die Besitzerin der Fabrik Anna Voralberg just verstorben ist und sich der Verkauf natürlich nun um einiges verkompliziert. Denn nun muss mit dem Bruder der Verstorbenen, Hans Voralberg, alles Weitere geklärt werden, und der ist seit Jahren verschollen.

 

 

Auf der Suche nach Mr. Voralberg

Kate begibt sich also nun auf die Suche nach ihm und besucht dabei auf ihrer Reise durch Osteuropa eine Reihe faszinierender Ortschaften. Die Handlung beginnt im kleinen, verschlafenen französischen Nest Valadilène, das mit einer Kombination aus idyllischen Naturlandschaften und seltsamen Stadtbewohnern aufwartet. Hier gilt es, das Fabrikgelände der Voralbergschen Manufaktur zu inspizieren und den Automaten-Zug für die Reise klar Schiff zu machen. Schade nur, daß auch hier die vielen schön anzusehenden Häuser und Gegenden kaum Interaktionsmöglichkeiten bieten, alles nur Fassade, schön anzusehen, mehr aber auch nicht.


Der Reiz eines Adventures, sich die Umwelt detektivisch näher zu erschließen, nicht unbedingt für das Weiterkommen benötigte Objekte zu untersuchen, in ein Fenster zu schauen, ein Schild näher zu betrachten usw., kommt leider im Spielverlauf etwas zu kurz. Schön, aber steril, auf die Formel könnte man es provokant reduzieren.

 

 

Auf gehts in Richtung Osten

Zunächst verläuft die Route mit dem Zug Richtung Osten in das fiktive Universitätsstädtchen Barockstadt, in der Hans früher einmal studiert hat und wo wir nun mit einigen kauzigen Herren Bekanntschaft machen. Man erfährt, daß das Verschwinden von Hans irgendetwas mit einem prähistorischen Mammut zu tun haben soll. Unser steter Begleiter wird der griesgrämige und pedantische Automat Oskar, seines Zeichens Lokomotivführer, dem immer irgendwas nicht paßt oder dem was fehlt (z.B. Ein Ticket oder zwei Arme), und der uns eigentlich nie so richtig hilfreich unterstützen kann: "I can’t do that, Kate Walker!"

 

Weiter geht es nach Komolzgrad, das die morbid-schmutzige Ausstrahlung einer verlassenen Fabrikstadt der Sowjetära umgibt, über die wieder sehr pittoresque, vornehme Gegend von Aralbad bis hin nach Sibirien, zu des Rätsels Lösung, die an dieser Stelle freilich nicht verraten wird. Ein wenig enttäuscht mag der geneigte Adventurespieler vom Schwierigkeitsgrad sein: Zumeist müssen nur (die wenigen) Personen aufgesucht und befragt und kleinere Aufgaben gelöst werden, die in ihrer Komplexität auch Anfänger nicht überfordern. Im Inventar befindet sich immer nur eine kleine und überschaubare Anzahl von Gegenständen.

 


Intuitive und eingängige Steuerung

Syberia wird komplett mit der Maus gesteuert. Mit der linken Taste nimmt man Gegenstände auf und redet mit Personen, mit der rechten öffnet man das Inventar – Das Handling erfordert praktisch keinerlei Einarbeitungszeit. Dialoge können mit einem Druck auf die Escape-Taste abgekürzt werden. Ein Doppelklick und Kate legt die teilweise langen Wege im Laufschritt zurück. Das ist komfortabel und bedienungsfreundlich! Keinerlei Überlegung bedarf es auch bei der Kombination von Inventargegenständen untereinander: es ist schlichtweg nicht möglich, leider, denn auch auf diese Art und Weise wird der geneigte Adventurespieler in seiner Kreativität und Tüftelfreude gebremst.

 


Ein Augen- und Ohrenschmaus

Die grafische Darstellung ist opulent und verwöhnt das Auge mit detailverliebten, naturgetreuen Schauplätzen in einer Auflösung, die wahlweise 16 oder 32 Bit Farbtiefe beträgt, und in denen sich Kate, ähnlich wie bei 'The Longest Journey' als 3D-Charakter in vorgerenderten 2D-Szenarien bewegt. Clipping-Unregelmäßigkeiten oder Ähnliches sucht man hier vergeblich. Dafür ist man oft wirklich beeindruckt von dem architektonischen Einfallsreichtum der gezeigten Landschaften und Gebäude.

 

Die melidiös eingängige und akzentuiert an den richtigen Stellen eingesetzte Musik unterstreicht die Atmosphäre ebenfalls gut, bei der Sprachausgabe hingegen gibt es einen Kritikpunkt: Die Stimme von Kate ist durchaus angenehm und passend, andere Personen im Spiel jedoch klingen etwas zu gestellt und übertrieben. Dafür ist die deutsche Lokalisation verantwortlich zu machen. In der amerikanischen Ausgabe kommen alle Aufnahmen nämlich sehr professionell und passend rüber. Die deutsche Übersetzung der Dialoge ist allerdings gut gelungen. Einige Male – das sei an dieser Stelle verraten – muß Kate auch über ihr Handy telefonieren. Zwischen ihrem tausende Kilometer entfernten Freund kommt es dann auch zu einigen unterhaltsamen Streitereien…


Galerien

Fazit:

Wertung: 80%

Seit kurzem steht bereits der Nachfolger 'Syberia 2' in den Regalen der Softwarehändler. Auch hier hat Benoît Sokal schon bekräftigt, daß er sich wie bei 'Syberia 1' eher als Komponist eines künstlerischen Gesamtkonzeptes sieht, wo er besonders in der grafischen Darstellung seine gesamten zeichnerischen Fertigkeiten und die Liebe zum Detai ausleben kann. Deshalb ist Syberia vor allem eines - eine außergewöhnliche und wunderbar in Bild und Ton präsentierte Geschichte.

Hardcore-Knobel-Denksportler werden hier wohl eher nicht auf ihre Kosten kommen. Wer aber schon länger mal wieder ein atmosphärisch überzeugendes Adventure ohne großes Frustpotential spielen möchte, oder sich als Einsteiger dem Adventuregenre nähern möchte, hat schon lange keine so gute Gelegenheit dafür erhalten wie mit Syberia.

geschrieben am 20.08.02, Marius Kalisch

Systemanforderungen Weitere Links
Win 95/98/2000/ME/XP
CPU mit 350 Mhz
64 MB Ram
3D-Grafikkarte
Soundkarte
400 MB freier Festplattenspeicher
16x CD-Rom
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Dieses Review gehört zu  Syberia.




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Kommentare 1
BTao
20.01.2014, 14:44

Tolles Review! in diesem Fall kommt das wohl etwas spät :). Ich lese Tests / Reviews meistens erst, wenn ich ein Spiel durchgespielt habe, um vorher nicht zuviel verraten zu bekommen. Also: Syberia habe ich heute auf der PS2 durchgespielt,... es ist tatsächlich sehr leicht,... und auch etwas langweilig. Zwischendrin dachte ich mir: "Wenn das so weitergeht, will ich Teil 2 und 3 auf keinen Fall spielen, " :D Auf der PS2 ist die Steuerung per Joypad wohl etwas störriger als auf dem PC, aber auf jeden Fall annehmbar. Die grafische Gestaltung ist wunderbar und verbindet sich fantastisch mit der musikalischen Untermalung, die sehr melancholisch daher kommt. Ein Manko war die Darstellung der Flüße. Die Soundkulisse bietet zwar ein herrliches Geplätscher, zu sehen bekommt man allerdings ein Standbild :(
Aber: Die Story, die Gestalung, die Idee der Automaten, der Sound und die kleinen mechanischen Rätsel - alles kommt so liebevoll daher, daß meine obigen Beschreibungen gar nicht mehr so ins Gewicht fallen. Ich habe meinen Job als Jung-Anwältin Kate Walker erfolgreich beendet, doch irgendwie mmmhhhh,... die Neugier an Syberia ist noch nicht gestillt. Genau das Gegenteil ist der Fall, sie beginnt gerade erst sich zu entwickeln. Erst wenn das Spiel zu Ende ist, möchte man mehr davon haben. Also 'Syberia 2' werde ich mir auch irgendwann vornehmen... :D


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