Reviews: Epanalepsis:

Epanalepsis


Vor rund einem Jahr startete Cameron Kunzelman seine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne für das minimalistische Adventure 'Epanalepsis'. Mit über 9.000 Dollar konnte das Ziel mehr als verdoppelt werden. Nun ist das etwas seltsame Spiel um drei verschiedene Charaktere erschienen, die jeweils im Abstand von 20 Jahren im selben Wohnblock leben und deren Geschichten irgendwie zusammenhängen. Warum 'Epanalepsis' etwas seltsam ist, verraten wir im Test.

 

Epanalepsis

 

 

Rachel, Anthony und die Maschine

Epanalepsis

Rachel hat nur hochprozentige Dinge im Kühlschrank

Im Jahr 1993 ist Rachel der erste Charakter, dessen Schicksal wir steuern dürfen. Rachel durchlebt jede Nacht den selben Traum, in dem sie durch einen Wald wandert. Doch diese Nacht ist etwas anders: Im Traum erscheint ihr eine seltsame Figur in einem roten Gewand. Aus dem Alptraum erwacht, lernen wir Rachel richtig kennen. Sie ist arbeitslos, trinkt gern und oft etwas über den Durst und hat ein Verhältnis mit ihrer (Ex-)Drogendealerin. Immerhin muss sie sich keine Sorgen um ein Dach über ihrem Kopf machen - Die Wohnung zahlen ihre Eltern.

Dann ist da Anthony, ein MMO-Spieler im Jahre 2013. Seine Wohnung ist wohl so ziemlich der Traum eines jeden Computerspielers. Im Regal stehen jede Menge rarer Spiele-Schachteln - Zum Spielen fehlt Anthony allerdings die Zeit. Seine neue High-End-Anlage hat er sich angeschafft, weil sie besser klingen soll. Musik hört er aber lieber über sein Telefon. Seine Zeit verbringt er überwiegend online in Computerspielen. Damit er sich das alles leisten kann, programmiert er hin und wieder Tools für zweifelhafte Geschäftspartner.

Epanalepsis

Ein MMO in Pixel.

2033 steuern wir schließlich einen Roboter in einem Cryo-Labor, der von Terroristen umprogrammiert wird, um die Welt zu befreien. Oder auch nicht.

Gemein haben alle diese Charaktere, dass sie irgendwann einer seltsamen Figur begegnen, die mitteilt, dass sie in einer Zeitschleife gefangen sind und immer wieder dasselbe machen - ohne sich selbst daran zu erinnern. Und dass sie ihre Entscheidungen gut durchdenken sollen, damit sie endlich aus dieser Zeitschleife herauskommen und die Welt zu einem besseren Ort werden kann.


Point & Click? Narrativ?

Epanalepsis

Nicht nur bei Rachel tauchen die Gegenstände erst auf, wenn sie benötigt werden

'Epanalepsis' wurde angekündigt als narratives Point- & Click-Adventure, in dem wir drei Charaktere in drei verschiedenen Jahrzehnten begleiten. Wir sollen die jeweilige Zeit und ihre Probleme erkunden können. So wirklich viel bleibt von der Ankündigung nicht über. Fangen wir mal mit den Rätseln an: Die fehlen nämlich komplett. Seine Schwierigkeit erlangt das Spiel durch die allgegenwärtigen Gremlins - Zumindest, wenn es nach Rachel geht. Denn diese Figuren sorgen dafür, dass Gegenstände genau dann auftauchen, wenn sie benötigt werden. Das ist nicht zu verwechseln mit dem 'Runaway'-Syndrom, in dem man Gegenstände erst einstecken kann, wenn sie benötigt werden. Nein, das Spiel hat sein ganz eigenes Syndrom. Rachel soll beispielsweise für eine Freundin Magazine zusammentackern. Dazu braucht sie einen Tacker und die Magazinseiten. Wo aber versteckt sich der Tacker? Rachel findet ihn in der Küche, auf dem Kühlschrank. Wenige Sekunden zuvor war dort: nichts. Weder ein Tacker, noch sonst irgendwas. Genauso ist es mit den Magazinseiten, die ebenfalls erst auftauchen, wenn Rachel sie benötigt. Das ist nicht schlimm, wenn man es weiß. Aber es verwundert schon arg, da Rachel allein ist in ihrer Wohnung und besonders dann, wenn man sich zuvor schon alle Räume genau angeschaut hat. Immerhin kann sich Rachel das Phänomen auch nicht erklären. Ein Inventar gibt es übrigens nicht. Das wird auf der Steam-Seite aber auch als "Feature" aufgeführt: "Ein Adventure ohne das Trauma und den Stress von Rätseln und Inventar".

Epanalepsis

Alle Charaktere werden per Cursor gesteuert

Kommen wir zur Steuerung: Point- & Click geht doch etwas anders. Zwar können wir mit der Maus auf die Gegenstände und Charaktere klicken und bekommen dann eine Erklärung, was das nun ist. Zumindest, wenn der Charakter in der Nähe des Objekts steht. Dorthin bewegen wir ihn per Tastatur. Wir benötigen aber nur zwei Tasten, denn es geht nur nach rechts oder links. Über eine dritte Taste speichern wir den Spielstand in einem zu Beginn gewählten Slot, dann gibt es noch eine Taste zum Umschalten zwischen Vollbild und Fenster.


Minimalistisch!

Epanalepsis

Stimmt.

Ähnlich minimalistisch ist auch die Story. Für das erste Durchspielen von 'Epanalepsis' braucht man rund zwei Stunden. In der Zeit schafft es das Spiel zwar, seine Geschichte zu erzählen. Viel Zeit zum Erkunden und Eintauchen in die Welt bleibt hingegen nicht. Und auch nach dem Spielen bleibt die Frage offen, was uns das Spiel eigentlich sagen will. Und will es das überhaupt? Den Charakteren haben wir jedenfalls nicht wirklich geholfen bei ihren Problemen. Immerhin gibt es ein paar Entscheidungen, die das Ende beeinflussen und die für Wiederspielbarkeit sorgen können.

Die Grafik könnte man als Retro bezeichnen, würde damit aber so ziemlich allen alten Spielen vors Schienbein treten. Den Vergleich zu aktuellen Titeln mit Retro-Grafik wie z.B. der 'Blackwell'-Reihe kann 'Epanalepsis' nicht standhalten. Im Gegenteil. Ja, es ist Pixel-Grafik. Aber schön anzusehen ist sie nicht, egal ob im Fenster oder Vollbild. Immerhin ist der Soundtrack ganz ordentlich.


Galerien

Fazit:

Wertung: 35%

Ist 'Epanalepsis' ein Spiel? Irgendwie ja, denn immerhin gibt es Interaktionen in ähnlicher Anzahl wie in einigen modernen Episoden-Spielen. Irgendwie aber auch nicht. Weil Gegenstände erst in der Grafik erscheinen, wenn man sie braucht, wird der Eindruck erweckt, dass man nur auf den richtigen "Weiter"-Knopf klicken muss. Das stimmt natürlich nicht, die handvoll Räume pro Charakter hätte man dennoch interaktiver gestalten können - ohne "Gremlins" als Ausrede. Immerhin bietet das Spiel einen gewissen Wiederspielbarkeitswert durch die verschiedenen Entscheidungen. Wenn man den Lösungsweg kennt und sich nur noch auf das Wesentliche konzentriert, erreicht man das neue Ende allerdings bereits nach rund 15 Minuten.

geschrieben am 10.06.15, Tobias Maack

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Dieses Review gehört zu  Epanalepsis.




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