Reviews: 2064: Read only memories:

ROM: Read ony Memories


'Read only Memories' entstand aus einer erfolgreich beendeten Kickstarter-Kampagne. Hinter dem Sci-Fi-Adventure im Retro-Look steckt der Entwickler Midboss, der auch die GaymerX ins Leben rief, eine Spielemesse, bei der Homo-, Bi-, und Transsexuelle im Mittelpunkt stehen. Und auch in 'ROM' geht es viel um Anerkennung und Toleranz gegenüber anderen. Was die Cyberpunk-Geschichte noch bietet, verraten wir im Test.

 

Read only Memories

 

2064, kurz vor Weihnachten...

Read only Memories

Neben einer Entführung stehen auch philosophische Fragen im Vordergrund

Das Spiel überrascht mich gleich zu Beginn mit einer Tätigkeit, die mir nur zu gut bekannt vorkommt. In meiner kleinen, chaotischen Wohnung sitze ich am Rechner und schreibe einen Test für ein Online-Magazin. Anders als in der Realität ist mein Alter-Ego im Spiel aber auf die Tests angewiesen, denn sie sind die einzige Einnahmequelle für das chronisch leere Konto. Es ist spät geworden, als ich den Test fertig habe und somit geht es direkt ins Bett. Während mein Spielcharakter träumt, sehe ich am Monitor, wie ein kleines Männchen einbricht und seelenruhig auf den nächsten Morgen wartet. Verwundert reibt sich mein Spiel-Ich die Augen: Wo kommt denn der ROM her? ROMs sind Relationship and Organizational Managers, also Roboter, die den Menschen verschiedenste Aufgaben abnehmen, meist gebaut von der Technologie-Firma Parallax, für die auch Hayden arbeitete. Dieser hier nennt sich Turing und fragt mich auch nach meinem Namen, den ich im Spiel frei wählen kann. Turing stellt sich als Erfindung meines alten Freundes Hayden Webber vor, zu dem ich schon lange keinen Kontakt mehr habe. Aber Hayden steckt in Schwierigkeiten, wie Turing berichtet. Er wurde Zeuge, wie sein Erbauer entführt wurde. Er selbst konnte entkommen und prüfte Haydens Kontakte auf mögliche Helfer. So kam er auf mich. Und so beginnt ein Krimi, in dessen Verlauf Turing und ich über verschiedenste Verbrechen stolpern. Eine Reihe von ungeklärten Todesfällen bildet da nur den Anfang. Bald untersuchen wir auch einen Hacker-Angriff auf das gesamte Datennetz und wittern eine große Verschwörung, die das Leben gänzlich verändern könnte.


Die Zukunftswelt

Read only Memories

Ja, selbst mit Eisbären können wir kommunizieren

In der Welt, wie 'Read only Memories' sie zeichnet, sind LGBT-Charaktere keine Seltenheit mehr. Ich darf mich entscheiden, ob ich ein "Er", eine "Sie" oder etwas anderes sein möchte. Sei es das schwule Barkeeper-Pärchen oder die mit der Schwester des Spielers liierte Polizistin - hier ist die Gleichberechtigung aller endlich am Ziel. Allerdings nur, solange es sich dabei um unveränderte Menschen handelt. Denn die Genforschung hat enorme Sprünge gemacht. Da werden Hautkrankheiten mit Hai-Genen behandelt und die Nebenwirkungen davon mit Genen von Katzen entschärft. Das ergibt dann einen Menschen mit seltsamer Haut und Katzenohren. Auch das ist in Neo-San Francisco an der Tagesordnung. Genauso wie technische Implantate und natürlich die ROMs, denen man an jeder Ecke begegnet. So intelligent wie Turing sind sie jedoch nicht, denn Turing war eine geheime Privatentwicklung unseres verschwundenen Freundes. Ob das der Grund für die Entführung ist? Und steckt vielleicht die Human Revolution hinter der Geschichte? Diese Aktivisten sind gegen den uneingeschränkten Einsatz von Technik im und am Menschen und versuchen, auf die Gefahren hinzuweisen. Dabei schlagen sie auch immer wieder einmal über die Stränge und liefern sich erbitterte Kämpfe mit den Hybriden - Menschen, die durch Gentechnik modifiziert wurden und die ihrerseits um Anerkennung und Gleichberechtigung und gegen Vorurteile kämpfen. Zwischen den Fronten steht die inzwischen privatisierte Polizei, die mehr hinter den Interessen der alles beherreschenden Technologie-Firma Parallax zu stehen scheint, als hinter dem Gesetz.

Read only Memories

Alle Charaktere haben eine eigene Geschichte.

Jeder der Charaktere, in denen wir in Neo-San Francisco begegnen, hat eine eigene Geschichte und Tiefe, wie es sie nur selten in Adventures gibt. Je mehr wir mit ihnen reden, desto tiefer können wir in die futuristische Welt eintauchen. Weitere Informationen stellt Turing für uns zusammen, wenn wir es wünschen. Ja, es gibt sehr, sehr viel englischen Text zu lesen. Der erzählt wirklich eine gute Geschichte und zeigt eine spannende Zukunftsvision auf. Ja, man kann sich schon vorstellen, dass die Welt eines Tages so oder so ähnlich funktioniert. Das ist durchaus eine der Stärken von 'Read only Memories'.


Retro-Optik

Read only Memories

Die Retro-Grafik ist sehr stimmig.

Die Kickstarter-Kampagne war angekündigt als ein "Tribut an die Adventures der 1990er-Jahre". Uns erinnert die Pixel-Grafik jedoch eher an die 1980er-Jahre - was nicht schlecht sein muss, denn die Optik ist insgesamt stimmig. Um unsere Gesprächspartner überhaupt zu erkennen, gibt es eine Nahansicht, die neben dem Hauptbild eingeblendet wird - Die ist aufgrund der groben Auflösung auch wirklich sinnvoll.

Der Soundtrack bietet mit insgesamt 50 Stücken einige Abwechslung, war für mich aber kein besonderes Highlight. Sprachausgabe gibt es nur im Intro und ganz am Ende des Spiels, ansonsten gilt es Texte zu lesen, die Buchstabe für Buchstabe eingeblendet werden. Das kann bei den oft sehr langen Texten durchaus dauern. Abkürzen kann man das per Tastendruck oder Mausklick, die Geschwindigkeit der Texte kann im Menü eingestellt werden. Schöner wäre es dennoch gewesen, den Text direkt als Ganzes auszugeben.


Fehlt da nicht noch etwas?

Read only Memories

Eines der Rätsel.

Was - außer dem Lesen von viel Text - macht nun aber der Spieler? Die meiste Zeit bin ich tatsächlich damit beschäftigt, den Text weiterzuklicken. Findet mal kein Dialog statt, kann ich mich in der Gegend umschauen, Gegenstände benutzen, mit Dingen aus dem Inventar kombinieren oder neue Gespräche anfangen. Zu nahezu jeder Aktion weiß mein Robo-Sidekick Turing etwas zu berichten. Und ich darf schon wieder Text weiterklicken. Hin und wieder gibt es auch mal sowas wie Rätsel. Da muss ein Passwort eingegeben werden, das im selben Raum an der Wand steht und danach dann noch ein Code erraten werden. Oder ich muss andere Charaktere davon überzeugen, Turing und mir zu helfen. Das passiert nahezu immer in Multiple-Choice-Dialogen. Vergeige ich es, geht es trotzdem weiter, denn das Spiel bietet mehr als nur einen Weg zum nächsten Ziel. Das zeigt mir Turing übrigens immer komfortabel in meiner Karte an. Nur einmal allerdings habe ich wirklich die Wahl, einen ganz anderen Weg zu gehen: Zu Beginn eines Kapitels muss ich mich festlegen, welchem Auftrag ich zuerst nach gehe. Den übrig gebliebenen hole ich dann im nächsten Kapitel nach. Zum Schluss folgen dann noch einige anspruchslose Action-Sequenzen, ehe das Spiel eines der unterschiedlichen Enden präsentiert, die sich aus dem Spielverlauf ergeben.


Galerien

Fazit:

Wertung: 50%

Wieviel Interaktivität braucht es, um ein Adventure zu sein? Aktuelle Titel von Telltale oder auch 'Life is Strange' werden immer mehr zum interaktiven Film, dürfen sich aber auch Adventure nennen. Ähnlich ist es auch hier. Nach rund zehn Stunden in Neo-San Francisco habe ich zwar eine interessante Geschichte gelesen (anders kann man es leider nicht sagen), ein Gefühl von Interaktivität kam nicht wirklich auf. Das liegt nicht einmal daran, dass es nur sehr wenige echte Rätsel gibt - das war bei 'Life is Strange' auch nicht anders. Eher ist es, dass mir mein Weg durch die Geschichte immer vorgegeben wird. So laufe ich zwar nie Gefahr, stecken zu bleiben. Dafür fühle ich mich aber wie in einem Graphic-Novel, nicht aber wie in einem Adventure - als solches wird 'Read only Memories' angeboten und muss sich daher auch den Kriterien stellen. Wer Cyberpunk und Retro-Optik mag und kein Problem mit langen, englischen Texten hat, kann mal einen Blick riskieren. Wer hingegen ein richtiges Adventure erwartet, liegt hier falsch. So erreicht 'Read Only Memories' die Punktzahl fast ausschließlich für seine wirklich gute Geschichte mit den tiefgründigen Charakteren.

geschrieben am 05.04.16, Tobias Maack

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Dieses Review gehört zu  2064: Read only memories.




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Kommentare 3
Frank booth
05.04.2016, 18:46

Sehr gute Review. Trifft sich ziemlich gut mit meiner Einschätzung. Leider viel zu wenig Gameplay.

Indiana
05.04.2016, 19:41

Danke :)

RoccoZocko
06.04.2016, 18:53

Ja, den Eindruck hatte ich auch. Habe es nicht geschafft, das Spiel durchzuspielen, weil das "Gameplay" einfach viel zu eintönig ist. Dabei finde ich das Setting wirklich super.


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