Reviews: Downfall - Redux:

Downfall: Redux


'The Cat Lady' konnte mit seinen erwachsenen Themen und der expliziten Gewaltdarstellung einiges an Aufsehen erregen. Die Polen Harvester Games zeigten aber schon drei Jahre vorher mit 'Downfall', was für Spiele sie entwickeln wollen. Dieses Spiel haben sie jetzt noch einmal genommen und mit der Grafik der Katzenlady aufgepeppt. Zusätzlich fügten sie noch einiges an Content dazu, um das ganze Spiel abzurunden – ganz zu schweigen von einem anderen Ende. 

Der Name ist bei 'Downfall' Programm, denn das Ehepaar Ivy und Joe sind kurz vor der Trennung und versuchen ihre Beziehung zu retten. Dabei erfahren wir einige Probleme der beiden und wir bewegen uns immer näher am Rande des Wahnsinns. Bis wir völlig darin unterzugehen drohen.

 


Jugend

Jugend

Die Idylle trügt

Es beginnt wie ein idyllisches Sommermärchen. Der Jugendliche Joe spaziert die Straße entlang und lernt die kleine Ivy kennen. Natürlich interessiert er sich, auch wenn schon erste Zweifel aufkommen. Sie scheint ein bisschen schräg zu sein und mag Katzen sehr gern. Vielleicht macht sie das aber dann doch interessanter. Wie es bei diesen Geschichten so ist, kommt jedoch der kleine Bruder dazwischen. Der meint nämlich einen Koffer voll Geldscheine in der Baustelle nebenan gefunden zu haben. Natürlich glaubt man ihm nur schwer und fühlt sich genervt. Trotzdem gehen die drei auf die Baustelle, auch wenn der große Bruder Joe davor warnt, dass es dort gefährlich sei. Dort angekommen finden die drei eine große, rechteckige Betonplatte – ein schwarzes X prangt darauf. Der kleine Robbie hofft sofort auf einen Piratenschatz, aber was verbirgt sich wirklich darunter? Ivy und Robbie treten etwas zurück. Joe sucht sich eine Eisenstange und hievt mit einem kräftigen Ruck die Platte vom Sockel. Ach du meine Güte! Eine Kiste voller Handgranaten. Joe fordert seine Begleiter auf abzuhauen und es der Polizei zu melden, aber er hat nicht mit dem Spieltrieb des kleinen Bruders gerechnet. Dieser nimmt eine Granate als Trophäe und will sie verkaufen. Schlechte Idee, denn sie gleitet ihm aus der Hand und er wird in die Luft gesprengt. Das daraus folgende schwere Trauma schweißt die beiden Übriggebliebenen scheinbar zusammen.

Düster

Hotel

Nicht nur Ivy gefällt das Hotel nicht

'Downfall' springt dann um 20 Jahre in der Zeit nach vorn. Nach diesem Ereignis werden uns außerdem die Farben entzogen und wir sehen nur noch Graustufen. Nur eine Farbe schafft es dann immer wieder: Rot. Manchmal in Form des kleinen Anhängers bei Ivy, einer Zierschnalle auf einem Gürtel oder dem viel häufiger vorkommenden Blut. Die Düsterheit zieht sich nämlich nicht nur durch die detailreich gezeichnete, sehr schöne Grafik, sondern auch durch die Spielhandlung. Blut kommt in Unmengen vor. Aber auch die Themen des Spiels zeigen, dass es sich hier um ein Spiel für Erwachsene handelt. Essstörungen, Depressionen, Wahnsinn, Sadismus, Folter, Mord sind einige dieser Themen. Der Grafikstil unterstreicht dabei noch einmal die Düsternis und schnell merkt man, dass im Spiel nichts vollkommen normal ist. Das Hotel Quiet Haven ist alles andere als eine ruhige Zuflucht. Unterstrichten wird diese feindliche Atmosphäre durch die Hintergrundmusik. Diese weist eine Bandbreite auf, die selten so eingesetzt wird. Elektronische Klänge vermischen sich mit Jazz und Heavy Metal. Je nach Spielsituation passt sich die Musik an. Gewalt und Panik werden mit Heavy Metal begleitet. Nostalgische Elemente sind eher dem Jazz zugewandt. Elektronische Klänge gibt es vor allem zu Beginn, als noch vieles in Ordnung schein. Doch der Name ist bei 'Downfall' Programm – schnell blicken wir hinter die Idylle.

Gewöhnungsbedürftig

Steuerung

Eigenwillig, aber effizient: Die Steuerung

Harvester Games zeigt von Anfang an, dass das Spiel keinesfalls den üblichen Standards entspricht. Grafikdesign, anspruchsvolle Themen und Musik zeugen schon davon, dass nicht jedermann damit zurechtkommen wird. Ähnlich sieht auch die Steuerung aus. Während sie bewusst auf eine 2D-Darstellung der alten Schule setzen, verzichten sie völlig auf die Maus. Stattdessen bewegt man sich wahlweise mit den Pfeiltasten oder WASD. Man kann sich aber nur nach links/rechts bewegen. Die Pfeiltaste nach oben lässt uns mit Gegenständen, Türen oder Treppen interagieren. Dabei erscheint ein kleines Menü mit verschiedenen Möglichkeiten, wie Ansehen, Betreten oder ähnlichem. Die Pfeiltaste nach unten öffnet das Inventar. Die Eingabetaste bestätigt nur eine Auswahl. Simpel, aber anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Nach ein wenig Einspielzeit geht das System aber leicht von der Hand und ich konnte mich dann doch sehr effizient durch das Spiel bewegen und rätseln.

Schräg

Die Katz

Das-Katz-und-Maus-Spiel beginnt

Als klassisches Adventure verwendet 'Downfall' auch klassische Puzzles. Diese sind aber immer perfekt in die Spielwelt eingefügt und wirken nie fehl am Platz. Trotzdem sind manche Rätsel etwas verrückt oder gar morbide. So sucht man nach einem Schlüssel, findet ihn kurzerhand, aber eine Katze frisst ihn. Los geht die Jagd nach der Katze. Manche führen zum Ableben anderer Figuren. Das schrägste Rätsel ist wahrscheinlich ein Smoothie mit fragwürdigen Substanzen. Diese passen aber alle zum Setting und fügen sich nahtlos in die Story ein. Der Schauplatz des Spiels, das Hotel Quiet Haven, besteht nur aus sechs Stockwerken, einem Außenareal und einem deutlich kleineren anderen Gebäude. Deswegen muss man in den fünf bis sechs Stunden Spielzeit durchaus auch öfter dieselben Räume durchforsten und Charaktere erneut aufsuchen. Dank der abwechslungsreichen Gestaltung dieser und teilweise auch veränderlichen Umgebung, stört dies aber nicht weiter. Die Ausgewogenheit der Rätsel brilliert hier, denn selten führen einfache Lösungen zum Ziel. Meist muss man doch ein wenig seinen Kopf anstrengen, um auf die Lösung zu kommen und diese dann auch verwirklichen können. Erfreulich, dass in 'Downfall' nicht nur einfachste Rätsel zu finden sind.

Fragwürdig

Sprachausgabe

Auch die Sprecher schreiben manchmal - nicht nur zu passenden Momenten

Streiten kann man sich über die Sprachaufnahmen und die Sprecher selbst. Joe beispielsweise wirkt recht professionell, wenn auch teilweise etwas unterkühlt. Andere hingegen zeigen übertrieben starke Gefühle und schreien fast. Dabei fällt auf, dass auch das Aufnahmeequipment dem Budget zum Opfer gefallen sein muss. So sind manche Sprachaufnahmen grausam übersteuert, verzerrt oder hallen etwas. Ebenso ändert sich die Lautstärke der Sprecher. Es scheint fast, als würden sie nicht immer gleich weit vom Mikrofon entfernt sitzen. Schade eigentlich, denn vor allem zu Beginn passieren diese Fehler relativ häufig und man ist durchaus versucht das Spiel ohne Sprache zu spielen. Dabei geht aber einiges an Atmosphäre verloren. Glücklicherweise werden nach ein bis zwei Stunden die Aufnahmen deutlich besser und nur noch selten wirken sie fehl am Platz. Leider gibt es das Spiel weder mit deutschen Untertiteln oder deutscher Sprache. Es wäre aber aufgrund der Thematik und des sehr eng zugeschnittenen Publikums auch fraglich in wie weit sich das lohnen würde. Man sollte sich auf jeden Fall auf den einen oder anderen englischen Fluch vorbereiten.

Atmosphärisch

Sophie

Schräg und gruselig

Die große Stärke des Spiels ist aber die Thematik und die herausragende Atmosphäre. Durch diese bewusst bedrückende und teilweise verrückte Spielwelt muss man etwas Distanz mitbringen. Nach dem Spielen war zumindest ich doch eher nachdenklich gestimmt – aber im positiven Sinne. Harvester Games versucht bewusst dem Spieler schwierige Themen hinzuwerfen und zwingt ihn so, sich damit auseinanderzusetzen. Dabei gelingt es den Entwicklern eine hervorragende Atmosphäre zu generieren und ich versuchte mich in die Charaktere hinzuversetzen. Leider liegt hier auch die große Krux des Spiels. Bereits ab der Hälfte weiß man, was ungefähr vorgeht und worauf das Spiel hinauslaufen wird. Es passieren zwar noch einige, kleine Überraschungen, aber in Wirklichkeit ist das große Rätsel schon zur Mitte gelöst. Bei einem anspruchsvollen Spiel ist es immer schwierig zu sagen, ob es Spaß macht – ganz ähnlich wie bei Filmen oder Büchern. Spannend ist es auf jeden Fall, es schafft auch trotz der durchsichtigen Story bei der Stange zu halten und bis zum Schluss erschien es mir lohnenswert weiterzuspielen. Schlussendlich lebt das Adventure von den gut geschriebenen Charakteren mit ihren Ecken und Kanten. Diese geleiten uns durch die Spielwelt. Der Weg durch diese entpuppt sich als ein blutigen Horror-Trip. Im positiven Sinn.


Galerien

Fazit:

Wertung: 79%

Nach dem Spiel fühlte ich mich richtig ausgepumpt. Nachdenklich musste ich noch einmal das Spiel Revue passieren lassen und die enthaltene Botschaft noch einmal aufsaugen. Wenige Spiele schaffen das auf so eine intensive Art. Dabei verzichtet Harvester Games auf eine moderne 3D-Grafik, ausgefallene Steuerung oder gar einem großen Budget für Sprecher. Die ersten beiden Entscheidungen gehen in Ordnung und fördern die Atmosphäre sogar. Die letzte hat das Spiel für mich vor allem anfangs fast zerstört. Nichtsdestotrotz schafft die starke Atmosphäre es, darüber hinwegsehen zu können. Die gut geschriebenen Charaktere, die realen, aber unschönen Themen und auch die schonungslose Darstellung dieser schafft es geradezu zu fesseln. Leider bricht sie gegen Ende etwas ein, weil dann schon klar ist, was wirklich Sache ist. Dadurch verlor ich auch die enge Bindung zu den Charakteren ein wenig. Harter Tobak, der aber sehr empfehlenswert ist. Wer kein Feind von anspruchsvollen Spielen ist, sollte einen Blick auf 'Downfall'. Spannend ist es auf jeden Fall, aber es erdet einen selbst wieder ein bisschen.

Fazit von Matthias Glanznig: 'Downfall Redux' bietet eine gute Geschichte und eine noch bessere Atmosphäre. Ein abwechslungsreiches, intensives Spiel, das auf visueller Ebene stets für kreativen Ekel gut ist und sich auch so positiv vom breiten Horror-Rest abhebt. Und eins muss man tatsächlich sagen: im Vergleich zum Original hat sich sehr viel gebessert und geändert. Inhaltlich bevorzuge ich das im gleichen Universum spielende 'The Cat Lady', aber bei den Horror-Aspekten hat 'Downfall' meine Stimme. Leider bluteten mir bei der Sprachausgabe zumindest in der ersten Stunde ordentlich die Ohren. Danach wird es besser, aber wenn man bereits im neu dazugekommenen Prolog mit unglaubwürdigen Sprechern und teilweise schlechter Akustik torpediert wird, ist das eine verdammt ungünstige Ausgangslage. Letztlich sind das die Meter, die 'Downfall' am Ende fehlen, um ein echter Volltreffer zu sein. Schade. Wer sich von der Sprachausgabe nicht beirren lässt und diese Art von abgedrehtem Horror-Adventure mit dichter Story zu schätzen weiß, der sollte dennoch zuschlagen.

geschrieben am 21.02.16, Peter Färberböck

Systemanforderungen Weitere Links
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Dieses Review gehört zu  Downfall.




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