Reviews: The Bunker:

The Bunker


FMV erlebt noch immer eine kleine Renaissance. Nicht zuletzt AAA-Projekte, die bekannte Schauspieler verwenden und per Facial Capturing (detaillierte Aufnahme der Gesichtsbewegungen) ins Spiel bringen, zeigen diesen Trend auch indirekt. Der britische Entwickler Splendy Interactive hat sich auf dieses Genre spezialisiert und produziert ausschließlich Live Action Spiele. Gemeinsam mit Wales Interactive bringen sie heute, am 20. September, 'The Bunker'heraus. Dabei setzen sie ausschließlich auf Videoaufnahmen in einem echten Atombunker – ohne computergenerierte Effekte und Motion Capturing. Um dies glaubwürdig umzusetzen, greifen sie auf ziemlich bekannte Schauspieler zurück: Adam Brown ('The Hobbit') und Sarah Greene ('Penny Dreadful'). Außerdem schrieb eine ganze Riege an bekannten Autoren am Film mit. Der Bekannteste für Adventure-Fans wird Steve Ince ('Baphomets Fluch') sein. Sehen wir uns das Spiel um den Atombunker genauer an.

 

 

 

Das triste Leben im Atombunker

John

Einsam und allein

Wir schlüpfen in die Rolle von John (Adam Brown). Seine Mutter Margaret (Sarah Greene) liegt im Sterben. Er ist somit alleine in 'The Bunker'. Die anderen Menschen sind auch längst tot. Somit liegt es in seiner Verantwortung täglich die gleiche Routine abzuarbeiten: Vitamine nehmen, Strahlung messen, per Funkgerät nach Signalen suchen, System Check des Computers, Essen und der Mutter etwas vorlesen. John wuchs im Bunker auf und ist durch das gestörte Umfeld zum Teil noch ein Kind. Er leidet unter Panikattacken und hat Angst vor den unteren Ebenen des Bunkers. Wie soll es auch anders kommen und eines Tages passiert das Unvorhersehbare. Die Systeme fallen aus und John muss sich in die gefürchteten unteren Stockwerke wagen. Er dringt immer tiefer vor und langsam kommen verdrängte Erinnerungen hervor. Im Atombunker gab es grauenvolle Ereignisse.

 


Der innere Konflikt

Adam Brown

Adam Brown zeigt sein Können

Im Verlauf des Spiels werden die Umstände im Bunker immer klarer und durch Sammelobjekte, wie Tonbänder, Computerlogs oder kleine geschnitzte Figuren wird die Handlung immer dichter. Auch geheime Dokumente oder einfache Log- und Tagebücher lassen John und somit auch uns die vergangene Zeit im Bunker gut rekonstruieren. Im Zentrum steht John und sein teils erwachsenes, teils kindliches Verhalten. Er trägt eine ungemeine Verantwortung, aber auch ein Geheimnis mit sich, das uns bis ans Ende des Spiels begleitet. Der Atomkrieg ist jedenfalls schlimmer als erwartet gewesen. Die Bunker sind der starken Strahlung außerhalb kaum gewachsen gewesen und die Nahrungsmittel waren überall zu knapp. Nach außen gibt es keinerlei Kontakt.

 

Mutter

Die Mutter hat starken Einfluss auf John

Mittels Rückblenden erleben wir Johns Geburt und Kindheit in den Anfängen des Bunkers. Die klaustrophobische Atmosphäre wird gut herübergebracht. Ebenso spürt man regelrecht, wie die Insassen in ständiger Angst und Anspannung leben. Der junge John wird vom Commissioner, dem Vorstehenden des Bunkers, und von der Mutter stark beeinflusst. Vorm Vorsteher hat er große Angst, der Mutter steht er ungemein nahe. Selbst am Anfang des Spiels, wo er ungefähr 30 Jahre alt ist, spürt man diese Mutter-Kind-Beziehung noch ordentlich. Dieser starke Konflikt weiß zu unterhalten, aber ist auch immer wieder etwas anstrengend. Man spielt doch über die gesamte Zeit ein Muttersöhnchen, das vermeintlich alleine auf der Welt und kaum überlebensfähig ist. Ein Abweichen vom strengen Zeitplan und den strengen Regeln scheint für ihn nahezu eine Katastrophe zu sein. Wer mit dieser Art Protagonist zurechtkommt, sieht eine altbekannte Erzählweise. Das Spiel zeigt eine übliche Coming-of-Age Geschichte, die um Jahre verspätet einsetzt. Adam Brown spielt seine Rolle als John hier sehr überzeugend. Einmal ist man eher ungeduldig mit John, ein anderes Mal fühlt man wieder absolutes Mitleid. Ungefähr drei Stunden braucht man für das Spiel und währenddessen gibt es nur eine Entscheidung am Ende des Spiels. Ganz klar will 'The Bunker' also mit seinem Hauptcharakter und die Geschichte um ihn überzeugen.
 


Minimalismus

Interaktion

Der weiße Punkt

Das FMV-Adventure zeigt von Anfang an, dass es mit möglichst wenig Effekthascherei zum Ziel kommen will. Ebenso spiegelt das die Steuerung des Spiels wieder. Man schickt John ganz klassisch mit simplen Mausklicks durch eine Tür oder den Gang durch den Bunker. Zwischendurch sieht man dann als Sequenz John beim Öffnen der Tür oder Gehen. Manchmal muss man noch intuitiv einen weißen Punkt in einen schwarzen Punkt schieben – beim Tür öffnen schlicht und einfach nach unten. Bei Phasen, die Anstrengung vermitteln sollen, kommt man mehrmaliges Klicken auf so einen Punkt wieder. Bei zeitkritischen Elementen muss man innerhalb weniger Sekunden auf den entsprechenden Punkt klicken. Innovationen sucht man hier also vergeblich. Spielerisch bietet also 'The Bunker' fast gar nichts. Es ist ein typischer interaktiver Film. Ebenso kommen nur sehr minimalistische Rätsel vor. Nur wenige Male im Spiel heißt es so etwas zu lösen, das ein Rätseln sein könnte. Auch hier setzen die Briten ganz klar auf einfache Elemente und die Lösung ist stets sehr naheliegend – vor allem für Fans von Adventures. So heißt es eine Sicherung in einem Sicherungskasten zu wechseln oder ein Codeschloss an einer Tür zu öffnen.
 


Düster

Commodore

Die Geräte sind authentisch

Die Bildgebung und der Ton wollen das postapokalyptische Szenario unterstreichen und versuchen so besonders düster und auch etwas schäbig zu wirken. Die Kleidung der Figuren ist altmodisch, der Putz der Wände bröckelt schon ab und alles wirkt doch ziemlich dreckig. Während die Kleidung auf die 60er oder 70er schließen lässt, ist das Equipment des Bunkers eher auf die 80er getrimmt. So findet man den einen oder anderen Commodore Rechner, aber auch einen PC mit 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk. Rechnet man von der heutigen Zeit 30 Jahre zurück, passt die Mitte der 80er ganz gut. Zur Atmosphäre trägt auch der surreal wirkende Soundtrack bei, der die Stimmung gut untermalt. Alles Dinge, die zu einem Atomkrieg des späten Kalten Krieges und der entsprechenden bedrückenden Stimmung gut passt.


Galerien

Fazit:

Wertung: 76%

Zählt im Review das Vorkommen von »gut« (ganze 5 Mal), merkt man schon in welche Qualitätsrichtung das Spiel geht. Es weiß atmosphärisch zu überzeugen und ist auch ziemlich spannend erzählt. Gleichzeitig hat man aber immer wieder das Gefühl, dass man so etwas Ähnliches doch schon einmal gesehen hat. Dazu kommt der Hauptcharakter John, der mir schlichtweg unsympathisch war. Panikattacken verhindern ein Weiterkommen und seine eigene Schwäche und Abhängigkeit ist dem Spieler ständig klar. Ganz klar wurden diese Eigenschaften bewusst gewählt und werden auch richtig überzeugend vermittelt. Den Hut kann man nur vor der schauspielerischen Leistung von Adam Brown ziehen, der seine Rolle überzeugend wiedergibt. Für mich waren es schließlich dann zu wenig interaktive Elemente, um es in den Olymp der sehr guten Spiele zu heben. Für FMV-Fans führt ohnehin kein Weg vorbei, denn selten sieht man so professionelle Schauspieler in einem Spiel. Alle anderen müssen sich ins Bewusstsein rufen, dass Interaktivität an letzter Stelle steht und der Charakter von John dem Spieler liegen muss. Es bleibt ein gut gemachtes FMV-Adventure, das schon Lust auf mehr Spiele dieser Art von Allan Plenderleith und seinem Studio macht.

geschrieben am 20.09.16, Peter Färberböck

Systemanforderungen Weitere Links
Betriebssystem: Windows 7 64-bit Prozessor: Core i3 / AMD A6 2.4Ghz Arbeitsspeicher: 2 GB RAM Grafik: NVIDIA GeForce GTX 260 / AMD Radeon HD 5750. OpenGL 3.3 DirectX: Version 11 Speicherplatz: 5 GB verfügbarer Speicherplatz Webseite
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